Zittergras-Segge

Art der Gattung Seggen (Carex)
Zittergras-Segge
Zittergras-Segge (Carex brizoides)

Zittergras-Segge (Carex brizoides)

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Sauergrasgewächse (Cyperaceae)
Gattung: Seggen (Carex)
Art: Zittergras-Segge
Wissenschaftlicher Name
Carex brizoides
L.
Blütenstand
Zittergras-Segge, bestandsbildender Aspekt im Wald

Die Zittergras-Segge (Carex brizoides), auch Alpengras, Seegras-Segge, Waldhaar oder Rasch gehört zur Gattung der Seggen (Carex) und ist ein in Süd- und Südwestdeutschland stellenweise sehr häufig vorkommendes Sauergrasgewächs (Cyperaceae). Für die Region Kärnten ist auch der Trivialname Sacher belegt.[1]

BeschreibungBearbeiten

Die Zittergras-Segge ist eine mit 30 bis 70 cm Wuchshöhe mittelhohe Segge von weißlichgrüner bis gelb-bräunlicher Färbung. Oftmals ist sie bestandsbildend und wächst in ausgedehnten, dichten Rasen. In diesem Zustand sehen die Bestände aus wie ein wogender See, woher die Pflanze ihren Namen hat. Sie besitzt lange, schlaffe, übergebogene bis fast liegende Blätter und Stängel. Der Stängel ist scharf dreikantig.

Die Blütezeit dauert von Mai bis Juni. Die Blütenstände sind locker, die Spelzen zunächst rotbraun und weißhäutig glänzend, später jedoch strohgelb und stumpf. Die blassgelben Ährchen stehen zu sechst bist zu acht, sind meist abwärts oder auswärts gekrümmt, schmal lanzettlich und 8 bis 10 mm lang.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 58.[2]

Vorkommen und StandorteBearbeiten

Das Verbreitungsgebiet der Zittergras-Segge reicht von Mittel- und Südeuropa bis zur Ukraine und zur nordwestlichen Türkei.[3]

Die Zittergras-Segge ist in Mitteleuropa verbreitet und kommt in Nadelholzforsten, Gebüschen, Säumen, Schlägen, waldnahen Frisch- und Feuchtwiesen sowie deren Brachen, aber auch in Laubmischwäldern vor. Sie wächst auf stau- bis sickerfeuchten, basen- und nährstoffarmen, mäßig sauren, humosen Sand- und Lehmböden mit zeitweise hochstehendem oder durch Verdichtung gestauten Bodenwasser. Sie ist ein Vernässungs- und Verdichtungszeiger. Sie gedeiht in Gesellschaften der Verbände Alno-Ulmion, Carpinion, Fagion oder Calthion.[2] In den Allgäuer Alpen steigt sie nur wenig über 1000 Meter über Meereshöhe auf.[4]

NutzungBearbeiten

Früher wurde es als Polstermaterial so stark benutzt, dass in einzelnen Waldungen des Rheintals das Einkommen aus dieser Nebennutzung den Ertrag aus der Holzproduktion überstieg. Es wurde durch Ausrupfen (in Oberösterreich durch Mähen) gewonnen und an sonnigen Orten getrocknet. Man drehte mit einfachen Maschinen Seile daraus und brachte es in dieser Form in den Handel. Durch diese sogenannte Seegrasspinnerei kräuselt sich das Material und ist zur Füllung von Matratzen dem zuvor verwendeten Stroh deutlich überlegen. Vor allem während der Weltkriege, als Fasermaterial knapp und der Bedarf an Feldbetten hoch war, war Seegras in Mode. Einen letzten Höhepunkt erlebte die Seegrasspinnerei während des Koreakriegs, bevor es durch Kunststoffe abgelöst wurde. In geringerer Menge benutzte man das Alpengras auch zu Flechtarbeiten, wie Tragbändern, Schuhen, Matten etc.[5] Hierfür darf es aber nicht versponnen werden, sondern soll glatt bleiben.

QuellenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 81. (online).
  2. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 173.
  3. Rafaël Govaerts (Hrsg.): Carex brizoides. In: World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) – The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Abgerufen am 14. Oktober 2016.
  4. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 244.
  5. Carex brizoides. In: Meyers Konversationslexikon, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885–1892.

LiteraturBearbeiten

  • Otto Schmeil, Jost Fitschen, Siegmund Seybold: Flora von Deutschland und angrenzender Länder, 93. Auflage, Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co., Wiebelsheim 2003, ISBN 3-494-01413-2.
  • Hans-Joachim Zündorf, Karl-Friedrich Günther, Heiko Korsch und Werner Westhus (Hrsg.): Flora von Thüringen. Weissdorn-Verlag, Jena 2006, ISBN 3-936055-09-2.
  • Wolfgang Merk: Seegrasspinnerei in Warthausen, Warthausen 2013

WeblinksBearbeiten

Commons: Zittergras-Segge – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien