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Wilhelm Ritter von Borscht

deutscher Politiker und Bürgermeister von München
Wilhelm von Borscht um 1885
Wilhelm von Borscht ca. 1915
Wilhelm von Borscht als Bürgermeister.

Wilhelm Georg Borscht, seit 1911 Ritter von Borscht (* 3. April 1857 in Speyer; † 30. Juli 1943 in München) war ein bayerischer Zentrumspolitiker und langjähriger Bürgermeister von München, seit 1907 Oberbürgermeister.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Er wurde als Sohn des Gymnasialprofessors Joseph Borscht im pfälzischen Speyer geboren, studierte Jura in Würzburg und legte 1881 die Beamtenprüfung ab. Dann trat Borscht in den bayerischen Staatsdienst ein und wurde 1882 Bezirksamtsassessor in Kitzingen. 1887 war er Sekretär der Nationalen Kunstgewerbe-Ausstellung.

Ab 9. Februar 1888 bis 1893 bekleidete Borscht das Amt des Zweiten Bürgermeisters von München, am 1. Mai 1893 avancierte er zum Ersten Münchener Bürgermeister. In diesem Amt verblieb er bis zum 15. Juni 1919. Hierzu vermerkt Lothar Gall in seiner Publikation „Stadt und Bürgertum im 19. Jahrhundert“: „In München wählten 1893 die mehrheitlich liberalen Gemeindebevollmächtigten den bisherigen Zweiten Bürgermeister, den zentrumsnahen Katholiken Wilhelm Borscht, aufgrund seiner sachlichen Kompetenz und seines persönlichen Ansehens zum Ersten Bürgermeister“.[1]

In Borschts Amtszeit fielen unter anderem die Gründung der Großmarkthalle München und die Einführung der elektrischen Beleuchtung in der Hauptstadt. Zusammen mit Oskar von Miller bemühte er sich um den Aufbau des Deutschen Museums, ebenso machte er sich um die Einrichtung des Tierparks Hellabrunn verdient.

Zur behebung der schlimmen Wohnungsnot und zur Verbesserung der Hygienestandards engagierte er sich aktiv bei der Gründung von Wohnungsbaugenossenschaften und war der erste Aufsichtsratsvorsitzende vom Verein für Verbesserung der Wohnverhältnisse in München (Heute: Gemeinnütziger Wohnungsverein 1899 e.V.).

Als der Pfälzer Franziskus von Bettinger 1909 Erzbischof von München und Freising wurde, machte der Scherz die Runde, die höchsten Autoritäten in der Stadt stammten nunmehr alle aus der Pfalz: Oberbürgermeister Dr. Wilhelm von Borscht aus Speyer, der Erzbischof aus Landstuhl und der Prinzregent aus Zweibrücken, als Abkömmling des wittelsbachischen Familienzweiges Pfalz-Zweibrücken.

Borscht wurde infolge der Verleihung des Großkomtur des Verdienstordens der Bayerischen Krone 1911 durch Prinzregent Luitpold als Ritter von Borscht in den persönlichen Adelsstand erhoben.[2] 1913 hatte Borscht außerdem den Verdienstorden vom Heiligen Michael I. Klasse[3] sowie die Goldene Bürgermedaille der Landeshauptstadt München erhalten.[4] Zur Pensionierung erhielt er 1919 die Ehrenbürgerwürde,[5] nach seinem Tode ein Ehrengrab der Stadt München auf dem dortigen Waldfriedhof.[6]

Borscht war verheiratet mit der jüdisch-stämmigen Eugenie Prager, der Schwester des Münchner Unternehmers und Kunstmäzens Ludwig Prager (1866–1936)[7]

Franz Borscht, der Bruder des Bürgermeisters, ein Freund des Speyerer Indianermissionars Jakob Rebmann sowie des Theologen Otto Pfülf, wirkte als Jesuitenpater in Liverpool.

AuszeichnungenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Viktor Carl: Lexikon Pfälzer Persönlichkeiten. Hennig Verlag. Edenkoben 2004. ISBN 3-9804668-5-X, S. 95 (Lebenslauf mit Foto).

WeblinksBearbeiten

  Commons: Wilhelm von Borscht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lothar Gall, „Stadt und Bürgertum im 19. Jahrhundert“, Verlag Oldenbourg, München, 1990, S. 44.
  2. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Bayern für das Jahr 1914. München 1914. S. 19.
  3. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Bayern für das Jahr 1914. München 1914. S. 33.
  4. Webseite zur Goldenen Bürgermedaille der Stadt München, mit Erwähnung von Bürgermeister Ritter von Borscht
  5. Webseite zu den Münchner Ehrenbürgern, mit Erwähnung von Bürgermeister Ritter von Borscht.
  6. Webseite zum Grab von Bürgermeister Ritter von Borscht.(Position 10)
  7. Bernhard Schossig, „Ins Licht gerückt: jüdische Lebenswege im Münchner Westen“, Herbert Utz Verlag, München 2008, S. 90.