Yamaha FZR 600 (3HE)

Die FZR 600 (3HE) (1989–1993) ist ein Motorradmodell des japanischen Motorradherstellers Yamaha und gehört zu den Supersport-Motorrädern.

FZR 600 3HE mit gekürztem Heck

Es gibt drei unterschiedliche Modelle, die 3HE, die 3RG und die 3RH. Der einzige Unterschied zwischen den Modellen ist die Werkseinstellung (Drossel und Motorsteuerungsmodul), die über die Motorleistung bestimmt. Das 3HE-Modell leistet maximal 67 kW (91 PS) und ca. 68 Nm Drehmoment bei 10.500/min. Das Modell 3RG hingegen leistet 36 kW (50 PS). Ab 1994 gab es den Nachfolger FZR 600 R (4JH), die bis 1995 gebaut wurde. Technisch haben die 3HE und 4JH jedoch nicht viel gemeinsam.

MotorBearbeiten

Der Motor der Maschine ist ein wassergekühlter Otto-Viertakt-Vierzylinder-Reihenmotor mit 599 cm³ Hubraum (59,0 × 54,8 mm Bohrung) und zwei oben liegenden Nockenwellen (dohc), die über Tassenstößel mit unten liegenden Ventileinstellplättchen (Shims) 16 Ventile betätigen. Das Gemisch bereitet eine Mikuni BDST32 Vergaserbank auf. Es werden in Standardabstimmung Zündkerzen vom Typ NGK CR9E verwendet. Das Motoröl (Nasssumpf-Schmiersystem) bei den Modellen bis 1991 wird durch einen externen Kühler gekühlt. Im Gegensatz zu dem aktiv gekühlten Wasserradiator, hat er keine Lüftereinheit, er wird nur passiv gekühlt. Ab Bj. 91 entfiel der separate Ölkühler und wurde durch einen kühlwasserdurchströmten Ölfilterfuß ersetzt.

GetriebeBearbeiten

Alle oben aufgeführten Modelle haben ein Sechsgang-Getriebe, das von der vorhergegangenen 400er-Version übernommen wurde, sowie eine Ölbadkupplung. Die Standardübersetzung beträgt 15/45. Bei der 3HE erreicht man im 6. Gang eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h.

ZündungBearbeiten

Die Wasted-Spark-Zündung arbeitet mit einer TCI-Einheit (Transistor Charger Ignition) und zwei Zündspulen. Die Zündreihenfolge lautet 1-3-4-2. Die eine Zündspule versorgt den ersten und den vierten Zylinder, die andere den zweiten und dritten.

Räder und ReifenBearbeiten

Serienmäßig wurden Gussräder mit den Maßen 17 Zoll Durchmesser/3 Zoll Breite vorne und 18 Zoll Durchmesser/3,5 Zoll Breite hinten montiert. Ab Bj. 1991 wurde hinten eine 4 Zoll breite Felge verwendet.

Die Standardbereifung für die vordere Felge ist ein 110er-Bridgestone-GS-Tourenreifen. Die Standardbereifung für die hintere Felge ist ein 130er Bridgestone GS-Tourenreifen. Als Hinterreifen kann auch ein Reifen 150er oder 160er Breite (nur mit der 4 Zoll Felge ab 1991) montiert werden. Hierfür liegen entsprechende Freigaben und Teilegutachten vor.

Schwachstellen und mögliche OptimierungenBearbeiten

Die FZR 600 ist ein solide konstruiertes und gebautes Motorrad, das auch heutzutage noch viel Spaß macht. Lediglich die zu schwache Fahrwerksauslegung, das aus der FZR 400 übernommene Getriebe, der serienmäßige Laderegler und die für die 89/90er Modelle eingeschränkte Reifenauswahl trüben den positiven Gesamteindruck.

FahrwerkBearbeiten

Die serienmäßige Gabel zeichnet sich durch ein fragwürdiges Ansprechverhalten und frühes Durchschlagen aus. Eine eingeschränkte Abhilfe ist durch den Austausch der Gabelfedern in Verbindung mit der Abstimmung des Dämpfverhaltens durch Experimente mit der Gabelölviskosität möglich. Trotzdem bleibt die relativ dünne und nicht verstellbare Gabel eine Schwachstelle. Ähnliches gilt für das hintere Federbein. Hier kann eine Verbesserung entweder durch recht teure Zubehörfederbeine oder durch die Montage des Federbeins aus einer Yamaha Fazer RJ02 erreicht werden. Das Federbein der Fazer entspricht in den Abmessungen dem Originalbauteil, zeichnet sich aber durch eine andere Federrate und eine etwas bessere Dämpfung aus. Diese Modifikation muss in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden.

GetriebeBearbeiten

Das aus der FZR 400 übernommene Getriebe zeigt sich, besonders im zweiten Gang, von der Kraft des Motors überfordert. Ergebnis sind vorzeitiger Verschleiß, unsaubere Schaltvorgänge in den unteren Gängen und vernehmliches Getriebesingen. Eine Abhilfe ist nicht möglich – lediglich ein Verzicht auf hohe Drehzahlen in den unteren Gängen verlängert die Lebenserwartung.

LadereglerBearbeiten

Das serienmäßige Bauteil ist unterdimensioniert und eine Gefahr für die gesamte Fahrzeugelektrik. Besonders hohe Drehzahlen sorgen für extreme Temperaturen und den Ausfall des Reglers. Folge sind defekte Batterien und im schlimmsten Fall der Ausfall teurer Bauteile, wie der CDI durch Überspannungsschäden. Abhilfe ist leicht und kostengünstig möglich durch den Einsatz verstärkter Regler/Gleichrichter, zum Beispiel aus der FZR 600 4JH oder aus dem Zubehörhandel.

ReifenkombinationenBearbeiten

Die Auswahl an zeitgemäßen Hinterreifen bei den 1989/1990-Modellen ist wegen der unüblichen 3,5x18-Zoll-Felge und der beengten Platzverhältnisse durch die Bremsankerstrebe sehr eingeschränkt. Es bleibt als aktuell (Mai 2014) verfügbare Reifenkombination eigentlich nur die Paarung aus Bridgestone BT16 F (Pro), bzw. S20 F an der VA mit einem BT12 SS in 150/70 18. Ab Baujahr 1991 wurde hinten eine 4 Zoll breite Felge in Verbindung mit einer etwas breiteren und steiferen Deltabox-Schwinge verwendet. Durch den dadurch vergrößerten Einbauraum ermöglicht dies die Montage einer Vielzahl von aktuellen Reifenkombinationen.

ModifikationenBearbeiten

Die serienmäßigen Gummibremsleitungen sollten spätestens alle 4 bis 5 Jahre ausgetauscht werden. Es ist, wie bei allen Motorrädern, sinnvoll bei dieser Gelegenheit auf Stahlflexleitungen umzurüsten.

Ein Umbau auf eine entspannte Sitzposition ist problemlos mittels Superbike-Umrüstsätzen möglich. Alternativ kann die obere Gabelbrücke aus einer XJ-600-Diversion in Verbindung mit einem entsprechenden Rohrlenker verwendet werden. Wenn der Lenker nicht zu hoch und breit ausfällt ist keine Änderung der Züge und Bremsleitungen nötig.

WeblinksBearbeiten

QuellenBearbeiten