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Das deutsch-israelisch-palästinensische Willy Brandt Center Jerusalem (WBC) ist ein Zentrum der Begegnung und Verständigung zwischen jungen Menschen aus Israel, Palästina und Europa. Träger des WBC ist der Willy-Brandt-Zentrum e.V. mit Sitz in Berlin.

Willy-Brandt-Zentrum Jerusalem
Logo
Rechtsform eingetragener Verein
Sitz Berlin
Gründung 1996

Ort Jerusalem
Website willybrandtcenter.org
Das Willy Brandt Center mit der Altstadt von Jerusalem im Hintergrund.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die Idee eines trilateralen Zentrums entstand bei den Jusos bereits 1993, nachdem in Folge des Oslo-Friedensprozesses erste Kontakte in die palästinensischen Autonomiegebiete geknüpft wurden, die die traditionellen Beziehungen zu den israelischen Partnerorganisationen ergänzten.[1] Nach Abschluss langwieriger Verhandlungen unterzeichneten Andrea Nahles (Jusos), Ofer Dekel (Mischmeret Tse’irah schel Mifleged Awoda) und Sabri Tomezi (Schabibet Fatah) und die weiteren Mitglieder der Delegationen am 9. April 1996 in Ramallah einen Vertrag. In diesem kamen die Jugendorganisationen der deutschen SPD, der Israelischen Arbeitspartei Awoda und der palästinensischen Befreiungsbewegung Fatah überein, die Gründung eines gemeinsamen Zentrums in Jerusalem voranzutreiben, das den Namen Willy Brandts tragen sollte.[2][3] Mit Seminaren, Veranstaltungen und einem lebhaften Jugendaustausch beteiligen sich die drei Gründungsorganisationen gemeinsam mit weiteren zivilgesellschaftlichen Verbänden und in Kooperation mit verschiedenen Stiftungen sowie dem deutsch-israelischen Jugendaustausch an der Arbeit des WBC.

Ziviler FriedensdienstBearbeiten

Mit Mitteln des Bundesentwicklungsministeriums und in Zusammenarbeit mit dem Forum Ziviler Friedensdienst finden unter dem Dach des WBC seit 2000 Projekte des Zivilen Friedensdienstes statt. Damals konnte Matthias Ries als Friedensfachkraft nach Jerusalem entsandt werden, der dort ein erstes Büro eröffnete. Das WBC orientiert sich an den Ideen des Zivilen Friedensdienstes in Verbindung mit den Werten, die mit der Person Willy Brandts verbunden sind. „Ziel der Aktivitäten ist die Entwicklung von friedenspolitischen (Bildungs-)Konzepten als reale Handlungsalternativen zur Gewalt durch junge politische und gesellschaftliche Entscheidungsträger aus Deutschland, Israel und Palästina.“[4] Das WBC will Vertrauen und Solidarität zwischen engagierten jungen Menschen stärken und mit ihnen gemeinsam aktive Formen der Koexistenz basierend auf sozialer und politischer Gleichberechtigung entwickeln. Das WBC beherbergt momentan drei Projekte des Zivilen Friedensdienstes:

  • Die Kooperation von Aktivisten aus der Mischmeret Tse’irah, der Schabibet Fatah und der Tse’irei Meretz, die als künftige Entscheidungsträger ihrer Zivilgesellschaften ein grenzüberschreitendes Netzwerk aufbauen, Verständnis für die andere Seite gewinnen und Methoden der Gewaltfreiheit kennenlernen.
  • Die Jugendbildungsverbände Athad Schebab Alasetqelal, Hashomer Hatzair und Noar Oved, die dem International Falcon Movement (IFM-SEI) angehören, werden bei ihren Kooperationsaktivitäten unterstützt, damit sie die Idee einer Koexistenz auf Augenhöhe einer großen Zahl von Jugendlichen nahebringen können.
  • Ein Netzwerk von freien Kulturschaffenden sowie Initiativen entwickelt mit Hilfe von Methoden der „social arts“ Projekte der Begegnung und der Friedenserziehung.

Internationales BegegnungszentrumBearbeiten

Am 8. Oktober 2003 wurde die Idee des Willy Brandt Center mit einem Begegnungszentrum an der Schnittstelle des Konfliktes verwirklicht. Das Haus wurde durch die Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese, den Knesset-Abgeordneten Jitzchak Herzog und Emile Jarjoui, Mitglied des Palästinensischen Legislativrates, eröffnet.[5] Dieses liegt auf der „Grünen Linie“ im Jerusalemer Stadtteil Abu Tor, mitten im ehemaligen Niemandsland, das sich bis 1967 zwischen dem Ost- und Westteil Jerusalems erstreckte. Heutige Besitzerin des Hauses ist die Jerusalemer Center for International Encounters Ltd., eine gemeinnützige Tochtergesellschaft des Willy-Brandt-Zentrum e.V.

TrägervereinBearbeiten

Der Förderverein Willy-Brandt-Zentrum Jerusalem e.V. ist eine unabhängige Nichtregierungsorganisation, die 1997 gegründet wurde, um das im Jahr zuvor in Ramallah vertraglich begründete Willy Brandt Center in die Realität umzusetzen. Der gemeinnützige Verein ist Mitglied des forumZFD. Zu seinen Aufgaben gehören Lobbyarbeit, die Beantragung von Projektmitteln, der Informationsaustausch sowie die Kontaktvermittlung zu europäischen, israelischen und palästinensischen Partnern und Institutionen. Dem Vorstand des Willy-Brandt-Zentrum e.V. gehören Andrea Nahles (Vorsitzende), Judith Klose (stellvertretende Vorsitzende), Immanuel Benz, Delara Burkhardt, Leonard von Galen, Raana Gräsle, Jana Herrmann, Julia Maas und Harald Schrapers an.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Harald Schrapers: Die lange Vorgeschichte des Willy Brandt Center. In: Jusos in der SPD (Hg.): 20 Jahre Willy Brandt Center. Berlin 2016, S. 10 ff
  2. Zentrum in Jerusalem. In: Niederrhein Magazin 3-4/1996, S. 20 f
  3. Andrea Nahles: Frau, gläubig, links. Pattloch, München 2009, ISBN 978-3-426-40251-1, S. 111 ff.
  4. Heike Kratt: Zivile Konfliktbearbeitung in Israel und Palästina, S. 44. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 9/2010, S. 41 ff
  5. Matthias Ries: Reise nach Jerusalem. In: Matthias Catón, Julia Leininger, Philip Stöver (Hg.): Politikwissenschaft im Beruf. Lit Verlag, Berlin 2005, S. 147 ff

WeblinksBearbeiten