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Wohnraummangel

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Wohnungsmangel in der Nachkriegszeit

Mit Wohnraummangel wird ein Phänomen bezeichnet, in dem das Angebot an Wohnungen auf dem Wohnungsmarkt nicht ausreicht, um die Nachfrage zu decken. Die Folgen sind Überbelegung bestehenden Wohnraums, steigende Mietpreise und eine höhere Anzahl von, auch erwerbstätigen, Obdachlosen. In der politischen Debatte wird das Thema vor allem von linken Parteien problematisiert, während konservative Parteien meist eher den Wohnungseigentümern näher stehen.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Heinrich Zille: Geburtstag, 1909

Das Phänomen des Wohnraummangels war zu einem gewissen Grad stets eine Begleiterscheinung von Urbanisierung und betraf vor allem Bevölkerungsschichten mit geringem Einkommen und neu zugewanderte Migranten. In vielen mittelalterlichen Städten war Wohnraummangel ein permanentes Problem, auch weil Baugrund in ummauerten oder auf Inseln gelegenen Städten wie Venedig nur begrenzt zur Verfügung stand. In der frühen Neuzeit durfte häufig aus militärischen Gründen nicht außerhalb der Befestigungsanlagen – im Festungsrayon – gebaut werden, sodass sich die Städte innerhalb immer weiter verdichteten. Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts führte dann zu einem starken Städtewachstum, verbunden mit Landflucht und dem Heranwachsen von Slums und Mietskasernen in den Vorortbereichen von Städten in England und anderen Industrieregionen. Wohnraummangel war ein zentrales Problem dieses Pauperismus und wurde beispielsweise auch von Künstlern wie Heinrich Zille thematisiert. Ein Phänomen dieser Zeit waren auch Schlafgänger, die nur stundenweise ein Bett anmieten konnten.

Die Sozialreformatorische Bewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts sah in den unzureichenden Wohnverhältnissen breiter Bevölkerungsteile einen unhaltbaren Zustand. Eine Reaktion war die Gründung erster Wohnungsbaugenossenschaften. In der Weimarer Republik begann dann der Soziale Wohnungsbau, um den noch immer grassierenden Wohnraummangel in den Großstädten abzumildern. Zu einer erneuten Verschärfung kam es durch die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs sowie durch den Zustrom von Heimatvertriebenen aus den deutschen Ostgebieten. Erst die großangelegten Wohnungsbauprogramme zwischen 1950 und 1990 beseitigten den Wohnraummangel in Deutschland weitgehend. Durch verstärkten Zuzug in die prosperierenden Ballungsgebiete seit 2010 wird Wohnraummangel in einigen Großstädten wieder zum Problem. Andererseits wird aufgrund des demografischen Wandels in einigen ländlichen Regionen in Deutschland Leerstand zu einem wachsenden Phänomen.

Sonderformen von Wohnraummangel können auftreten, wenn zwar an sich ausreichend Wohnungen vorhanden sind, diese aber dem regulären Wohnmarkt dauerhaft entzogen werden. Beispiele hierfür fanden sich zum einen in realsozialistischen Systemen mit staatlich festgelegten Mieten unterhalb der Kostendeckung, die in Verbindung mit Materialmangel dazu führten, dass vorhandene Wohnungen nicht mehr in bewohnbarem Zustand gehalten werden konnten und verfielen. Ein anderes Beispiel sind Ferienregionen (besonders in Insellage), wo viele Wohnungen in Ferienwohnungen umgewandelt oder direkt als solche gebaut wurden, sodass beispielsweise einheimisches Servicepersonal verdrängt wird und von massiven Mietsteigerungen betroffen ist. Seit etwa 2010 weitet sich dieses Problem mit der Verbreitung von Diensten wie Airbnb auch auf viele Metropolen wie Amsterdam oder Barcelona aus. In London und einigen anderen westlichen Finanzplätzen spielt auch die weite Verbreitung ungenutzter Zweitwohnsitze eine Rolle, die von reichen Privatleuten aus instabilen Ländern gehalten werden, sei es zur Geldwäsche oder als Absicherung und Zufluchtsort bei Problemen im Heimatland.

International lassen sich seit etwa 1950 in den Großstädten der Entwicklungs- und Schwellenländer ähnliche Entwicklungen beobachten wie im Europa des 19. Jahrhunderts mit der Entstehung von Slums und der Überbelegung des vorhandenen Wohnraums. Auch in entwickelten Ländern gibt es Stadtregionen mit extremem Wohnraummangel, etwa San Francisco oder Hongkong. Dort spielt auch die beengte Topografie in Insel- bzw. Halbinsellage eine Rolle.

Situation in DeutschlandBearbeiten

Ursachen der aktuellen WohnungsnotBearbeiten

Als Ursachen der aktuellen Wohnungsnot gelten:

  • Der Soziale Wohnungsbau wurde nach der Wende weitgehend eingestellt. Infolgedessen fallen immer mehr Wohnungen aus der Sozialbindung, ohne dass neue Wohnungen hinzukämen. Manche Städte, wie etwa Dresden, verkauften ihren Bestand an Sozialwohnungen vollständig an private Investoren.
  • Die Kosten für das Bauen sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Kritisiert wird in diesem Zusammenhang insbesondere die Energieeinsparverordnung mit der Pflicht zum umfassenden Dämmen von Wohngebäuden. Die 2017 gewählte Landesregierung in Nordrhein-Westfalen will über eine Bundesratsinitiative die Energieeinsparverordnung für die nächsten drei Jahre komplett aussetzen.[1]
  • Infolge der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank wenden sich Investoren und Spekulanten zunehmend Immobilien zu. Teilweise wird Bauland gekauft, um auf höhere Preise zu spekulieren und dieses Bauland später zu höheren Preisen wieder zu verkaufen. In Berlin wurden von 22.000 erteilten Baugenehmigungen lediglich 40 Prozent realisiert, die anderen 60 Prozent sind ungenutzt. Infolge der Spekulation haben sich die Preise für Bauland in Städten wie Frankfurt seit 2014 verdoppelt, die Preise für Wohneigentum sind um 50 Prozent gestiegen.[2]
  • Neue Wohnungen werden überwiegend am Bedarf vorbei gebaut. So werden in Städten hauptsächlich Luxuswohnungen gebaut, die für die breite Bevölkerungsschicht als unerreichbar gelten. Zudem werden überwiegend große Wohnungen gebaut, obwohl derartige Wohnungen ausreichend am Markt vorhanden sind und es vielmehr an kleinen Ein- und Zweiraumwohnungen fehlt.[3] Auf dem Land entstehen ganze Siedlungen mit Eigentumswohnungen und Häusern, für die eine entsprechende Nachfrage fehlt, teilweise wird bis zu 28 Mal mehr Eigentum errichtet als eigentlich an Bedarf vorhanden wäre.[4] (Siehe auch: Gentrifizierung)

Kritisiert wird, dass inzwischen auch die Träger der freien Wohlfahrtspflege keine Wohnungen auf dem Wohnungsmarkt finden und infolgedessen zunehmend Personen, die zu sozialen Randgruppen gehören, wie Alleinerziehende oder Behinderte, obdachlos werden. Die Ursache liege darin, dass Mietverträge mit Trägern der freien Wohlfahrtspflege dem Gewerbemietrecht unterliegen, die Anmietung erfolgt, um diese Wohnungen an Bedürftige unterzuvermieten. Somit besteht auch kein Kündigungsschutz wie dies normalerweise bei Wohnraummietveträgen der Fall ist. Bundestagsabgeordnete wie Corinna Rüffer fordern deshalb eine Ausweitung des Kündigungsschutzes für Wohnraummietverträge.[5][6]

FolgenBearbeiten

Zu den Folgen des Wohnraummangels zählen beispielsweise hohe Mieten, die einen beträchtlichen Teil des verfügbaren Einkommens binden, der dann für Konsumausgaben oder zur Bildung von Altersrücklagen fehlt. Auch das Pendeln über weitere Strecken mit den damit verbundenen ökologischen und gesundheitlichen Folgen ist ein Resultat fehlenden Wohnraums. Nicht zuletzt führt der Mangel an Wohnungen zu einer geringeren Dynamik innerhalb des Wohnungsmarkts, sodass Menschen, die einmal eine Wohnung gefunden haben nicht mehr umziehen, da eine neue Wohnung deutlich teuerer ist als die alte, selbst wenn diese inzwischen zu groß ist oder nicht mehr zur Lebenssituation passt. Ferner leidet mitunter auch die Immobiliensubstanz unter dem Wohnraummangel, da renditeorientierte Vermieter auch mit sparsamer oder unterlassener Instandhaltung von Wohngebäuden ohne Probleme Mieter finden.

StatistikBearbeiten

Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre (31. Dezember 2011 bis 31. Dezember 2016) für die 15 größten Städte in Deutschland. Da in der Bundesrepublik durchschnittlich etwa zwei Personen pro Haushalt leben, spannt sich der Wohnungsmarkt bei einem Verhältnis über zwei neuen Einwohnern pro neuer Wohnung weiter an, ein Verhältnis unter zwei stünde für eine Entspannung am lokalen Wohnungsmarkt. Zu beachten ist, dass in einigen Städten noch vorhandene Leerstandsreserven genutzt werden konnten, besonders in Leipzig (dort lag die Leerstandsquote zum Zensus 2011 noch bei 12,1 % des Gesamtbestandes), in geringem Maß auch in Duisburg, Dresden, Essen und Dortmund.

Entwicklung in den 15 größten Städten von 31.12.2011 bis 31.12.2016
Stadt Bevölkerungs-
entwicklung[7]
Fertiggestellte
Wohnungen[8]
Neue Einwohner
pro neuer Wohnung
Berlin +248.828 35.087 7,1
Hamburg +92.251 30.062 3,1
München +99.381 30.179 3,3
Köln +62.270 15.398 4,0
Frankfurt am Main +59.881 16.016 3,7
Stuttgart +37.017 8.082 4,6
Düsseldorf +20.837 7.422 2,8
Dortmund +14.410 4.403 3,3
Essen +17.184 3.432 5,0
Leipzig +61.045 4.261 14,3
Bremen +21.676 7.585 2,9
Dresden +29.407 7.169 4,1
Hannover +23.379 4.422 5,3
Nürnberg +21.543 6.681 3,2
Duisburg +12.375 2.179 5,7

EinzelnachweiseBearbeiten