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Zwingli (Film)

Film von Stefan Haupt (2019)

HandlungBearbeiten

Der Film zeigt das Eintreffen Zwinglis in Zürich und das Erstaunen der Kirchgänger im Grossmünster, als er erstmals in einem Gottesdienst von der lateinischen Liturgie abweicht und auf Deutsch das Matthäus-Evangelium zu erläutern beginnt. Die öffentliche Übersetzung der Bibel als Gemeinschaftsarbeit aller reformwilligen Priester in der Kirche wird durch altgläubige Chorherren symbolisch gestört.

Die wichtige Rolle des weltlichen Grossen Rates der Stadt, der Zwingli in einer Disputation bescheinigt, keine nachweislichen Bibeluntreuen zu vertreten, kommt ebenso zum Ausdruck wie die trotzdem weiterhin vorhandenen Zwänge. Diese führen unter anderem dazu, dass Zwinglis radikaler Unterstützer und Täufer, Felix Manz, zum Tod verurteilt und ertränkt wird. Ein anderer Mitstreiter, Jakob Kaiser, wird in Schwyz als Ketzer verbrannt.

Zwinglis Frau Anna Reinhart versucht ihn mit Verweis auf seine früheren Aussagen zum Söldnertum davon abzubringen, im Jahr 1531 die Schlacht gegen die altgläubigen Innerschweizer zu suchen, von der er und Annas ältester Sohn nicht mehr zurückkehren sollten.

ProduktionBearbeiten

Mit einem Budget von 6 Millionen Franken war der Film für Schweizer Verhältnisse eine Grossproduktion. Aufgenommen wurde er während 37 Drehtagen[1] in den Monaten Februar bis April 2018.[2] Der Film erlebte seine Schweizer Premiere am 17. Januar 2019. Zwingli wurde am Wochenende des Kinostarts je nach Quelle zwischen 28'000 und 37'000 Mal gesehen und gelangte so direkt an die Spitze der Schweizer Kinocharts. Insgesamt erreichte der Film in der Schweiz etwas über 238'000 Kinozuschauer.[3] Damit zählt Zwingli laut ProCinema, dem Schweizer Verband für Kino und Filmverleih, zu den 20 erfolgreichsten Schweizer Kinospielfilmen der letzten 40 Jahre.[4]

Produziert wurde der Film von C-Films, EIKON und SRF.

RezeptionBearbeiten

Die Neue Zürcher Zeitung erwähnt, dass Zwingli sich zu Lebzeiten nie in den Vordergrund stellte und sich deshalb auch kaum zum Helden eigne. Zudem verlasse die Produktion in der Darstellung ihrer Hauptpersonen kaum je den Bereich der soliden Information: «Die Hauptfiguren bleiben blass, weil man ihnen nicht erlaubte, sich aus dem Korsett dessen zu befreien, was irgendwie als historisch verbürgt gelten kann.» Der Zuschauer wundere sich höchstens, dass er sich nicht langweile.[5]

Radio DRS 2 (Kontext) bespricht den Film in einer stündigen Sendung und beleuchtet neben Historischen, Sozialen, Religions- und Mediensoziologischen Aspekten insbesondere auch noch den speziellen Umgang mit der Filmmusik. Die Religionssoziologin weist u. v. a. kritisch darauf hin, dass die Auflösung der Frauenklöster das Ende der Möglichkeit für Frauen war, ein selbstbestimmtes, intellektuelles Leben zu führen.[6]

Die Weltwoche lässt den Schweizer Kirchenhistoriker und Zwingli-Kenner Peter Opitz einen Faktencheck durchführen. Er formuliert die Schwierigkeit einer filmischen Umsetzung des Stoffes wie folgt: Als historisches Werk müsse sich der Film an historische Ereignisse halten, dürfe jedoch kein minutiöses Aneinanderreihen von Gegebenheiten sein: «Hier gilt es, im Rahmen dessen zu bleiben, was die Quellen sagen, und die Dinge zugleich mutig und intelligent exemplarisch auf den Punkt zu bringen.» Genau dies sei dem Film mehrfach in eindrücklicher Weise gelungen. Als kleiner Betriebsunfall müsse einzig der allerletzte Satz des Films bezeichnet werden.[7]

TriviaBearbeiten

Charlotte Schwab, die Darstellerin der Mutter von Anna Reinhart und eine Gegnerin Zwinglis, ist leibliche Mutter des Zwingli-Darstellers Max Simonischek.

Auszeichnungen und Nominierungen (Auswahl)Bearbeiten

Schweizer Filmpreis 2019[8][9]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Zwingli - So läuft ein Drehtag am Filmset ab. 13. März 2018, abgerufen am 8. August 2019.
  2. Dominik Hug: Sein Mami spielt die böse Schwiegermutter. In: Blick.ch. 7. April 2018, abgerufen am 29. Januar 2019.
  3. ProCinema, Schweizer Verband für Kino und Filmverleih: Zwingli. Abgerufen am 8. August 2019.
  4. ProCinema: Filmdatenbank, Country: CH Switzerland. Abgerufen am 8. August 2019.
  5. Thomas Ribi: «Zwingli» zeigt fast alles, was man von Zwingli weiss. Doch der Reformator selber bleibt eine Leerstelle. In: Neue Zürcher Zeitung. 9. Januar 2019, abgerufen am 29. Januar 2019.
  6. Michael Sennhauser, Jenny Berg: Zwingli auf der Leinwand. In: DRS. 15. Januar 2019, abgerufen am 7. Juni 2019.
  7. Peter Opitz: «Politischer Reformator» Der Film «Zwingli» ist erfolgreich im Kino gestartet. Wie glaubwürdig ist das Werk aus historischer Sicht? In: Die Weltwoche. 23. Januar 2019, abgerufen am 30. Januar 2019.
  8. Nominationen für den Schweizer Filmpreis 2019. Abgerufen am 31. Januar 2019.
  9. Fünf Filmpreis-Nominationen für "Wolkenbruch". Artikel vom 30. Januar 2019, abgerufen am 31. Januar 2019.