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Werner von Selchow

preußischer Landwirtschaftsminister

LebenBearbeiten

HerkunftBearbeiten

Er stammte aus der uradligen neumärkischen Familie von Selchow. Seine Eltern waren Friedrich Wilhelm von Selchow (1769–1845) und Friederike Ludowika Amalie, geb. von Kummer (1783–1864).

WerdegangBearbeiten

Selchow studierte Jura. 1828 war er Gerichtsreferendar in Danzig, dann in Marienwerder. In Rettkewitz besaß er ein Rittergut. Von 1843 bis 1845 war er Landrat des Kreises Lauenburg-Bütow, nach dessen Aufteilung von 1846 bis 1851 Landrat des neugebildeten Kreises Lauenburg.[1]

1848/49 war er Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung für den 1. Wahlkreis der Provinz Pommern (Lauenburg). Dort gehörte er der Casinofraktion und später der Fraktion Café Milani an.

Anschließend wechselte er aus der Provinz nach Berlin, 1849 war er „Hilfsarbeiter“ (eine Art Assistent) im preußischen Ministerium des Innern. Im Jahr 1850 war Selchow Mitglied im Volkshaus der Erfurter Union. Außerdem war er bis 1852 Mitglied der Rechten in der zweiten Kammer des Preußischen Abgeordnetenhauses. Dem Abgeordnetenhaus gehörte er erneut von 1863 bis 1870 an, er schloss sich keiner Fraktion an.[2]

1851 ging er wieder in die Provinz; zunächst als Vizepräsident der Regierung in Liegnitz, von 1853 bis 1855 Regierungspräsident in Liegnitz. Von 1856 bis 1862 war er Regierungspräsident in Frankfurt an der Oder, 1862 wurde er Oberpräsident der Provinz Brandenburg und Mitglied des Preußischen Staatsrats.[3]

Im Dezember 1862 wurde er als Landwirtschaftsminister in das erste Ministerium des neuen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck berufen. Diese Funktion übte er bis zu seiner Pensionierung 1873 aus. Von 1863 bis 1870 war er auch wieder Mitglied des Abgeordnetenhauses (Rechte, fraktionslos).[4]

Nach seiner Pensionierung ließ er sich auf dem Gut Karolinenthal bei Rettkewitz, Kreis Lauenburg in Pommern, nieder; 1874 fungierte er dort als Amtsvorsteher des neu gebildeten Amtsbezirks Rettkewitz.[5]

Ehe und NachkommenBearbeiten

Seine Frau Karoline (geb. von Hanstein) brachte zehn Kinder zur Welt, acht Töchter und zwei Söhne.

Seine Enkelin Anni von Gottberg war in der Zeit des Nationalsozialismus Mitglied der Bekennenden Kirche.

SonstigesBearbeiten

In Berlin-Schmargendorf ist die Selchowstraße nach ihm benannt;[6] möglicherweise ist er auch Namensgeber für eine Straße in Berlin-Adlershof.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Bernhard Mann (Bearb.) unter Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh, Thomas Kühne: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus 1867–1918 (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 3). Droste, Düsseldorf 1988, ISBN 3-7700-5146-7.
  • Bernd Haunfelder: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus 1849–1867 (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 5). Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5181-5.
  • Heinrich Best, Wilhelm Weege: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 8). Droste, Düsseldorf 1996, ISBN 3-7700-5193-9.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow. Band 1: Die Geschichte. Königsberg 1858, Anhang S. 86. (Online)
  2. Bernhard Mann (Bearb.) unter Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh, Thomas Kühne: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus 1867–1918 (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 3). Droste, Düsseldorf 1988, ISBN 3-7700-5146-7, S. 363.
  3. Rainer Paetau, Hartwin Spenkuch (Bearb.): Die Protokolle des Preußischen Staatsministeriums 1817–1934/38. Bd. 6/II. In: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Acta Borussica. Neue Folge. Olms-Weidmann, Hildesheim 2003, S. 710. (Band 6/II; PDF 1,9 MB).
  4. Bärbel Holtz (Bearb.): Die Protokolle des Preußischen Staatsministeriums 1817–1934/38. Bd. 4/II. In: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Acta Borussica. Neue Folge. Olms-Weidmann, Hildesheim 2003, ISBN 3-487-11827-0, S. 646 (Online; PDF 1,9 MB).
  5. Extra-Blatt zum Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Cöslin vom 16. März 1874, S. 2.
  6. Eintrag auf der Webseite des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin.