Der Zeitlohn ist eine Form des Arbeitsentgeltes, bei welcher der Arbeitnehmer sein Entgelt ausschließlich auf Grundlage der geleisteten Arbeitszeit erhält.[1]

AllgemeinesBearbeiten

Handelt es sich bei der zugrunde gelegten Zeiteinheit um eine Stunde, spricht man vom Stundenlohn.[2] Der Mindestlohn ist eine Art des Stundenlohns. Trotz der Bezeichnung als Lohn wird der Begriff Zeitlohn auch auf das Gehalt eines Angestellten angewendet, wenn dieser nach der geleisteten Arbeitszeit vergütet wird.

Arbeitsmenge und Arbeitsqualität der tatsächlichen Arbeitsleistung bleiben bei der Entgeltberechnung unberücksichtigt, nicht dagegen die Arbeitsanforderungen. Eine Veränderung der Arbeitsintensität wirkt sich deshalb nicht auf den Zeitlohn aus. Der Arbeitgeber trägt daher zunächst das Risiko von Minderleistungen des Arbeitnehmers. Häufig wird deshalb der Zeitlohn durch eine Leistungszulage ergänzt.[3] Der Zeitlohn ist ein Leistungsentgelt, weil mittelfristig Normalleistung erwartet wird.[4]

An der Arbeitszeit orientierte Entgeltmodelle finden trotz geringer entgeltlicher Leistungsanreize vielfach Verwendung. Üblich sind sie vor allem bei qualitativ hochwertigen Arbeiten, an gefährlichen Arbeitsplätzen, bei festgelegter Arbeitsgeschwindigkeit (zum Beispiel Fließband) oder bei Bereitschaftsdiensten.[5]

Derzeit gibt es in Deutschland starke und bereits seit Jahrzehnten anhaltende Bestrebungen, Lohn und Gehalt zu vereinheitlichen und unter dem Begriff Entgelt zusammenzuführen. Tarifrechtlich ist dies in den zentralen Tarifverträgen (Beispiel: Tarifvertrag über das Entgelt-Rahmenabkommen) bereits umgesetzt und in einer Reform der gesetzlichen Rentenversicherung ebenfalls angepasst. Deshalb ist es angebracht, statt von Zeitlohn von Zeitentgelt zu sprechen.

Stundenlohn in DeutschlandBearbeiten

Der mittlere Bruttostundenlohn für Arbeit in den einkommensschwächsten 10 % betrug 2010 5,03 € (nach Preisen von 2005), bei den einkommensstärksten 10 % 27,77 €. (Die Zahlen berücksichtigen keine Auszubildenden oder Personen in arbeitsmarktpolitischen Beschäftigungsmaßnahmen.) Der mittlere Lohn betrug 2010 12,84 €. Das ist gegenüber 2000 kaufkraftbereinigt ein Rückgang −2,3 %, gegenüber 2005 sogar ein Rückgang von −4,9 % Kaufkraftbereinigt sind in Deutschland die Stundenlöhne zwischen 2000 und 2010 deutlich gesunken. Insbesondere die der unteren 30 %, nämlich um 10,6 %. Nur die Stundenlöhne der einkommensstärksten 10 % sind gestiegen.[6]

Stundenlöhne in Deutschland, kaufkraftbereinigt nach Werten von 2005
Gruppe 2000 2005 2010 Veränderung in % 2000–2010 Veränderung in % 2000–2005 Veränderung in % 2005–2010
unterste 10 % 5,63 5,16 5,03 −10,6 −8,3 −2,5
zweite 10 % 8,21 7,74 7,34 −10,6 −5,7 −5,2
dritte 10 % 9,85 9,52 8,80 −10,6 −3,3 −7,6
vierte 10 % 11,25 11,24 10,56 −6,1 −0,1 −6,1
fünfte 10 % 12,57 12,78 12,08 −3,9 +1,6 −6,1
sechste 10 % 13,92 14,29 13,62 −2,1 +2,6 −4,6
siebte10 % 15,43 15,87 15,26 −1,1 +2,9 −3,9
achte 10 % 17,40 17,86 17,33 −0,4 +2,6 −3,0
neunte 10 % 20,24 20,82 20,54 +1,5 +2,9 −1,4
oberste 10 % 27,29 27,58 27,77 +1,8 +1,1 +0,7
mittlerer Lohn insgesamt 13,14 13,50 12,84 -2,3 2,8 -4,9

[6]

AbgrenzungBearbeiten

Der Zeitlohn wird nach der Arbeitszeit ohne Rücksicht auf das erzielte Arbeitsergebnis bemessen, während der Akkordlohn vom erzielten Arbeitsergebnis abhängt.[7] Ein Zeitlohn ist auch dann zu entrichten, wenn es während des Arbeitsprozesses zu Liege-, Ruhe- oder Wartezeiten kommt.

LiteraturBearbeiten

  • R. Bröckermann: Personalwirtschaft. 5. Auflage. Stuttgart 2009.
  • H. J. Drumm: Personalwirtschaft. 6. Auflage. Berlin/ Heidelberg 2008.

WeblinksBearbeiten

Wiktionary: Stundenlohn – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lohnformen, in: Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung
  2. REFA Verband für Arbeitsstudien und Betriebsorganisation e. V. (Hrsg.), Methodenlehre der Betriebsorganisation: Lexikon der Betriebsorganisation, Carl-Hanser/München, 1993, ISBN 3-446-17523-7, S. 211
  3. Gehalt, Zeitlohn, Akkord, Prämie - was ist das? (Memento vom 30. September 2007 im Internet Archive), IG Metall.
  4. Verlag Dr. Th. Gabler, Gablers Wirtschafts-Lexikon, Band 4, 1984, Sp. 146
  5. Verlag Dr. Th. Gabler, Gablers Wirtschafts-Lexikon, Band 4, 1984, Sp. 146
  6. a b Karl Brenke, Markus M. Grabka: Schwache Lohnentwicklung im letzten Jahrzehnt. In: DIW Wochenbericht. Nr. 45, 2011, S. 9. (www.diw.de)
  7. Gerd Jauch (Hrsg.), Gabler Kompakt Lexikon Recht, 1992, S. 309