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Zoege von Manteuffel

baltisches Adelsgeschlecht

Zoege von Manteuffel oder Manteuffel genannt Szoege bzw. Manteuffel-Szoege ist der Name eines alten baltischen Adelsgeschlechts, das im Baltikum mit Gerardus Soye beginnt, der als wierländischer Vasall des Königs v. Dänemark Christian VI. nebst 40 anderen am 11. Juni 1325 urkundlich erwähnt wird. 1333 u. 1360 wird "Johannes dictus Zoge" als Domherr von Dorpat erwähnt. In einer Urkunde vom 30. Juni 1390 werden Henneke u. Gert Soye als Söhne des Claus bezeichnet. Hermann, Claus, Otto und Hans Soye siegelten 1428 auf der Urkunde des Erzbischofs mit dem Deutschorden.

NameBearbeiten

Der Name wechselte zwischen Zoye, Soye, Soeghe, Zoeghe, Zöge, Szöge, Zoege und Szoege oder auch anderen Schreibweisen. Der Beiname „Manteuffel“ wurde erstmals in Kurland im 17. Jahrhundert, später auch in Estland u. Livland angenommen und ist heute vereinfachend oft als Hauptname gebräuchlich. Vermutlich handelt es sich um eine Familie von Deutsch-Balten bzw. deutschstämmigen Rittern, die gegen Ende des 12. Jahrhunderts im Rahmen der Deutschen Ostsiedlung mit dem Schwertbrüderorden ins Land kam.

Es besteht keine Verwandtschaft zur pommerschen Familie mit dem Namen von Manteuffel, die auch ein anderes Wappen führt. Warum die kurländische Familie Szoege diesen Namen zusätzlich annahm, ist unklar.[1] Die kurländische Linie siegelte erstmals 1528 mit einem dem Wappen der Zoeges aus Estland nahezu identischen Wappen. Der polnische Rittmeister Evert (Eberhard) Soye auf Zunzen schrieb sich 1601 als erster – zunächst einmalig – „Szoege gen. Manteuffel“. Erst sein Sohn Eberhard (1590–1637) benutzte den Beinamen Manteuffel regelmäßig. Eine 1909 verlegte Familiengeschichte der kurländischen Linie führte zwei erfundene Ehepaare auf, die sie mit der pommerschen Linie verknüpfte, was schon Monate später berichtigt wurde. Der 1894 gegründete „Manteuffelsche Familienverband e.V.“ umfasst alle Namensträger.

Linien der FamilieBearbeiten

Von der Stammfamilie, die (als Zoege v. Manteuffel) bis zum 2. Weltkrieg in Estland blieb, zweigen folgende Linien ab:

  • 1520 die (dort besitzliche) Kurländische Linie v. Manteuffel gen. Szoege / v. Manteuffel – Szoege mit den 3 Häusern Katzdangen, Laiden u. Sirgen-Appussen, seit 1862 russ. Barone.[2]
  • 1531 die Linie Insel Oesel, Kursk, Pensa, noch heute in Moskau
  • 1531 die Linie Ennenberg/Eckengraf nebst (Reichs-)Gräflichem Ast (Estland, seit 1759–1953) und Ast Bersegall (Poln. Livland seit 1737, noch heute in Polen u. Kanada)
  • 1746 die Linie Rendsburg (vM gen. Zoegen).

Namensträger der StammfamilieBearbeiten

 
Wappen der Zoege von Manteuffel
  • Wilhelm Johann I. Zoege von Manteuffel (1704–1762), Hzgl. Holstein. General en Chef, Kommandeur der Holsteinischen Truppen, russ. Kammerherr
  • Otto Jacob Freiherr Zoege von Manteuffel (1718–1796), Kgl. schwed. General (1792), Kommandeur des Schwed. Schwertordens (1748), a.o. schwed. Abgesandter am preußischen Hof (1766–1782), schwed. Freiherr (1771)
  • Wilhelm Johann II. Zoege von Manteuffel (1745–1816), Hzgl. Holstein. Kapitän u. Assessor
  • Helene Marie (Lilla) Zoege von Manteuffel (1773–1842), Ehefrau des Malers Gerhard von Kügelgen
  • Emilie Zoege von Manteuffel (17887–1835), Ehefrau des Malers Carl von Kügelgen
  • Otto Zoege von Manteuffel (1822–1889), deutschbaltischer Porträt-, Genre- und Landschaftsmaler der Düsseldorfer Schule
  • Ursula Zoege von Manteuffel (1850–1910), Schriftstellerin, Autorin von 17 (meist stark romantisierenden) Romanen, publiziert ab 1877
  • Eva (Magda) Zoege von Manteuffel (1852–1939), balt. Landschaftsmalerin (Aquarelle)
  • Werner Zoege von Manteuffel (1857–1926), Dr. med., Prof. der Chirurgie an der Univ. Dorpat, russ. Wirkl. Staatsrat, Ehrenleibchirurg des Zaren, benutzte als Erster sterile Gummihandschuhe bei Operationen (um 1990)
  • Peter Zoege von Manteuffel (1866–1947), Deutschbaltischer Roman-Schriftsteller u. Balladendichter, erhielt wg. seiner zahlreichen Werke über die estnische Bevölkerung 1935 den Literaturpreis d. Republik Estland
  • Kurt Zoege von Manteuffel (1881–1941), Kunsthistoriker, Prof. Dr. phil., Direktor d. Staatl. Kupferstichkabinetts in Dresden
  • Ernst Baron Zoege von Manteuffel (1867–1923), auf Wechmuth (bis 1918), russ. Ehrensfriedensrichter (1905–1915), Vizepräsident d. Verbandes des Estländ. Stammadels (1922–1923)
  • Claus Zoege von Manteuffel (1926–2009), Kunsthistoriker, Prof. Dr. phil., zul. Direktor d. Landesmuseums Baden-Württemberg

Namensträger der Kurländ. LinieBearbeiten

 
Wappen der Manteuffel gen. Szoege
  • Carl I. Manteuffel-Szoege († um 1545), bischoflicher Landrat auf Katzdangen, Blendinen u. Ackmen in Kurland
  • Carl II. Manteuffel-Szoege († um 1577), herzoglicher Rat und Stiftsvogt (seit 1561) in Kurland
  • Eberhard von Manteuffel-Szoege (1590–1637), der Erste der Gesamtfamilie, der sich durchgehend mit dem Beinamen Manteuffel schmückte, Mitglied der „Fruchtbringende Gesellschaft“
  • Christopher Levin Baron Manteuffel-Szoege (1725–1802), Landesbevollmächtigter der Kurländischen Ritterschaft in Warschau
  • Alfred Carl Vincent von Manteuffel-Szoege (1761–1840), kgl. poln. Kammerherr, stellv. Reg.-Rat und Oberburggraf des kurl. Oberhofgerichts
  • Karl Wilhelm Georg Baron Manteuffel-Szoege (1820–1884), Oberhofmeister und kurländischer Landesbevollmächtigter
  • Karl Georg von Manteuffel (1846–1895), kurländischer Rittergutsbesitzer und Kreismarschall von Grobin
  • Georg Baron Manteuffel-Szoege (Kreismarschall) (1862–1919), deutscher Politiker und Kreismarschall von Grobin in Kurland
  • Nikolaus Baron von Manteuffel-Szoege (1870–1933), kurländischer Rittergutsbesitzer, Kreismarschall von Grobin, Res. Kreismarschall in Mitau
  • Carl Baron Manteuffel-Szoege (1872–1948), auf Katzdangen, Kreismarschall in Hasenpoth, Dr. phil., Dr. med. h. c.
  • Leon (Leo) Baron von Manteuffel-Szoege (1887–1955), Fideikommissbesitzer von Zierau in Kurland
  • Georg (Georges) Baron Manteuffel-Szoege (1889–1962), Politiker (CSU), MdB (1953–62) und Präsident des Hauptamtes für Soforthilfe (ab 1950), Vorsitzender der Deutsch-Baltischen Landsmannschaft (seit 1950), Präsident des Bundes der Vertriebenen (1957–59)
  • Hans von Manteuffel-Szoege (1894–1919), deutsch-baltischer Offizier und Kommandeur in der Baltischen Landeswehr (seit Ende 1918)
  • Friedrich Karl Baron von Manteuffel-Szoege (* 1945), Schauspieler (Bühnenname: Felix von Manteuffel)

Namensträger der Linie Oesel/Kursk/Pensa/MoskauBearbeiten

  • Alexander Zoege von Manteuffel (1835–1899), Abgeordneter im Kreis-Gouvernement Kr. Serpuchow, Schriftsteller, publizierte viel Besprechungen ausländischer Literatur, Übersetzer dt. Dichter (z. B. Heinrich Heines) ins Russische, Korrespondent div. russ. Zeitungen
  • Pëtr Alexandrowitsch Zoege von Manteuffel (1882–1960), Biologe, Jagdexperte, Dir. d. Ornithologischen Abt. d. Moskauer Zoos, dann d. Moskauer Zoos, Autor
  • Jurij (Yurii) Zoege Manteuffel (Manteifel) (1933–2016), Prof., Ph.D., Biologe, ZooPhysiologe, bis 2010 Leiter d. Labors für Vergleichende Neurobiologie von Säugetieren am Severtsow Institut für Ökologie und Evolution, Russ. Akademie der Wissenschaften in Moskau, Autor zahlreicher Fachartikel

Namensträger der Linie Ennenberg/Eckengraf – Grafen vM – Haus Bersegall, PolenBearbeiten

 
Wappen des Landrats Gotthard Johann Graf Manteuffel (Stamm Zoege) – irrtümlich (!) das der Pommerschen Manteuffels
  • Gotthard Johann Gf von Manteuffel (1690–1763), Reichsgraf Wien 1759, Estländ. Landrat, stellv. Generalgouverneur v. Reval
  • Andreas Gotthard Gf von Manteuffel (1714–1768), Majoratshr auf Talkhof, Kais. russ. GenLt, Estländ. Landrat
  • Ludwig Wilhelm Gf von Manteuffel (1726–1791), Livländ. Landrat, russ. GehStRat, Ritter d. russ. St. Wladimirordens, Präsident d. I. Dept. d. Livländ. Olandgerichts in Riga
  • Peter Gf von Manteuffel (1768–1842), deutschbaltischer Literat in estnischer Sprache, wegen seiner ausgefallenen Erfindungen „der verrückte Graf“ genannt
  • Gotthard Johann (Iwan) Graf von Manteuffel (1771–1813), Kais. russ. Generalmajor, Kommandeur des St. Petersburger Dragoner-Regiments, gefallen in der Völkerschlacht v. Leipzig
  • Gustaw Baron von Manteuffel-Szoege (1832–1916), Privatgelehrter, Historiker, Ethnograph, Mitgl. d. Poln. Akademie d. Wissenschaften, Autor von „Inflanty Polskie“ (1879), dem Standardwerk über Poln. Livland (auch Lettgallen genannt), u. von „Terra Mariana 1186-1888“, einer Sammlung von Stahlstichen u. Federzeichnungen in 4 Alben, Sammler von livl. Volksliedern
  • Jerzy Manteuffel-Szoege (1900–1954), Dr. phil., Prof. Univ. Lublin, Breslau u. Warschau, Papyrologe
  • Tadeusz Manteuffel-Szoege (1902–1970), Dr. phil., Prof. Univ. Warschau, polnischer Historiker, Mitgl. d. Poln. Akademie d. Wissenschaften
  • Ryszard Manteuffel-Szoege (1903–1991), Dr. agr., Dr. h. c. (multi), Prof. für Agrarökonomie Univ. Warschau, Mitgl. d. Poln. Akademie d. Wissenschaften
  • Leon Manteuffel-Szoege (1904–1973), Dr. med., Prof. Univ. Warschau, polnischer Herzchirurg und Hochschullehrer, „Vater d. polnischen Thoraxchirurgie“

GalerieBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Damit besteht eine Parallele mit den baltischen von der Osten-Sacken, die ursprünglich von Sacken hießen und ab 1544 Namen und Wappen der pommerschen von der Osten annahmen.
  2. Baltische Historische Kommission (Hrsg.): Eintrag zu Manteuffel gen. Szöge, v.. In: BBLD – Baltisches biografisches Lexikon digital