Wolfgang Spohn

deutscher Philosoph und Hochschullehrer

Wolfgang Konrad Spohn (* 20. März 1950 in Tübingen) ist ein deutscher Philosoph. Er war bis 2018 Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Universität Konstanz.

BiographieBearbeiten

Wolfgang Spohn studierte Philosophie, Logik & Wissenschaftstheorie und Mathematik an der Universität München. Er erwarb dort 1973 den Magister und 1976 die Promotion mit einer Dissertation zum Thema Grundlagen der Entscheidungstheorie. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Assistent in München erwarb er 1984 die Lehrbefugnis in Philosophie und Logik & Wissenschaftstheorie mit der Schrift Eine Theorie der Kausalität. Er hatte Professuren an der Universität Regensburg (1986–1991) und der Universität Bielefeld (1991–1996) und war von 1996 bis 2018 Professor an der Universität Konstanz. Seit 2019 ist er Senior-Professor an der Universität Tübingen.

Spohn ist Herausgeber der Zeitschrift Erkenntnis und war von 1988 bis 2001 deren geschäftsführender Herausgeber. Er ist Gründungsmitglied der Gesellschaft für Analytische Philosophie und diente ihr von 2006 bis 2012 als Vizepräsident. Spohn war Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin (1985/86) und Gastprofessor an der University of California, Irvine (1988). Seit 2002 ist er Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina[1] und seit 2015 Mitglied der Academia Europaea. 2012 erhielt er den Lakatos-Preis der London School of Economics für sein Buch The Laws of Belief. Ranking Theory and its Philosophical Applications als erster außerhalb der angelsächsischen Philosophie. 2015 wurde ihm der Frege-Preis der Gesellschaft für Analytische Philosophie für herausragende Leistungen einer deutschsprachigen Philosophin oder eines deutschsprachigen Philosophen auf dem Gebiet der Analytischen Philosophie zugesprochen.[2]

Spohn ist der jüngste Bruder des historischen Soziologen Willfried Spohn und des mathematischen Physikers Herbert Spohn.

ForschungBearbeiten

Spohn ist hauptsächlich für seine Beiträge zur formalen Erkenntnistheorie bekannt, insbesondere für die umfassende Entwicklung seiner Theorie der Überzeugungsdynamik, der so genannten Rangtheorie, seit 1982. Sie ist eine Alternative zur Wahrscheinlichkeitstheorie mit einer ähnlichen philosophischen Bedeutung als formale Theorie der Überzeugungsdynamik. Spohns Forschungen betreffen auch die Wissenschaftstheorie, die Theorie der Kausalität, Metaphysik und Ontologie, die Philosophie der Sprache und des Geistes, insbesondere die zweidimensionale Semantik, die philosophischen Logiken, und die Theorie der praktischen Rationalität, insbesondere Entscheidungs- und Spieltheorie (vgl. dazu seine Aufsatzsammlung Causation, Coherence, and Concepts). Seine Dissertation Grundlagen der Entscheidungstheorie und sein Aufsatz Stochastic Independence, Causal Independence, and Shieldability sind Wegbereiter der Theorie der Bayes'schen Netze und ihrer kausalen Interpretation. Sein Aufsatz How to Make Sense of Game Theory[3] ist Vorläufer der epistemischen Spieltheorie.

VeröffentlichungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

FußnotenBearbeiten

  1. Mitgliedseintrag von Prof. Dr. Wolfgang Spohn (mit Bild und CV) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 22. Juli 2016.
  2. Frege-Preis 2015 für Wolfgang Spohn (Memento vom 20. September 2015 im Internet Archive), Presseinformation der Universität Konstanz vom 25. April 2014
  3. How to Make Sense of Game Theory. In: W. Stegmüller, W. Balzer & W. Spohn (Hrsg.): Philosophy of Economics. Springer, 1982, S. 239–270; nachgedruckt in: Yanis Varoufakis & Anthony Housego (Hrsg.): Game Theory: Critical Concepts in the Social Sciences. Vol. IV. Routledge, 2001, ISBN 0-415-22240-0, S. 213–241.