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Das Logo der Filmförderung

Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein GmbH (FFHSH) ist die Filmförderinstitution der beiden Länder Hamburg und Schleswig-Holstein; Sitz ist Hamburg. Sie entstand 2007 aus der Fusion der FilmFörderung Hamburg GmbH und der MSH – Gesellschaft zur Förderung audiovisueller Werke in Schleswig-Holstein.

Inhaltsverzeichnis

AufgabenBearbeiten

Die Aufgabe ist es, Kinofilme und Fernsehproduktionen aller Genres zu unterstützen: vom ersten Drehbuchentwurf über die Produktion bis hin zum Verleih und Vertrieb sowie der Festivalpräsentation.

Jährlich stehen Fördermittel in Höhe von ca. 12,8 Mio. Euro zur Verfügung.[1] Zwei Gremien, bestehend aus erfahrenen Branchenkennern, entscheiden je dreimal jährlich über die Vergabe der Mittel: Gremium 1 ist für Produktionen mit Herstellungskosten über 800.000 Euro zuständig, Gremium 2 entscheidet über Projekte mit einem Produktionsvolumen von bis zu 800.000 Euro. Entscheidungskriterien für eine Förderung sind u. a. die inhaltliche Qualität des jeweiligen Projektes sowie ein regionaler Bezug. Hierzu gehören z. B. die Stärkung der Drehregion Hamburg Schleswig-Holstein sowie die Nutzung von ansässigen Fachkräften und filmtechnischen Betrieben.

Als eigenständiger Förderbereich agiert die Filmwerkstatt Kiel der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein mit jährlich zwei Einreichterminen und einem Fördervolumen von ca. 250.000 Euro. Aktuell ist die FFHSH Partner in zwei EU-Projekten: Cross Motion ist ein EU-gefördertes Projekt zur Stärkung der Zusammenarbeit der AV- und Videogames-Branche, Create Converge hingegen sucht nach Schnittstellen, Übergängen und Potentialen zwischen den Sektoren Lernen, Wissen und Unterhaltung sowie Nutzung von neuen audiovisuellen Technologien im spielerischen Umgang für Lern- und Bildungserfolge.[2]

Mit der Film Commission (FCHSH) bietet die FFHSH zudem eine zentrale Anlauf- und Informationsstelle für Anfragen zu Dreharbeiten in Hamburg und Schleswig-Holstein.[3]

Zu den von der FFHSH unterstützten Projekten zählen Produktionen wie Aus dem Nichts (Gewinner Golden Globe 2018)[4] und Gegen die Wand (Gewinner des Goldenen Bären, Berlinale 2005) von Fatih Akin, Systemsprenger (Gewinner des Silbernen Bären, Berlinale 2019)[5] von Nora Fingscheidt und 3 Tage in Quiberon (7 Auszeichnungen beim Deutschen Filmpreis 2018)[6] von Regisseurin Emily Atef. Internationale Koproduktionen wie Roman Polanskis Der Ghostwriter (2010) gehören ebenso ins Förderportfolio der FFHSH wie die Unterstützung unabhängiger Dokumentarfilmer wie z. B. Monika Treut, Christian Bau, Thomas Tielsch sowie die Stärkung des regionalen Filmnachwuchses.

ServiceBearbeiten

Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein GmbH verfolgt aktuelle Entwicklungen auf dem Film- und Fernsehmarkt und bietet mit zahlreichen Veranstaltungen und Seminaren zu branchenrelevanten Themen wie Filmfinanzierung, Film und Recht und Digitalisierung Produzenten und Filmemachern Orientierung und konkrete Hilfe. Die Veranstaltungsreihe „Film im Gespräch“ in Kooperation mit dem Hamburger Abaton Kino präsentiert außerdem regelmäßig aktuelle Förderprojekte und lädt im Anschluss an die Vorführung zu einem Publikumsgespräch mit dem jeweiligen Regisseur, Produzenten und/oder anderen Produktionsbeteiligten ein. Auch international verfügt die FFHSH über ein breites Netzwerk, hilft Filmemachern bei der Kontaktaufnahme zu ausländischen Produzenten und unterstützt so die Entwicklung internationaler Koproduktionen.

Die Filmwerkstatt Kiel (FWHSH) fördert unter dem Dach der FFHSH u. a. mit der Bereitstellung von technischem Equipment, mit regionaler Nachwuchsarbeit und Festivalförderung die kreative Szene in Schleswig-Holstein.

Die Film Commission (FCHSH), die mit Büros in Hamburg und Kiel vertreten ist, berät Produzenten aus dem In- und Ausland in allen Fragen rund um den Dreh in der Nordregion, hilft bei der Motivsuche, vermittelt Ansprechpartner und Kontakte zu Branchenfachleuten, Behörden und Dienstleistern.

ChronikBearbeiten

Die Geschichte der FFHSH geht auf die Entwicklung unterschiedlicher Filmfördersysteme in Hamburg und Schleswig-Holstein seit Ende der 1970er Jahre zurück.

1979 etablierten bekannte Filmschaffende wie Hark Bohm, Wim Wenders, Werner Herzog, Reinhard Hauff und Volker Schlöndorff in Hamburg das „Filmfest der Filmemacher“ und veröffentlichen die „Hamburger Erklärung“ gegen die Fremdbestimmung des deutschen Films durch Institutionen und Interessengruppen. Zu diesem Zweck wird im selben Jahr das Hamburger Filmbüro e.V. gegründet. Erste Geschäftsführerin ist die spätere Produzentin Helga Bähr.

1980 beschloss die Hamburgische Bürgerschaft eine kulturelle Filmförderung. Die Fördergelder, die die Kulturbehörde bereitstellt, werden über das Hamburger Filmbüro e.V. an die Filmemacher selbst ausgezahlt. Zwei Jahre später wird mit dem Filmförderausschuss der Wirtschaftsbehörde auch eine wirtschaftliche Filmförderung installiert, die Fördermittel werden an Produzenten vergeben.

1988 erfolgte die Umbenennung des Filmförderausschusses in Film Fonds Hamburg, dessen Geschäftsführung Dieter Kosslick, der heutige Intendant der Internationalen Filmfestspiele Berlin, übernahm. Die Geschäftsführung des Filmbüros, die seit 1983 bei Dieter Kosslick lag, übernahm Torsten Teichert.

1989 gründeten das Hamburger Filmbüro und der Film Fonds Hamburg das VertriebKontor als gemeinsame Plattform für Verleih- und Vertriebsförderung. Im selben Jahr entsteht im nördlichsten deutschen Bundesland der Verein Kulturelle Filmförderung Schleswig-Holstein, dessen Ziel die regionale Förderung filmkultureller Arbeit durch Beratung, finanzielle Unterstützung und Weiterbildung ist. Angeschlossen wurde die produktionsorientierte Filmwerkstatt in Kiel unter der Leitung von Bernd-Günther Nahm, in Lübeck entsteht außerdem das Filmbüro.

1993 wurde unter der Leitung von Andrea Kunsemüller die MSH – Gesellschaft zur Förderung audiovisueller Werke in Schleswig-Holstein gegründet. Die MSH, deren Gesellschafter der NDR und die Unabhängige Landesanstalt für Rundfunk und neue Medien (ULR) sind, förderte Produktionen und bezuschusst Produktionsvorbereitung, Drehbuchentwicklung und Hörfunkprojekte. Zur Präsentation geförderter Projekte gründeten die Kulturelle Filmförderung Schleswig-Holstein e.V. und das Kommunale Kino Kiel das „Filmfest Schleswig-Holstein Augenweide“.

1995 wurden das Hamburger Filmbüro, der Film Fonds Hamburg und das VertriebKontor zusammengefasst, ihre Aufgaben übernimmt ab 1.7. die neu gegründete FilmFörderung Hamburg GmbH (FFHH). Alleinige Gesellschafterin ist die Freie und Hansestadt Hamburg.

1996 erhielt die FFHH als 100-prozentige Tochter die Beratungsstelle für das europäische Filmförderprogramm: die MEDIA Desk Deutschland GmbH, seit 2000 geleitet von Cornelia Hammelmann.

1999 erfolgte die Zusammenführung der Kulturellen Filmförderung S-H e.V. mit der Filmwerkstatt Kiel und dem Lübecker Filmbüro am Standort Kiel.

2002 begann die FFHH die Veranstaltungsreihe „Film im Gespräch“ in Kooperation mit dem Hamburger Abaton Kino und die „Hamburger Filmworkshops“ mit der Anwaltskanzlei Unverzagt – von Have (aktueller Veranstaltungsname 2010: „Film und Recht“).

2003 firmiert die Filmfest Hamburg GmbH mit Festivalleiter Albert Wiederspiel als 100-prozentige Tochter der FFHH.

2007 fusionierten die FFHH und die MSH mit der Unterzeichnung des erweiterten Gesellschaftervertrags und unter der geschäftsführenden Leitung von Eva Hubert zur Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein GmbH (FFHSH). Ab 11. Juli übernahm die FFHSH die Geschäfte der FFHH und die Aufgaben der MSH. Als weitere Gesellschafterin kamen neben der Freien und Hansestadt Hamburg die Landesregierung Schleswig-Holstein hinzu. Die Filmwerkstatt Kiel führte ihre Arbeit unter dem Dach der FFHSH weiter.

2016 übernahm Maria Köpf die Geschäftsführung der FFHSH. Nach rund drei Jahren gab sie ihr Amt auf. Die 56-Jährige habe den Aufsichtsrat der Gesellschaft darüber informiert, dass sie ihren Vertrag über den 31. März 2019 hinaus nicht verlängern werde, teilte die Filmförderung im Mai 2018 mit.[7]

2019 tritt Helge Albers die Nachfolge von Maria Köpf in der Position der Geschäftsführung der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein zum 1. April 2019 an.[8]

StrukturBearbeiten

Gesellschafter sind die Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg sowie das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur der Landesregierung Schleswig-Holstein in Kiel. Am jährlichen Fördervolumen der FFHSH beteiligen sich die TV-Sender NDR mit 1,2 Mio. Euro. und ZDF mit 1 Mio. Euro.[9]

AufsichtsratBearbeiten

Der Aufsichtsrat besteht aus drei Vertretern der Gesellschafterländer und sechs Fachleuten der Film- und Medienbranche. Die Aufgaben des Aufsichtsrates umfassen u. a. die Verabschiedung des Wirtschaftsplans, der Vergaberichtlinien, die Ernennung des Geschäftsführers/der Geschäftsführerin und die Auswahl der Mitglieder der Vergabegremien. Derzeit gehören folgende Personen dem Aufsichtsrat an[10]:

  • Dr. Carsten Brosda (Vorsitzender), Senator und Präses der Behörde für Kultur und Medien
  • Sabine Rossbach (Stellvertretende Vorsitzende), Direktorin des Landesfunkhauses Hamburg, NDR
  • Susanne Bieler-Seelhoff, Leiterin der Kulturabteilung des Ministeriums für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein
  • Jana Schiedek, Staatsrätin der Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg
  • Prof. Martin Hagemann, Hochschullehrer der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf und Produzent
  • Marlis Kieft, Unternehmerin (Kieft Projekt & Verwaltungs GmbH)
  • Claudia Landsberger, freie Mitarbeiterin (Media Consultant)
  • Frauke Pieper, Juristin und Datenschutz, ZDF
  • Florian Weischer, Unternehmer, Weischer Media

GremienBearbeiten

Über die Vergabe der Fördermittel entscheiden zwei Gremien, die je dreimal jährlich tagen. Gremium 1 ist für Filmprojekte mit Herstellungskosten über 800.000 Euro zuständig, Gremium 2 entscheidet über Produktionen mit Herstellungskosten von bis zu 800.000 Euro. Die Vergabegremien bestehen aus je sechs Mitgliedern. Gremium 1 setzt sich aus drei Branchenfachleuten, zwei Redakteuren und der Geschäftsführerin der FFHSH zusammen. In Gremium 2 entscheiden drei Branchenkenner, eine Sender-Vertreterin, der Leiter der FWHSH und die Geschäftsführerin der FFHSH. Die Ausschussmitglieder werden vom Aufsichtsrat für die Dauer von jeweils drei Jahren bestimmt.

Mitglieder von Gremium 1:

  • Helge Albers, Geschäftsführer Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein GmbH, Hamburg
  • Steen Bille, Autor und Dramaturg, Kopenhagen
  • Christian Granderath, NDR, Leitung der Abteilung Film, Familie und Serie, Hamburg
  • Sophie Molitoris, Molitoris Casting, Hamburg
  • Peter Preisser, Film Business Consultant, Hamburg
  • Caroline von Senden, ZDF, Redaktionsleiterin Fernsehspiel I, Mainz

Stellvertreter/innen:

  • Volker Einrauch, Regisseur und Autor, Josefine Film Produktion, Hamburg
  • Renate Rose, ehemalige Leitung European Film Promotion, Hamburg

Mitglieder von Gremium 2:

  • Helge Albers, Geschäftsführer Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein GmbH, Hamburg
  • Timo Großpietsch, NDR, Redakteurin Dokumentation & Reportage, Hamburg
  • Birgit Glombitza, Freie Autorin, Hamburg
  • Joachim Kühn, Geschäftsführer REAL FICTION Filmverleih, Köln
  • Arne Sommer, Leiter Filmwerkstatt, Kiel
  • Andres Veiel, Regisseur und Autor, Berlin

Stellvertreter/innen:

  • Maike Mia Höhne, Künstlerische Leitung Kurzfilm Festival, Hamburg
  • Katrin Klamroth, Dramaturgin, Filmemacherin und Kulturmanagerin, Hamburg

TochterfirmenBearbeiten

Als 100-prozentige Tochterfirmen der FFHSH firmieren seit 1996 Creative Europe Desk (ehemals MEDIA Desk), eine Beratungsstelle für das europäische Filmförderprogramm und seit 2003 die Filmfest Hamburg GmbH.

KooperationspartnerBearbeiten

Die FFHSH kooperiert mit

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Organisation der Filmförderung. Abgerufen am 22. Juli 2019.
  2. EU-Projekte. Abgerufen am 22. Juli 2019.
  3. Über die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein. Abgerufen am 22. Juli 2019.
  4. Auszeichnung für deutschen Film: NSU-Drama "Aus dem Nichts" gewinnt Golden Globe. In: Spiegel Online. 8. Januar 2018 (spiegel.de [abgerufen am 22. Juli 2019]).
  5. Pressemitteilung Berlinale - Auszeichnungen 2019. Abgerufen am 27. Februar 2019 (deutsch, englisch).
  6. Deutscher Filmpreis: Goldene Lola für "Drei Tage in Quiberon". In: Spiegel Online. 27. April 2018 (spiegel.de [abgerufen am 22. Juli 2019]).
  7. FFHSH: Maria Köpf verlässt Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein. 23. Mai 2018, abgerufen am 30. Januar 2019.
  8. Helge Albers wird neuer Geschäftsführer der FFHSH. Abgerufen am 27. Februar 2019.
  9. Organisation der Filmförderung. Abgerufen am 22. Juli 2019.
  10. Organisation der Filmförderung. Abgerufen am 22. Juli 2019.