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Wilhelmsgymnasium Kassel

Gymnasium in Kassel-Wilhelmshöhe

Das Wilhelmsgymnasium Kassel (früher „Wilhelmschule“, kurz „WG“) ist ein öffentliches Gymnasium in Kassel-Wilhelmshöhe.

Wilhelmsgymnasium Kassel Bad Wilhelmshöhe
Wglogo.jpg
Schulform Gymnasium
Gründung 1886
Adresse

Kunoldstraße 51

Ort Kassel
Land Hessen
Staat Deutschland
Koordinaten 51° 18′ 36″ N, 9° 26′ 24″ OKoordinaten: 51° 18′ 36″ N, 9° 26′ 24″ O
Träger staatlich
Schüler ca. 1200
Lehrkräfte ca. 70
Leitung Uwe Petersen
Website wgkassel.de
Außenansicht Haupteingang des Wilhelmsgymnasiums

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Blick vom Wilhelmsgymnasium auf die Sporthalle Bad Wilhelmshöhe

Am 4. Mai 1886 wurde das Königliche Wilhelms-Gymnasium in Kassel am Hanauschen Park oberhalb des Weinbergs eingeweiht. Ihren Namen erhielt die Schule nach dem preußischen König und deutschen Kaiser Wilhelm I.[1] Aufgrund gestiegener Schülerzahlen, die vom Friedrichsgymnasium nicht mehr aufgenommen werden konnten, war der Bau vom preußischen Staat initiiert und finanziert worden. Ein Teil der Lehrer- und Schülerschaft des Friedrichsgymnasiums zog 1886 in die neu eingeweihte Schule. Diese wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Nach verschiedenen provisorischen Lösungen, einschließlich einer zeitweiligen Auslagerung von 1947 bis 1950 nach Neukirchen (Knüll), konnte erst 1959 der erste Bauabschnitt am heutigen Standort bezogen werden, drei Jahre später der gesamte Komplex – pünktlich zur Jubiläumsfeier des 75-jährigen Bestehens der Schule, die aus diesem Grund ein Jahr verspätet im Jahr 1962 stattfand.[2] Aus dem im Krieg zerstörten Gebäude konnte lediglich eine Eulenbüste gerettet werden, die heute als Wahrzeichen im Eingangsbereich der Schule steht. Die Eule ist – als Symbol für Wissen und Weisheit in der griechischen Mythologie – zugleich das Wappentier der Schule.

Am 1. August 1968 wurde an der Wilhelmschule, wie das Wilhelmsgymnasium vorübergehend hieß, die Koedukation eingeführt. 1985 wurde die Schule durch einen weiteren Bau erheblich vergrößert. 2007 wurden im Neubau Räumlichkeiten für einen pädagogischen Mittagstisch geschaffen, im Februar 2009 begann neben der Schule der Bau einer neuen Drei-Felder-Turnhalle mit integrierter Mensa. Das Projekt wurde Anfang 2010 fertiggestellt. Aktuell besuchen ca. 1200 Schülerinnen und Schüler das Wilhelmsgymnasium. Von 2002 bis 2013 war Hans-Jürgen Ziegler, ein ehemals erfolgreicher Stabhochspringer, Schulleiter des Wilhelmsgymnasium.

Der Knabenchor trat im November 2016 im Staatstheater Kassel mit dem Stück Coole Komponisten (Dirigent: Xin Tan, Moderation: Constanze Betzl) auf.

SchuleBearbeiten

 
Siegelmarke K. Wilhelmsgymnasium Cassel

Das Schulgebäude ist in den Alt- und den Neubau unterteilt. Im vierstöckigen Altbau befinden sich im Keller die Fachschaften Biologie und Latein und das hauseigene Lehrschwimmbad, im Erdgeschoss die Physikfachräume (einer ehemals Hörsaal) und eine Cafeteria, außerdem die Sporthalle, der SEK (Streitschlichtung) Raum, der Hausmeisterraum und die Toiletten. Im 1. Obergeschoss befinden sich neben der Verwaltung mit Sekretariat, den Büros der Schulleiter auch die Chemie-Räume und das Lehrerzimmer. Im zweiten Obergeschoss liegen die Kunst- und Musikräume und der Informatikfachraum.

Der Neubau besteht zu großen Teilen aus Klassenräumen, im Keller befindet sich die Lehrmittelbibliothek, ein Fotolabor, ein weiterer Musikraum und ein Bandraum. Bis zum Sommer 2010 waren dort zwei Speiseräume, die seit dem Schuljahr 2010/11 durch eine neue Mensa im Sporthallenneubau abgelöst wurden. Die dadurch frei gewordenen Räume dienen als Ersatz für einen in die Jahre gekommenen Pavillon, der im Zuge des Neubaus der Sporthalle abgerissen wurde.

Direkt neben der Schule befindet sich die neue Sporthalle Bad Wilhelmshöhe, die offiziell der Stadt Kassel gehört und von mehreren Schulen benutzt wird. Am Fuldaufer wurde ein neues Bootshaus als Ersatz für das alte marode gebaut. Es ist als multifunktionales „WG-Haus“ seit 2011 verfügbar, hier sind zudem die Ruderboote des Rudervereins des Wilhelmsgymnasiums Kassel (RVWG) untergebracht.

Die Schule bietet verschiedene Arbeitsgemeinschaften und Aktivitäten an:

Das Wilhelmsgymnasium bietet den Schülern die Teilnahme an Austauschprogrammen an, namentlich mit Schulen in Brownsburg, Preston und Seattle (alle Vereinigte Staaten), Kanton Waadt (Romandie in der Schweiz) und Kapstadt (Südafrika). Traditionell finden jedes Jahr ein Weihnachtskonzert, ein Sommerkonzert und ein Ehemaligenfest statt.

UnterrichtBearbeiten

Der Unterricht erfolgt von der fünften bis zur neunten Klasse im Klassenverband, in den E- und Q-Phasen in Kursen. Die Schüler belegen ab der fünften Klasse Englisch als erste Fremdsprache, ab der sechsten Klasse kommt entweder Französisch oder Latein hinzu. Ab der Oberstufe können zusätzlich Latein als dritte Fremdsprache (zusätzlich zu Französisch), Spanisch und Informatik belegt werden. Nebenbei wird auch noch Schwimmen in der 5. und 8. Klasse angeboten.

SchwerpunkteBearbeiten

Das Wilhelmsgymnasium hat innerhalb seiner Organisation folgende Schwerpunkte gesetzt

  • Begabtenförderung
  • Studien- und Berufsorientierung
  • Musikalischer Schwerpunkt (Chöre, Knabenchor, Orchester, Gesangsklasse, Stimmbildung)
  • Fördermaßnahmen
  • Gesundheitsfördernde Schule
  • MINT-freundliche Schule

Bekannte LehrerBearbeiten

  • Eduard Schick (1906–2000), Bischof von Fulda, war als Referendar von 1934 bis 1935 am Wilhelmsgymnasium tätig und wurde 1935 von den nationalsozialistischen Machthabern aus dem Schuldienst entlassen.[3]
  • Horst Müller (* 1929), Laienspiel – Regisseur und Autor.
  • Hans Eichel (* 1941), Oberbürgermeister von Kassel (1975–1991), Ministerpräsident des Landes Hessen (1991–1999), Bundesminister der Finanzen (1999–2005), war von 1970 bis 1975 Lehrer am Wilhelmsgymnasium.
  • Hans-Jürgen Ziegler (* 12. Mai 1951), 1971 Deutscher Meister im Stabhochsprung, war von 2002 bis 2013 Schulleiter des Wilhelmsgymnasium.

Bekannte SchülerBearbeiten

  • Fritz Luckhard (1878–1965), Studiendirektor und Heimatforscher
  • Fritz Hartung (1884–1973), Reichsgerichtsrat und nach 1945 bekannter Strafrechts- und Strafprozessrechtskommentator. Er legte im März 1903 das Abitur ab.
  • Friedrich Paulus (1890–1957), Generalfeldmarschall im Zweiten Weltkrieg und Oberbefehlshaber der im Kessel von Stalingrad vernichteten 6. Armee. Paulus legte 1909 auf dem Wilhelmsgymnasium das Abitur ab.
  • Ludolf von Wedel-Parlow (1890–1970), deutscher Literaturwissenschaftler, legte sein Abitur 1911 am Wilhelmsgymnasium ab.
  • Roland Freisler (1893–1945), Präsident des NS-Volksgerichtshofs, legte sein Abitur 1912 am Wilhelmsgymnasium ab.
  • Rudolf Vaupel (1894–1945), Direktor des Staatsarchivs im Marburg, legte sein Abitur 1912 am Wilhelmsgymnasium ab
  • Josias zu Waldeck und Pyrmont (1896–1967), SS-Obergruppenführer, General der Polizei und Waffen-SS, legte sein Abitur 1914 am Wilhelmsgymnasium ab.
  • Waldemar Klingelhöfer (1900– ), SS-Sturmbannführer in der Einsatzgruppe B, 1948 als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt. Klingelhöfer erhielt 1919 sein Abitur am Wilhelmsgymnasium.[4]
  • Ernst August Lassen (1905–1985), Oberst in der Wehrmacht und General in der Bundeswehr, bestand hier 1925 das Abitur.[5]
  • Karl Brethauer (1906–1992), Abitur 1925, deutscher Lehrer, Stabseinsatzführer im Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg, Ortsheimatpfleger in Hann. Münden (1982 Ehrenring der Stadt Hann. Münden, 2012 entzogen)
  • Adam von Trott zu Solz (1909–1944), Jurist, Diplomat und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
  • Reimar Lüst (* 1923), ehemaliger Präsident der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften und ehemaliger Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA
  • Peter Scholl-Latour (1924–2014), deutscher Journalist und Publizist, legte sein Abitur 1943 am Wilhelmsgymnasium ab.
  • Hermann Heußner (1926–1996), Richter am Bundesverfassungsgericht a. D.
  • Herbert Günther (1929–2013), mehrfacher hessischer Minister. Absolvierte hier seine Schulzeit bis zum Abitur.[6]
  • Ernst-Wolfgang Böckenförde (1930–2019), Staats- und Verwaltungsrechtler sowie Rechtsphilosoph, Richter am Bundesverfassungsgericht a. D.
  • Günter Wojaczek (1932–1997), Altphilologe und Fachdidaktiker der Alten Sprachen, besuchte im Zuge der Flucht seiner Familie aus Oberschlesien von Ostern 1946 bis März 1947 diese Schule.
  • Dieter Grimm (* 1937), Richter am Bundesverfassungsgericht a. D. legte 1957 am Wilhelmsgymnasium das Abitur ab.[7]
  • Hans Eichel (* 1941), Oberbürgermeister von Kassel (1975–1991), Ministerpräsident des Landes Hessen (1991–1999), Bundesminister der Finanzen (1999–2005) legte 1961 das Abitur ab.
  • Ulf Eysel (* 1944), Neurophysiologe, Abitur am WG 1964.
  • Hartmut El Kurdi (* 1964), Schriftsteller und Theaterregisseur, Abitur am WG 1985.
  • Tim Staffel (* 1965), Schriftsteller, Abitur am WG 1985.
  • Christian Geselle (* 1976), Oberbürgermeister von Kassel (seit 2017), Abitur am WG 1995.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Provinzialschulrat Dr. Lahmeyer zur Einweihung des „Königlichen Wilhelms-Gymnasiums“ am 4. Mai 1886. In: Wilhelmsgymnasium – Wilhelmschule. 1886–1986. Festschrift. Selbstverlag, Kassel, 1986, S. 40.
  2. Günter Schäfer-Hartmann: 125 Jahre Wilhelmsgymnasium Kassel. In: 125 Jahre Wilhelmsgymnasium. Festschrift 2011. S. 52–57.
  3. Michael Müller: SCHICK, Eduard. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 22, Bautz, Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-133-2, Sp. 1215–1220.
  4. Hilary Earl: The Nuremberg SS-Einsatzgruppen Trial, 1945–1958: Atrocity, Law, and History. Cambridge University Press, Cambridge 2009, ISBN 978-0-521-45608-1, S. 108–109.
  5. http://www.munzinger.de/search/portrait/Ernst+August+Lassen/0/8147.html
  6. http://www.hugv-denn-ditt.de/vergangenes_landraete1945_guenther2.htm
  7. Archivlink (Memento des Originals vom 7. August 2008 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.euregioverlag.de