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Zwischen heut und morgen

Film von Gregory La Cava (1933)

Zwischen heut und morgen ist eine US-amerikanische Fantasykomödie aus dem Jahre 1933. Der Film ist historisch bemerkenswert,[1][2] weil er Stimmungslagen der damaligen US-Bevölkerung widerspiegelt. Heute wird er als Werbung für eine totalitäre Führung gesehen und kontrovers diskutiert.

Filmdaten
Deutscher TitelZwischen heut und morgen
OriginaltitelGabriel Over the White House
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1933
Länge86 Minuten
Stab
RegieGregory La Cava
DrehbuchBertram Bloch
Carey Wilson
ProduktionWalter Wanger,
William Randolph Hearst
für MGM und
Cosmopolitan Productions
MusikWilliam Axt
KameraBert Glennon
SchnittBasil Wrangell
Besetzung

Im Film verwandelt sich ein zuvor Probleme ignorierender und teilweise korrupter US-Präsident durch eine Nahtoderfahrung plötzlich zu einem aktiven Präsidenten, ernennt sich zum Diktator und löst mit oftmals radikalen Methoden die anstehenden Probleme wie die Great Depression oder den Weltfrieden. Der Film wurde von Anhängern Franklin D. Roosevelts gedreht, welche dessen Politik mit dem Film unterstützen wollten. Als Vorlage diente die Novelle Rinehard des britischen Autors T. F. Tweed, welcher seinen Roman anonym nur kurz zuvor veröffentlicht hatte.

Inhaltsverzeichnis

HandlungBearbeiten

Der Junggeselle Judson Hammond wird zum US-Präsidenten gewählt und zieht mit seinem kleinen Neffen Jimmy ins Weiße Haus ein. Zu Hammonds engen Vertrauten gehören die Sekretärin und gelegentliche Geliebte Pendola Malloy, sein Secretary to the President Hartley Beekman (in der Position vergleichbar mit dem heutigen Stabschef des Weißen Hauses) und der Außenminister Jasper Brooks. Während die Vereinigten Staaten in einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krise liegen, ignoriert Hammond – maßgeblich unter Einfluss seines Außenministers Brooks – die Belange der kleinen, von Problemen gebeutelten Bürger in der Great Depression. Stattdessen wachsen Korruption und Kriminalität im Staat. Als Hammonds Sekretärin Pendola zu ihm sagt, dass er als Präsident doch eigentlich bedeutende Dinge für das Volk schaffen solle, hört er nicht auf ihren Einwand. Unterdessen bildet sich aus dem Volk die schnell wachsende Bewegung Army of the Unemployed aus, die gegen die bestehenden Zustände protestiert. Diese „Armee“ unternimmt einen Marsch nach Washington.

Da wird Hammond bei einem Autounfall schwer verletzt und fällt ins Koma. Seine Ärzte geben dem Präsidenten nur wenig Überlebenschancen, doch dieser erwacht wider Erwarten und erholt sich bemerkenswert schnell von seinen Verletzungen. Während seiner zwei Wochen Bettruhe denkt er angestrengt nach und als er schließlich nachdenklich, aber energisch sein Amt wieder übernimmt, ändert er seine Politik: Er will mit John Bronson, dem Anführer der Protestierenden – den er zuvor noch möglichst zerstört haben wollte – einen Vertrag unterzeichnen. Gegenüber seinem zweifelnden Kabinett sagt Hammond, dass er die Positionen von Bronson und seinen Anhängern verstehen könne und diese ein Recht zu demonstrieren haben. Als Außenminister Brooks sich gegen die neuen Positionen von Hammond erhebt, wird er gefeuert. Hammond hat sich nach seiner Nahtoderfahrung auch im Privatleben verändert, er stellt sich nun den kritischen Fragen von Reportern, die er zuvor immer barsch abgewiesen hatte; und auch gegenüber seinen Mitarbeitern und seinem Neffen Jimmy ist er umgänglicher.

Währenddessen versucht der New Yorker Mobster Nick Diamond den Marsch von Bronsons Army of the Unemployed in seine Stadt zu leiten, weil die Polizei dann wegen der vielen Proteste von Diamonds illegalen Geschäften abgelenkt wäre. Als John Bronson tapfer ablehnt, wird er von Diamonds Handlangern erschossen. Hammonds Kriegsminister plant, Truppen gegen den Marsch der Armee einzusetzen, doch der Präsident lehnt das ab: Er besucht die Demonstranten und kündigt dabei eine staatliche Army of Construction an, die Tausende von Menschen in Arbeit bringen und neue Straßen und Gebäude bauen werde. Unterdessen bahnt sich eine Liebesbeziehung zwischen Judson Hammonds Mitarbeitern Pendie und Beekman an. Pendie glaubt, dass der Präsident mit seinen neuen Reformen bei seinem Nahtod durch den Erzengel Gabriel inspiriert und verändert worden sei – auch Hammond beginnt dies zu glauben und entlässt sein gesamtes Kabinett. In einer Art Notstandsverfassung will er sich die gesamte Macht holen und befragt darum den Kongress, ihm die Macht freiwillig abzugeben.

Trotz einer brillanten Rede lehnt der Kongress allerdings ab mit dem Verweis, er wolle eine Diktatur errichten. Hammond antwortet mit einem Zitat von Thomas Jefferson, eine Demokratie sei „a government for the greatest good of the greatest number“, auf diesem Spruch basiere seine Diktatur. Schließlich setzt Hammond ein ursprünglich für den Krieg vorgesehenes Gesetz ein, welches ihm erlaubt, den Kongress zu ignorieren und so in die Bedeutungslosigkeit zu führen. In der ersten Amtshandlung als Diktator hebt er die Prohibition auf und droht den Gangstern, welche durch den Alkoholschmuggel in Zeiten des Alkoholverbotes profitiert hatten. Nick Diamond plant deshalb Racheaktionen: Seine Leute verüben einen Anschlag auf einen staatlichen Alkoholwarenhandel und versuchen, den Präsidenten zu ermorden. Der überlebt, aber seine Sekretärin Pendie wird schwer verletzt. Schockiert befiehlt der Präsident seinem Sekretär Beekman – der ja in Pendie verliebt ist – die staatsfeindlichen Gangster in einer Geheimaktion aus dem Weg zu räumen. Die Gangster werden mit Panzern angegriffen, dabei werden viele von ihnen getötet. Die Übrigen – darunter Diamond – werden nach einer kurzen Verhandlung vor einem Militärtribunal für schuldig erklärt und hingerichtet.

Judson Hammond, der mittlerweile im Inland als einer der größten Präsidenten aller Zeiten gefeiert wird, kümmert sich anschließend um die weltweiten Probleme: Auf seiner Yacht ruft er alle Länderführer zusammen und droht ihnen mit einem Angriff durch Amerikas neue Superwaffe, falls sie nicht aufhören, ihr Militär aufzurüsten. Um zu zeigen, dass er es ernst meint, lässt er zwei Kriegsschiffe neben der Yacht postieren. Schließlich unterschreiben alle Länderführer ein Friedensabkommen, in welchem sie sich verpflichten, keine anderen Länder anzugreifen und ihre Schulden bei anderen Ländern zurückzuzahlen. Als letzter unterschreibt Hammond schließlich das Friedensabkommen selbst, dann bricht er erschöpft zusammen und stirbt. Seine Mission ist beendet.

HintergrundBearbeiten

 
William Randolph Hearst (1906)

Der Film wird seit seiner Veröffentlichung kontrovers diskutiert: Er plädiert für eine totalitäre Herrschaftsform, zeigt einen positiven Blick auf den Faschismus und besitzt ebenfalls sozialistische Züge. Es gibt klar erkennbare Anknüpfungen an reale Ereignisse, z. B. der Marsch der Army of the Unemployed nach Washington – Mussolinis Marsch auf Rom; die Ausschaltung des Kongresses – Hitlers Ermächtigungsgesetz. Die maßgeblichen Initiatoren des Filmes waren allerdings – aus heutiger Sicht etwas überraschend – vor allem Liberale und Demokraten. Der Produzent und wichtigste Geldgeber des Filmes war etwa der Medientycoon William Randolph Hearst, ein maßgeblicher Unterstützer des Demokraten Franklin D. Roosevelt, welcher bei Veröffentlichung des Filmes im März 1933 gerade erst sein Amt antrat. Das erklärte Ziel Hearsts mit Gabriel Over the White House war, einen positiven Tribut an Roosevelt und seine neue Politik herzustellen, andererseits aber auch die republikanischen Gegenspieler mit dem Film anzugreifen.

Anfang der 1930er-Jahre befand sich Amerika tief in der Great Depression und nicht wenige Strömungen hielten ein totalitäres System für notwendig, um aus diesem Tief herauszukommen. Nicht Roosevelt selbst, aber viele seiner Anhänger wollten einen „totalitären New Deal“ und selbst Roosevelts Ehefrau und Journalistin Eleanor Roosevelt schrieb, dass es der Nation an einem „gutherzigen Diktator“ mangeln würde, welcher die Nation durch Reformen führen könnte.[3] Nach ihrer Sichtung des Filmes schrieb die First Lady, dass wenn eine Million Arbeitslose auf Washington marschieren würden wie die Army of the Unemployed, sie dasselbe wie Präsident Hammond gemacht hätte.[3] Die genannte Army of the Unemployed wurde von der Bonus Army inspiriert, welche 1932 eine 43.000 Personen umfassende Demonstrantengruppe in der Bundeshauptstadt Washington war.[4]

William Randolph Hearst produzierte den Film mit Hilfe seiner Cosmopolitan Productions, welche ansonsten meist Produktionen mit Hearsts Geliebter Marion Davies verfilmte. Angeblich soll Hearst auch Teile des Drehbuchs geschrieben haben, vor allem die Reden von Präsident Hammond.[4] In der Hauptrolle des Filmes verpflichtete man Charakterdarsteller Walter Huston, welcher bereits drei Jahre zuvor Präsident Abraham Lincoln erfolgreich in einer Filmbiografie von David Wark Griffith verkörpert hatte. Als Vorlage des Filmes diente die Novelle Rinehard des Autors Theodore Frederic Tweed (1890–1940), welcher seinen Roman anonym nur kurz zuvor veröffentlicht hatte. Dabei war der Engländer Tweed wichtiger Berater des britischen Politikers David Lloyd George und hatte nie in Amerika gelebt.

Auch Franklin D. Roosevelt selbst soll das Drehbuch schon vorab gelesen und Änderungswünsche vorgeschlagen haben. Schließlich schrieb er: „Ich wollte dir diese Zeile schreiben, um dir zu sagen, wie erfreut ich mit den Änderungen bin, die du in Gabriel Over the White House gemacht hast. Ich denke, dass es ein extrem interessanter Film ist und sehr helfen wird.“[5] Roosevelt soll den Film mehrmals gesehen und sich begeistert gezeigt haben.

 
Roosevelt vor seiner Amtseinführung am 4. März 1933 (rechts), neben ihm der scheidende Präsident Herbert Hoover (links), welcher im Film durch das Verhalten Hammonds vor seiner Wunderheilung parodiert und kritisiert wird.

Bei Metro-Goldwyn-Mayer, welches den Film produzierte, wurde das Drehbuch intern als „reaktionär und radikal bis zum neunten Grade“ beschrieben.[6] Der MGM-Studioboss Louis B. Mayer erfuhr vom Inhalt des Filmes allerdings erst bei einem Preview. Mayer – ein strenger Republikaner – geriet über den Inhalt in Wut wollte den Film „wegsperren“, jedoch war er bereits gedreht und hatte immerhin über 260.000 US-Dollar (damals eine relativ normale Summe für einen Film) gekostet, weshalb Gabriel Over the White House letztlich doch in den Kinos erscheinen konnte. Der Film erschien in Zeiten des Pre-Code, einer Phase in Hollywood Anfang der 1930er-Jahre, wo noch keine greifende Zensur wie der Hays Code existierte und auch umstrittene und skandalöse Themen ihren Weg in den Hollywoodfilm fanden.[7] Die Kontrolleure der Motion Picture Association of America um ihren Präsidenten Will H. Hays, ehemals Postminister im republikanischen Kabinett von Warren G. Harding, sahen den Film zwar kritisch, konnten ihn aber nicht aufhalten.

RezeptionBearbeiten

Der Film entwickelte sich zu einem der größten kommerziellen Erfolge für MGM im Jahre 1933. Die Kritiken zum Film waren bereits bei seiner Veröffentlichung zwiegespalten: So sah etwa der New Republic ein „halbherziges Plädoyer für Faschismus“[8] und The Nation schrieb, der Film wolle „unschuldige amerikanische Kinozuschauer“ dazu bringen, eine faschistische Diktatur in ihrem Land gutzuheißen.[9] Mordaunt Hall schlug in der New York Times vom 1. April 1933 dagegen freundlichere Töne an: „Es ist eine kuriose, etwas übersinnliche und oftmals melodramatische Geschichte, aber dennoch eine, welche aktuell sehr interessant ist.“[10]

Auch Regisseur La Cava würde laut Hall die meisten Szenen mit der notwendigen „Imagination und Forschheit händeln“. Während Franchot Tone und Karen Morley als Hammonds Mitarbeiter nur mittelmäßige Leistungen abliefern würden, lobte Hall unter den Nebendarstellern Arthur Byron, C. Henry Gordon und David Landau. So umstritten der Film selbst war, wurde Walter Hustons Auftritt als Präsident Hammond einhellig von allen Seiten gelobt,[11] so schrieb Hall unter anderem, er sei „lebhaft und eindringlich“ in seinem Porträt des Präsidenten und würde dessen Stärken und Schwächen überzeugend darstellen.[10]

Heute schließen sich die meisten Rezensenten eher der Meinung von Mordaunt Hall an: Von den insgesamt 13 Kritiken auf Rotten Tomatoes fallen 12 positiv aus, womit es eine sehr gute Wertung von 93 % besitzt. Die meisten Kritiker befanden den Film zwar für recht seltsam und teilweise bizarr, aber dennoch als äußerst interessant und einzigartig.[12]

Der deutsche Film-Kurier schrieb 1934 über den Film: „Die schönste ethische Botschaft, die ein Filmkunstwerk des Auslandes ins neue Deutschland bringen konnte! (...) Nun bezeugt es Deutschland, gereift und emporgehoben zu sein zur völkischen Erneuerung, die der Film symbolhaft seinem Volke zeigt.“[13] MGM bewarb ihn besonders in Deutschland, da man sich der Ähnlichkeit der sozialen Probleme bewusst war.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. James Coobs: American Political Movies: An Annotated Filmography of Feature Films. Routledge, 2013, ISBN 978-0-415-72645-0, S. 23 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Michael Coyne: Hollywood Goes to Washington: American Politics on Screen. Reaktion Books, 2008, ISBN 978-1-86189-368-0, S. 23 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. a b Roger Streitmatter: Empty Without You: The Intimate Letters of Eleanor Roosevelt and Lorena Hickok. Simon and Schuster, 1999, ISBN 978-0-306-80998-9.
  4. a b „Gabriel over the White House“ bei Turner Classic Movies – Abschnitt „Notes“ Abgerufen am 7. November 2014.
  5. Jonathan Alter: The Defining Moment: FDR’s Hundred Days and the Triumph of Hope. Simon and Schuster, New York 2007, ISBN 978-0-7432-4601-9, S. 432.
  6. Gregory D. Black: Hollywood Censored: Morality Codes, Catholics, and the Movies. Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-56592-8 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Leonard J. Leff, Jerold Simmons: The Dame in the Kimono: Hollywood, Censorship, and the Production Code. University Press of Kentucky, 2001, ISBN 978-0-8131-9011-2 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Nancy Beck Young, William D. Pederson, Byron W. Daynes: Franklin D. Roosevelt and the Shaping of American Political Culture. Band 1. M. E. Shape, 2001, ISBN 0-7656-0621-6 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Michael E. Birdwell: Celluloid Soldiers: Warner Bros. Campaign Against Nazism. NYU Press, 1999, ISBN 0-8147-9871-3 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  10. a b Mordaunt Hall: Filmkritik zu „Gabriel over the White House“ vom 1. April 1933 aus dem Archiv der New York Times. Abgerufen am 7. November 2014.
  11. „Gabriel Over the White House“ bei Turner Classic Movies – Abschnitt „Articles“ Abgerufen am 7. November 2014.
  12. „Gabriel over the White House“ bei Rotten Tomatoes. Abgerufen am 7. November 2014.
  13. Film-Kurier, 1. März 1934