Zentraler Immobilien Ausschuss

Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) ist ein großer Wirtschaftsverband der deutschen Immobilienwirtschaft mit Sitz in Berlin bzw. Brüssel und gilt als Spitzenverband der Immobilienwirtschaft (in ihm sind 28 Verbände der Branche organisiert).

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GeschichteBearbeiten

Die Lobbyorganisation[1] wurde 2006[2] von dem Immobilienwirtschaftsmanager und heutigen Ehrenpräsidenten Eckart John von Freyend in Berlin gegründet. Damals zählten 14 Unternehmen zu den Gründungsmitgliedern. Der ZIA wurde gegründet, da kapitalmarktorientierte Immobilienunternehmen, insbesondere Gewerbeimmobilienunternehmen, sich zu diesem Zeitpunkt in ihren Interessen nicht ausreichend vertreten sahen. Ein Jahr nach seiner Gründung trat der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) bei.[2] Seit September 2007 betreibt der ZIA auch ein Europabüro in Brüssel.[3][2]

Seit der Mitgliederversammlung am 17. Juni 2009 ist der ECE Projektmanagements-Geschäftsführer Andreas Mattner Präsident des ZIA, er wurde am 23. Mai 2012 sowie am 11. Juni 2015, 13. Juni 2018 und am 24. Juni 2021 erneut für drei Jahre im Amt bestätigt.[4][5][6][7]

Zum 1. Januar 2018 wurde der Bundesverband Sachwerte und Investmentvermögen in den ZIA integriert.[8]

Die Geschäftsführung des ZIA besteht im Oktober 2020 aus der Wirtschaftsmanagerin und Ministerin a. D. Aygül Özkan sowie Gero Gosslar.[9] Im Oktober 2019 gab der ZIA bekannt, dass der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Oliver Wittke zum Hauptgeschäftsführer des ZIA berufen werden solle; dieser trat im März 2021 seinen Dienst an.[10][11][12]

MitgliederBearbeiten

Der ZIA vertritt mehr als 300 direkte Mitglieder sowie 28 Verbände mit insgesamt 37.000 Mitgliedern.[13]

In der Mitgliederliste finden sich Wohn- und Gewerbeimmobilienunternehmen, Immobilienfondsgesellschaften, Banken- und Versicherungstochtergesellschaften, Grundstücks- und Liegenschaftsverwalter sowie andere Immobiliendienstleistungs- bzw. -beratungsunternehmen. Weiterhin finden sich in der Liste auch Mitgliedsverbände wie u. a.:

Der ZIA ist Mitglied des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und der Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland, die 2012 gegründet wurde. Neben dem ZIA sind in der BID die Verbände organisiert, die bis dahin Mitglieder der Bundesvereinigung Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft waren. Die BSI wurde aufgelöst.

TätigkeitenBearbeiten

Messen und KongresseBearbeiten

Seit 2008 organisiert der ZIA jährlich den „Tag der Immobilienwirtschaft“ (TdI). Mit über 2000 Teilnehmern gilt der TdI als wichtige Branchenveranstaltung der Immobilienwirtschaft.

 
Tag der Immobilienwirtschaft 2019

[14]

Auf der größten europäischen Immobilienmesse, der MIPIM, ist der ZIA seit Jahren als einziger deutscher Immobilienverband vertreten. Gemeinsam mit deutschen Städten veranstaltet der Interessensverband Präsentationen für deutsche Standorte, z. B. beim Berlin-Brunch.

Initiativen und PartnerschaftenBearbeiten

Der ZIA ist Mitinitiator der Charta „Stadt und Grün“, weitere Initiatoren waren der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. und die Stiftung Die grüne Stadt.

Des Weiteren ist er Gründungsmitglied der ständigen Projektgruppe der Bundesregierung zum „Bau von Großprojekten“ und hat zehn Forderungen der deutschen Immobilienwirtschaft für Verbesserungen bei der Errichtung solcher Vorhaben erarbeitet. Die Gruppe wurde zunächst vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung eingerichtet, in die auch der Präsident des ZIA, Andreas Mattner, vom damaligen Minister Peter Ramsauer berufen wurde. Die Reformkommission soll den zum Teil erheblichen Kosten- und Terminüberschreitungen beim Bau öffentlicher Großprojekte auf den Grund gehen.

Ende 2014 begann der Verband eine Innovationsinitiative. Mit der Berufung eines Innovationsbeauftragten, Innovationsberichten und Analysen will ZIA die unterschiedlichen Marktakteure stärker vernetzen und Systeminnovationen wie die vom ZIA angeregte „Allianz von Immobilienwirtschaft und Pflegeversicherung“ begleiten und durch Forschung, Wissenschaft und Ausbildung weitertreiben.

Im Juni 2015 führte der ZIA gemeinsam mit dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie die „Leitlinien für Fair Business“ für partnerschaftliche Zusammenarbeit in der Bau- und Immobilienwelt ein. Die Leitlinien definieren Standards für die präzise Projektbeschreibung, Leistungserwartung und Einbindungsregeln in einzelnen Projektphasen und Risikoszenarien. Sie sollen Rechtsstreitigkeiten zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern vermeiden. Die Präsidenten der ZIA empfahlen ihren Mitgliedsunternehmen, die Leitlinien in der bauvorbereitenden Phase und in der nachfolgenden Bauphase anzuwenden. Seit dem 1. Januar 2016 bieten der Hauptverband der deutschen Bauindustrie und der ZIA die „Gemeinsame Kontaktstelle Streitlösung“ an.[15]

Der ZIA ist Gründungsmitglied im „Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen“ beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Das Bündnis führt Bund, Länder, Kommunen, Wohnungs- und Bauwirtschaft, den Deutschen Mieterbund, Gewerkschaften sowie weitere gesellschaftlich relevante Akteure zusammen, um die Herausforderungen am Wohnungsmarkt zu bewältigen. Ziel ist es, gemeinsam die Voraussetzungen für den Bau und die Modernisierung von Wohnraum in guter Qualität, vorzugsweise im bezahlbaren Marktsegment, zu verbessern und das Wohnungsangebot in den Ballungsgebieten mit Wohnraummangel zu erweitern.

Seit Mai 2016 arbeitet der ZIA mit einer „Task Force Energie“ an der Lösung von Fragen zur Klimaschutzpolitik. Bundesbauministerin Hendricks hatte den Verband zur Vorlage von Vorschlägen aufgefordert. Der Task Force gehören spezialisierte Firmen des Verbandes und Energiesachverständige an.

Im Juni 2017 schlossen ZIA und das Softwareunternehmen SAP eine Partnerschaft, um die Branche weiter zu digitalisieren. Im Rahmen der Partnerschaft werde ein Digitalisierungsausschuss eingesetzt.[16][17]

Im Juni 2018 gründeten ZIA und Kommunenvertreter einen Kommunalrat.[18][19] Er setzt sich aus Kommunalpolitikern, Vertretern der Immobilienwirtschaft und Stadtentwicklern zusammen und soll sich vor allem Vorschläge dazu erarbeiten, wie das Ziel der Bundesregierung zu erreichen ist, mehr Wohnungen zu bauen, schlankere Prozesse und schnellere Entscheidungen mit mehr Effizienz beim Planen und Bauen zu ermitteln. Auf der Agenda stehen daher unter anderem das geplante Planungs- und Baubeschleunigungsgesetz, das Gebäudeenergiegesetz, eine Harmonisierung der verschiedenen Länderbauordnungen sowie verdichtetes und serielles Bauen. Ebenso stehen urbane Stadtentwicklung sowie Baukultur auf der Agenda.

Vorsitzende des Kommunalrats ist Eva Lohse, ehemalige Oberbürgermeisterin der Stadt Ludwigshafen und dereinst Präsidentin des Deutschen Städtetags. Ihr Stellvertreter ist Jürgen Bruns-Berentelg, Vorsitzender der Entwicklungs- und Vermarktungsgesellschaft HafenCity Hamburg. Zu den Vertretern der Politik zählen unter anderen die Oberbürgermeister der Städte Düsseldorf, Hannover, Dortmund, Darmstadt, Leipzig und Magdeburg sowie Münster, Würzburg, Augsburg und Rosenheim. Überdies sind die Städte Köln, Frankfurt und Hamburg durch Politiker vertreten.

Der ZIA unterstützt als Mitunterzeichner die Forderungen in der Düsseldorfer Erklärung zum Städtebaurecht für eine Reform der städtebaulichen Gesetzgebung. Gemeinsam mit über 50 Bürgermeistern, Baudezernenten, Stadtbauräten und Stadtplanern teilt der Verband die Voraussetzungen eines gelungenen Städtebaus nach dem Leitbild einer nachhaltigen Europäischen Stadt – der Leipzig-Charta. Dazu gehören die klare Trennung öffentlicher und privater Räume, die gute und dauerhafte Gestaltung von Häusern, Straßen- und Platzräumen, die funktionale Vielfalt, die soziale Vielfalt sowie die urbane Dichte.[20]

2019 verabschiedete der ZIA einen Ethikkodex der Wohnungswirtschaft, den er selbst mitgestaltet hatte und stellte ihn im Rahmen des Tags der Immobilienwirtschaft gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes Ulrich Ropertz vor. Danach will die Wohnungswirtschaft bezahlbaren Wohnraum in allen Regionen und Städten Deutschlands bieten und Verantwortung für sicheres und bezahlbares Wohnen übernehmen. Ihr Handeln nach Grundsätzen der Sozialen Marktwirtschaft basiere auf Werten, die sich am Gemeinwohl orientieren. Diese werden in dem Codex aufgeführt.[21][22]

Im Zuge der Corona-Krise hat der ZIA mit dem Handelsverband Deutschland HDE einen gemeinsamen Verhaltenskodex entwickelt. Hiermit wir dem Umstand Rechnung getragen, dass ein uneingeschränktes Festhalten an den vereinbarten Mietverträgen angesichts der bestehenden Ausnahmesituation unangemessen wäre und den Vertragsparteien nicht zugemutet werden kann. Für die Gespräche zwischen den Vertragsparteien sollte bei den staatlich verfügten Betriebsschließungen für den Regelfall eine Mietreduzierung um 50 Prozent als Richtschnur für den Schließungszeitraum dienen.[23][24]

JahresgutachtenBearbeiten

Der ZIA schreibt auf seiner Webpräsenz zum Rat der Immobilienweisen: „Seit dem Herbst 2002 sorgt der ‚Rat der Immobilienweisen‘ durch seine Frühjahrsprognosen für mehr Transparenz auf den Immobilienmärkten. Mit den damals erstmals erfassten Daten zu Bruttoproduktionswert, Beschäftigten und Immobilienbestand sollte auch die Immobilienwirtschaft als einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige in Deutschland in der öffentlichen Wahrnehmung besser verankert werden.“[25] Dem Weisenrat gehört ein Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung nach dem Stabilitätsgesetz an. Das Ergebnis präsentiert der Verband regelmäßig gemeinsam mit einem Vertreter der Bundesregierung; zuletzt war dies der Parlamentarische Staatssekretär Marco Wanderwitz.

OrganisationBearbeiten

Der Verein hat seinen Sitz in Berlin-Mitte. Auf europäischer Ebene ist der ZIA als German Property Federation etabliert. Die Organe des Vereins sind die Mitgliederversammlung, das Präsidium, der Vorstand und die Geschäftsführung. Inzwischen haben sich auch sechs Regionalverbände mit Regionalvorständen gebildet.

Mitglieder des Vorstands sind:

FachausschüsseBearbeiten

  • Bilanzierung und Bewertung
  • Büro
  • Corporate Real Estate
  • Corporate Social Responsibility
  • Digitalisierung
  • Diversity
  • Energie und Gebäudetechnik
  • Finanzierung
  • Gesundheitsimmobilien
  • Gewerbeimmobilienmakler
  • Handel
  • Hotelimmobilien
  • Human Resources
  • Immobilienaktien
  • Investitionskapital
  • Logistikimmobilien
  • Marketing und Öffentlichkeitsarbeit
  • Recht
  • Stadtentwicklung
  • Steuerrecht
  • Transparenz und Benchmarking
  • Wohnen

Neben den Fachausschüssen gibt es weitere Gremien, die sich mit bestimmten Themen befassen. So gibt es aktuell den Innovation Think Tank, die Task Force Energie, den Nachhaltigkeitsrat und den Wissenschaftlichen Beirat.[27]

Der Ausschuss Hotelimmobilien hat sich inzwischen zu einem wichtigen Branchenkreis entwickelt: Der Tag der Hotelimmobilie fand am 11. November 2015 zum zweiten Mal statt und wurde gemeinsam vom ZIA und dem Claus Jacobs Network durchgeführt. Rund 300 Personen nahmen an der Veranstaltung in Berlin teil. Zu den derzeit etwa 85 Mitgliedern des Hotelausschusses zählen Unternehmen wie Motel One, Intercontinental Hotel Group, Maritim, Collier, Strabag oder Strauss & Partner.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lobby-Liste des Deutschen Bundestages. Bundesanzeiger vom 19. Mai 2017, S. 612, Registrierungs-No.2272, Zentraler Immobilien Ausschuss e.V. (ZIA), Zugriff vom 11. Februar 2018 (PDF; 5,6 MB)
  2. a b c Geschichte, auf zia-deutschland.de, abgerufen am 26. Juni 2020
  3. ZIA Büro Brüssel, auf zia-deutschland.de, abgerufen am 26. Juni 2020
  4. Werner Rohmert: Tag der Immobilienwirtschaft – 1.000 Manager, 3 Minister, viel Politprominenz (Memento vom 28. Mai 2012 im Internet Archive) in: Immobilien-Brief vom 24. Mai 2012
  5. Bernhard Bomke: Und nächstes Mal kommt die Kanzlerin! in: Immobilien Zeitung vom 31. Mai 2012
  6. Monika Leykam: 13 ZIA-Mitglieder legen Transaktionsdaten offen in: Immobilien Zeitung vom 10. Mai 2012
  7. Bernhard Bomke: [1] in: Immobilien Zeitung vom 5. Oktober 2011
  8. bsi-Übernahme bringt dem ZIA 24 neue Mitglieder. Abgerufen am 25. Januar 2018.
  9. Sun Jensch wird dritte ZIA-Geschäftsführerin. Abgerufen am 9. November 2018.
  10. ZIA: CDU-Staatssekretär wechselt in Immobilienwirtschaft. Abgerufen am 30. Oktober 2019.
  11. Oliver Wittke (CDU) soll neuer Hauptgeschäftsführer des ZIA werden • polis Magazin. 28. Oktober 2019, abgerufen am 30. Oktober 2019.
  12. ZIA baut Führungsstruktur weiter aus. Abgerufen am 5. September 2020.
  13. Christian Hunziker: Immobilien-Lobby: Solo-Stimmen und kein Chor in: Handelsblatt vom 8. Oktober 2009
  14. Auf dem Jahrestreffen zeigt sich die Immobilienbranche verhalten selbstkritisch. Auf: welt.de vom 27. Juni 2016.
  15. ZIA und HDB gründen Gemeinsame Kontaktstelle Streitlösung. In: www.immobilien-zeitung.de. Abgerufen am 19. Mai 2016.
  16. ZIA und SAP wollen Immobilienbranche digitalisieren. Abgerufen am 20. Juni 2018.
  17. ZIA und SAP digitalisieren die Immobilienbranche. Abgerufen am 20. Juni 2018.
  18. Zentraler Immobilien-Ausschuss: Zahlreiche Bürgermeister wollen gegen Wohnungsmangel vorgehen. Abgerufen am 14. Juni 2018.
  19. ZIA-Kommunalrat soll Ideen für schnelleres Bauen erarbeiten. Abgerufen am 20. Juni 2018.
  20. Pressemitteilung/Stadtentwicklung/ZIA ist Mitunterzeichner der Dü. Abgerufen am 22. Mai 2019.
  21. Michael Fabricius: Wohnungsmarkt: Klimaschutz verschärft Deutschlands Mietpreisboom. In: DIE WELT. 21. Januar 2020 (welt.de [abgerufen am 22. Juni 2020]).
  22. Ethikkodex Deutsche Wohnungswirtschaft. Abgerufen am 22. Juni 2020.
  23. Handel und Immobilienwirtschaft empfehlen Mietsenkungen. Abgerufen am 3. Juli 2020.
  24. Vermieter sollen Gewerbemieten senken. Abgerufen am 3. Juli 2020.
  25. Rat der Immobilienweisen. In: ZIA – Zentraler Immobilien Ausschuss. Abgerufen am 29. Mai 2019.
  26. Vorstand | ZIA – Zentraler Immobilien Ausschuss. Abgerufen am 27. Juli 2019.
  27. ZIA – Deutschland: Struktur | ZIA – Zentraler Immobilien Ausschuss. In: ZIA Deutschland. 3. Januar 2018 (zia-deutschland.de [abgerufen am 7. Februar 2018]).