Der Begriff Zwinger (früher auch Zwenger, Zwingel, mhd. twingære für Bedränger, Zwingherr; von zwingen) wird in mehreren Bedeutungen gebraucht, denen gemein ist, dass es sich dabei um einen irgendwie, besonders aber durch Mauern umschlossenen Raum handelt. Heute meist mit der Bedeutung Tierkäfig.

Hundezwinger

WortgeschichteBearbeiten

Ursprünglich bedeutete Zwinger der Raum zwischen Stadtmauer und Graben, heute ist meist ein Hundezwinger oder Raubtierkäfig gemeint.[1] Seit dem 15. Jahrhundert ist die Bedeutung des Begriffes als umzäumter Auslauf für Hunde und wilde Tiere belegt.[2] Im 15. bis 17. Jahrhundert bezeichnete man mit Zwinger jemanden, der andere zu etwas zwingen konnte oder gewalttätig behandelte, meist herren- und heimatlose Menschen, besonders aber abgedankte Kriegsknechte, die im Land herumzogen und allerlei Gewalttätigkeiten verübten (gewöhnlich verwendete man das Wort zusammengesetzt, wie etwa Landzwinger); Zwinger war auch die ehemalige Bezeichnung für Zwangsvollstrecker.[3]

Bei alten Stadtbefestigungen hieß der Raum zwischen zwei Umfassungsmauern so, sowie die Erweiterung dieses sogenannten Rondengangs an den Toren zu einem Vorplatz und vor allem der häufig hier stehende, zu Geschütz eingerichtete dicke Turm. Danach wurde die Bezeichnung auch auf andere Türme ausgedehnt, und da diese Türme oft als Gefängnisse dienten, verwendete man sie auch für Gefängnisse allgemein. Des Weiteren spricht man zum Beispiel heute noch von einem Bärenzwinger. Zwinger heißt auch der Graben, der eine Burg ganz oder zum Teil umschließt und besonders in späterer Zeit als Tiergehege benutzt wurde. Im Mittelalter wurde auch das Frauengemach der Frauenzwinger genannt (auch mit den Bedeutungen Harem und Gynaeceum[4]), wohl ohne dabei auf das Moment einer Einsperrung besonderes Gewicht zu legen.[5] Jungfernzwinger war ein neugeschaffene Wort der Sprachpfleger für ein Nonnenkloster, worüber ihre Zeitgenossen sich lustig machten.[6]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Duden | Zwinger | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. Abgerufen am 8. Juni 2022.
  2. Dudenredaktion (Hrsg.): Duden - Das Herkunftswörterbuch: Etymologie der deutschen Sprache. Bibliographisches Institut GmbH, 2020, ISBN 978-3-411-91291-9, S. 959.
  3. Johann Christian August Heyse: Handwörterbuch der deutschen Sprache: stehen bis Z. Wilhelm Heinrichshofen, Magdeburg 1849, S. 2189.
  4. Joachim Heinrich Campe: Wörterbuch der deutschen Sprache, F - K. Band 2. Schulbuchhandlung, Braunschweig 1808, S. 155.
  5. Otto Piper: Burgenkunde: Forschungen über gesammtes Bauwesen und Geschichte der Burgen innerhalb des deutschen Sprachgebietes. Ackermann, 1895, S. 11 - 12.
  6. Dudenredaktion: Duden - Das Herkunftswörterbuch: Etymologie der deutschen Sprache. Bibliographisches Institut GmbH, 2020, ISBN 978-3-411-91291-9, S. 58.