Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern

Kantons- und Hochschulbibliothek in Luzern (Schweiz)

Die Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (ZHB Luzern), die grösste Bibliothek der Zentralschweiz, ist eine Kantons- und Hochschulbibliothek mit überregionaler Bedeutung.

Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern
Zhb luzern.jpg
Standort Sempacherstrasse

Gründung 1951
Bestand >1,4 Millionen Einheiten (Dezember 2017)
Bibliothekstyp Wissenschaftliche Bibliothek, Kantonsbibliothek, Hochschulbibliothek
Ort Luzern
ISIL CH-000006-1
Leitung Benjamin Flämig
Website www.zbhluzern.ch

Als allgemeine und wissenschaftliche Bibliothek sammelt, erschliesst und vermittelt sie Informationen und Medien für Alltag und Freizeit, Aus- und Weiterbildung, Lehre und Forschung. Dem kulturellen Dokumentenerbe des Kantons Luzern in den Sondersammlungen (Handschriften und Alte Drucke; Graphische Sammlung, Bildarchiv; Musik) und im Bereich der Publikationen aus und über Stadt und Kanton Luzern, den sogenannten Lucernensia, gilt spezielle Aufmerksamkeit. Als Partnerin des Informationsverbunds Deutschschweiz IDS, dem alle Hochschul- und Universitätsbibliotheken der deutschsprachigen Schweiz angehören, koordiniert und organisiert die ZHB den regionalen Bibliotheksverbund, IDS Luzern.[1] Weiterhin vertritt die ZHB den Kanton Luzern als Aktionärin in der zukünftigen Dienstleistungsplattform für die wissenschaftlichen Bibliotheken der Schweiz: Swiss Library Service Platform (SLSP).[2][3]

GeschichteBearbeiten

 
Seite aus der Luzerner Chronik des Diebold Schilling

Entstanden ist die Zentralbibliothek 1951 durch den Zusammenschluss der Bürgerbibliothek und der Kantonsbibliothek. Zum Bestand der Bürgerbibliothek, die als erste öffentliche Bibliothek der Stadt 1812 eröffnet wurde, zählten wertvolle Handschriften wie die Bilderchronik des Diebold Schilling aus dem Jahre 1513 und die Collectanea des Luzerner Universalgelehrten Renward Cysat. Von 1894 bis 1951 war die Bürgerbibliothek eidgenössische Sammelstelle für vor 1848 erschienene Helvetica. 1809 verkaufte Josef Anton Balthasar seine für die spätere Bürgerbibliothek massgebliche Helvetica-Sammlung an die Stadt Luzern. Die Kantonsbibliothek, deren älteste Bestände (Fragmente) aus dem 9. Jahrhundert stammen, wurde 1832 gegründet. Der erste gesamte Kodex ist auf Mitte des 12. Jahrhunderts datiert.

Mit dem Zusammenschluss bezog die Zentralbibliothek (ZB) ein neues, vom Luzerner Architekten Otto Dreyer entworfenes Gebäude an der Sempacherstrasse. Schwere Unwetter fügten dem Gebäude im Juli 1960 Wasserschäden zu. 1970 nahm die Hausbuchbinderei ihren Betrieb auf. 1983 führte die ZB das EDV-Systems Biblu für Katalogisierung und Abfrage ein.[4]

Die Zentralbibliothek wurde 1998 mit der Bibliothek der Universitären Hochschule Luzern (seit 2000 Universität Luzern) zur Zentral- und Hochschulbibliothek (ZHB) zusammengeschlossen. Seit 1999 wird die Bibliothekssoftware Aleph verwendet. Nach der Digitalisierung des alten Zettelkatalogs wurde 2000 die automatisierte Ausleihe in Betrieb genommen.[4]

Seit 2011 sind die gesamten Bestände der ZHB Luzern und darüber hinaus auch die Bestände des gesamten Informationsverbundes Deutschschweiz Luzern (IDS Luzern) im Online-Katalog IDS Luzern verzeichnet. Darüber hinaus lancierte die ZHB 2013 zusammen mit weiteren Bibliotheken der Zentralschweiz DiBiZentral, eine digitale Bibliothek für gebührenfrei ausleihbare E-Books, E-Papers, Filme sowie Musik.[4] Für Recherchen in beiden Angeboten wurde 2014 das Suchinstrument iluplus aufgeschaltet.[5]

Eine Bibliothek, mehrere StandorteBearbeiten

Standort SempacherstrasseBearbeiten

Das Haupthaus an der Sempacherstrasse stellt aus Sicht der Denkmalpflege ein qualitätsvolles Beispiel für die Architektur der Spätmoderne in der Schweiz dar: Es gilt als wegweisend für den schweizerischen Bibliotheksbau und als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung.[6]

Es ist Teil einer Parkanlage, des Vögeligärtli im Hirschmatt-Quartier, und die einzelnen, unterschiedlich hohen Baukörper wurden um einen parkartigen Innenhof herum angeordnet. Im Norden befindet sich eine marmorne Eingangshalle mit Bürotrakt. Die um den Innenhof gruppierten Haupträume verfügen über eine der Nutzung angemessene Raumhöhe: Eingangs betritt man den Katalogsaal, unter anderem mit einer Porträtgalerie bedeutender Luzerner an den Wänden, dann folgen zwei Lesesäle. Südlich schliesst sich ein Magazintrakt an, bei dem Stahlstützen zum Tragen kommen.[7]

Der seit Jahrzehnten geplante Umbau konnte 2011 – begründet durch die angespannte Haushaltssituation des Kantons – zunächst nicht realisiert werden. 2013 kam das Sanierungs- und Bauvorhaben bedingt durch eine parlamentarische Intervention völlig zum Erliegen. Verschiedene Varianten (Abbruch und Neubau oder Sanierung und Umbau) wurden diskutiert. Am 28. September 2014 hat die Stadtluzerner Stimmbevölkerung mit 75,66 % Ja-Stimmen einer Initiative der Grünen Luzern zum Erhalt des bisherigen Gebäudes zugestimmt und sich gegen dessen Abriss ausgesprochen.[8] Statt eines Neubaus konnte Ende 2017 eine Sanierung der Bibliothek beginnen[9], welche inzwischen ins kantonale Denkmalverzeichnis eingetragen worden ist.[10] Der Wiedereinzug ist für November 2019[11], die Wiedereröffnung des Gebäudes ist für Dezember 2019 geplant.[12]

Provisorium MurbacherstrasseBearbeiten

Für den Zeitraum der voraussichtlich bis Anfang 2020 dauernden Sanierungsarbeiten, unterhält die Zentral- und Hochschulbibliothek seit dem 27. November 2017 in der Murbacherstrasse 21 ein Provisorium.[13] Während der zweijährigen Bauzeit stehen hier weiterhin die wichtigsten Dienstleistungen des Haupthauses zur Verfügung: Recherche und Beratung, Zeitungen und Zeitschriften, Neuerwerbungen und E-Medien sowie Medienabholung und -rückgabe.[14]

 
Standort Uni/PH-Gebäude

Standort Uni/PH-GebäudeBearbeiten

Im September 2011 eröffnete die ZHB ihren zweiten Hauptstandort im Uni/PH-Gebäude, der zahlreiche, zuvor auf das Stadtgebiet verteilte universitäre Teilbibliotheken und die Bibliothek der Pädagogischen Hochschule im ehemaligen Postbetriebsgebäude gleich neben dem Bahnhof konzentriert. Seither steht Studierenden, Dozierenden sowie der interessierten Öffentlichkeit im Uni/PH-Gebäude an der Frohburgstrasse eine Bibliothek mit langen Öffnungszeiten, einem grosszügigen Freihandbestand und nahezu 700 Arbeitsplätzen zur Verfügung.

Standort Hochschule Luzern – WirtschaftBearbeiten

Seit Mai 2012 führt die ZHB als dritten Standort die Bibliothek für die Hochschule Luzern – Wirtschaft im Leistungsauftrag. Die wirtschaftswissenschaftliche Fachbibliothek an der Frankenstrasse liegt zwischen den beiden anderen Standorten.

Standort Hochschule Luzern – InformatikBearbeiten

Als vierten Standort betreibt die ZHB zudem im Leistungsauftrag für die Hochschule Luzern die Fachbibliothek Informatik am Campus Zug-Rotkreuz.[15]

BestandBearbeiten

Der physische Bestand umfasste Ende 2017 1'448'534 Bücher und audiovisuelle Medien.[16] Insgesamt verfügt die ZHB über 28'018 Zeitschriftenabonnements bzw. Lizenzen für digitale Zeitschriften. Dazu kommen zahlreiche Wochen- und Tageszeitungen sowie mehr als 33'000 E-Books.

Schwerpunktmässig gesammelt wird allgemeine Sachliteratur, Fach- und Spezialliteratur für Lehre und Forschung sowie Belletristik verschiedener Sprachen. Vollständig gesammelt werden sogenannte Lucernensia, die Publikationen aus und über Stadt und Kanton Luzern.

Die ZHB verfügt an allen drei Standorten über Freihandbestände. Am Standort Uni/PH befinden sich ca. 240'000 Bände in systematischer Freihandaufstellung. Der Freihandbestand am Standort Sempacherstrasse umfasst ungefähr 30'000 Bände, während die Bibliothek der Hochschule Luzern – Wirtschaft über ca. 14'000 Bände in Freihandaufstellung verfügt. Neben den grösstenteils entleihbaren Beständen bieten alle drei Standorte einen Präsenzbestand zur Benutzung vor Ort. In der Leselounge am Standort Sempacherstrasse steht den Bibliotheksgästen ausserdem eine grosse Auswahl an Tages- und Wochenzeitungen, sowie an Zeitschriften zur Verfügung. Der grösste Teil des Bibliotheksbestandes befindet sich in geschlossenen Magazinen und kann vor Ort und via Internet recherchiert und bestellt werden. Die Sondersammlungen der Bibliothek bewahren zahlreiche Bilddokumente, Handschriften, Inkunabeln (Frühdrucke) und Nachlässe.

Neben den Freihandbeständen versammelt die ZHB umfangreiche Magazinbestände (ca. 800'000 Bände), die seit 2011 provisorisch in Entlebuch zwischengelagert werden. Zweimal täglich verkehrende Kurierfahrten liefern bestellte Medien an die verschiedenen Standorte der ZHB. Ab 2015 ist als interkantonale Lösung ein gemeinsames Aussenlager für die ZHB Luzern und weitere Bibliotheken der Nachbarkantone vorgesehen. Dazu hat sich die ZHB 2014 der Kooperativen Speicherbibliothek Schweiz angeschlossen.[17][18]

BenutzungBearbeiten

Die Bestände der ZHB sind im elektronischen Katalog des IDS Luzern recherchierbar und können online bestellt werden. Ausserdem bietet die ZHB über ihr Netzwerk vor Ort Zugang zu zahlreichen elektronischen Medien. Über das Datenbankinfosystem DBIS besteht Zugriff auf eine grosse Auswahl an allgemeinen und fachspezifischen Datenbanken. Die Elektronische Zeitschriftenbibliothek ermöglicht eine schnelle Suche nach elektronisch verfügbaren Zeitschriftenartikeln. Die von der ZHB archivierten Tages- und Wochenzeitungen aus dem Kanton Luzern sind in Form von Mikrofilmen, teilweise aber auch in digitalisierter Form an zwei Zeitungsabfragestationen am Standort Sempacherstrasse konsultierbar. Zudem besteht Onlinezugriff auf zahlreiche Zeitungen aus der ganzen Schweiz. Mit regelmässigen Führungen, Einführungen und Schulungen macht die ZHB ihre Angebote bekannt.

An allen drei Standorten bietet die ZHB Arbeitsplätze in unterschiedlicher Arbeitsumgebung an: 110 Plätze an der Sempacherstrasse, 670 im Uni/PH-Gebäude sowie 90 am Standort HSLU-W.

WeblinksBearbeiten

Commons: Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: ZHB Luzern Sondersammlung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. www.idsluzern.ch. Abgerufen am 18. Dezember 2018.
  2. Über das Projekt. In: SLSP Swiss Library Service Platform. Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich, abgerufen am 18. Dezember 2018 (deutsch).
  3. Swiss Library Service Platform (SLSP).
  4. a b c Detaillierte Informationen zur Chronologie
  5. iluplus.ch. Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, abgerufen am 19. Dezember 2018 (deutsch, englisch).
  6. Zentralbibliothek. In: Architekturbibliothek. Abgerufen am 18. Januar 2021 (deutsch).
  7. Ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung (Memento vom 17. Dezember 2014 im Internet Archive), Karton 26, 26. Januar 2013.
  8. Volk spricht Machtwort im ZHB-Streit (Memento vom 13. Dezember 2014 im Internet Archive), Neue Luzerner Zeitung, 29. September 2014.
  9. Ismail Osman: Bibliothek zieht sich in einen «Kokon aus Baugerüsten» zurück. In: Luzerner Zeitung. Luzern 25. November 2017 (luzernerzeitung.ch [abgerufen am 26. Februar 2018]).
  10. ZHB steht nun unter Denkmalschutz, Neue Luzerner Zeitung Online, 27. Februar 2015, abgerufen am 4. März 2015.
  11. Home - ZHB Luzern. Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, abgerufen am 25. Oktober 2018 (deutsch).
  12. Newsletter 5/2018 -. Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, abgerufen am 24. Oktober 2018.
  13. Gabriela Jordan: ZHB Luzern: Jetzt müssen die Bücher raus. In: Luzerner Zeitung. Luzern 18. November 2017 (luzernerzeitung.ch [abgerufen am 26. Februar 2018]).
  14. zhb news 8/2017. Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, 14. Dezember 2017, abgerufen am 26. Februar 2018.
  15. Bibliothek - Fachliteratur für Informatikerinnen und Wirtschaftsinformatiker. In: Hochschule Luzern Informatik. Hochschule Luzern, abgerufen am 26. Februar 2018.
  16. Bundesamt für Statistik: Die zehn grössten Bibliotheken der Schweiz. Bundesamt für Statistik, 27. Juli 2018, abgerufen am 18. Dezember 2018.
  17. Luzerner nehmen Aussenlager der ZHB an, Neue Luzerner Zeitung Online, 24. November 2013, abgerufen am 9. Dezember 2014.
  18. Trägerverein für Bibliothek gegründet (Memento vom 13. Dezember 2014 im Internet Archive), Neue Luzerner Zeitung, 8. April 2014.

Koordinaten: 47° 2′ 54″ N, 8° 18′ 26,6″ O; CH1903: 666014 / 211176