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Weinzierlein

Ortsteil der Stadt Zirndorf

Weinzierlein (umgangssprachlich: „Wáindseʳla“[1]) ist ein Ortsteil der Stadt Zirndorf im mittelfränkischen Landkreis Fürth.

Weinzierlein
Stadt Zirndorf
Wappen von Weinzierlein
Koordinaten: 49° 25′ 28″ N, 10° 53′ 57″ O
Höhe: 308 m ü. NHN
Einwohner: 1338 (2007)
Eingemeindung: 1. Mai 1978
Postleitzahl: 90513
Vorwahl: 09127
Weinzierlein südliche Ortseinfahrt
Weinzierlein Feuerwehrhaus
Steinkreuz auf dem Weg nach Neuses

GeographieBearbeiten

Das Dorf bildet mit dem östlich gelegenen Wintersdorf eine geschlossene Siedlung und liegt am Südufer der Bibert und am Roßtaler Mühlbach, der im Ort als rechter Zufluss in die Bibert mündet. Im Südwesten grenzt das Waldgebiet Erlach an, im Nordwesten jenseits der Bibert liegt das Waldgebiet Streitlach. Dort erhebt sich der Weinberg. Im Süden erhebt sich der Mäusbuck.[2]

GeschichteBearbeiten

Archäologische Funde wie die Hügelgräber im Erlach von Weinzierlein belegen, dass das Gebiet bereits gegen 1000 v. Chr. besiedelt war.[1]

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1357, als Albrecht Ebner der Jüngere das „gut ze Weyzürl“ erhielt. Der Ortsname leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort „wînzürl“ (=Winzer) ab. Ulrich und Eberhart von Henfenfeld übergeben 1377 Michael Grundherr, einem Nürnberger Bürger, ein Gut in „Weinzürl“. Burggraf Friedrich V. von Nürnberg verkauft 1379 das Amt Roßtal an Ulrich Haller auf Wiederkauf. Es wird auch der Ort „Weinzurel“ beschrieben. 1413 ist „Weinzurl“ dem Amt Roßtal angehörig und wird von burggräflichen und nürnbergischen Untertanen bewohnt. 1414 taucht das Dorf unter dem Namen „Weinczurel“ im Salbuch des Oberamtes von Cadolzburg auf. Markgraf Friedrich von Brandenburg-Ansbach übergibt 1426 6 Morgen Ackerland in „Weintzürel“ als Mannlehen an Fritz Mayr einen Schwabacher Bürger. 1430 gehört „Weintzurel“ zur Pfarrei Roßtal, dies ist bis heute so geblieben.[1]

Die meisten Dörfer in der unmittelbaren Umgebung zur Alten Veste werden 1632 im Dreißigjährigen Krieg von den Truppen Wallensteins bei deren Rückzug zerstört. Es wird von 43 Toten in Weinzierlein berichtet.

Eine Urkunde aus dem Jahr 1666 bezeugt, dass die Herren von Leonrod einen Weingarten und einen Acker in „Weinzierl“ zu ihrem Besitz zählen. Im Roßtaler Sterberegister wird 1679 vom Ableben des Johann Humser und 1719 des Bierbrauers Johann Georg Humbser berichtet. Mitglieder der Weinzierleiner Familie Humbser waren die Gründer einer Vorgängerin der heutigen Tucher Bräu. Gebäudeteile der ehemaligen Brauerei in Weinzierlein stehen noch. Überwiegend wurde zu dieser Zeit in Weinzierlein Landwirtschaft betrieben.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Weinzierlein 16 Haushalte. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das brandenburg-ansbachische Richteramt Roßtal aus. Grundherren waren das Kastenamt Cadolzburg (drei Höfe, ein Halbhof, sieben Güter, eine Mühle und ein Hirtenhaus) und das Landesalmosenamt der Reichsstadt Nürnberg (zwei Güter und ein Gütlein).[3]

1792 ging das Fürstentum Ansbach – und damit auch Weinzierlein – in das Königreich Preußen über. 1804 gab es im Ort weiterhin 16 Haushalte, von denen 13 ansbachisch und drei nürnbergisch waren.[4] 1806 wurde das Fürstentum ins Königreich Bayern einverleibt.

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 das Steuerdistrikt Weinzierlein gebildet, zu der die Orte Buttendorf, Herboldshof, Kernmühle, Neuses und Stöckach gehörten. Im selben Jahr wurde die Ruralgemeinde Weinzierlein gegründet, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Die Gemeinde unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Cadolzburg und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Cadolzburg (1920 in Finanzamt Cadolzburg umbenannt).[5] Ab 1862 wurde Weinzierlein vom Bezirksamt Fürth verwaltet (1938 in Landkreis Fürth umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Cadolzburg, von 1880 bis zum 1. März 1931 lag sie beim Amtsgericht Cadolzburg, seitdem wird sie vom Amtsgericht Fürth wahrgenommen. Die Finanzverwaltung wurde am 1. Januar 1929 vom Finanzamt Fürth übernommen. Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 12,173 km².[6]

1884 wird die Freiwillige Feuerwehr Weinzierlein gegründet.

Die bayerische Landesregierung genehmigt 1896 die Bildung eines eigenen Schulsprengels für die Orte Bronnamberg, Leichendorf, Wintersdorf und Weinzierlein. 1889 wird daher in Wintersdorf ein Schulgebäude errichtet.

Am 1. Mai 1978 wird die Gemeinde Weinzierlein im Rahmen der Gebietsreform aufgelöst. Eine Zusammenlegung mit der Gemeinde Leichendorf wird von der bayerischen Staatsregierung abgelehnt. Es wird eine Abstimmung durchgeführt, in der sich die knappe Mehrheit der Bürger des Ortes Weinzierlein für die Eingemeindung nach Zirndorf aussprechen. Dadurch wird die Gemeinde Weinzierlein geteilt, die übrigen Ortschaften und Einöden Buttendorf, Herboldshof, Kernmühle, Neuses und Stöckach werden in den Markt Roßtal eingegliedert. Weinzierlein wird zum westlichsten Ortsteil Zirndorfs.[7] Das Feuerwehrhaus wird 1986 umgebaut und erweitert.

BaudenkmälerBearbeiten

  • Neuseser Straße: Wegkreuz
  • Haus Nr. 18: Erdgeschossiges Wohnstallhaus von 1744. Überwiegend verputztes Fachwerk. Bemerkenswert der Fachwerk-Straßengiebel mit Mann-Figur und Andreaskreuzen; an der Unterseite des Aufzugsdächlein Inschrift JWS 1744 und Zimmererzeichen[8]
  • Haus Nr. 19: Gastwirtschaft. Zugehörig ehemaliges Brauereigebäude (jetzt Scheune) des mittleren 18. Jahrhunderts. Zweigeschossig, von vier zu fünf Achsen. Erdgeschoss Sandsteinquader, mit breiten, dorischen Sandsteinquader, mit breiten, dorischen Eckpilastern, Rechteck- und kleinerem Stichbogentor. Fenster flach gerahmt (fast durchwegs zugesetzt). Obergeschoss und dreigeschossiger Giebel (Aufzugluken und -dächlein) Fachwerk. An späterem, anschließendem Trakt entlang der Straße Inschrifttafel Johann Christoph Eckert 1825, mit Brauerzeichen. An der Südseite des Hofes zweigeschossiges Wirtschaftsgebäude, um 1800. Erdgeschoss aus Sandsteinquadern. Obergeschoss und Giebel konstruktives Fachwerk. Schleppgauben. – An neuerem Nebengebäude eingemauerter Inschriftenstein des 18. Jh.; Matthias Eckstein von Roßstall (mit Steinhauerzeichen); daneben älterer Kellerabstieg bezeichnet Johann Christoph Eckert 1835.[8]
  • Haus Nr. 24: Zugehörig ein ehemals markgräfliches Gebäude, das im hohen Untergeschoss zu landwirtschaftlichen, im Obergeschoss zu Wohnzwecken diente. Gegen mit des 18. Jh. Traufseitig gedrückt korbbogiges Tor flankiert von zwei gleichartigen Türen; jeweils aufgedoppelte Türflügel mit rundköpfigen Ziernägeln. An Ecken und als Flankierung der Torachse gefugte Lisenen mit Reliefdekor pflanzlicher Motive in der Kapitellzone. Obergeschoss von sechs zu drei Fenstern in Kröpfrahmung mit Scheitelstein. Satteldach. Obergeschoss des Norddrittels später neu aufgemauert, Stirnseite hier mit Fachwerk.[8]

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Zirndorf#Weinzierlein

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Gemeinde Weinzierlein

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 509 570 588 568 582 558 575 558 576 584 534 528 498 503 495 490 500 494 501 892 864 819 853 1287
Häuser[9] 80 91 104 100 103 93 112 173
Quelle [10] [11] [12] [12] [13] [12] [14] [12] [12] [15] [12] [12] [16] [12] [12] [12] [17] [12] [12] [12] [18] [12] [6] [19]

Ort Weinzierlein

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 002007
Einwohner 180 210 189 178 182 143 160 301 411 807 1076 1338
Häuser[9] 26 26 30 32 32 42 85 268
Quelle [10] [11] [13] [14] [15] [16] [17] [18] [6] [19] [20]

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation überwiegend protestantisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Laurentius (Roßtal) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach Christkönig (Roßtal) gepfarrt.

BrauchtumBearbeiten

Weinzierlein ist Standort einer der fiktiven „Schafkopf-Akademien“, im Volksmund weit über den Großraum Nürnberg als "Kartelschule" bekannt, siehe auch Schafkopf-Sprache.

Jeweils am ersten Wochenende im Monat August ist in Weinzierlein Kärwa.

VerkehrBearbeiten

 
Nahverkehrszug im Haltepunkt Weinzierlein, Juli 1986

Die Rothenburger Straße (= Staatsstraße 2445) verläuft westlich nach Ammerndorf bzw. östlich an Wintersdorf vorbei nach Zirndorf. Die Staatsstraße 2409 verläuft südlich nach Roßtal. Eine Gemeindeverbindungsstraße verläuft westlich an der Kernmühle vorbei nach Neuses.

Zwischen dem 22. Mai 1914 und dem 26. September 1986 verband die Bibertbahn den Ort mit der Bahnstrecke Nürnberg–Crailsheim, der Haltepunkt befand sich auf der Ortsgrenze zwischen Wintersdorf und Weinzierlein. Seitdem ist Weinzierlein nur noch durch Buslinien an die U-Bahn Nürnberg an den U-Bahnhöfen Gustav-Adolf-Straße und Fürth Hauptbahnhof, sowie an die Rangaubahn am Zirndorfer Bahnhof und die Bahnstrecke Nürnberg–Crailsheim in Anwanden angebunden. Weinzierlein liegt seit Gründung des Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) in dessen Geltungsbereich.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Weinzierlein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c W. Wiessner, S. 101f.
  2. Weinzierlein im BayernAtlas
  3. H. H. Hofmann, S. 187.
  4. J. K. Bundschuh, Bd. 6, Sp. 133.
  5. H. H. Hofmann, S. 234f.; Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 28 (Digitalisat).
  6. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 782 (Digitalisat).
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 714.
  8. a b c A. Gebeßler, S. 170f. Denkmalschutz aufgehoben, Objekte evtl. abgerissen. Ursprüngliche Hausnummerierung.
  9. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  10. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 101 (Digitalisat). Für die Gemeinde Weinzierlein zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Buttendorf (S. 15), Herboldshof (S. 39), Kernmühle (S. 47), Neuses (S. 63) und Stöckach (S. 89).
  11. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 70 (Digitalisat). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 576 Einwohner.
  12. a b c d e f g h i j k l m n Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 172, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  13. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1032, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  14. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1198, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  15. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1128 (Digitalisat).
  16. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1196 (Digitalisat).
  17. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1234 (Digitalisat).
  18. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1064–1065 (Digitalisat).
  19. a b Bayerisches Landesamt für Statistik (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 174 (Digitalisat).
  20. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 338 (Digitalisat).