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Wittnau AG

Gemeinde im Kanton Aargau, Schweiz
AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Wittnauf zu vermeiden.
Wittnau
Wappen von Wittnau
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Laufenburgw
BFS-Nr.: 4181i1f3f4
Postleitzahl: 5064
Koordinaten: 640513 / 258944Koordinaten: 47° 28′ 48″ N, 7° 58′ 34″ O; CH1903: 640513 / 258944
Höhe: 404 m ü. M.
Fläche: 11,25 km²
Einwohner: 1304 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 116 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
10,5 % (31. Dezember 2018)[2]
Website: www.wittnau.ch
Blick auf den Dorfkern

Blick auf den Dorfkern

Karte
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Über dieses Bild
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Wittnau ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Laufenburg, liegt im Süden der Region Fricktal und grenzt an die Kantone Basel-Landschaft und Solothurn.

GeographieBearbeiten

Das Strassendorf erstreckt sich über eine Länge von über eineinhalb Kilometern entlang des Bruggbachs, einem Zufluss der Sissle. Das Tal wird durch zahlreiche Hügel des Tafeljuras begrenzt, die im unteren Bereich steil ansteigen und im oberen Bereich in teilweise ausgedehnte Hochebenen übergehen. Entlang der westlichen Gemeindegrenze erstreckt sich eine durchschnittlich 650 Meter hohe Ebene, die durch zahlreiche tief eingeschnittene Seitentäler gegliedert wird. Die insgesamt vier Seitentäler werden durch hoch aufragende, schmale Ausläufer begrenzt. Von Nord nach Süd sind dies der Homberg (705 m ü. M.), das Wittnauer Horn (668 m ü. M.), der Limperg (675 m ü. M.) und der Reichberg (586 m ü. M.). Östlich des Dorfes zweigt ein sechs Kilometer langes Seitental ab, welches bis zur Passhöhe am Benkerjoch reicht. Der im Süden gelegene Altenberg (589 m ü. M.) trennt das Bruggbachtal vom Benkerjochtal.[3]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 1125 Hektaren, davon sind 608 Hektaren mit Wald bedeckt und 85 Hektaren überbaut.[4] Der höchste Punkt liegt auf 712 m ü. M. auf der Hochebene westlich des Hombergs, der tiefste auf 385 m ü. M. am Bruggbach. Das Gemeindegebiet von Wittnau ist Teil des Juraparks Aargau, einem «Regionalen Naturpark von nationaler Bedeutung». Nachbargemeinden sind Wegenstetten im Nordwesten, Gipf-Oberfrick im Norden, Wölflinswil im Osten, die solothurnische Gemeinde Kienberg im Süden sowie die Baselländer Gemeinden Anwil und Rothenfluh im Westen.

GeschichteBearbeiten

Die während der späten Bronzezeit (ca. 850–700 v. Chr.) entstandene Hügelfestung auf dem Wittnauer Horn ist eines der bedeutendsten Zeugnisse der Schweizer Ur- und Frühgeschichte. Nach einer Feuersbrunst wurde die Siedlung während der Hallstattzeit wieder aufgebaut und blieb bis zur Latènezeit bewohnt. Die Römer nutzten das Wittnauer Horn nach den Raubzügen der Alamannen im Jahr 260 bis etwa 350 sporadisch als Fluchtburg. Danach diente sie als Teil der römischen Rheinbefestigung.[5] Zu Beginn des 5. Jahrhunderts zogen sich die Römer endgültig zurück und liessen die Anlage verfallen.

Die erste urkundliche Erwähnung von Wittnow erfolgte im Jahr 1100. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen (ze dero) wittun ouwo und bedeutet «beim weiten wassernahen Land».[6] Im Mittelalter herrschten die Grafen von Homberg-Tierstein über die nähere Umgebung. Sie liessen vermutlich im 10. Jahrhundert am Osthang des Tiersteinbergs (auf dem heutigen Gemeindegebiet von Gipf-Oberfrick) ihre Stammburg errichten. Um 1100 entstand rund 600 Meter weiter südlich die Burg Alt-Homberg. Um 1180 errichteten die Grafen bei Büsserach die Burg Neu-Thierstein und verlegten ihren Herrschaftsmittelpunkt dorthin. Nach dem Aussterben der Grafen von Homberg-Tierstein übernahmen im Jahr 1232 die Habsburger die Landesherrschaft. Beide Burgen wurden beim Basler Erdbeben 1356 zerstört.

Die Habsburger verpfändeten nach dem Waldshuterkrieg von 1468 das gesamte Fricktal an Burgund. Als die Burgunder von den Eidgenossen während der Burgunderkriege vernichtend geschlagen worden waren, kam Wittnau 1477 wieder unter österreichische Herrschaft. Nach der Reichsreform des österreichischen Kaisers Maximilian I. im Jahr 1491 gehörte Wittnau zu Vorderösterreich und lag in der Landschaft Fricktal, einer untergeordneten Verwaltungseinheit der Kameralherrschaft Rheinfelden (ab 1752 im Oberamt Breisgau). Im 17. Jahrhundert gab es kaum längere Friedenszeiten. Der Rappenkrieg, ein Bauernaufstand, dauerte von 1612 bis 1614. Der Dreissigjährige Krieg, der zwischen 1633 und 1638 auch das Fricktal erfasste, warf das Dorf in seiner Entwicklung zurück. Auch während des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688–1697) zogen fremde Truppen durch die Region.

1797 wurde das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat. Während des Zweiten Koalitionskriegs verlief hier die Frontlinie zwischen den Armeen Frankreichs und Österreichs. Am 20. Februar 1802 wurde Wittnau eine Gemeinde im Distrikt Frick des Kantons Fricktal, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss. Damit war Wittnau schweizerisch geworden. Seit dem 19. März 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieb Wittnau fast ausschliesslich landwirtschaftlich geprägt. Die Bevölkerungszahl stagnierte während Jahrzehnten. Mit dem Verschwinden vieler kleiner Bauernbetriebe wandelte sich das Dorf zu einer Wohngemeinde am Rande der Agglomeration Basel. Aufgrund einer verstärkten Bautätigkeit steigt die Bevölkerungszahl seit Mitte der 1980er Jahre kontinuierlich.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Katholische Kirche Wittnau

WappenBearbeiten

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau zwei übereinander gestellte weisse, rot bewehrte und gezungte Adler.» Das 1952 eingeführte Wappen basiert auf demjenigen der Grafen von Homberg-Tierstein. Es zeigte in Gelb zwei übereinander gestellte schwarze Adler, analog dem Gemeindewappen von Läufelfingen.[7]

BevölkerungBearbeiten

Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:[8]

Jahr 1758 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 465 939 815 777 737 741 741 779 909 1131 1150

Am 31. Dezember 2018 lebten 1304 Menschen in Wittnau, der Ausländeranteil betrug 10,5 %. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 52,2 % als römisch-katholisch und 17,1 % als reformiert; 30,7 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[9] 92,8 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an, 2,7 % Albanisch, 1,1 % Italienisch und 0,7 % Türkisch.[10]

Politik und RechtBearbeiten

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Laufenburg zuständig. Wittnau gehört zum Friedensrichterkreis X (Mettau).[11]

WirtschaftBearbeiten

In Wittnau gibt es gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 220 Arbeitsplätze, davon 20 % in der Landwirtschaft, 35 % in der Industrie und 45 % im Dienstleistungssektor.[12] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den grösseren Gemeinden des Fricktals oder in der Region Aarau.

Von grosser Bedeutung ist seit jeher der Weinbau. Am Südhang des Hombergs war im Jahr 2018 eine Fläche von 6,3 Hektaren mit Reben bestockt. Angebaut werden acht verschiedene Sorten, wobei Blauburgunder und Riesling × Sylvaner vorherrschend sind.[13]

VerkehrBearbeiten

Wittnau liegt an der Kantonsstrasse 276, die von Frick aus über die Salhöhe nach Aarau führt. Etwa einen halben Kilometer östlich des Dorfes zweigt die Kantonsstrasse 487 über das Benkerjoch nach Aarau ab. Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt über die Postautolinie zwischen den Bahnhöfen Aarau und Frick. Ein Nachtbus verkehrt von Frick über Wittnau nach Oberhof.

BildungBearbeiten

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und ein Schulhaus, in dem die Primarschule unterricht wird. Die Sekundarschule und die Realschule können in Gipf-Oberfrick besucht werden, die Bezirksschule Frick. Die nächstgelegenen Gymnasien sind die Alte Kantonsschule und die Neue Kantonsschule, beide in Aarau.

BilderBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Wittnau AG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  2. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  3. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1069, Swisstopo.
  4. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach 4 Hauptbereichen. Bundesamt für Statistik, 26. November 2018, abgerufen am 11. Mai 2019.
  5. Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 212.
  6. Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 472–473.
  7. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 318.
  8. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Excel) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistik Aargau, 2001, archiviert vom Original am 8. Oktober 2018; abgerufen am 8. Mai 2019.
  9. Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit, 2015. (Excel) In: Bevölkerung und Haushalte, Gemeindetabellen 2015. Statistik Aargau, abgerufen am 11. Mai 2019.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Excel) Statistik Aargau, archiviert vom Original am 10. August 2018; abgerufen am 8. Mai 2019.
  11. Friedensrichterkreise. Kanton Aargau, abgerufen am 19. Juni 2019.
  12. Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT). (Excel, 157 kB) Statistik Aargau, 2016, abgerufen am 8. Mai 2019.
  13. Weinlesekontrolle 2018 Kanton Aargau. (PDF, 2,4 MB) Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg, 2019, abgerufen am 19. Juni 2019.