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Zeuge der Anklage

Film von George Stevens (1942)

Zeuge der Anklage (Originaltitel: The Talk of the Town) ist ein US-amerikanisches Comedy-Drama mit Cary Grant, Jean Arthur und Ronald Colman aus dem Jahr 1942. Regie führte George Stevens.

Filmdaten
Deutscher TitelZeuge der Anklage
OriginaltitelThe Talk of the Town
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1942
Länge119 Minuten
Stab
RegieGeorge Stevens
DrehbuchSidney Buchman,
Sidney Harmon,
Dale Van Every,
Irwin Shaw
ProduktionGeorge Stevens für Columbia Pictures
MusikFriedrich Hollaender
KameraTed Tetzlaff
SchnittOtto Meyer
Besetzung

Inhaltsverzeichnis

HandlungBearbeiten

In einem Dorf in Neuengland brennt eine Mühle nieder, wobei der Vorarbeiter Bracken angeblich ums Leben kommt. Der Eigentümer der Mühle, Andrew Holmes, der die Presse sowie den Richter hinter sich weiß, beschuldigt den stadtbekannten Aktivisten Leopold Dilg der Brandstiftung und des Mordes. Es kommt zur Anklage, doch Leopold entkommt aus dem Gefängnis und versteckt sich in einem vermeintlich leeren Ferienappartement, das der Lehrerin Nora Shelly gehört. Nora ist gerade dabei, das Appartement für den Besuch von Michael Lightcap, einem bekannten Strafrechtsprofessor aus Harvard, herzurichten. Lightcap will die Sommerfrische nutzen, um in Ruhe an einem rechtsphilosophischen Werk zu schreiben.

Dilg, der sich bei der Flucht am Knöchel verletzt hat, bittet Nora verzweifelt, ihm zu helfen. Zunächst skeptisch, lässt sich Nora am Ende doch darauf ein, zumal Leopold ihr glaubhaft versichert, unschuldig an der Tat zu sein. Nora, Leopold und Sam Yates, ein Anwalt und alter Studienkollege von Lightcap, der an Leopolds Unschuld glaubt, versuchen Lightcap dazu zu bringen, sich in dem Fall zu engagieren. Indes, der Professor beschäftigt sich lieber mit der Theorie als mit einem realen Kriminalfall. Leopold, der sich gegenüber Lightcap als Gärtner Joseph ausgibt, gewinnt trotz gelegentlicher Meinungsverschiedenheiten über das amerikanische Rechtssystem die Sympathie des Professors. Lightcap ist der Meinung, dass Gesetzestexte stets Wort für Wort zu befolgen seien, während Leopold den Einfluss des persönlichen Gewissens und der eigenen Überzeugungen in den Mittelpunkt des Handels stellt.

Als Lightcap die wahre Identität seines angeblichen Gärtners entdeckt, will er diesen gesetzestreu der Polizei ausliefern. Leopold kann sich erneut vor der Polizei verstecken. Lightcap beginnt sich nun aber für den Fall zu interessieren. Er gibt vor, sich für Regina, die Freundin des angeblich toten Arbeiters Bracken, zu interessieren und geht dabei so weit, seinen Bart abzurasieren. Der Coup gelingt und Regina gesteht ihm, dass Bracken noch lebt und sich in Chicago versteckt hält. Nora, Leopold und Lightcap können Bracken fassen und bringen ihn in die Kleinstadt zurück. Als sie sich aber streiten, ob sie die Polizei anrufen sollen, kann Bracken ihnen entkommen. Leopold wird festgenommen und kommt erneut vor Gericht. Um Fakten zu schaffen, hetzt Andrew Holmes die Kleinstadt auf und ein Mob formiert sich, um die Gerechtigkeit in die eigene Hand zu nehmen. Doch am Ende gelingt es Michael, den flüchtigen Bracken zu finden und vor den Richter zu bringen. Damit nicht genug; Lightcap gelingt es schließlich, mit einer Rede über die Bedeutung eines funktionierenden Rechtsstaates den wütenden Mob zu beruhigen.

Bracken wird Zeuge der Anklage und gesteht, dass der Mühlenbrand im Auftrag von Holmes inszeniert wurde, da dieser ohne die Summe der Versicherung bald pleite gewesen wäre. Leopold wird freigesprochen, Holmes und der korrupte Richter verhaftet und Michael Lightcap in den Supreme Court gewählt. Michael und Leopold hatten Nora im Laufe der Ereignisse jeweils einen Heiratsantrag gemacht, ohne dass die junge Frau sich wirklich entscheiden konnte. Michael nimmt ihr die Entscheidung ab und verzichtet zugunsten der neuen Würde auf eine Ehe mit Nora. Sie verlässt den Gerichtshof mit Leopold.

HintergrundBearbeiten

George Stevens war seit Alice Adams aus dem Jahr 1935 stetig zu einem der bedeutendsten Regisseure der Zeit aufgestiegen. Sein Prestige war 1941 so groß, dass er mit Columbia Pictures einen Vertrag aushandeln konnte, der ihm völlige künstlerische Freiheit und das Recht für den Endschnitt garantierte. Stevens gehörte neben Irene Dunne zu den ganz wenigen Menschen in Hollywood, die mit dem cholerischen Studioboss Harry Cohn gut zurechtkamen. Cohn war nach dem Weggang von Frank Capra bemüht, seinem Studio weiterhin Prestige und Anerkennung zu sichern. Der erste Film unter den Bedingungen war Penny Serenade, der Irene Dunne und Cary Grant als Eheleute zeigte, die den Verlust ihres einzigen Kindes ertragen müssen. Die Produktion wurde unter anderem als Bester Film des Jahres für den Oscar nominiert.

Es dauerte eine Weile, bis Stevens den geeigneten Stoff für die zweite Produktion fand. Erneut griff er auf Cary Grant zurück. Die weibliche Hauptrolle übertrug er dem größten weiblichen Star des Studios, Jean Arthur. Die notorisch schüchterne Schauspielerin entwickelte so etwas wie Zutrauen zu Stevens und beide sollten unmittelbar im Anschluss in The More the Merrier wieder zusammenarbeiten. Stevens nannte Arthur einmal die größte Komödiantin, die er je getroffen habe. Arthur und Grant hatten bereits 1939 unter der Regie von Howard Hawks in Only Angels Have Wings zusammen gespielt. Für Ronald Colman war der Film das langersehnte Comeback. Nach etlichen Flops lag die Karriere des 51-jährigen, der noch in Stummfilmtagen an der Seite von Vilma Bánky zu Ruhm gekommen war, am Boden. Zuerst weigerte er sich, den Part anzunehmen, da er Cohn seit den Dreharbeiten zu Lost Horizon abgrundtief hasste. Auch war es für Colman nicht einfach, erst an dritter Stelle neben den anderen Stars angekündigt zu werden. Die Qualität des Drehbuchs und die Zusicherung von Stevens, unter keinen Umständen direkten Kontakt zu Cohn zu haben, überzeugten ihn schließlich. Der Erfolg führte Colman zur männlichen Hauptrolle neben Greer Garson und top billing in Gefundene Jahre aus demselben Jahr, der sogar noch mehr Geld einspielte und ebenfalls für den Oscar als Bester Film nominiert wurde.

Ein Problem bei den Dreharbeiten war die Rivalität zwischen Cary Grant und Ronald Colman. Keiner gönnte dem anderen mehr Szenen und vor allem wollte jeder von ihnen am Ende das Mädchen bekommen. Stevens löste die Situation elegant, indem er zwei alternative Schlussszenen drehte und es dem Testpublikum überließ, den Mann für Nora auszusuchen.

Das Studio konnte sich lange nicht auf einen Titel für den Film festlegen. So waren Three's a Crowd, Mr. Twilight, Justice Winks an Eye und The Gentleman Misbehaves im Gespräch. The Talk of the Town war einer der großen finanziellen Erfolge des Jahres und bekam insgesamt sechs Oscarnominierungen.

KritikenBearbeiten

In der New York Times waren warme Worte von Bosley Crowther für die Schauspieler zu lesen:

„Cary Grant spielt den Leopold Dilg mit einer Beläufigkeit, die etwas störend wirkt, aber Ronald Colman als bärtiger Professor ist zu einhundert Prozent ein Harvard Jurist (also kultiviert). [Jean] Arthur ist charmant wie immer in ihrer Verunsicherung und Edgar Buchanan, Glenda Farrell und Rex Ingram überzeugen als Nebencharaktere. Zeuge der Anklage wird eine Menge Leute zum Lachen bringen und sich gut fühlen lassen. Der Film mag in seiner Aussage danebenliegen, aber seine Komik wirkt nicht angestrengt.“[1]

Der Filmdienst schreibt: „Intelligente und amüsante Komödie mit geistreichen Dialogen und brillanter Besetzung, die überzeugend für die humane Anwendung von Rechtsvorschriften eintritt.“[2]

AuszeichnungenBearbeiten

Der Film war bei der Oscarverleihung 1943 in sieben Kategorien nominiert, ging jedoch leer aus:

  • Bester Film
  • Beste Originalstory
  • Bestes adaptiertes Drehbuch
  • Beste Kamera Schwarzweiß
  • Bestes Szenenbild Schwarzweiß
  • Bester Schnitt
  • Beste Filmmusik

WeblinksBearbeiten

QuellenBearbeiten

  • Clive Hirschhorn: The Columbia Story. Hamlyn, London 2001, ISBN 0-600-59836-5.
  • Marilyn Ann Moss: Giant. George Stevens, a Life on Film. University of Wisconsin Press, Madison, WI u. a. 2004, ISBN 0-299-20430-8.
  • John Oller: Jean Arthur. The Actress Nobody Knew. Limelight, New York NY 1997, ISBN 0-87910-278-0.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kritik in der New York Times, englischer Text: Mr. Cary Grant plays Leopold Dilg with a casualness which is slightly disturbing, but Ronald Colman as the bearded professor is 100 per cent Harvard Law. (Cultured, that is.) Miss Arthur is charming, as usual, in her bewilderment, and Edgar Buchanan, Glenda Farrell and Rex Ingram are rich in lesser character roles. The Talk of the Town is going to make a lot of people laugh and feel good. It may be off beam in its philosophy, but its quality of humor is not strained.
  2. Zeuge der Anklage. Abgerufen am 20. April 2019.