Wilhelm Wiebens

deutscher SS-Offizier in der Einsatzgruppe B

Wilhelm Bernhard Paul Wiebens (* 17. März 1906 in Rüstringen/Oldenburg; † 22. Januar 1990 in Bad Pyrmont) war ein deutscher SS-Führer. Als Kommandeur des Einsatzkommandos 9 war er in führender Stellung an der Massenerschießung von Juden in der besetzten Sowjetunion beteiligt.

LebenBearbeiten

Nach dem Schulbesuch absolvierte Wiebens eine kaufmännische Lehre. Anschließend ließ er sich in Varel nieder, wo er den Kaufmannsberuf bis mindestens 1931 ausübte.

Politisch fand Wiebens während der Weltwirtschaftskrise Anschluss an die NS-Bewegung: 1931 trat er in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) (Mitgliedsnummer 546.524) und in die Schutzstaffel (SS) (SS-Nr. 16.617) ein. In der letzteren wurde er unter anderem als Adjutant des Sturmbanns II der 24. SS-Standarte eingesetzt.

1934 wurde Wiebens in den Sicherheitsdienst der SS (SD) aufgenommen. Von Anfang 1935 bis mindestens 1939 war er Leiter des SD-Abschnitts Potsdam. In dieser Stellung erreichte er 1939 mit der Beförderung zum Obersturmbannführer seinen höchsten Dienstgrad.[1]

Während des Zweiten Weltkriegs nahm Wiebens in führender Stellung an den Einsätzen der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD in Osteuropa teil: Im Februar 1942 wurde er als Nachfolger von Oswald Schäfer Führer des Einsatzkommando 9, das beim Überfall auf die Sowjetunion Teil der Einsatzgruppe B war. Das Kommando verübte 1941/42 Massenmorde an Juden und Politkommissaren im Gefolge der Heeresgruppe Mitte. Im Januar 1943 gab Wiebens das Kommando an Friedrich Buchardt ab.

Nach Kriegsende wurde Wiebens in der britischen Zone festgenommen und wegen Mordes an zwei britischen Piloten verurteilt. 1955 wurde er wegen guter Führung entlassen.[2] In den 1960er Jahren arbeitete er als Industriekaufmann.[3] 1966 stand er erneut vor Gericht. Das West-Berliner Schwurgericht verurteilte Wiebens wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes in zwei Fällen zu lebenslänglichem Zuchthaus. Mitangeklagt waren Wiebens Vorgänger Filbert und weitere Offiziere des Einsatzkommandos 9.[4] Im ersten der beiden angeklagten Fälle ging es um den Mord an zwanzig Roma. Wiebens hatte Ende März/Anfang April 1942 einen Bericht erhalten, wonach bei Witebsk eine Anzahl „feindlicher Elemente“ unterwegs seien. Er stellte unverzüglich ein Hinrichtungskommando zusammen und befahl die Erschießung der ganzen Gruppe. Wie das Gericht feststellte, geschah dies auf eigene Initiative, denn die Befehle von Himmler und Heydrich ließen erheblichen Spielraum, wie mit „Zigeunern“ zu verfahren sei. Eine ältere Frau flehte ihn an, sie doch zu verschonen. Wiebens lehnte ab, und bemerkte dabei: Es ist besser, einen Unschuldigen zu viel zu erschießen, als einen Schuldigen laufen zu lassen. Sein Kommando erschoss auch die alte Frau.[5] Nach seiner Haftentlassung lebte er in Bad Pyrmont, wo er im 1990 starb.

BeförderungenBearbeiten

  • 10. August 1932: SS-Scharführer
  • 1. Dezember 1932: SS-Truppführer
  • 1. Juli 1933: SS-Obertruppführer
  • 31. Juli 1933: SS-Untersturmführer
  • 9. November 1935: SS-Obersturmführer
  • 20. April 1936: SS-Hauptsturmführer
  • 30. Januar 1937: SS-Sturmbannführer
  • 10. September 1939: SS-Obersturmbannführer

LiteraturBearbeiten

  • Helmut Langerbein: Hitler’s Death Squads. The logic of Mass Murder. Texas A&M University Press, College Station 2003, ISBN 1-58544-285-2.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 675.
  2. Helmut Langerbein: Hitler’s death squads. College Station 2003, S. 62.
  3. Schnaps nach dem Mord. In: Die Zeit, Nr. 20/1966.
  4. Kerstin Freudiger: Die juristische Aufarbeitung von NS-Verbrechen. Mohr-Siebeck, Tübingen 2002, ISBN 3-16-147687-5, S. 71. (Aktenzeichen des Prozesses: LG Berlin Ks 1/65)
  5. Donald Kenrick (Hrsg.): The Gypsies during the Second World War. University of Hertfordshire Press, Hatfield 1997, ISBN 1-902806-49-2, S. 160–161.