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Werner Bruns

deutscher Verwaltungsbeamter und Soziologe
Werner Bruns (2017)
Werner Bruns

Werner Bruns (* 1954 in Hameln an der Weser) ist ein deutscher Soziologe und Autor. Er ist verheiratet mit der Politikwissenschaftlerin und Autorin Petra Bruns, mit der er einen gemeinsamen Sohn hat.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Werner Bruns studierte Soziologie und Sozialpsychologie an der Bergischen Universität in Wuppertal und promovierte dort mit einer Arbeit zum Jugendstrafvollzug. Während seines Studiums wurde er von der Friedrich-Naumann-Stiftung (FNSt) gefördert. Heute wirkt Bruns bei der Stiftung als Vertrauensdozent und Mitglied des Auswahlausschusses der Begabtenförderung. 2014 wurde er ausgezeichnet mit der Friedrich-Naumann-Medaille.

Werner Bruns war Assistent bei Hans-Hermann Hoppe (heute Professor für Volkswirtschaften an der University of Nevada in Las Vegas) und wissenschaftlicher Leiter des Ludwig-von-Mises-Institutes, dessen Thesen von der Begründbarkeit der Normen er jedoch ablehnt, da sie nicht mit den Grundsätzen des Kritischen Rationalismus und der Logik des politischen Liberalismus vereinbar seien. Hoppe ist heute einer der führenden wissenschaftlichen Köpfe der libertären Bewegung in den USA.Später wirkte Bruns als Wissenschaftlicher Mitarbeiter, dann als Studienleiter bei der Rudolf-von-Bennigsen-Stiftung in Hannover. Von 1987 bis 1996 war er Referent für Arbeitsmarktpolitik im Niedersächsischen Sozialministerium. Bruns arbeitete von 1996 bis 2009 im Wirtschaftsministerium von Baden-Württemberg, zuletzt als Leiter der Grundsatz- und Mittelstandsabteilungen. Von 2009 bis 2014 war er Abteilungsleiter Z und Politischer Direktor im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Bruns leitet das Steinbeis Unternehmen Köln, Bonn, Bad Neuenahr, ist Honorarprofessor und Senior Fellow an der Rheinischen Fachhochschule in Köln (RFH). Der Soziologe ist an der RFH als Leiter des „Europa-Institut für Erfahrung und Management-METIS“, einer Forschungsallianz internationaler Hochschulen, tätig. Bruns war u. a. Lehrbeauftragter an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Institut für Politikwissenschaft), an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Institut für Soziologie), an der Fachhochschule Esslingen am Neckar und der Dualen Hochschule in Ravensburg (Fachbereich Medien). Werner Bruns ist Lehrbeauftragter der Rheinischen Fachhochschule und der Universität zu Köln.

Von 1994 bis 1996 war Werner Bruns Mitglied der Grundsatzkommission der FDP, die unter Leitung von Guido Westerwelle die Wiesbadener Grundsätze formulierte, das zweite Grundsatzprogramm der Partei nach den Freiburger Thesen aus dem Jahr 1972.

Er ist Gründungsmitglied des Vereins „Bildung gegen Armut in Kolumbien e. V und war von 2003 bis 2013 Vorstandsmitglied von „Projekt Chance“, einem Modellvorhaben der Landesregierung Baden-Württemberg zum Jugendstrafvollzug.“

Werner Bruns ist Gründungsmitglied des „Liberal-Demokratischen Laboratorium“, einem Zusammenschluss von Professorinnen und Professoren. Die Initiative bildete sich 2018 aus Sorge um die liberale Demokratie, sie ist überparteilich, getragen von den Grundsätzen des Liberalismus, der seine Wurzeln in der Aufklärung hat.

Soziologische ArbeitenBearbeiten

Werner Bruns prägte 1993 den Begriff „Sozialkriminalität“ und begründete sie durch soziologische Theorien abweichenden Verhaltens. Sozialkriminalität (engl: social crime) bezeichnet den Missbrauch staatlicher Wohlfahrts- oder Sozialleistungen, analog zur Wirtschaftskriminalität, insoweit diese den Steuer- oder Subventionsmissbrauch umfasst. Zudem hat Bruns ein Leistungssystem für die Politik entwickelt, das sicherstellen soll, dass Politik zu dem wird, was sie schon längst ist, ein Beruf. Die Probleme der gesellschaftlichen und staatlichen Komplexität, so eine seiner Thesen, seien durch das bestehende politische System nicht mehr zukunftsträchtig zu lösen. Für Bruns wird dies auch an einer immer kürzer werdenden Halbwertszeit politischer Reformen erkennbar. Nur durch einen leistungsbezogenen Umbau, so der Soziologe, sei es möglich, die hieraus resultierenden Defizite zu kompensieren. Zudem tritt er für eine radikale Demokratiereform ein, die u. a. vorsieht, das passive Wahlrecht auf Bundes- und Landesebene erst mit 30 Jahren zuzulassen, damit die Parlamentarier Berufserfahrungen außerhalb der Politik sammeln können. Der Soziologe tritt – analog der Idee der sozialen Marktwirtschaft nach möglichst großer Vielfalt – für ein Wettbewerbsfreiheitsrecht der Zivilgesellschaft ein. Die Demokratien sollten sich zu ihrer Zivilgesellschaft bekennen, gleichzeitig aber auch durch eine „Gestaltungskammer“ einbinden, damit die Regierbarkeit eines Landes sichergestellt ist und nicht behindert wird. So wie für Unternehmen, so Bruns, sind Compliance Systeme auch für NGOs unverzichtbar. Bruns führte den Begriff „homo buerocraticus“ ein, eine spezielle Form des homo sociologicus, den Typ Wissenschaftsmensch, der durch bürokratische Regeln und Pflichten immer mehr zum staatlich kontrollierten Subjekt wird. Für ihn hängt das Bürokratieproblem sehr eng mit der Ausweitung der Rechtswissenschaften zusammen. Die Gewaltenteilung in Deutschland sei zur Makulatur geworden.

In seinem letzten Buch beschäftigt sich Bruns mit der 68er-Generation, die, so seine These, vor einer zweiten Revolution steht, der Altersrevolution. Diese Generation umfasst etwa 8 Millionen Menschen, die vor dem Ausstieg aus dem Erwerbsleben steht und das Alter radikal verändern wird. Zu dieser Generation zählen unter anderen Hermann Otto Solms, Joschka Fischer, Gerhard Schröder, Daniel Cohn-Bendit, Uschi Obermaier, aber auch Uschi Glas, Peter Gauweiler, Iris Berben und Edmund Stoiber. Wie in den sechziger Jahren sind von der Altersrevolution alle Lebensbereiche der Gesellschaft betroffen. Mitautoren des Werkes sind die Autorin Petra Bruns und Rainer Böhme, Chef der Kommunikationsabteilung der Zeppelin Universität in Friedrichshafen/Bodensee. Der Soziologe geht davon aus, dass der Abgang der 68er-Generation für die Gesellschaft nicht folgenlos bleiben wird. Mit ihrem Rückzug droht der Gesellschaft der Verlust eines wichtigen Schutzes gegen faschistisches Denken.

Der Soziologe beschäftigt sich mit den Möglichkeiten des Transfers von Erfahrungswissen der sogenannten „Digital Natives“ an das obere Management großer Unternehmen. Träger des Projekts ist das „Europa-Institut für Erfahrung und Management-METIS“. Das Pilotprojekt trägt den Namen „jung.digital.innovativ“, es dient der Erkundung geeigneter Transformationsstrategien in Unternehmen. In einem Reverse Mentoring Programm werden Topmanager mit Schülern (innen) zu einem Training digitaler Techniken und Medien zusammengeführt. Die jungen Erwachsenen coachen dabei die Führungskräfte. Das Projekt wurde im Jahr 2017 vom renommierten Stifterverband der deutschen Wirtschaft ausgezeichnet.

Aktuelle ForschungBearbeiten

  1. Studien zur „Verfassung“ der Eliten in Deutschland – eine empirische Arbeit zur politischen und zur kirchlichen Elite (Heidelberger Elitestudie 04/05)
  2. Forschungsarbeiten zum Thema Erfahrungs- und Wissensmanagement, sowie zum Digital- Reverse-Mentoring

PublikationenBearbeiten

WeblinksBearbeiten