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Willi Horsa Lippert (auch Willi H. Lippert; * 12. November 1898 in Rathenow; † 13. November 1981 in Brunsbüttel) war ein deutscher Bildhauer, Grafiker, Kunstmaler, Numismatiker und Heraldiker.

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Leben und WirkenBearbeiten

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Geboren in Rathenow als Sohn des Metalldrehers Otto Lippert und Helene Lippert, geb. Hannemann, verbrachte er seine Kindheit in Rathenow, wurde zu Ostern 1905 eingeschult und besuchte später das Gymnasium am Schulplatz. Frühzeitig trat er der Wandervogelbewegung bei, betätigte sich aktiv und gewann hier einen großen Freundeskreis, die ihn Horsa riefen.[1] Da ihm dieser Name gefiel, signierte er später fast alle seine Arbeiten mit „W.H.Lippert“, wobei das „H“ ausschließlich für Horsa stand und nicht, wie irrtümlich berichtet, für Horst. Es findet sich aber auch die Signierung „W.H.Lipphart“, die ihm eindeutig zuzuordnen ist.

Gerade 16 Jahre alt geworden, folgte er im Ersten Weltkrieg den patriotischen Aufrufen seiner Zeit und trat nach bestandener Prüfung der mittleren Reife und knapp zehn Jahren Schulzeit am 1. Januar 1915 in die kaiserliche Armee ein. Er erhielt hier eine Funkerausbildung bei der Marine.

Nach Beendigung des Krieges kehrte er nach Rathenow mit dem Wunsch zurück, ein Studium der bildenden Kunst aufnehmen zu wollen. Aus dieser Zeit sind die ersten Federzeichnungen erhalten, die auch von seiner ausgeprägten Liebe zur Natur zeugen. Eine Sammelmappe von Federzeichnungen vom Märkischen Waldrand sowie eine über Altstadtmotive von Rathenow erschienen aber erst ab 1924 im Druck. Bereits 1920 beteiligte er sich an einer gemeinsamen Ausstellung im Gymnasium am Schulplatz neben anderen Künstlern, wie des bereits bekannten Malers Georg Penning.

Sein beabsichtigtes Studium, welches er 1919 an der Hochschule für Kunst in Berlin beginnen wollte – er hatte sich dort für das Sommersemester eingetragen –, konnte er zu dieser Zeit nicht aufnehmen. Es wird auch von einem Aufenthalt 1920 in Schlesien beim Grafen Schaffgotsch berichtet, für den Lippert Entwürfe für Ausstattungen eines Jagdschlosses in Schreiberhau erarbeitet haben soll.

Entwürfe für die Rathenower Notgeldscheine der Optik- und Husarenserie, die wegen des Mangels an Kleingeld nach dem Krieg gedruckt wurden, entstanden zu dieser Zeit. Die Entwürfe wurden von W.H.Lippert in der Größe DIN A4 angefertigt. Es folgen in den Jahren bis Ende 1922 Notgeldentwürfe für zehn weitere Städte in der Mark, Schlesien und Pommern mit bisher 17 bekannt gewordenen Serien. Jene Scheine wurden zum Teil mit Tüten oder Sammeltaschen versehen und gelangten kaum in den Geldumlauf. Dagegen wurden die von ihm entworfenen zahlreichen, künstlerisch gestalteten Inflationsgeldscheine für Rathenow und schlesische Städte zu echten Zahlungsmitteln.

1922 lernte er seine spätere Frau Alma Hertha Martha Lauer kennen; mit ihr gemeinsam und mit den Freunden des Wandervogels zog er durch die heimatliche Landschaft.

1922 schuf er eine ganze Reihe Porträts optischer Berufe in Temperamalerei, von denen aber nur noch sechs von insgesamt 16 Bildern bisher nachgewiesen werden konnten. Diese sind ausschließlich mit Lipphart signiert. 1924 konnte er sein eigenes Atelier auf dem Grundstück der Eltern fertigstellen, wodurch er nun in der Lage war, größere Arbeiten und besonders auch Skulpturen auszuführen. Hier entstanden neben den aufgenommenen Studien bei Arthur Kampf (Historien-, Allegorie-, Landschafts- und Porträtmalerei) und Hugo Lederer (Bildhauerei) in Berlin in den folgenden Jahren zahlreiche Bildhauerarbeiten, wie Büsten, eine Brunnenfigur aus Sandstein für das Hinterhofgebäude der AOK, W.-Külz-Straße 7, Grabdenkmäler und auch eine Mädchenfigur, für die seine Freundin Alma Lauer Modell stand, sowie großformatige Bilder. Auch Wanderfreunde standen Modell für sein figürliches Schaffen. Die bronzene Mädchenstatue, die er als die „Große Stehende“ bezeichnete, wurde 1928 von der Stadt Rathenow angekauft und gelangte am 12. Juni 1929 vor dem Krankenhaus in Rathenow zur Aufstellung, nachdem sie in einer Ausstellung der „Rathenower Künstlerschaft“, welcher Lippert neben bekannten Rathenower Künstlern, wie Georg Penning, Emil Heinsdorff u. a. seit 1926 angehörte, Aufsehen erregt hatte.

Bei den Plastischen Arbeiten von Mitte der zwanziger Jahre an fand er Unterstützung durch den späteren Bildhauer Karl Mertens, der ihn als seinen Freund und Lehrmeister bezeichnete.

Ein im impressionistischen Stil gemaltes Ölbild, welches seine Freundin „Bärle“ in der Tür zum Atelier mit Obstschale zeigt, sorgte in der Berliner Kunstausstellung 1928 für Aufsehen und Anerkennung als bereits profilierter Kunstmaler, der sich in vielen Stilrichtungen versuchte. Zahlreiche Porträts von Freunden oder Persönlichkeiten aus Rathenow entstanden in der Zeit von 1928 bis 1934.

In der Kunstausstellung vom 26. März 1930 wurde Lippert mit seinem Grabdenkmal, Porträts und Märkischen Landschaften große Aufmerksamkeit und Bewunderung zuteil. „Das Licht und Farbenspiel seiner Hügellandschaft ist Dichtung tiefster Innerlichkeit“, wird berichtet. 1930/31 entstand mit der Spinnerin, die er im Auftrag der Schlesischen Textilwerke Maethner u. Frahne in Landshut gestaltete. Die überlebensgroße Figurengruppe der „Männer dreier Generationen“ wurde durch die Wohnungsbaugenossenschaft Rathenower Bauverein eGmbH im Jahre 1930 in Auftrag gegeben, aber 1933 kurz vor dem Guss von jungen Nationalsozialisten zerstört.

Am 24. Dezember 1932 heiratete Willy „Horsa“ Lippert seine Freundin „Bärle“.

In den Jahren der schwersten Wirtschaftskrise, der Notverordnungen und Massenarbeitslosigkeit sowie dem Aufkommen des Nationalsozialismus fanden Lippert und einige seiner Freunde Zugang zu antinationalistischen Kreisen und engagierte sich sozial. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Lippert mit der zweiten Verhaftungswelle laut Einlieferungsliste der Ortspolizei am 27. Juni 1933 neben anderen ihm nahestehenden Rathenower Bürgern verhaftet und in das Konzentrationslager in Oranienburg eingeliefert. Im KZ wurde er genötigt, das Lagergeld zu entwerfen. Dieses gehörte zu den auffälligsten und auch charakteristischsten aller in deutschen Konzentrationslagern und Ghettos verwendeten Geldscheine. Zur Anfertigung der Entwürfe benötigte er offensichtlich nur wenige Tage, denn bereits Mitte Juli wurde er nach Intervention seiner Frau wegen angeblicher Verwechslung aus der Haft entlassen und kehrte nach Rathenow zurück. Das Lagergeld jedoch wurde noch im gleichen Monat eingeführt.

Noch 1933 entstanden weitere Porträts sowie Bilder von Bauten und Landschaften in verschiedenen Techniken und Stilarten. Nach Aufnahme in die Reichskulturkammer im Jahre 1936 erhielt er viele Aufträge für die Gestaltung von militärhistorischen Wandmalereien in Rathenower Kasernen sowie für das Arado-Flugzeugwerk in Heidefeld. Auch wurde eine von ihm geschaffene Sandsteinfigur „Mann mit Pickelhaube“ bekannt, welche vor einer Kaserne Aufstellung fand. Die später übermalte Wandgestaltung innerhalb des Rathenower Nordbahnhofes über den Verlauf der Brandenburgischen Städtebahn sowie die den alten Rathenowern noch bekannte Postkutsche über der Tür zur Gaststätte stammt von ihm. Erhalten blieb nur die in Sgraffito ausgeführte Bahnhofsinschrift an der Ostseite des Gebäudes. Die Wandmalereien in den Kasernen wurden zumeist erst nach dem Abzug der Sowjetischen Streitkräfte im Jahre 1994 mit der vorgenommenen Entkernung der Gebäude vernichtet.

Mit der Einberufung zur Kriegsmarine am 25. Februar 1940 endete seine Künstlerische Tätigkeit in Rathenow. Seine Frau, die in Rathenow die schweren Kampfhandlungen kurz vor Kriegsende mit dem Sohn überlebte, entschloss sich 1946 zu ihrem Mann in die damalige britische Besatzungszone nach Brunsbüttel zu gehen und ihr Haus aufzugeben. So wurde die Stadt Brunsbüttel die zweite Heimat der Familie.

Nach dem Krieg gestaltete Lippert u. a. die Casino-Räume für die englische Besatzungsmacht aus und unterhielt diese mit Gitarrenspiel und Gesang. Sechs Jahre lang arbeitete er ohne feste Anstellung an der Boje-Mittelschule und Grundschulen als Zeichenlehrer auf Honorarbasis, wurde Mitbegründer der Volkshochschule Brunsbüttelkoog und meistbeschäftigter Dozent derselben. Er blieb aber weiter als freischaffender Künstler tätig und galt bald als Chronist seiner Region. Er schuf zahlreiche Buchillustrationen u. a. für „Das schöne Brunsbüttel“ und „Bauern, Handwerker und Seefahrer“. Auch Landschaftsbilder und Bilder über den Kampf der Menschen mit der Natur entstehen hier.

Mit einem großen Wandgemälde im Rathaussaal von Brunsbüttel über den schwierigen Kanalbau erfuhren deren Erbauer eine bleibende Würdigung. Lippert wurde auch als Heraldiker bekannt: Er entwarf das amtlich anerkannte Wappen und Siegel der Stadt, was zu großer Nachfrage führte. So schuf er für weitere Städte und Familien insgesamt etwa 240 Wappen. Eine Fortsetzung seines plastischen Schaffens gab es in Brunsbüttel nicht. Sein langjähriges Interesse galt auch orientalischen Hieroglyphen und Mythen.

Im Jahre 1956 besuchte er auf Einladung von Karl Mertens noch einmal Rathenow und sein ehemaliges Atelierhaus. Zunehmende Erblindung erschwerten und behinderten später das künstlerische Arbeiten derart, dass er auf die Hilfe seiner Frau bei der Ausführung angewiesen war. Schließlich musste er die Arbeiten gänzlich einstellen.

Willy Lippert verstarb am 13. November 1981, einen Tag nach seinem 83. Geburtstag.

WürdigungBearbeiten

Elf Jahre später führte das Heimatmuseum Brunsbüttel am 22. November 1992 durch Initiative des damaligen Leiters eine Retrospektive auf sein Leben und Wirken durch, wobei neben Fotos auch viele Originalbilder gezeigt werden konnten. Eine besondere Würdigung der künstlerischen- und Lebensleistungen erfolgte durch den Galeristen Jens Rusch, der die unterbliebene Anerkennung und Förderung des Künstlers durch die Stadt Brunsbüttel beklagte.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Artikel über Willi Lippert auf dithmarschen-wiki.de