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Werner Weinhold

deutscher NVA-Soldat und Grenzdurchbrecher

Werner Weinhold (* 8. August 1949 in Dresden) ist ein ehemaliger NVA-Soldat und Deserteur,[1] der bei seiner Flucht aus der DDR zwei Grenzsoldaten der DDR erschoss.

Weinholds Ermordung wurde von der DDR-Staatssicherheit 1985 geplant aber nicht durchgeführt.

Inhaltsverzeichnis

Flucht aus der DDRBearbeiten

Weinhold erschoss am 19. Dezember 1975 bei seiner Flucht aus der DDR an der Innerdeutschen Grenze in der Nähe von Hildburghausen die beiden Grenzsoldaten Jürgen Lange und Klaus Peter Seidel. Zuvor war der u. a. wegen Autodiebstahls in 54 Fällen[2] mehrfach vorbestrafte NVA-Wehrpflichtige Weinhold, der noch während seiner Bewährungszeit ein Sittlichkeitsdelikt beging,[3] aus dem Panzerregiment 14 „Karol Świerczewskifahnenflüchtig geworden und hatte aus der NVA-Kaserne in Spremberg Waffen, Munition und ein Fahrzeug entwendet. Die Grenzsoldaten Seidel und Lange wurden offenbar von dem Überfall Weinholds überrascht, ihre Waffen blieben gesichert.[4]

Juristische AufarbeitungBearbeiten

Sein Fall erregte 1975 öffentliches Aufsehen und war Thema etlicher Fernsehsendungen und Zeitungsberichte. In der Bundesrepublik Deutschland wurde er wegen Totschlags angeklagt, in einem ersten Prozess vor dem Landgericht Essen im Dezember 1976 aber freigesprochen. Die Verteidigung hatte auf Notwehr plädiert. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft hin hob der Bundesgerichtshof das Urteil auf und verwies das Verfahren an das Landgericht Hagen. Die DDR, die zunächst auf eine Auslieferung bestand und nicht kooperiert hatte, wollte einen erneuten Freispruch unbedingt vermeiden und führte daher ein Beweissicherungsverfahren am Bezirksgericht Dresden durch. Unter Würdigung von dessen Ergebnissen wurde Weinhold dann in Hagen am 1. Dezember 1978 zu 5½ Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und nach rund 3½ Jahren entlassen.

Geplante Ermordung durch die StaatssicherheitBearbeiten

Nach seiner Freilassung plante die DDR, ihn durch im Westen tätige Agenten der DDR-Staatssicherheit ermorden zu lassen. Dazu existiert eine elfseitige „Realisierungskonzeption des Operativvorgangs ‚Terrorist‘“. In der Konzeption der MfS-Abwehr-Hauptabteilung I (HA I) vom Mai 1985 werden drei Varianten vorgeschlagen:

„1. Habhaft werden des ‚Terrorist‘ und Vortäuschung eines Selbstmordes unter Nutzung der in unmittelbarer Nähe des Anmarschweges Wohnung-Arbeitsstelle gelegenen Gleisanlage des S-Bahn-Nahverkehrs Rhein-Ruhr (Gleiskörper oder Stromfalle durch Ausnutzung des elektrifizierten Streckennetzes). 2. … durch Erschießen mittels einer Handfeuerwaffe Beretta – schallgedämpft – auf dem Anmarschweg Wohnung-Arbeitsstelle und nachfolgende Beseitigung von Spuren … 3. … durch Vortäuschung eines Raubüberfalls“. Der Mordplan sollte durch eine „Einsatzgruppe in Stärke von 2 Genossen aus dem Bereich der HA I (sowie) zwei operativen Mitarbeitern“ durchgeführt werden.

Der Mordplan wurde nicht ausgeführt. In einem Artikel der „Welt“ wird dies damit begründet, dass ein Stasi-Helfer im Westen als Doppelagent enttarnt worden war.[5]

Verurteilung wegen KörperverletzungBearbeiten

Am 8. Januar 2005 schoss Weinhold in seiner Marler Stammkneipe Bierkiste zweimal auf einen Bekannten und verletzte ihn schwer. Daraufhin wurde er vom Landgericht Essen wegen gefährlicher Körperverletzung zu 2½ Jahren Haft verurteilt.

LiteraturBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Werner Weinholds Weg in den Westen: Republikflucht mit blutigem Ende. In: Spiegel Online. 9. August 2002 (spiegel.de [abgerufen am 10. Juli 2018]).
  2. Werner Weinholds Weg in den Westen: Republikflucht mit blutigem Ende. In: Spiegel Online. 9. August 2002 (spiegel.de [abgerufen am 30. Juni 2018]).
  3. Christoph Links: Weinhold, Werner. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  4. : „Seidel, was ist los?“ In: Der Spiegel. Band 43, 23. Oktober 1978 (spiegel.de [abgerufen am 10. Juli 2018]).
  5. Ralf Georg Reuth: "Erschießen, Erstechen, Verbrennen, Strangulieren …" In: Welt online. 28. September 2003, abgerufen am 10. Juli 2013.