Raketenstufe Wolga
Land RusslandRussland Russland
Hersteller   RKZ Progress
GRAU-Index   141KS und 14S46
Erstflug 28. Dezember 2013
Einsätze 6
Daten
Höhe 1,02 m
Durchmesser   3,10 m[1]
Startmasse   1140–1740 kg
Max. Nutzlast   1400 kg (SSO 835 km)
Max. Schub ca. 2,9 kN
Treibstoff UDMH / N2O4

Die Wolga – benannt nach dem gleichnamigen Fluss – ist eine mehrfach wiederzündbare Raketenoberstufe des russischen Herstellers RKZ Progress. Sie wird beim Start von Satelliten mit Sojus-2.1-Raketen eingesetzt, um höhere Umlaufbahnen zu erreichen. Die Stufe ist seit 2013 in Verwendung.

HintergrundBearbeiten

Die Wolga-Stufe ging aus dem Sojus-1-Projekt hervor. Ziel dieses in den 2000er Jahren begonnenen Projekts war die Entwicklung einer leistungsfähigeren Variante der Sojus-Rakete. Tatsächlich entstanden dabei nur die kleinere Raketenversion Sojus-2.1w und die dafür benötigte Wolga-Zusatzstufe. Letztere ist auch mit den „großen“ Sojus-Varianten 2.1a und 2.1b verwendbar, anstelle der leistungsstärkeren und teureren Fregat-Stufe.

Als Basis für die neue Oberstufe diente der von RKZ Progress entwickelte Bus der Jantal-Satellitenfamilie. Dieser stand auch schon Pate für die ältere Sojus-Raketenoberstufe Ikar, die daher technisch der Wolga-Stufe ähnelt.

Technik und LeistungsdatenBearbeiten

Die Wolga ist gut einen Meter hoch und hat einen Durchmesser von 3,1 Metern, das heißt sie ist breiter als der Rumpf der Rakete (∅ 2,64 m), auf dem sie montiert wird. Vom Einsatzprofil her handelt es sich um eine Kickstufe: Sie befindet sich während der ersten Startphase innerhalb der Nutzlastverkleidung der Rakete und befördert die Satelliten schließlich langsam und präzise in ihre Zielumlaufbahn.

Wie ihr Vorläufermodell Ikar wird auch die Wolga mit der hypergolen (selbstzündenden) Treibstoffkombination UDMH und Stickstofftetroxid betrieben. Als Haupttriebwerk kommt das 17D64[2] zum Einsatz, eine Weiterentwicklung des Ikar-Triebwerks 17D61 mit unverändertem Maximalschub von ca. 2,9 kN. Zur Lageregelung sind kleine Steuertriebwerke vorhanden. Voll betankt wiegt die Stufe beim Start 1740 kg, davon 900 kg Treibstoff.

Die Vielfachzündfähigkeit und eine Betriebsdauer von bis zu 24 Stunden ermöglichen es, nacheinander mehrere Nutzlasten in verschiedene Orbits auszusetzen. Typischerweise dauert ein Einsatz aber nur 1–2 Stunden. Anschließend verwendet die Stufe den restlichen Treibstoff, um sich – nach Möglichkeit – wieder aus dem Weltraum zu entfernen, damit kein Weltraummüll entsteht. Wenn das Einsatzprofil dies nicht zulässt, steuert sie einen Friedhofsorbit an.

Für einen Start der Sojus 2.1w/Wolga vom Kosmodrom Plessezk nennt RKZ Progress folgende Höchstnutzlasten:

  • 1700 kg bei einer um 62,8° geneigten Bahn in 1000 km Höhe
  • 1400 kg bei 82,4° Bahnneigung und 1500 km Höhe
  • 1400 kg bei einer sonnensynchronen Umlaufbahn (98,7°) in 835 km Höhe.

Alle bisherigen Flüge gingen in niedrigere Umlaufbahnen, was schwerere Nutzlasten erlaubt.

EinsatzlisteBearbeiten

Stand: 31. Dezember 2019

Lfd. Nr. Datum (UTC) Start­platz Sojus Nutzlast
(Satelliten)
Bahndaten Anmerkungen
⌀ Höhe Nei­gung
10 28. Dez. 2013 Pl 43/4 2.1w Aist 1
SKRL-756 1
SKRL-756 2
607 km
606 km
602 km
82,4°
20 05. Dez. 2015 Pl 43/4 2.1w Kanopus-ST 1
KYuA 1

685 km
98,2° Kanopus-ST 1 trennte sich nicht von der Wolga-Stufe; beide verglühten beim Wiedereintritt nach drei Tagen.[3]
30 28. Apr. 2016 Wo 1S 2.1a MVL-300
Aist 2D
Samsat-218
478 km
478 km
478 km
97,3° Weltraumteleskop

 
40 23. Juni 2017 Pl 43/4 2.1w Kosmos 2519 662 km 98,0° Kosmos 2519 setzte später die Unternutzlasten Kosmos 2521 und 2523 aus.
50 10. Juli 2019 Pl 43/4 2.1w Kosmos 2535 bis 2538 615 km 97,9°
60 25. Nov. 2019 Pl 43/4 2.1w Kosmos 2542 640 km 97,9° Kosmos 2542 setzte später die Unternutzlast Kosmos 2543 aus.

QuellenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Angabe von der RKZ-Progress-Website; Anatoly Zak (Russian Space Web) nennt stattdessen 3,2 m.
  2. William Graham: Soyuz 2-1 launches maiden mission from Vostochny. In: Nasaspaceflight.com. 27. April 2016, abgerufen am 20. September 2019 (englisch).
  3. Space-Track, abgerufen am 20. September 2019.