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Die Titelseite der ersten Ausgabe von Wremja

Wremja (russisch Время, „Zeit“) war eine Sankt Petersburger Monatszeitschrift, die von 1861 bis 1863 erschien. Herausgeber war Michail Michailowitsch Dostojewski, der ältere Bruder von Fjodor Michailowitsch Dostojewski. In der Zeitschrift erschienen politische Artikel und literarische Arbeiten.

GeschichteBearbeiten

Hintergrund der Gründung der Zeitschrift war Dostojewskis Wunsch, eigene literarische Arbeiten ohne Rücksichtnahme auf fremde Herausgeber publizieren zu können. Darüber hinaus wollte er dem Potschwennitschestwo Gehör verschaffen, einer Strömung innerhalb der slawophilen Bewegung, für die sich Dostojewski glühend einsetzte. Aufgrund seiner politischen Vorbelastung durfte Dostojewski verlegerisch nicht tätig werden; als Wremja Anfang 1861 gegründet wurde, war darum offiziell sein Bruder Michail der Herausgeber.[1]

Die Redaktion befand sich in Michail Dostojewskis Wohnung (Malaya Meshchanskaya, heute: 1 Kaznacheyskaya), gedruckt wurde die Zeitschrift in der Druckerei von E. Prats. Hausautoren waren Fjodor Dostojewskis politische Mitstreiter Nikolai Strachow und Apollon Grigorjew; weitere Beiträge kamen von Wsewolod Krestowski, Apollon Maikow, Jakow Polonski, Nikolai Nekrassow, Michail Saltykow-Schtschedrin und Nikolai Gerassimowitsch Pomjalowski. Die meisten dieser Autoren standen dem Potschwennitschestwo nahe, sodass eine hitzige Debatte mit den Autoren der gegnerischen Zeitschriften Sowremennik und Russkoje slowo entstand.[2]

Von Januar bis Juli 1861 veröffentlichte Dostojewski in der Zeitschrift seinen Roman Erniedrigte und Beleidigte,[3] vom Herbst 1861 bis Ende 1862 die Prosaarbeit Aufzeichnungen aus einem Totenhaus,[4] und noch im Jahre 1862 seine Erzählung Eine dumme Geschichte.[5]

Wremja war beim Publikum sehr erfolgreich und brachte Dostojewski so gute Einnahmen, dass er sich im Sommer 1862 eine ausgedehnte Reise durch Europa leisten konnte. Er schrieb darüber einen Essay Winterliche Aufzeichnungen über sommerliche Eindrücke, der von Februar 1863 an ebenfalls in Wremja erschien.[6][7]

Nach dem Januaraufstand in Polen veröffentlichte Strachow im April 1863 den Artikel „Eine schicksalshafte Frage“ über das russisch-polnische Verhältnis. Der Artikel wurde durch die Zensur als regierungskritisch eingestuft. Am 24. Mai 1863 wurde die Zeitschrift verboten.[8][9]

Im März 1864 gründeten Fjodor und Michail Dostojewski die Zeitschrift Epocha, die Wremja ersetzen sollte, aber nicht annähernd den Erfolg ihres Vorbildes erreichte.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Vremya (magazine) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Frederick Copleston: Philosophy in Russia. From Herzen to Lenin and Berdyaev. Search Press/Notre Dame, Tunbridge Wells, England; Notre Dame, Indiana 1886, ISBN 0-85532-577-1, S. 153. (eingeschränkte Online-Version in der Google-Buchsuche); Joseph Frank: Through the Russian Prism. Essays on Literature and Culture. Princeton University Press, Princeton, New Jersey 1990, ISBN 0-691-06821-6, S. 176 f. (eingeschränkte Online-Version in der Google-Buchsuche)
  2. Wremja (Zeitschrift) in der Online-Enzyklopädie Sankt Petersburg (englisch, russisch), abgerufen am 13. Januar 2014
  3. Konstantin Mochulsky: Dostoevsky. His Life and Work. Princeton University Press, 1967, ISBN 0-691-06027-4, S. 198.; Einleitung zu Fyodor Dostoevsky: The Best Short Stories of Fyodor Dostoevsky. Random House, 2012, ISBN 978-0-307-82408-0, S. xvi.
  4. Victor Terras: The Art of Crime and Punishment. In: Harold Bloom (Hrsg.): Fyodor Dostoevsky’s Crime and Punishment. Chelsea House/Infobase Publishing, New York 2004, ISBN 0-7910-7579-6, S. 280. (eingeschränkte Online-Version in der Google-Buchsuche); Joseph Frank: Dostoevsky. The Stir of Liberation, 1860–1865. Princeton University Press, Princeton, New Jersey 1986, ISBN 0-691-01452-3, S. 213.
  5. Mikhail Bakhtin: Characteristics of Genre and Plot Composition in Dostoevsky’s Works. In: Harold Bloom (Hrsg.): Fyodor Dostoevsky’s Crime and Punishment. Chelsea House/Infobase Publishing, New York 2004, ISBN 0-7910-7579-6, S. 67 f.
  6. Joseph Frank, Mary Petrusewicz: Dostoevsky. A Writer in His Time. Princeton University Press, Princeton, New Jersey 2010, ISBN 978-0-691-12819-1, S. 357.
  7. Fyodor Dostoevsky: Winter Notes on Summer Impressions. 2. Auflage. Northwestern University Press, Evanston, Illinois 1997, ISBN 0-8101-1518-2, S. vvi., Einleitung (eingeschränkte Online-Version in der Google-Buchsuche)
  8. Joseph Frank, Mary Petrusewicz: Dostoevsky. A Writer in His Time. Princeton University Press, Princeton, New Jersey 2010, ISBN 978-0-691-12819-1, S. 361.
  9. Strachow: Zur Lebensgeschichte Dostojewskis. Literarische Schriften. Piper, München 1923, S. 58.