Gemeine Sichelmöhre

Art der Gattung Sichelmöhren (Falcaria)
(Weitergeleitet von Falcaria vulgaris)

Die Gewöhnliche Sichelmöhre (Falcaria vulgaris),[1] auch Gemeine Sichelmöhre oder Sicheldolde genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Sichelmöhren (Falcaria) innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).

Gewöhnliche Sichelmöhre
Gewöhnliche Sichelmöhre (Falcaria vulgaris)

Gewöhnliche Sichelmöhre (Falcaria vulgaris)

Systematik
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Tribus: Careae
Gattung: Sichelmöhren (Falcaria)
Art: Gewöhnliche Sichelmöhre
Wissenschaftlicher Name
Falcaria vulgaris
Bernh.

BeschreibungBearbeiten

 
Illustration aus Jacob Sturm
 
Doppeldoldiger Blütenstand

Vegetative MerkmaleBearbeiten

Die Gewöhnliche Sichelmöhre wächst als sommergrüne, einjährige bis ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 20 bis 60, selten bis zu 80 Zentimetern.[1] Sie ist von Grund an sparrig verzweigt,[1] so dass sie im Umriss fast halbkugelig wirkt. Die oberirdischen Pflanzenteile sind kahl und von bläulichgrüner Farbe.[1]

Die unteren Laubblätter sind einfach oder doppelt fiederteilig und dreizählig gefiedert,[1] die oberen sind dreizählig.[2] Das mittlere Blättchen ist sehr tief dreiteilig oder dreispaltig, die seitlichen zwei- bis dreispaltig.[2] Die starren Blattabschnitte sind bandförmig, am Rand scharf sowie gleichmäßig gesägt.[1] Die Blattzipfel sind bei einer Länge bis zu 15 Zentimetern sowie einer Breite von etwa 1,5 Zentimetern breit schmal lineal-lanzettlich, starr und scharf kleinborstig gesägt. Oft sind sie schwach sichelförmig gebogen.[2] Ihr Blattaufbau ist äquifazial, das bedeutet die Blattober- und Unterseite sind gleich gebaut.[3]

Generative MerkmaleBearbeiten

Die Blütezeit liegt zwischen Juli und September. Es wird eine 12- bis 18-strahlige doppeldoldiger Blütenstand gebildet.[1] Meist sind vier bis acht pfriemliche Hüll- und Hüllchenblätter vorhanden.[1]

Die zwittrigen Blüten sind auffällig klein.[1] Die weißen Kronblätter sind mit einer Länge von etwa 0,6 Millimetern ziemlich klein.[4]

Die Spaltfrucht ist eine Doppelachäne. Die gerippte Frucht ist mit einer Länge von 3 bis 4 Millimetern linealisch-länglich.[4][1]

Es liegt Diploidie vor und die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.[5][2]

ÖkologieBearbeiten

Die Gewöhnliche Sichelmöhre ist meist ein skleromorpher Hemikryptophyt[1] und eine Halbrosettenpflanze. Sie ist ein an Trockenheit angepasster Xerophyt.[3]

Blütenbiologisch handelt es sich um „Nektar führende Scheibenblumen vom Heracleum-Typ“. Als Bestäuber fungieren unter anderem Fliegen und Käfer. Die Doldenstrahlen führen eine Tag-Nacht-Bewegung aus (Nyktinastie).[3]

Die Ausbreitung der Diasporen erfolgt durch den Wind, wobei sich die ganze Pflanze als Steppenroller[1] fortbewegt. Auch Zufallsverbreitung durch Huftiere findet statt.[3] Vegetative Vermehrung erfolgt durch Wurzelsprosse.[3]

 
Vom Rostpilz Puccinia sii-falcariae befallenes Laubblatt

Die Gewöhnliche Sichelmöhre wird des Öfteren vom Rostpilz Puccinia sii-falcariae befallen, welcher die Laubblätter zur Nektarproduktion anregt. Dadurch angelockte Insekten verbreiten die Sporen des Pilzes.

VorkommenBearbeiten

Falcaria vulgaris kommt von Mitteleuropa über Süd- und Osteuropa bis Westsibirien[6] und Südwestasien vor.[2] Sie ist ein submediterran-eurasisches Florenelement.[5]

Die Gewöhnliche Sichelmöhre kommt zerstreut in Nordost-, Mittel- und Süddeutschland vor und fehlt unter anderem in Nordwest-Deutschland.[2] In Österreich kommt die Gewöhnliche Sichelmöhre im pannonischen Gebiet häufig, ansonsten zerstreut bis selten vor. Die Vorkommen erstrecken sich auf die Bundesländer Wien, Niederösterreich, Burgenland, Oberösterreich, Steiermark und sehr selten Kärnten.[7] In der Schweiz ist sie sehr selten und vom Aussterben bedroht.

Die Gewöhnliche Sichelmöhre kommt zerstreut im Saum sonniger Gebüsche, an Wegen und Ackerrändern, auch in Hackunkraut-Gesellschaften oder Brachen vor. Sie gedeiht am besten auf trockenen, kalkreichen, tiefgründigen Rohboden.[5]

Nach Ellenberg ist sie eine Halblichtpflanze, ein Wärmezeiger, ein Trockniszeiger, ein Basen- und Kalkzeiger. Sie besitzt eine subkontinentale Verbreitung. Sie ist eine Charakterart des Verbandes halbruderaler Pionier- und Lockerrasengesellschaften (Convolvulo-Elymion(=Agropyrion) repentis).[8] Nach Oberdorfer ist sie eine Charakterart des Falcario-Agropyretum, kommt aber auch in Gesellschaften der Verbände Caucalidion, Fumario-Euphorbion oder in gestörten Trockenrasen vor.[5]

TrivialnamenBearbeiten

Für die Gewöhnliche Sichelmöhre bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Bacilien, Faule Grete (Württemberg, Schlesien), Faule Griete (Mark Brandenburg), Faule Gritte (Mark Brandenburg), Sichelkraut, Sichelmöre (Schlesien bis Elsass) und Sperrkraut (Mark bei Küstrin).[9]

BilderBearbeiten

QuellenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Hrsg.: Bundesamt für Naturschutz (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2000, ISBN 3-8001-3364-4, S. 369.
  • Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Hrsg.: Manfred A. Fischer. Eugen Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6, S. 557.
  • Christian Heitz: Schul- und Exkursionsflora für die Schweiz. Mit Berücksichtigung der Grenzgebiete. Bestimmungsbuch für die wildwachsenden Gefässpflanzen. Begründet von August Binz. 18. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Schwabe & Co., Basel 1986, ISBN 3-7965-0832-4.
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 6., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1990, ISBN 3-8001-3454-3, S. 709.
  • Konrad von Weihe (Hrsg.): Illustrierte Flora. Deutschland und angrenzende Gebiete. Gefäßkryptogamen und Blütenpflanzen. Begründet von August Garcke. 23. Auflage. Paul Parey, Berlin/Hamburg 1972, ISBN 3-489-68034-0, S. 1007.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h i j k l Falcaria vulgaris Bernh., Gewöhnliche Sichelmöhre. FloraWeb.de
  2. a b c d e f Konrad von Weihe (Hrsg.): Illustrierte Flora. Deutschland und angrenzende Gebiete. Gefäßkryptogamen und Blütenpflanzen. Begründet von August Garcke. 23. Auflage. Paul Parey, Berlin/Hamburg 1972, ISBN 3-489-68034-0, S. 1007.
  3. a b c d e Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6., völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7, S. 201.
  4. a b Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Hrsg.: Bundesamt für Naturschutz (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2000, ISBN 3-8001-3364-4, S. 369.
  5. a b c d Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 709.
  6. Falcaria im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 9. Mai 2018.
  7. Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3., verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S. 850.
  8. Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht (= UTB für Wissenschaft. Große Reihe. Band 8104). 5., stark veränderte und verbesserte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8252-8104-3.
  9. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 151. (online).

Weiterführende LiteraturBearbeiten

  • Christoph Käsermann: Falcaria vulgaris Bernh. – Sicheldolde – Apiaceae. In: Christoph Käsermann, Daniel M. Moser (Hrsg.): Merkblätter Artenschutz – Blütenpflanzen und Farne. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern 1999, S. 140–141 (PDF-Datei).
  • Ferdinand Bohlmann, Ulrich Niedballa, Käthe-Marie Rode: Polyacetylenverbindungen, CXVIII. Über neue Polyine mit C17-Kette. In: Chemische Berichte. Band 99, Nr. 11, 1966, S. 3552–3558, doi:10.1002/cber.19660991122 (Inhaltsstoffe).

WeblinksBearbeiten

Commons: Gewöhnliche Sichelmöhre (Falcaria vulgaris) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien