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Abtsche Weiche

Weiche die eine selbsttätige Vorbeifahrt der Fahrzeuge an einer Ausweichstelle eingleisiger Strecken ermöglicht
(Weitergeleitet von Abtsche Ausweiche)
Querschnitt durch Schienen und Fahrzeugräder bei einer Standseilbahn mit Abtschen Weichen
Abt'sche Weiche an der 1895 eröffneten Standseilbahn Dresden (Bild von 1985)

Die abtsche Weiche (auch Abt’sche Weiche oder abtsche Ausweiche) ist eine vom Schweizer Eisenbahn-Konstrukteur Carl Roman Abt als „passive Weiche“ erfundene Gleiskonstruktion für Standseilbahnen, die eine selbsttätige Vorbeifahrt der Fahrzeuge an einer Ausweichstelle eingleisiger Strecken ermöglicht.

Inhaltsverzeichnis

FunktionsprinzipBearbeiten

Diese Weichen-Konstruktion ohne Weichenzunge und sonstige bewegliche Teile findet an den in der Streckenmitte nötigen Ausweichstellen eingleisiger Standseilbahnen Anwendung, um die Vorbeifahrt entgegenkommender Fahrzeuge beziehungsweise Bahnkabinen selbsttätig („automatisch“) zu bewerkstelligen. Sie kann auch in einer Kurve liegen und muss nicht zwangsläufig in gerader Fahrtrichtung gebaut werden. Die Abtsche Weiche ermöglicht auch eine problemlose Führung des Antriebsseils, welches mit schräg gestellten Rollen zwischen den Fahrschienen korrekt in das jeweilige Ausweichgleis geführt wird.

Jeder Radsatz eines Wagens ist mit zwei unterschiedlichen Rädern ausgerüstet: Auf der einen Wagenseite mit einem Doppelspurkranzrad mit beidseitigen Spurkränzen (auch Doppelflanschrad genannt), auf der anderen Seite mit einem breiten Walzenrad ohne Spurkränze. Von den beiden Wagen, die gegenläufig auf der eingleisigen Strecke betrieben werden, hat einer die Doppelspurkranzräder auf der (bergauf gesehen) rechten und der andere auf der (bergauf gesehen) linken Seite. Die Wagen werden auf der gesamten Strecke nur von den Doppelspurkranzrädern geführt.

An der Ausweichstelle führen beide Schienen nach außen und die diesen Schienen zugehörigen Doppelspurkranzräder führen den jeweiligen Wagen immer auf die gleiche Seite. Unabhängig von der Fahrtrichtung fährt der eine Wagen so immer auf die rechte und der andere immer auf die linke Seite. Die Zugseile werden dafür mittels schräg gestellter Stützrollen ebenfalls auf die zugehörige Seite abgelenkt. Die breiten Walzenräder auf der jeweils anderen Seite dienen dazu, die Lücken für die Seildurchführung und für den Durchlauf der inneren Spurkränze der Doppelflanschräder stoßarm zu überlaufen. Durch die spurkranzlosen Walzenräder sind keine Herzstücke notwendig.

AusfallsicherheitBearbeiten

Die Weiche selbst ist starr, muss also aufgrund systembedingt fehlender beweglicher Teile nicht umgestellt werden. Damit ist sie sowohl weitestgehend wartungsfrei als auch völlig ausfallsicher, was bei Bahnen dieser Art mit ihren zum Teil sehr steilen Strecken einen wichtigen Sicherheitsfaktor darstellt.

EinsatzgebietBearbeiten

Abt'sche Weichen werden sowohl bei Standseilbahnen am Berg als auch in der Ebene eingesetzt. Ebenfalls möglich ist der Betrieb von Pendelbahnen mit freifahrenden Fahrzeugen mit Eigenantrieb wie Zahnradbahnen. Nicht verwendbar sind sie, wenn auf der Standseilbahn Regelfahrzeuge mit gewöhnlichen Radsätzen befördert werden sollen. Ein Beispiel dafür ist die Bahnstrecke Triest–Opicina.

SonstigesBearbeiten

Weil die Wagen in den Endhaltestellen ungewendet ihre Fahrtrichtung umkehren, kommt es – technisch bedingt – an der Abtschen Weiche wechselweise zu Links- und Rechtsverkehr. Jeder Wagen fährt immer auf „seiner“ Seite der Ausweichstelle durch, unabhängig davon, ob er nach oben oder unten unterwegs ist.

WeblinksBearbeiten