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Der Zietenplatz ist ein Platz im Berliner Ortsteil Mitte im Verlauf des westlichen Teils der Mohrenstraße zwischen Wilhelmstraße und Mauerstraße. Der östlich an den historischen Wilhelmplatz (ab 1949: Thälmannplatz, seit 1987 aus dem Straßenregister gestrichen) grenzende Zietenplatz erhielt seinen Namen, den er schon von 1849 bis 1968 getragen hatte, am 9. April 2008 zurück. Namensgeber ist der preußische Reitergeneral Hans Joachim von Zieten.

Zietenplatz
Coat of arms of Berlin.svg
Platz in Berlin
Zietenplatz
Historisch gestaltetes Platzschild
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Mitte
Angelegt 1737
Neugestaltet 2004–2007
Einmündende Straßen
Mohrenstraße (nördlich und südlich),
Mauerstraße (westlich)
Bauwerke Landesvertretung des Freistaates Thüringen,
Botschaftsgebäude von Nordkorea
Nutzung
Nutzergruppen Fußgänger
Platzgestaltung langgestrecktes Oval
Technische Daten
Platzfläche rd. 1400 m²
Baukosten 1,5 Mio. Euro (2008)

GeschichteBearbeiten

Der historische Platz wurde im Jahr 1737 als Exerzierplatz angelegt[1] und am 4. April 1849[2] zu Ehren des preußischen Generals Hans Joachim von Zieten benannt.[3] Zu dieser Zeit war er bereits mit neun Mehrfamilienhäusern auf beiden Seiten bebaut.[4] Unmittelbar östlich stand auf dem dreieckigen Areal an der Zusammenführung von Mauer- und Kanonierstraße (seit 1951: Glinkastraße) die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Dreifaltigkeitskirche.

Im Zweiten Weltkrieg wurden sowohl der Zietenplatz als auch der angrenzende Wilhelmplatz aufgrund ihrer Nähe zur Reichskanzlei bei Bombenangriffen und in der Schlacht um Berlin durch sowjetischen Artilleriebeschuss fast vollständig zerstört.[1] Bei der Neugestaltung des Areals in der DDR-Zeit wurde der Platz 1968 schließlich eingezogen[3] und Teil der Mohrenstraße. Er diente als Abstellfläche für Kraftfahrzeuge.[1]

Im Sommer 2007 konnte der in seiner historischen Form mit drei Pflanzenbeeten, breiten mit kleinteiligem Pflaster belegten Gehwegen und Sitzbänken neu gestaltete Zietenplatz nach fast drei Jahren Bauzeit[1] der Öffentlichkeit übergeben werden. Die Rekonstruktion des Areals kostete einschließlich der Straßenbauarbeiten 1,5 Millionen Euro.[5] Am 9. April 2008 erhielt der Zietenplatz mit einer kleinen Feier seinen Namen zurück.[3]

Bauwerke (Auswahl)Bearbeiten

An der nordöstlichen Ecke befindet sich die Landesvertretung des Freistaates Thüringen. Das Botschaftsgebäude von Nordkorea begrenzt die Südseite des Platzes. Bis zum Zweiten Weltkrieg stand hier das Hotel Kaiserhof, von dem aus die NSDAP Anfang der 1930er Jahre ihren Wahlkampf führte.

StatuenBearbeiten

In den Jahren 1769 bis 1786 ließ Friedrich der Große auf dem Wilhelmplatz Marmorstatuen von vier bedeutenden Militärführern Preußens aufstellen, die im Krieg gefallen waren. 1862 ersetzte die Verwaltung die witterungsmäßig angegriffenen Figuren durch Bronze­versionen. Bei den Umgestaltungen der 1960er Jahre verbrachte die DDR im Zuge der Kritik am „preußischen Militarismus“ die unbeschädigten Denkmale in Depots. Im Jahr 2009 veranlasste die Schadow-Gesellschaft ihre Wiederaufstellung auf dem Zietenplatz. Es handelt sich um:

  • Kurt Christoph Graf von Schwerin (1684–1757), Generalfeldmarschall,
    Marmororiginal von François-Gaspar-Balthasar Adam und Sigisbert Michel, 1769 aufgestellt, 1862 ersetzt durch eine neugestaltete Bronzeversion von August Kiss (nicht mehr antikisierend)
  • Hans Karl von Winterfeldt (1707–1757), Generalleutnant,
    Marmororiginal von Johann David Räntz d. J. und Lorenz Wilhelm Räntz, 1777 aufgestellt, 1862 ersetzt durch eine ebenfalls neugestaltete Bronzeversion von August Kiss
  • Jakob von Keith (alias James Keith, 1696–1758), Generalfeldmarschall,
    Marmororiginal von Jean-Pierre-Antoine Tassaert, 1786 aufgestellt, 1862 ersetzt durch eine Bronzekopie von August Kiss
  • Friedrich Wilhelm von Seydlitz (1721–1773), General der Kavallerie,
    Marmororiginal von Jean-Pierre-Antoine Tassaert, Lehrer von Johann Gottfried Schadow, 1781 aufgestellt, 1862 ersetzt durch eine Bronzekopie von August Kiss.

Sie bilden ein Ensemble mit den beiden ebenfalls unter Federführung der Schadow-Gesellschaft (2003 und 2005) auf dem ehemaligen Wilhelmplatz wieder aufgestellten Figuren:

  • Hans Joachim von Zieten (1699–1786), Reiter- bzw. Husaren-General,
    Marmororiginal von Johann Gottfried Schadow mit drei Marmortafeln, 1794 aufgestellt, 1857 durch Bronzekopien von August Kiss ersetzt
  • Fürst Leopold I. von Dessau (genannt: der Alte Dessauer, 1676–1747), Generalfeldmarschall,
    Marmororiginal von Johann Gottfried Schadow, 1800 aufgestellt, ersetzt 1857 durch Bronzekopie von August Kiss.[6]

Die Bildwerke dieser sechs Persönlichkeiten repräsentieren im Zentrum Berlins zusammen mit dem Reiterstandbild Friedrichs des Großen auf dem Boulevard Unter den Linden (nahe Bebelplatz bzw. Forum Fridericianum) buchstäblich plastisch die Epoche des Alten Fritz und seiner Kriege (siehe: Schlesische Kriege).

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Zietenplatz (Berlin-Mitte) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Thomas Fülling: Berlin hat wieder einen Zietenplatz. In: Berliner Morgenpost, 7. Juni 2007.
  2. Zietenplatz (historisch). In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins
  3. a b c Zietenplatz. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  4. Ziethenplatz. In: Allgemeiner Wohnungsanzeiger für Berlin, Charlottenburg und Umgebungen, 1850, T.I, S. 159 (Die damalige Schreibweise war mit „h“.).
  5. Uwe Aulich: Berlin hat wieder einen Zietenplatz. In: Berliner Zeitung, 7. Juni 2007.
  6. Schadow-Gesellschaft vervollständigt Denkmal auf dem Zietenplatz, Pressemitteilung von 2009, abgerufen am 7. Februar 2016.

Koordinaten: 52° 30′ 42,6″ N, 13° 23′ 7,1″ O