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Zwischen Himmel und Erde (1942)

ein 1941 entstandener, deutscher Kinofilm

Zwischen Himmel und Erde ist ein 1941 entstandener, deutscher Kinofilm von Harald Braun, der hier sein Regiedebüt gab. In den Hauptrollen sind Werner Krauß, Wolfgang Lukschy und Gisela Uhlen zu sehen. Als literarische Vorlage diente der gleichnamige im frühen 19. Jh. in einer thüringischen Kleinstadt spielende psychologische Roman von Otto Ludwig.

Filmdaten
OriginaltitelZwischen Himmel und Erde
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr1942
Länge101 Minuten
AltersfreigabeFSK 16
Stab
RegieHarald Braun
DrehbuchHarald Braun
Jacob Geis
ProduktionErich Holder (Herstellungsgruppe) für UFA, Berlin
MusikWerner Eisbrenner
KameraRobert Baberske
SchnittUrsula Schmidt
Besetzung

Inhaltsverzeichnis

HandlungBearbeiten

Xanten zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. Dachdeckermeister Justus Rottwinkel hat zwei Söhne, Mathias, der ältere, und Lonius, der jüngere. Von dem handfesten älteren Sohn, den Justus vorzieht, erwartet der Alte, dass dieser eines Tages seinen Betrieb übernimmt. Lonius hingegen ist vom Wesen her eher still und in sich gekehrt. Beide jungen Männer haben ein Auge auf Christine Burger geworfen, die Tochter des Schieferbruch-Besitzers Clemens Burger. Als Lonius von seinem Vater den Segen für die Ehe mit Christine erbittet, lehnt dieser ab, da er Christine für Mathias sichern will, und schickt stattdessen den Junior nach Köln zu seinem Vetter. Bevor er Xanten verlässt, bittet Lonius Mathias, Christine einen Brief zu übergeben, in dem er ihr seine überstürzte Abreise erklärt. Doch Mathias denkt gar nicht daran, Christine den Brief zu übergeben und lügt stattdessen der jungen Frau vor, dass Lonius sich einfach sang- und klanglos aus dem Staub gemacht und sie ohne mit der Wimper zu zucken verlassen habe.

Auf der Zugfahrt nach Köln lernt Lonius ein junges Paar kennen, das sich im Abschiedsschmerz befindet. Der Mann sei einberufen worden, wird ihm erzählt, an die Front im Krieg gegen Frankreich. Lonius bietet den beiden an, zusammenzubleiben. Stattdessen wolle er für den Reservisten ins Feld einrücken. Während Lonius an der Front Heldentaten vollbringt, ehelich Mathias die sich still fügende Christine. Sie erfährt jedoch nach der Hochzeit von Tante Fine Rottwinkel, dass Lonius sie mitnichten schmählich im Stich gelassen hat. Daraufhin entfremdet sich Christine immer mehr von Mathias, zumal dieser sich ungeniert mit Freudenmädchen verlustiert. Lediglich dem alten Rottwinkel zuliebe ist Christine bereit, an dieser verunglückten Ehe festzuhalten. Als Justus bei einer verunglückten Sprengung im Schieferbruch Burgers vorübergehend erblindet, übernimmt Mathias den Betrieb. Dessen Lebenswandel und geschäftliche Unfähigkeit bringen den Laden aber bald an den Rande des Ruins. Da kehrt eines Tages hochdekoriert Lonius nach Hause zurück.

Lonius liebt Christine noch immer, respektiert aber, dass sie jetzt die Ehefrau seines lotterlebigen Bruders ist. Die Leitung der Firma aber will er Mathias dennoch aus der Hand reißen, da diese sonst verloren gehe. Um irgendwie über die Runden zu kommen, nimmt Lonius auch einen wenig lukrativen Auftrag an: die Reparatur eines Schuldachs im Nachbarort. Zwischen den Brüdern kommt es zu einem heftigen Streit, und der alte Rottwinkel muss erfahren, dass er seit seiner Erblindung Mathias reihenweise Blankounterschriften ausgestellt hat. Als Justus Rottwinkel im Laufe der Zeit wieder zu sehen beginnt, beschließt er, dies zunächst niemandem mitzuteilen. Er überträgt nun Lonius die Firmenleitung. Mathias ist von den Entwicklungen der letzten Zeit derart enttäuscht, dass er sogar den Auftrag der Schuldachreparatur zu sabotieren beginnt.

Als Lonius am folgenden Tag mit dem von Mathias manipulierten Halterungsseil abstürzt, ist Justus Rottwinkel sofort klar, dass Mathias dahinter steckt. Er steigt auf den Kirchturm, wo Mathias derzeit arbeitet und verlangt von ihm, als Konsequenz sich in die Tiefe zu stürzen. Der verletzte Lonius kommt in Begleitung mit Christine hinzu. Mathias sieht nunmehr keine Chance, die Dinge in seinem Sinne zu regeln, und springt in die Tiefe, in den Tod. Nun ist Christine frei für Lonius, und gemeinsam mit dem Alten werden sie die Dachdeckerfirma wieder aufbauen.

Vergleich mit Otto Ludwigs RomanBearbeiten

1. Eine historische Einordnung ist schwierig, da Anspielungen auf politische Ereignisse fehlen. Die Romanhandlung spielt vermutlich in der ersten Hälfte des 19. Jhs. in einer namentlich nicht benannten thüringischen oder sächsischen Kleinstadt (Kirchturmreparatur im nahe der Stadt gelegenen Brambach als Hinweis) und in Köln während Apollonius' Arbeit beim Vetter.

2. Im Mittelpunkt des Romans steht ein Familienkonflikt. Apollonius Nettenmair und Christiane lieben sich insgeheim, sie sind jedoch zu schüchtern, dies dem anderen eindeutig zu signalisieren. Appolonius' älterer lebenslustiger und gewissenloser Bruder Fritz bemerkt dies, verspricht ihm, sich als Werber für ihn bei dem Mädchen einzusetzen, nutzt jedoch die Situation durch Falschinformationen – gegenseitiges Desinteresse bzw. Abneigung der Liebenden – für sich aus, instrumentalisiert den autoritären Vater, den Rivalen zur weiteren Ausbildung nach Köln zu schicken und erreicht schließlich sein Ziel, Christiane zu heiraten.

3. Sie haben bereits drei Kinder, als der alte, fast erblindete Vater seinen Jüngsten zur Unterstützung des Schieferdachdeckerbetriebs zurückruft. Fritz gelingt es weiterhin, sein Lügengebäude aufrecht zu erhalten, gerät aber zunehmend unter Druck, als Christiane durch zufällig gefundene Briefe Apollonis' an den Bruder aus Köln die Wahrheit erfährt, sich aber wegen ihrer Familiensituation noch nicht getraut, den Schwager zu informieren.

4. Die Enthüllung der Wahrheit verläuft in mehreren Etappen. Fritz leidet immer mehr an Realitätsverlust, er sieht sich nicht als Täter, sondern als Opfer von Verschwörungen seiner Frau und des Bruders, vernachlässigt seine Arbeit, ist mitschuldig am Tod der kleinen Tochter, wird alkoholabhängig und verschuldet sich und den Betrieb. Schließlich manipuliert er Apollonius' Seile. Aber nicht der Bruder, sondern ein anderer Dachdecker, der die Ausrüstung gestohlen und damit Apollonius' Aufstieg zum Turm verhindert hat, stürzt ab. Vater Nettenmair erfährt die Wahrheit, will sie aber vor der Öffentlichkeit geheim halten. Er stellt den Sohn zur Rede und fordert ihn auf, sich zur Ehrenrettung der Familie, als Arbeitsunfall getarnt, vom Turm zu stürzen. Durch die Nachricht von Apollonius' unversehrter Rückkehr kommt es jedoch nicht zur Ausführung des väterlichen Urteils. Stattdessen verbannt der Vater den Sohn und zwingt ihn zur Auswanderung nach Amerika. Fritz willigt scheinbar ein, reist ab, kehrt aber zurück, um sich mit dem Bruder, dem er Christiane nicht gönnt, vom Kirchturm zu stürzen. Dieser kann jedoch dem Ansturm ausweichen und sich dadurch retten. Die Öffentlichkeit interpretiert die Tat als Selbstmord einer gescheiterten Existenz. Der fleißige Apollonius dagegen, der inzwischen den Betrieb saniert und die Schulden getilgt hat, wird gegen Ende des Romans zum Helden verklärt: Nachdem er in einer Gewitternacht nach einem Blitzeinschlag in einer tollkühnen Aktion den Brand des Kirchturms gelöscht und damit die Ausbreitung des Feuers auf die Fachwerkgebäude verhindert hat, wird er als Retter der Stadt gefeiert.

5. Nach Fritzens Tod könnten Apollonius und Christiane heiraten, zumal die Öffentlichkeit dies erwartet und der Vater die Verhältnisse ordnen möchte, bevor Gerüchte über eine unmoralische Beziehung entstehen. Apollonius kann in seiner übersteigerten Gewissenhaftigkeit den Befehl jedoch nicht ausführen. Zum ersten Mal in seinem Leben widersetzt er sich zwar einem väterlichen Gebot und übernimmt endgültig die Führung des Familienunternehmens, aber er ist andererseits Gefangener seines übersteigerten Gewissens und gibt sich, obwohl ihm sein Verstand das Gegenteil sagt, eine Mitschuld am Tod des Bruders. Er hat teilweise dessen kranke Perspektive übernommen. So lebt er mit Christiane friedlich, geschwisterlich zusammen, erweitert den Betrieb um eine Schiefergrube und sorgt für die beiden Söhne. Der Ältere wird sein Nachfolger, für den Jüngeren arrangiert er eine Ehe mit der Erbin der Kölner Firma.

ProduktionsnotizenBearbeiten

Die Dreharbeiten zu Zwischen Himmel und Erde begannen am 3. Juli 1941 mit Atelieraufnahmen in den UFA-Ateliers von Berlin-Tempelhof. Zu den Außenaufnahmen, die vom 18. August bis Mitte Oktober 1941 andauerten, reiste die Filmcrew nach Xanten und Kaub. Die Uraufführung fand am 26. März 1942 im Mercator-Palast zu Duisburg statt, die Berliner Erstaufführung war am 11. Juni 1942. Dort lief der Film in gleich drei Erstaufführungstheatern an. Noch im selben Jahr wurde Zwischen Himmel und Erde auch in Dänemark und Finnland aufgeführt.

Erich Holder übernahm neben der Herstellungsgruppenleitung auch die Produktionsleitung. Walter Haag entwarf die Filmbauten. Von Alfred Bücken stammen die Kostümentwürfe, Werner Maas war Tonmeister. Der Schnittmeister Walter Wischniewsky diente hier Braun als einer von zwei Regieassistenten. Gespielt wurde ein Musiktitel: Wenn die Soldaten ziehen ins Feld.

Die Produktionskosten betrugen 1.441.000 Reichsmark.[1] Franz Seitz senior hatte denselben Stoff bereits sieben Jahre zuvor, 1934, mit Rudolf Klein-Rogge in der Hauptrolle unter demselben Titel verfilmt.

KritikenBearbeiten

„Ein gut gebauter, interessanter, ausgezeichnet gespielter Unterhaltungsfilm.“

– 'Der Filmberater’ (Luzern), Nr. 4, April 1942

„Das Filmdrama spielte im Rheinland in der Zeit 1870/71, was den Filmautoren die Gelegenheit für politische Anspielungen gab (…) Wirklich waren die Stärke des Films seine schauspielerischen Leistungen.“

– Boguslaw Drewniak: 'Der deutsche Film 1938–1945’. Düsseldorf 1987, S. 493

„Die Erzählung von Otto Ludwig (1856) wurde in der langatmigen, an preußischen Ehrbegriffen orientierten Verfilmung, die ihre Entstehungszeit trotz aller Schnitte schlecht verleugnen kann, nach Xanten und in die Jahre 1870/71 verlegt.“

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ulrich J. Klaus: Deutsche Tonfilme 12. Jahrgang 1942/43. S. 114 (55.42), Berlin 2001
  2. Zwischen Himmel und Erde. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 2. März 2017.