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Werner Goez (* 13. Juli 1929 in Frankfurt am Main; † 13. Juli 2003 in Sterzing) war ein deutscher Historiker.

Werner Goez studierte ab 1948 Geschichte, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft und Germanistik in Frankfurt. Sein wichtigster akademischer Lehrer war Paul Kirn. Im Jahre 1954 wurde er bei Kirn promoviert mit einer geistesgeschichtlich orientierten Studie zu Geschichtsdenken und politischen Theorien im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Im Jahre 1960 erfolgte in Frankfurt seine Habilitation mit einer rechts- und verfassungsgeschichtlichen Arbeit über den Leihezwang.[1] Seit 1964 war er Professor für Geschichte, zunächst in Würzburg, dann in Erlangen, wo er den Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften von 1969 bis 1997 innehatte. Sein wissenschaftlicher Assistent war von 1967 bis 1974 Dieter Hägermann. Goez war von 1965 bis 1972 Mitglied des Schulausschusses der Westdeutschen Rektorenkonferenz und von 1972 bis 1988 Vorsitzender des Bibliotheksausschusses der Universität Erlangen-Nürnberg. Er verstarb im Juli 2003 unerwartet während einer Reise zu einem Italienaufenthalt in Sterzing.

In seiner wissenschaftlichen Tätigkeit beschäftigte er sich vor allem mit der Zeit des Hochmittelalters. Grundlegend wurden seine Arbeiten zur politischen Theorie der Translatio imperii (1958) und über den lehnsrechtlichen Grundsatz des Leihezwangs (1962). Goez galt als Kenner der mittelalterlichen Geschichte Italiens, insbesondere der Toskana und der Frühhumanisten. Sein 1975 veröffentlichtes Taschenbuch über Italien vom sechsten bis zum sechzehnten Jahrhundert erlebte mehrere Auflagen. Auch in den Themenfeldern Investiturstreit und Reformpapsttum, besonders zu Papst Gregor VII., tat er sich wissenschaftlich hervor. Sein 1998 veröffentlichtes Buch Lebensbilder aus dem Mittelalter (1998) enthält vierunddreißig knappe biographische Skizzen. Für die kritische Edition aller Urkunden und Briefe der Markgräfin Mathilde von Canossa trug er seit 1986 gemeinsam mit seiner Frau Elke Goez aus mehr als neunzig Archiven und Bibliotheken das Material zusammen. Die Edition wurde 1998 bei den Monumenta Germaniae Historica publiziert und umfasst 139 als echt anzusehende Dokumente sowie 15 Fälschungen und 115 anderweitig nachweisbare beziehungsweise erschließbare Deperdita.[2]

Goez war Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse. Er erhielt außerdem den Bayerischen Verdienstorden und war Cavaliere ufficiale des italienischen Verdienstordens sowie erster Träger des Arco für Verdienste um die kulturellen Beziehungen zwischen Italien und der Bundesrepublik Deutschland.

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Translatio Imperii. Ein Beitrag zur Geschichte des Geschichtsdenkens und der politischen Theorien im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Mohr, Tübingen 1958.
  • Der Leihezwang. Eine Untersuchung zur Geschichte des deutschen Lehnrechtes. Mohr, Tübingen 1962 (Zugleich: Frankfurt/M., Universität, Habilitationsschrift, 1962).
  • Gestalten des Hochmittelalters – Personengeschichtliche Essays im allgemeinhistorischen Kontext. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983, ISBN 3-534-09078-0
  • Grundzüge der Geschichte Italiens in Mittelalter und Renaissance (= Grundzüge. Bd. 27). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1984, ISBN 3-534-06403-8.
  • Emilia Romagna – Oberitalienische Kunststädte zwischen Po, Apennin und Adria. DuMont Buchverlag, Köln 1989, ISBN 3-7701-1972-X
  • Kirchenreform und Investiturstreit. 910–1122 (= Kohlhammer-Urban-Taschenbücher. Bd. 462). Kohlhammer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-17-020481-2.

LiteraturBearbeiten

  • Rudolf Schieffer: Auf der Via Francigena unter kundiger Führung. Tausenden öffnete er die Augen für die erhabenen Zeugen unserer Vergangenheit: Zum Tode des Mediävisten Werner Goez. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Juli 2003, Nr. 167, S. 33.

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Vgl. dazu die Besprechungen von Johannes Bärmann in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung 80 (1963), S. 412–418; Paul Kläui in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte. 12 (1962), S. 554–555 (online); Rolf Sprandel in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 50 (1963), S. 231–232; Bruno Meyer in: Historische Zeitschrift 200 (1965) S. 389–391.
  2. Vgl. dazu die Besprechungen von Jörg Ulrich in: Zeitschrift für Kirchengeschichte. 111 (2000), S. 119–120; Wilhelm Kurze in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 80 (2000), S. 729–730 (Digitalisat); Bettina Pferschy-Maleczek in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 109 (2001), S. 206–207; Thomas N. Bisson in: Speculum 76 (2001), S. 456–458; Frank Theisen in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung 119 (2002), S. 581–585; Frank Theisen in: Ius Commune 27 (2000), S. 454–458; Tilman Struve in: Historische Zeitschrift 271 (2000), S. 438–439; Jörg Busch in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 148 (2000), S. 437–438; Antonella Ghignoli in: Archivio Storico Italiano 157 (1999), S. 838–840; Gert Haendler in: Theologische Literaturzeitung 2001 Nr. 9, Sp. 945–946 (online); Paolo Golinelli in: Cahiers de Civilisation Médiévale 45 (2002), S. 85–89 (online); Paolo Golinelli: A proposito di nuove edizioni di documenti matildici e canossani. In: Nuova Rivista Storica 84 (2000), S. 661–672.