Zavrč (deutsch: Sauritsch) ist eine Ortschaft und Gemeinde im Nordosten Sloweniens. Sie liegt in der historischen Landschaft Spodnja Štajerska (Untersteiermark) und in der statistischen Region Podravska. Sehenswert ist das Schloss aus dem 17. Jahrhundert.

Zavrč
Sauritsch
Wappen von Zavrč Karte von Slowenien, Position von Zavrč hervorgehoben
Basisdaten
Staat SlowenienSlowenien Slowenien
Historische Region Untersteiermark / Štajerska
Statistische Region Podravska (Draugebiet)
Koordinaten 46° 22′ N, 16° 3′ OKoordinaten: 46° 22′ 0″ N, 16° 3′ 0″ O
Höhe 240 m. i. J.
Fläche 19,3 km²
Einwohner 1.819 (1. Januar 2017)
Bevölkerungsdichte 94 Einwohner je km²
Postleitzahl 2283
Kfz-Kennzeichen MB
Struktur und Verwaltung
Bürgermeister: Miran Vuk
Postanschrift Goričak 6
2283 Zavrč
Website
Zavrč

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Zavrč liegt im östlichen Teil Sloweniens am rechten Ufer der Drau (Drava) direkt an der Grenze zu Kroatien. Die Gemeinde ist Teil des bekannten Weinanbaugebiets Haloze (Kollos). Die nächsten größeren Ortschaften sind die Kleinstadt Ormož etwa 8 km östlich und die Stadt Ptuj ca. 14 km westlich.

GemeindegliederungBearbeiten

Die Gemeinde umfasst neun Ortschaften. Die deutschen Exonyme in den Klammern wurden bis zum Abtreten des Gebietes an das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen im Jahr 1918 vorwiegend von der deutschsprachigen Bevölkerung verwendet und sind heutzutage größtenteils unüblich[1]. (Einwohnerzahlen Stand 1. Januar 2017[2]):

  • Belski Vrh (Welschaberg), 83
  • Drenovec (Drenovetz), 54
  • Gorenjski Vrh (Gorenzenberg), 101
  • Goričak (Goritschak), 284
  • Hrastovec (Hrastovetz), 440
  • Korenjak, 119
  • Pestike (Pestiken), 115
  • Turški Vrh (Türkenberg), 547
  • Zavrč (Sauritsch), 76

NachbargemeindenBearbeiten

Cirkulane Gorišnica Cestica (HR)
Cirkulane   Cestica (HR)
Cirkulane Donja Voća (HR) Cestica (HR)

GeschichteBearbeiten

Die deutsche und die slowenische Ortsbezeichnung (dt. Sauritsch / slow. Zavrč) leiten sich vom Namen der Familie Sauer ab, die die Burg Ankenstein (Borl) im 17. Jahrhundert (1639) käuflich von der gräflichen Familie "Thurn-Valsassina" erwarb[3]. Der deutsche Ortsname (im 17. Jh. noch Saueritsch) war in der deutschsprachigen Bevölkerung der Untersteiermark noch bis ins 20. Jahrhundert gebräuchlich. Der slowenischsprachige Teil verwendete hingegen das aus dem Namen "Sauer" abgeleitete Exonym "Zavrč" als Ortsbezeichnung. Nach der historischen Darstellung „Pettau. Steiermarks Aelteste Stadt und ihre Umgebung“ (1858) des Ferdinand Raisp, der Beamter im Schloss Ober-Pettau und Mitglied des Historischen Vereins in Steiermark war, war Sauritsch ein Amt der Herrschaft Ankenstein (Borl) an der äußersten Grenze der Steiermark zu Kroatien, „allwo einer der vorzüglichsten Weine des Landes sehr ergiebig gedeiht“.[4] Zudem ist Sauritsch im 19. Jahrhundert als Zentrum eines kleineren Dekanats bezeugt, zu dem die Pfarrgemeinden St. Nikolaus in Sauritsch selbst, St. Barbara bei Ankenstein, St. Andrä in Leskovetz, die Heilige Dreifaltigkeit in Lichtenegg und St. Veit bei Pettau (Ptuj) gehörten. Die Pfarrgemeinde St. Nikolaus zählte damals (1860) 1871 Mitglieder.[5]

 
Litografische Ansicht von Schloss Sauritsch / Zavrč (J. F. Kaiser / 1830)

Als früheste Besitzer des Amtes Sauritsch kannte Raisp die Freiherren von Zäckel (um 1626). Danach erfolgte die Übertragung des Amtes Sauritsch an Alois Quillandro, der ein Bürger der Stadt Pettau (Ptuj) war und „es mit dem Amt Goritschagg (Goričak) vereinte“.[6] Franz Alois Quillandro erbaute dann 1717 „auf einem sanften Ausläufer des üppigen Weingebirges“, unmittelbar an der Grenze zu Kroatien, das Schlössel, das bis heute den historischen Kern von Zavrč prägt und auch im Zentrum des Gemeindewappens abgebildet ist.[7]

1739 gelangten Amt und Schloss zunächst in den Besitz des Josef Anton von Klies, 1781 in den Besitz von dessen Tochter, Cäcillia von Lendenfeld, und 1792 schließlich in den Besitz der Familie Ulm, deren Familiengrablege bis heute auf dem neben dem Schlössel gelegenen Friedhof erhalten sind. Thomas Ulm, der das Schlössel 1792 erworben hatte, starb bereits 1802 und wurde in der damals angelegten Familiengrablege auf dem Friedhof von Zavrč beigesetzt. Seine Witwe, Thekla Ulm, ließ das Schlössel 1817 erweitern und übereignete es dann 1823 ihrem Sohn, Anton Ulm. 1855 erbte es dessen gleichnamiger Sohn, der es dann schließlich an seinen Sohn, Max Ulm, weiter vererbte.[8] Zwischen 1944 und 1945 fand der von der deutschen Armee enteignete polnische Graf Ralph Smorcezewski bei der Familie Ulm auf dem Schloss in Zavrč Zuflucht. Wie er in seinen lebendigen biographischen Aufzeichnungen schildert, flüchtete die Familie Ulm am 4. April 1945 vor den Truppen Titos aus Zavrč. Alleine Max Ulm, „der im letzten Moment fliehen wollte“ (Smorcezewski), verblieb weiterhin in Zavrč.

Wirtschaftliche BedeutungBearbeiten

 
Darstellung des Schlosses Ankenstein (Borl) mit Plätten- und Floßfahrt auf der Drau. Am Fuß der Weinberge ist eine Ochsenherde zu sehen, die am Drauufer getränkt wird.

Zavrč entwickelte sich an einem wichtigen Flussübergang im Schutz der Burg Anchenstein (Borl), der einen Verkehrsknotenpunkt vor der Grenze Kroatiens bildete. Die große Straße, die den Fluss bei Ankenstein überquerte, war eine Hauptverkehrsachse zwischen Ungarn, Kroatien und Italien (Venedig). Über sie wurden seit dem 15. Jahrhundert unter anderem Ochsen von Ungarn über Pettau (Ptuj) und Laibach (Ljubljana) nach Venedig getrieben (Laibacher Straße), die am Flussübergang getränkt werden konnten.[9]

Der Deutsche Name "Ankenstein" leitet sich wohl vom Wort "Anker" ab, wie dies bereits Simon Povoden im Jahr 1883 feststellte: »Ohne Zweifel kommt der Nahme von der Drauüberfahrt, von jenem Anker her, welchen schon die ersten Besitzer in ihrem Wappen zu führen pflegten: Und so mag die ursprüngliche Felsenburg "Der Anker am Stein" geheissen haben"«.[10] Noch heute prägen das Drauufer und der Flussübergang mit Brücke, im Schutz der eindrucksvollen Burg auf einem hohen Felsen, das Erscheinungsbild der Landschaft. Auch der slowenische und ungarische Name leiten sich von der Funktion des Ortes ab: »Ankenstein, in windischer Sprache, heißet Borlen, dieses Wort aber zu deutsch so viel als Ueberfurth, und weil daselbst eine Ueberfurth über die Drau ist, hat dieser Ort den Namen erhalten«[11].Auch die gotische Kirche St. Nikolaus aus dem 15. Jahrhundert, die auf einem Ausläufer des Weingebirges von der Drau aus gut zu sehen ist, zeugt noch immer von der Bedeutung der Flussfahrt für die Entstehung des Ortes. Der heilige Nikolaus war der wichtigste Patron der Floß- und Plättenfahrer, die auf der Drau noch im 19. Jahrhundert rege verkehrten. Einer Legende nach soll die Kirche nach einem überlebten Unfall von dankbaren Schiffsleuten errichtet worden sein.

In seiner Darstellung „Ein Treues Bild des Herzogthumes Steiermark“ erwähnte der Professor und kaiserliche Rat Hlubek, dass Sauritsch, neben Marburg (Maribor), Zwettendorf und Pettau (Ptuj) zu den wichtigsten Landungsplätzen an der Drau gehörte, die in jener Zeit noch intensiv von Plätten und Flößen befahren wurde. Pro Jahr hätten Sauritsch damals durchschnittlich etwa 700 Plätten und 1200 bis 1500 Flöße passiert, die Stahl, Blei, Bleiweiß, Schrott, Blech, italienischen Produkten, Holz, Weinfässer, Kalk und andere Fabrikate flussabwärts nach Osten transportierten.[12]

SportBearbeiten

Dem Fußballverein NK Zavrč gelang 2013 der Aufstieg in die erste slowenische Liga.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Spezialkarte der Österreichisch-ungarischen Monarchie 1:75.000 - Pettau und Vinica 5456. (1914)
  2. Tabellen zur Bevölkerung des Statistischen Amtes der Republik Slowenien (slowenisch)
  3. Simon Povoden, Hauptpfarrliches Geschichtsbuch 1883, (ZAP R-42), S. 132:
  4. Ferdinand Raisp, Pettau. Steiermarks älteste Stadt und ihre Umgebung, Graz 1858, S. 299 f.
  5. F. X. Hlubek, Ein treues Bild des Herzogthumes Steiermark, Gratz 1860, S. 376
  6. Ferdinand Raisp, Pettau. Steiermarks älteste Stadt und ihre Umgebung, Graz 1858, S. 299
  7. Ferdinand Raisp, Pettau. Steiermarks älteste Stadt und ihre Umgebung, Graz 1858, S. 300
  8. Ferdinand Raisp, Pettau. Steiermarks älteste Stadt und ihre Umgebung, Graz 1858, S. 300
  9. Vgl. Othmar Pickl, Die Handelsbeziehungen zwischen Ungarn, Österreich, Süddeutschland, bzw. Venedig während des Fünfzehnjährigen Krieges, In: Sonderbände der Zeitschrift des Historischen Vereins für Steiermark 25 (2000), S. 557–563, hier: S. 559:
  10. Simon Povoden, Hauptpfarrliches Geschichtsbuch 1883, (ZAP R-42), S. 129:
  11. Aquilin Julius Cäsar, Beschreibung des Herzogthums Steyermarks, Bd. 2, Graz 1786, S. 482–483
  12. F. X. Hlubek, Ein treues Bild des Herzogthumes Steiermark, Gratz 1860, S. 376