Malchow

Stadt in Mecklenburg-Vorpommern
(Weitergeleitet von Inselstadt Malchow)

Die Inselstadt[2] Malchow ist eine Kleinstadt im Süden von Mecklenburg-Vorpommern im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte (Deutschland). Seit 2005 trägt sie den Titel Luftkurort und seit 2011 den offiziellen Namenszusatz „Inselstadt“. Sie ist außerdem Verwaltungssitz des Amtes Malchow, dem weitere acht Gemeinden angehören. Zudem bildet sie für ihre Umgebung ein Grundzentrum.[3]

Wappen Deutschlandkarte
Malchow
Deutschlandkarte, Position der Stadt Malchow hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 53° 29′ N, 12° 26′ OKoordinaten: 53° 29′ N, 12° 26′ O
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Mecklenburgische Seenplatte
Amt: Malchow
Höhe: 75 m ü. NHN
Fläche: 44,71 km2
Einwohner: 6543 (31. Dez. 2022)[1]
Bevölkerungsdichte: 146 Einwohner je km2
Postleitzahl: 17213
Vorwahl: 039932
Kfz-Kennzeichen: MSE, AT, DM, MC, MST, MÜR, NZ, RM, WRN
Gemeindeschlüssel: 13 0 71 093
Stadtgliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Alter Markt 1
17213 Malchow
Website: www.inselstadt-malchow.de
Bürgermeister: René Putzar
Lage der Stadt Malchow im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte
KarteBrandenburgLandkreis RostockLandkreis Vorpommern-RügenLandkreis Vorpommern-GreifswaldLandkreis Vorpommern-GreifswaldLandkreis Ludwigslust-ParchimBeggerowBorrentinHohenbollentinHohenmockerKentzlinKletzinLindenberg (Vorpommern)MeesigerNossendorfSarowSchönfeld (bei Demmin)SiedenbrünzowSommersdorf (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte)UtzedelVerchenWarrenzinDatzetalFriedlandGalenbeckBasedow (Mecklenburg)Basedow (Mecklenburg)FaulenrostGielowKummerow (am See)MalchinNeukalenAlt SchwerinFünfseenGöhren-LebbinMalchowNossentiner HütteSilz (Mecklenburg)WalowZislowMirowPriepertPeenehagenWesenberg (Mecklenburg)Wustrow (Mecklenburgische Seenplatte)Blankensee (Mecklenburg)BlumenholzCarpinGodendorfGrünow (Mecklenburg)HohenzieritzKlein VielenKratzeburgMöllenbeck (bei Neustrelitz)Schloen-DratowSchloen-DratowUserinWokuhl-DabelowBeseritzBlankenhofBrunn (Mecklenburg)NeddeminNeuenkirchen (bei Neubrandenburg)NeverinSponholzStavenTrollenhagenWoggersinWulkenzinZirzowAnkershagenKucksseePenzlinMöllenhagenAltenhof (Mecklenburg)BollewickBuchholz (bei Röbel)BütowEldetalFinckenGotthunGroß KelleKieveLärzLeizenMelzPribornRechlinRöbel/MüritzSchwarz (Mecklenburg)SietowStuerSüdmüritzGrabowhöfeGroß PlastenHohen WangelinJabelKargowKlinkKlocksinMoltzowMoltzowTorgelow am SeeVollrathsruheBurg StargardBurg StargardCölpinGroß NemerowHolldorfLindetalPragsdorfBredenfeldeBriggowGrammentinGülzow (bei Stavenhagen)IvenackJürgenstorfKittendorfKnorrendorfMölln (Mecklenburg)RitzerowRosenowStavenhagenZetteminAltenhagen (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte)AltentreptowBartow (Vorpommern)BreesenBreestBurowGnevkowGolchenGrapzowGrischowGroß TeetzlebenGültzKriesowPripslebenRöckwitzSiedenbollentinTützpatzWerder (bei Altentreptow)Wildberg (Vorpommern)WoldeGroß MiltzowKublankNeetzkaSchönbeckSchönhausen (Mecklenburg)VoigtsdorfVoigtsdorfWoldegkDargunDemminFeldberger SeenlandschaftNeubrandenburgNeustrelitzWaren (Müritz)
Karte

Geografie Bearbeiten

Geografische Lage Bearbeiten

Die Stadt liegt am und im Malchower See in der Mecklenburgischen Seenplatte, zwischen der Müritz und dem Plauer See.

Stadtgliederung Bearbeiten

Malchow besteht aus folgenden Ortsteilen:[4]

Geschichte Bearbeiten

 
Insel der Inselstadt Malchow
 
Insel aus südöstlicher Richtung

Spätestens 1867 mit Georg Christian Friedrich Lischs Urgeschichte des Ortes Malchow entstand ein erster Versuch, die vorschriftliche Geschichte der Insel und ihrer Umgebung darzustellen.[5]

Südwestlich von Malchow soll König Otto I. 955 in einer Schlacht, der Schlacht an der Raxa, über eine slawische Koalition unter Stoignew gesiegt haben. Jedoch lässt sich der Ort des Kampfes nicht sicher lokalisieren.[6]

Auf einer Insel im Malchower See erbaut, wurde Malchow 1147 erstmals urkundlich im Zusammenhang mit einem von Sachsen durchgeführten Kriegszug erwähnt. Auf der anderen Seite des Malchower Sees befand sich eine slawische Burg, die besetzt wurde. 1160 zerstörte der Abodritenfürst Niklot die Burg, in die wenig später ein Ministeriale Heinrichs des Löwen einzog. 1164 eroberte jedoch der Abodritenfürst Pribislaw einige slawische Festungen zurück, darunter auch Malchow. Daraufhin unternahm Heinrich einen zweiten Feldzug. Der 1163 gefangen genommene Bruder Pribislaws, Wertislaw, wurde in Malchow auf dem Trostberg hingerichtet. Pribislaw gab die Burg nun auf und verschanzte sich in Demmin, wo er in der Schlacht bei Verchen unterlag.[7]

Die Siedlung erhielt am 14. März 1235 von Fürst Nikolaus I. von Werle das Schwerinsche Stadtrecht. 1298 wurde Alt-Malchow Standort des Nonnenklosters von Röbel.[8] Malchow wurde eine Landstadt in Mecklenburg und war bis 1918 als Teil der Städte des Mecklenburgischen Kreises auf Landtagen vertreten.

1515 nennt ein Bericht die Malchower als eine der stärksten Zünfte der Tuchmacher nach Wismar, Rostock, Friedland und Parchim. 1618 existierten in Malchow 48 Tuchmacher. In den Jahren 1697 und 1721 brachen auf der Insel große Stadtbrände aus und zerstörten jedes Mal fast alle Gebäude. Mit der Erlaubnis von Karl Leopold (Mecklenburg) am 10. Juli 1723 wurde die Stadt auf das Festland hin erweitert; dieser neue Teil wurde Vorstadt oder Neustadt genannt.[8]

Die Stadt war mit dem östlichen Ufer bis zu ihrer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg mit einer Holzbrücke verbunden. 1846 wurde an gleicher Stelle der Erddamm als Verbindung zwischen Ufer und Insel eröffnet. Die Westseite war bis 1845 durch eine Holzbrücke mit dem Festland verbunden. Zwischen 1845 und 1863 wurde diese durch eine Hubbrücke ersetzt. 1863 errichteten die Einwohner eine hölzerne Drehbrücke. Dadurch besteht die heutige Stadt aus drei Teilen: der Insel, dem östlichen Teil der Stadt, geprägt durch eine Klosteranlage, dem Stift der adligen Damen (1572 bis 1923) und dem westlichen Teil. Hier liegt heute der größte Teil der Stadt, wobei die Mühlenstraße und die Kirchenstraße die ältesten Straßen auf dem Festland sind.

Die Tuchmacher wohnten und arbeiteten nach dem Stadtbrand von 1721 überwiegend in der Mühlenstraße, wohl wegen der Nähe zum Wasser. Die von der herzoglichen Kammer erlassene regelte neben dem Tuchmacheramt die Bedingungen ihrer Arbeit, deren Produkte mit einem Kleeblatt zu kennzeichnen waren. Die älteste Walkmühle der Tuchmacher stand im Stadtwald an der Grenze zu Grüssow. Sie wurde vom Klostermühlbach angetrieben. Dann entstand eine Mühle in der Mühlenstraße, die jedoch mit einem Göpelwerk angetrieben wurde. Erste Spinnmaschinen für die Malchower Tuchmacher baute der aus Malchow stammende Mechaniker Zerrahn. Schließlich wurde die Spinnerei im Güstrower Schloss von dreißig Tuchmachern aus Malchower genutzt. Infolge der neuen Maschinengarne wuchs die Zahl der Tuchmacher von 80 auf 110. Das erste größere Unternehmen stellte die Maschinen-Lohnanstalt des Tischlermeisters Hallwachs in der Mühlenstraße (dort entstand aus dem Bauwerk ein Wohnhaus). 17 Tuchmachermeister bauten 1866 am Ende der Mühlenstraße die „Privatspinnerei“, die jedoch 1887 und erneut 1912 abbrannte.[9]

 
Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof

Über die kleine jüdische Gemeinde in Malchow ist vor dem 18. Jahrhundert nichts überliefert. Um 1750 siedelte sich ein Salomon Jakauf (Jacob) in der Stadt an. Er handelte, passend zur Wirtschaftsstruktur der Stadt, mit Spinngarn und Webstoffen. Doch ist die Quellenlage nicht gesichert. Die ersten belegten Schutzjuden sind in einer Steuerliste für die Jahre 1749 bis 1760 aufgeführt. Ein Elias Salomon und ein Isaack Tobias erhielten die Aufenthaltserlaubnis am 20. Oktober 1755, für die sie jährlich 12 Reichstaler zu zahlen hatten. Am 15. August 1759 erhielt ein Levin David ein entsprechendes Privileg für 12 Reichstaler. Zwischen 1797 und 1801 sollen sechs Schutzjuden nebst Familien ansässig gewesen sein, 1810 waren es sieben. Im Jahre 1812 gab es zwei Vorsteher, nämlich Joseph Moses und Salomon Jakob. Mit dem Emanzipationsedikt von 1813 erhielten alle Juden Familiennamen. Diese waren am 26. März 1813 Jacobsen (später Jacobson), Cronheim, Manheim (später Mannheim) und Gersohn. Im Jahre 1818 tauchten in den Quellen weitere Namen auf: Levin, Schoenfeldt, Abraham, Cowitz und Löwenthal; Gersohn hingegen verschwindet. 1820 beheimatete Malchow 56 Juden, 1828 waren es 63 (bei 2250 Einwohnern), 1841 immerhin 90, 1867 105; wohl zwischen 1820 und 1825 entstand eine erste Synagoge, um 1840 eine Religionsschule, 1846 eine genehmigte Gemeindeordnung. Doch Ende des Jahrhunderts schrumpfte die Gemeinde durch Abwanderung, so dass im Jahr 1900 nur noch 14 Juden, im Jahre 1912 gar nur noch zwölf gezählt wurden. Zwar wurde weiterhin ein Religionslehrer beschäftigt, doch die Synagoge wurde nur noch zu hohen Feiertagen geöffnet. Sie musste 1920 verkauft werden. Die kleine Gemeinde bestand mindestens bis 1927.[10]

1937 waren nur noch zwei jüdische Familien ansässig, wie im ganzen Reich wurden die wenigen jüdischen Geschäfte 1933 boykottiert. Die Familien flüchteten sich in Großstädte, zur sogenannten „Reichskristallnacht“ 1938 wurde der jüdische Friedhof verwüstet. Am 16. Februar 1942 erklärte sich die Stadt für „judenfrei“.[11]

Im Jahre 1938 errichtete die Verwertchemie, ein Tochterunternehmen der Dynamit Nobel, das Munitionswerk Malchow. 5.500 Personen – die Hälfte ausländische Zwangsarbeiter – produzierten Munition und vor allem Nitropenta.[12][13] Im Jahre 1943 wurde das Werk als KZ-Außenlager Malchow dem KZ Ravensbrück unterstellt. Hunderte Frauen, unter ihnen viele ungarische Jüdinnen, mussten unter grausamen Bedingungen arbeiten. Viele verloren ihr Leben. Auch beim Todesmarsch nach der Räumung des Lagers 1945 fanden viele den Tod. Die 375 aufgefundenen Toten wurden auf dem Lagergelände verscharrt. Erhalten und bewohnt ist die heutige Ernst-Thälmann-Siedlung, die für die leitenden Angestellten des Werks gebaut wurde.

In der Villa Gartenstraße 19 wurde im Mai 1945 die sowjetische Ortskommandantur eingerichtet. Zur Jahreswende 1945/1946 verhaftete die sowjetische Geheimpolizei NKWD über 30 Jugendliche (ab 13 und 14 Jahren), darunter drei Mädchen, wegen angeblicher antisowjetischer Tätigkeit und Zugehörigkeit zum Werwolf. Zwei nahmen sich nach Folterungen das Leben, zwei wurden vor ihrer Verurteilung getötet, einer erschossen, zwei starben im Gefängnis in Waren.[14] Viele von ihnen kamen in das sowjetische Speziallager Nr. 7 Sachsenhausen, fünf starben dort aufgrund der Lagerbedingungen. Die Überlebenden wurden zwischen 1950 und 1954 entlassen. In der Villa erinnert ein Gedenkstein mit einer Kupfertafel von Sieghard Dittner seit 1998 an die Geschehnisse.[15]

Zu DDR-Zeiten bestand im Ortsteil Lenz das Zentrale PionierferienlagerFritz Heckert“.

Von 1952 bis 1994 gehörte Malchow zum Kreis Waren (bis 1990 im DDR-Bezirk Neubrandenburg, dann im Land Mecklenburg-Vorpommern). Im Jahre 1994 wurde die Stadt in den Landkreis Müritz eingegliedert. Seit der Kreisgebietsreform 2011 liegt sie im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

 
Stadthafen Malchow

Nach der politischen Wende wurden ab 1991 der historische Stadtkern mit der Altstadtinsel und der Klosterbereich im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert. Am 16. Dezember 2005 wurde mit den Bauarbeiten für den Stadthafen begonnen. Die Bauarbeiten dauerten zweieinhalb Jahre und endeten mit der Eröffnung am 4. Juli 2008. Die Gesamtfläche umfasst etwa 1,2 ha und bietet 35 Liegeplätze für Sportboote. An der Uferseite des Stadthafens befinden sich neu errichtete Wohnhäuser mit Ferienwohnung und Ladenlokalen sowie ein eingeschossiges Parkhaus.[16]

Seit dem 20. April 2011 trägt Malchow die offizielle Bezeichnung „Inselstadt“. Das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern genehmigte diesen Namenszusatz aufgrund der in dem Land einzigartigen baulichen Insellage der historischen Altstadt.[17]

Bevölkerung Bearbeiten

Jahr Einwohner
1801 879
1804 1000
1811 545
1819 1476
1821 1689
1831 2671
1834 2509
1841 2840
1848 3243
Jahr Einwohner
1849 3322
1850 3409
1851 3214
1855 2974
1863 3017
1864 3065
1865 3049
Jahr Einwohner
1990 8166
1995 7856
2000 7492
2005 7155
2010 6793
2015 6582
Jahr Einwohner
2020 6542
2021 6512
2022 6543

Historische Einwohnerdaten von 1804, 1819, 1834[18]
Historische Einwohnerdaten von 1863, 1864, 1865[19]
Historische Einwohnerdaten von 1801, 1811, 1821, 1831, 1841, 1848, 1849, 1850, 1851[20]
Gegenwart, Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres[21]

Politik Bearbeiten

Stadtvertretung Bearbeiten

 
Rathaus

Die Stadtvertretung von Malchow hat entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt 19 Mitglieder.[22] Auf die AfD entfielen bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 zwei Sitze, von denen einer unbesetzt bleibt, weil die Partei nur einen Kandidaten nominiert hatte. Daher besteht die aktuelle Stadtvertretung nur aus 18 Mitgliedern.[23] Sie setzt sich wie folgt zusammen:[24]

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
CDU 15,8 % 3
Bündnis 90/Die Grünen 15,3 % 2
Die Linke 13,4 % 2
Bündnis für Malchow 12,2 % 2
AfD 10,0 % 1
Offene Wählerliste Malchow (OWM) 10,0 % 2
FDP 08,5 % 2
SPD 07,9 % 1
Gemeinschaft aktiver Malchower*innen (GaM) 06,9 % 1
Monika Göpper / Ramona Stein 2

Ramona Stein trat 2021 aus der Fraktion Die Linke aus und hatte zunächst mit der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen eine Zählgemeinschaft gebildet.[25] Monika Göpper hat 2022 die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen verlassen und dann mit Ramona Stein eine neue Fraktion gebildet.

Präsident der Stadtvertretung ist Rickert Reeps (parteilos, CDU-Fraktion).

Bürgermeister Bearbeiten

  • 1992–2015: Joachim Stein (Bündnis 90/Die Grünen)[26]
  • seit 2015: René Putzar (parteilos)

Putzar wurde erstmalig bei der Bürgermeisterstichwahl am 10. Mai 2015 mit 50,6 Prozent der gültigen Stimmen gewählt.[27] Gegenkandidatin in der Stichwahl war Elke-Annette Schmidt.

Bei der Bürgermeisterwahl am 23. April 2023 wurde Putzar mit 61,0 Prozent der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von acht Jahren[28] in seinem Amt bestätigt.[29]

Wappen Bearbeiten

 
Wappen der Stadt Malchow
Blasonierung: „In Blau eine goldene Mauer mit zwei Türmen mit bogenförmigen Stützen, Zinnenkränzen, Spitzdächern und Knäufen; zwischen den Türmen oben ein goldenes Herz, darunter ein abgerissener silberner Vogelkopf, der im Schnabel einen goldenen Ring mit silbernem Stein hält.“[30]
Wappenbegründung: Das Wappen ist nach dem Siegelbild des S(IGILLVM) CIVITATIS MALCHOV - als Abdruck erstmals 1366 überliefert - gestaltet. Bis 1994 führte die Stadt allerdings folgendes Wappen: In Silber eine rote Mauer mit bogenförmigen Stützen, Zinnenkränzen, Spitzdächern und Knäufen, zwischen den Türmen oben ein rotes Herz, unten ein silberner Vogelkopf, der den Schnabel durch einen Ring steckt. In dem wiederhergestellten Wappen versinnbildlicht die Mauer mit den Türmen eine befestigte Stadt. Dagegen ist die Bedeutung der Symbole zwischen den Türmen unklar. Das Herz kann wohl nicht mit dem Kloster in Verbindung gebracht werden, da dieses zur Zeit des ersten Siegels gar nicht im Stadtbereich lag.

Das Wappen wurde am 10. April 1858 durch Friedrich Franz II., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin festgelegt, 1884 durch Carl Teske gezeichnet und unter der Nr. 76 der Wappenrolle des Landes Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Wappen von 1941–1946
 
Wappen der Stadt Malchow 1941
Blasonierung: „In von Rot und Grün gespaltenem Schild ein goldener Eber.“[30]
Wappenbegründung: Das Wappen verlor schon bald nach dem Ende des II. Weltkrieges im Jahr 1946 seine Gültigkeit.[31]

Das Wappen wurde von Hans Herbert Schweitzer gestaltet und am 2. Januar 1941 durch den Reichsstatthalter in Mecklenburg verliehen.

Flagge Bearbeiten

 
  Flagge der Stadt Malchow

Die Flagge wurde am 17. August 1995 durch das Ministerium des Innern genehmigt.

Die Flagge besteht aus blauem Tuch. Es ist in der Mitte mit dem gelb umsäumten Stadtwappen belegt, das zwei Drittel der Höhe des Flaggentuchs einnimmt. Die Höhe des Flaggentuches verhält sich zur Lange wie 3:5.[32]

Dienstsiegel Bearbeiten

Das Dienstsiegel zeigt das Stadtwappen mit der Umschrift „INSELSTADT MALCHOW“.[32]

Städtepartnerschaften Bearbeiten

Sehenswürdigkeiten und Kultur Bearbeiten

Bauwerke Bearbeiten

 
Stadtkirche
 
Drehbrücke Malchow

Geschichtsdenkmale Bearbeiten

  • Jüdischer Friedhof, Alt Schweriner Weg 1
  • Denkmal 1870/71 (geweiht 24. September 1876) an der Stadtkirche (in schlechtem Zustand)
  • Denkmal 1914/18 (geweiht 3. Oktober 1920) an der Stadtkirche (Figur eines sterbenden Kriegers von Bildhauer Wilhelm Wandschneider 1945 entfernt und später eingeschmolzen)
  • Denkmal 1914/18 Kloster Malchow (geweiht 11. Dezember 1922, Adler 1939 gestohlen)
  • Denkmal 1914/18 des Turnvereins (geweiht 29. August 1920)
  • Gedenkstätte An der Lagerstraße für 375 KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter(innen), die Opfer des Faschismus wurden
  • Denkmal 1939/45 für die Opfer des Zweiten Weltkrieges auf dem Stadtfriedhof
  • Denkmal gefallener sowjetischer Soldaten (errichtet 1945) an der Rostocker Straße
  • Gedenkstätte auf dem sowjetischen Soldatenfriedhof Teterower Straße
  • Gedenktafel für Jugendliche, die nach Kriegsende 1945 als angebliche Angehörige der Werwolf-Organisation verschleppt und teilweise ermordet wurden (1998 angebracht)

Kultur Bearbeiten

 
Mecklenburgisches Orgelmuseum
 
DDR-Museum
 
Sommerrodelbahn, links hinten der Affenwald
  • Mecklenburgisches Orgelmuseum (1997 gegründet) in der ehemaligen Klosterkirche. Hier werden Instrumente aus Mecklenburg aufbewahrt und die zweitausendjährige Geschichte des Orgelbaus unter besonderer Berücksichtigung der romantischen Orgeln Mecklenburgs gezeigt und beschrieben. Der Besucher hat die Möglichkeit, Orgel zu spielen und an bestimmten Tagen Konzerte in der Kirche mit mehreren Orgeln zu erleben. Die angeschlossene orgelwissenschaftliche Bibliothek ist in einem benachbarten Gebäude untergebracht.
  • DDR-Museum in einem ehemaligen vom Architekten Heinrich Handorf 1956 errichteten Kino Film-Palast mit Ausstellungsstücken aus dem Alltagsleben der Bürger. Dies reicht von Utensilien der Hochzeit, der Jugendweihe und der FDJ bis zur Geschichte der Rundfunktechnik.[33]
  • „Kiek in un wunner di - Museum für Kurioses und Raritäten“ Stadt- und Heimatmuseum (Kloster 47) mit Gegenständen, teilweise auch zum Ausprobieren, die einen Einblick in die Lebens- und Arbeitsweise der Bevölkerung des Landstrichs geben. Eine komplette Druckerei, eine Schulstube von 1930, eine Schusterwerkstatt und eine Küche aus den 1920er Jahren sind sehenswert.[34]
  • Sammlung zur Radtechnik in der Rostocker Straße 42. Hier kann man sowohl Kuriositäten aus der DDR-Motorrad-Geschichte als auch Fahrräder aus den 1920er Jahren besichtigen.
  • Kino Malchow[35], Programmkino als Teil und örtliche Vertretung des Landesverbandes Filmkommunikation Mecklenburg-Vorpommern. Neben dem regelmäßigen Programm finden auch Sonderveranstaltungen, auch für Kindergärten und Schulen, statt. Das Kino hat 165 Sitze und wird seit 2003 von der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt betrieben.
  • Affenwald Malchow im Nordwesten des Stadtgebietes – im Winkel zwischen der Autobahn A 19 und einer Landstraße – 2000 eröffnet. Dort können Besucher in einem 3,5 Hektar großen, begehbaren Naturgehege zahlreichen Berberaffen begegnen. Zudem werden auch Ouessantschafe gehalten. Zum Unternehmen gehören darüber hinaus zwei direkt benachbarte Sommerrodelbahnen, die knapp 490 Meter lang sind und den Höhenunterschied einer ehemaligen Mülldeponie ausnutzen.
  • Malchower Volksfest am ersten Juli-Wochenende jeden Jahres, seit 1853 gefeiert und damit das älteste Heimatfest in Mecklenburg-Vorpommern.
  • Öffentliche Stadtbibliothek in der Werleburg

Wirtschaft und Infrastruktur Bearbeiten

Wirtschaft Bearbeiten

 
Malchower See und ehemalige Weberei

Malchow ist einer der touristischen Hauptorte der Mecklenburgischen Seenplatte. Das Informationsbüro für Touristen befindet sich im ältesten Haus der Stadt in der Kirchenstraße.

Aufgrund der mittigen Lage am Wasser entwickelte sich im 19. Jahrhundert die Tuchmacherei und Färberei im Ort. Zeitweise wurde Malchow daher als das Manchester Mecklenburgs bezeichnet. Dieser Industriezweig ist jedoch verschwunden.

 
EDEKA Nord

In einem seit den 1990er Jahren entwickelten Gewerbepark sind unterschiedliche Unternehmen angesiedelt. Als bedeutende können EDEKA mit einem Lagerstandort, ein Werk zur Holzverarbeitung und unterschiedliche Logistikunternehmen genannt werden. Seit 2021 sind 3 Flächen ausgewiesen, welche zur Erweiterung des Gewerbeparks genutzt werden sollen.

Verkehr Bearbeiten

Malchow liegt an der Bundesstraße 192 zwischen Goldberg und Waren (Müritz). Westlich der Stadt verläuft die Bundesautobahn A 19 (Berlin–Rostock), die über die Anschlussstellen Malchow und Waren/Müritz zu erreichen ist.

Der Haltepunkt Inselstadt Malchow befindet sich an der Bahnstrecke Malchow–Waren (Müritz) in direkter Nähe zum Stadtzentrum. Von dort verkehren Züge der Regionalbahnlinie RB 15 nach Waren (Müritz) mit direktem Anschluss in Richtung Rostock und Berlin. Bis April 2015 bestand außerdem eine Zugverbindung in Richtung Parchim. Sie wurde eingestellt und durch eine nicht durchgängig verkehrende Buslinie ersetzt. Der Verkehr der Linie wurde über die Zeit von unterschiedlichen Eisenbahnverkehrsunternehmen durchgeführt. Bis zum Fahrplanwechsel 2021/2022 durch die Hanseatische Eisenbahn, seitdem die Ostdeutsche Eisenbahn.

Bildung Bearbeiten

  • Grundschule „Johann Wolfgang von Goethe“, Kirchenstraße 23
  • Fleesenseeschule (Verbundene Regionale Schule und Gymnasium), Schulstraße 3
  • Landesschule für Brand- und Katastrophenschutz Mecklenburg-Vorpommern, Strandstraße 12

Sport Bearbeiten

  • Der Malchower SV ist mit der Sektion Fußball seit der Saison 2019/2020 in der Fußball-Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern vertreten. Heimstätte ist der Waldsportplatz mit einer Kapazität von 3.000 Zuschauern. Zusätzlich existiert ein Kunstrasenplatz in der Schulstraße für 2.000 Zuschauer.
  • In der Eishalle in der Schulstraße (in den 1990er Jahren erbaut) kann ganzjährig auf Kunsteis Schlittschuh gelaufen werden. Im Winter ist sie Austragungsort der Ostseeliga, in der die Abteilung Eishockey des Malchower SV, die Malchower Wölfe, spielen. Sie hat eine Kapazität von 500 Zuschauern.
  • Die Sport- und Wettkampfhalle im Clara-Zetkin-Ring dient zur Austragung sportlicher Veranstaltungen unterschiedlicher Art. Sie bietet Platz für 300 Zuschauer.[36]
  • Die Tennishalle mit zwei Plätzen in der Schulstraße gehört zum Sporthotel Malchow und wurde 1995 erbaut.[37]

Persönlichkeiten Bearbeiten

Söhne und Töchter der Stadt Bearbeiten

Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

Weblinks Bearbeiten

Commons: Malchow (Mecklenburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Malchow (Mecklenburg) – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Statistisches Amt M-V – Bevölkerungsstand der Kreise, Ämter und Gemeinden 2022 (XLS-Datei) (Amtliche Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. destatis.de Gebietsänderungen im Jahr 2021 (xlsx)
  3. Regionales Raumentwicklungsprogramm Mecklenburgische Seenplatte (2011), Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015
  4. § 15 der Hauptsatzung der Inselstadt Malchow
  5. Georg Christian Friedrich Lisch: Urgeschichte des Ortes Malchow, in: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde 32 (1867) 3–148.
  6. Diese Vermutung erscheint in der Literatur etwa bei Robert Beltz: Zur ältesten Geschichte Mecklenburgs, Schwerin 1893, S. 24–31 (Vortrag Wie wurde Mecklenburg ein deutsches Land?), hier: S. 26.
  7. Malchow, abgegangene Burgstelle, EBIDAT, die Burgendatenbank.
  8. a b G. C. F. Lisch: Urgeschichte des Ortes Malchow. Schwerin 1867 (Scan, E-Book).
  9. Aus der Geschichte der Tuchmacher in Malchow.
  10. Zur jüdischen Geschichte von Malchow, Die Juden von Mecklenburg.
  11. Karl-Heinz Oelke: Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Malchow.
  12. Munitionswerk Malchow (geschichtsspuren.de)
  13. Munitionsfabrik Malchow (blauermel.de)
  14. Benno Prieß: Erschossen im Morgengrauen. Eigenverlag. Mitherausgeber: Landesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR. Calw 2002. ISBN 3-926802-36-7. S. 208–214
  15. Orte des Erinnerns, Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR. hrsg. v. A. Kaminsky, Bonn 2007, S. 255 f.
  16. Stadthafen Malchow (Memento vom 3. Mai 2022 im Webarchiv archive.today)
  17. Pressemeldung Nr. 62 des Innenministeriums von Mecklenburg-Vorpommern (PDF; 73 kB)
  18. Geographisch-statistisch-historisches handbuch des Meklenburger landes Güstrow, E. Frege, 1837-43.
  19. hdl.handle.net Schwerin, A. W. Sandmeyer, 1866
  20. hdl.handle.net Schwerin, 1852
  21. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern (Statistischer Bericht A I des Statistischen Amtes Mecklenburg-Vorpommern) (Memento vom 12. Juli 2022 im Internet Archive)
  22. Gesetz über die Wahlen im Land Mecklenburg-Vorpommern, § 60 Abs. 2. In: www.landesrecht-mv.de. Abgerufen am 24. April 2023.
  23. Gesetz über die Wahlen im Land Mecklenburg-Vorpommern, § 63 Abs. 5. In: www.landesrecht-mv.de. Abgerufen am 24. April 2023.
  24. Ergebnis der Wahl zur Stadtvertretung am 26. Mai 2019
  25. Malchowerin Ramona Stein bricht mit ihrer Fraktion. In: Nordkurier. 6. November 2021, abgerufen am 24. April 2023.
  26. Wollen Sie in Malchow bleiben, Herr Stein? In: Nordkurier, 10. Oktober 2014.
  27. FDP-Kandidat Putzar gewinnt Bürgermeisterwahl in Malchow. In: Die Welt, 10. Mai 2015.
  28. § 9 Abs. 1 der Hauptsatzung der Inselstadt Malchow
  29. Wahl der hauptamtlichen Bürgermeisterin / des hauptamtlichen Bürgermeisters der Inselstadt Malchow am 23. April 2023. In: www.amt-malchow.de
  30. a b Hans-Heinz Schütt: Auf Schild und Flagge - Die Wappen und Flaggen des Landes Mecklenburg-Vorpommern und seiner Kommunen. Hrsg.: produktionsbüro TINUS; Schwerin. 2011, ISBN 978-3-9814380-0-0, S. 316–318.
  31. Dieter Kurth: Die Ortserkundung und Frühgeschichte von Malchow in Mecklenburg & Das älteste Siegel der Inselstadt Malchow und das Malchower Stadtwappen.
  32. a b Hauptsatzung § 1 (PDF; 194 kB).
  33. malchow.m-vp.de
  34. "Kiek in un wunner di" - Website
  35. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 5. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wobau-malchow.de
  36. Sportstätten des Malchower SV
  37. Website des Sporthotels Malchow