Wilhelm Winkelmann

deutscher Archäologe

Wilhelm Winkelmann (* 30. September 1911 in Witten; † 25. Mai 2002 in Münster) war ein deutscher Archäologe. Er gilt als „Altmeister“ der archäologischen Denkmalpflege in Westfalen.[1]

LebenBearbeiten

Wilhelm Winkelmann studierte an den Universitäten Tübingen und Münster Vor- und Frühgeschichte, Germanistik und Religionswissenschaften. Er begann seine archäologische Laufbahn mit einer Inventarisation im Kreis Borken und trat am 1. August 1944 als wissenschaftlicher Assistent in den Dienst des damaligen Landesmuseums für Vor- und Frühgeschichte Münster (heute: LWL-Museum für Archäologie Herne). Hier wirkte er bis zu seinem Ausscheiden 1979 als Archäologe, von 1969 bis 1996 als Vorsitzender der Altertumskommission Westfalen und nach 1979 ehrenamtlich im Dienst des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

ForschungBearbeiten

Nach 1945 erforschte Winkelmann durch Grabungen frühgeschichtliche Spuren und Zeugnisse der Franken und Sachsen in Westfalen. 1949 nahm er Ausgrabungen im ehemaligen Kanonissen-Stift Vreden (Kreis Borken) auf und begann seine Forschung zur Kirchengeschichte, die er über 20 Jahre fortsetzte. Mit seinen zwischen 1953 und 1975 durchgeführten Grabungen auf der Domburg in Münster dokumentierte er die Ursprünge der Stadt von der sächsischen Siedlung über die Gründung des Bistums bis ins frühe Mittelalter. Zu seinen herausragenden Leistungen gehören zwei Forschungskomplexe, mit denen er über Westfalen hinaus internationale Aufmerksamkeit und große Anerkennung fand. Dies ist zum Einen die Entdeckung einer großen Siedlung aus dem 6. bis 8. Jahrhundert in Warendorf-Neuwarendorf und des „Fürstengrabs“[2] mit reicher Ausstattung auf einem sächsischen Friedhof in Beckum. Zum anderen sind es die seit 1964 von ihm geleiteten Ausgrabungen der Pfalz Paderborn von Karl dem Großen und der Pfalz Heinrichs II. – der karolingischen und der ottonischen Königspfalzen[3][4] in Paderborn.[5] Die karolingische Pfalz in Paderborn wurde von 1976 bis 1978 unter seiner fachlichen Leitung vom Metropolitankapitel des Erzbistums Paderborn durch Gottfried Böhm zum Museum in der Kaiserpfalz ausgebaut.[6]

In über 100 wissenschaftlichen Berichten und Beiträgen veröffentlichte Winkelmann seine Forschungsergebnisse über das Leben im frühmittelalterlichen Westfalen und vermittelte der Erforschung der westfälischen Landesgeschichte entscheidende Impulse.[7]

EhrungenBearbeiten

1973 verlieh ihm die Stadt Paderborn den Kulturpreis; 1975 würdigte die Landesregierung Nordrhein-Westfalen seine langjährigen Verdienste mit der Verleihung des Professorentitels und 1999 mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen; 1996 ernannte die LWL-Altertumskommission Winkelmann zu ihrem Ehrenmitglied.

SchriftenBearbeiten

  • Das Fürstengrab von Beckum. Sonderdruck, Holterdorf, Oelde/Westf. 1962.
  • Beiträge zur Frühgeschichte Westfalens. Gesammelte Aufsätze. Verlag Aschendorff, Münster 1990, ISBN 3-402-05033-1.
  • mit Helmut Beumann und Franz Brunhölzl: Karolus Magnus et Leo Papa. Ein Paderborner Epos vom Jahre 799. Bonifacius-Druckerei Paderborn 1966.[8]
  • Die karolingische und ottonische Kaiserpfalz zu Paderbon, in: Kaiserpfalz Paderborn, Meinwerk-Verlag, Salzkotten 1978, Seite 7–17
  • Im Schnittpunkt der europäischen Geschichte, in: Kaiserpfalz Paderborn, Meinwerk-Verlag, Salzkotten 1978, Seite 34–45

LiteraturBearbeiten

  • Sveva Gai, Birgit Mecke, Sascha Käuper: Est locus insignis … Die Pfalz Karls des Großen in Paderborn und ihre bauliche Entwicklung bis zum Jahre 1002. Die Neuauswertung der Ausgrabungen Wilhelm Winkelmanns in den Jahren 1964-1978. (= Denkmalpflege und Forschung in Westfalen 40). von Zabern, Mainz 2004, ISBN 3-8053-3418-4,[9]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Presse-Infos | Der LWL: Ein Leben für die Archäologie: Wilhelm Winkelmann vollendet sein 90. Lebensjahr - Entdecker der Paderborner Kaiserpfalz. LWL, 27. September 2001, abgerufen am 28. März 2018 (deutsch).
  2. Sächsisches Fürstengrab bei Beckum. In: Internetportal "Westfälische Geschichte". 1. März 2004, abgerufen am 28. März 2018 (deutsch).
  3. Manfred Balzer: Die spektakuläre Entdeckung der Paderborner Königspfalzen Ein Rückblick nach 50 Jahren. In: Westfälische Geschichte. LWL-Internet Portal, abgerufen am 29. März 2018 (deutsch).
  4. Universität Münster: Die deutschen Königspfalzen. Abgerufen am 29. März 2018.
  5. Kaiserpfalz zu Paderborn: Schaltstelle karolingischer Macht. In: Internetportal "Westfälische Geschichte". 25. Februar 2004, abgerufen am 28. März 2018 (deutsch).
  6. LWL: Museum in der Kaiserpfalz. LWL, abgerufen am 28. März 2018 (deutsch).
  7. LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Entdecker der Paderborner Kaiserpfalz: Wilhelm Winkelmann verstarb mit 90. LWL, 29. Mai 2, abgerufen am 28. März 2018 (deutsch).
  8. Diverse: Am Vorabend der Kaiserkrönung. Das Epos "Karolus Magnus et Leo papa" und der Papstbesuch 799 in Paderborn. Hrsg.: Peter Godman, Jörg Jarmut, Peter Johanek. Akademie, Berlin 2002, ISBN 3-05-003497-1.
  9. LWL Newsroom: Die Ausgrabung der Paderborner Kaiserpfalz in 480 Bildern und 300 Plänen. LWL, 24. Oktober 5, abgerufen am 29. März 2018 (deutsch).