Hauptmenü öffnen

Werner Paul Adolph Hochbaum (* 7. März 1899 in Kiel; † 15. April 1946 in Potsdam) war ein deutscher Filmregisseur.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Seit 1927 beschäftigte sich Werner Hochbaum, zunächst als Kritiker, mit dem Film. In eigener Produktion drehte er 1929 den proletarischen Film Brüder. Der durch seine nach sowjetischem Vorbild geprägte Montage bemerkenswerte Film war zu seiner Zeit schnell in Vergessenheit geraten und wurde erst in jüngerer Zeit wieder zugänglich gemacht. Er gilt als wichtiges Dokument der Arbeiterkultur der ausgehenden 1920er Jahre. Nach zwei Wahlpropagandafilmen für die SPD war sein zweiter Spielfilm 1932 Razzia in St. Pauli, wie auch schon sein Vorgänger in Hamburg spielend. Der Film wurde 1933 von der nationalsozialistischen Filmzensur verboten. Mit Heinrich George drehte er 1933 Schleppzug M 17.

Hochbaum fand zunächst nur in Österreich Arbeit. Hier stellte er mit Vorstadtvarieté, basierend auf dem Theaterstück Der Gemeine von Felix Salten, zugleich einen der zeitkritischsten und formal exponiertesten Filme jener Zeit her. Nach dem großen Erfolg seines Ärztefilms Die ewige Maske (1935), in dem Hochbaum technischen Möglichkeiten wie Montagen, Bauten, Kamera- und Kopiertricks nutzte, um die komplexen Beziehungen zwischen Leben und Tod zu visualisieren, konnte er jedoch vorübergehend wieder in Deutschland arbeiten. 1939 sollte er den Nationalsozialisten ein filmisches „Treuebekenntnis“ abliefern. Der Film Drei Unteroffiziere (1939), ein Loblied auf soldatisches Pflichtbewusstsein, sollte von ihm inszeniert werden. Er nützte sein künstlerisches Talent allerdings dazu, die Alternativen zur unhinterfragten Erfüllung soldatischer Pflicht, nämlich Liebe und persönliches Glück als Lebenswerte, stärker hervorzuheben. Die Soldaten wurden privater und manchmal orientierungslos dargestellt. Dem Film wurde somit seine propagandistische Wirkung entzogen, was den Auftraggebern nicht entging. Er wurde aus der Reichsfilmkammer ausgeschlossen und zum Kriegsdienst eingezogen. Aus gesundheitlichen Gründen wurde er noch vor Kriegsende entlassen. Sein Engagement beim Aufbau der Filmindustrie nach Kriegsende fand nach nur einem Film ein jähes Ende, als er im April 1946, durch Hunger und Krankheit geschwächt, an einem langjährigen Lungenleiden starb.

FilmografieBearbeiten

  • 1928: Vorwärts (Kurz-Dokumentarfilm) – Vera-Filmwerke
  • 1929: Brüder (auch Drehbuch und Produktion)
  • 1929: Zwei Welten (Wahlfilm für SPD; auch Drehbuch und Produktion)
  • 1929: Wille und Werk (Wahlfilm für SPD; auch Drehbuch und Produktion)
  • 1932: Razzia in St. Pauli (auch Drehbuch; 1933 verboten) – Innenaufnahmen im Filmatelier der Vera-Filmwerke
  • 1932: Besserer Herr gesucht zwecks... (Kurzspielfilm; auch Drehbuch)
  • 1933: Schleppzug M 17
  • 1933: Menschen im Sturm (deutsche Fassung des ungarischen Films Itel a Balaton)
  • 1933: Morgen beginnt das Leben
  • 1935: Vorstadtvarieté (Österreich; auch Co-Drehbuch)
  • 1935: Die ewige Maske (Österreich/Schweiz; auch Co-Drehbuch)
  • 1935: Leichte Kavallerie (Deutschland)
  • 1935: Cavalerie légère (französische Version von Leichte Kavallerie)
  • 1935/36: Der Favorit der Kaiserin (auch Co-Drehbuch)
  • 1936: Schatten der Vergangenheit (Österreich)
  • 1936: Hannerl und ihre Liebhaber (auch unter dem Titel: Saison in Grinzing; Österreich)
  • 1937: Man spricht über Jacqueline (auch Co-Drehbuch)
  • 1938: Ein Mädchen geht an Land (auch Co-Drehbuch)
  • 1939: Drei Unteroffiziere
  • 1940: Donauschiffer (Co-Drehbuch, ungenannt)
  • 1945: Befreite Musik (Co-Produktion)
  • 1945: Dob, der Stallhase (Zeichentrickfilm; Co-Produktion)

AuszeichnungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Kay Weniger: Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933 bis 1945. Mit einem Geleitwort von Paul Spiegel. Metropol, Berlin 2008, ISBN 978-3-938690-10-9, S. 174.
  • Elisabeth Büttner/Joachim Schätz (Hrsg.): Werner Hochbaum. An den Rändern der Geschichte filmen. Wien : Filmarchiv Austria, 2011.

WeblinksBearbeiten