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Weibersbrunn

Gemeinde im Landkreis Aschaffenburg in Deutschland

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Die Gemeinde liegt in der Region Bayerischer Untermain im westlichen Franken auf halber Strecke zwischen Würzburg und Frankfurt am Main. Die nächstgelegenen Städte sind Aschaffenburg und Lohr am Main. Das Gemeindegebiet besteht aus dem Ort Weibersbrunn mit Umgebung und zwei Enklaven im gemeindefreien Gebiet Rohrbrunner Forst, in denen sich jeweils ein weiterer Ortsteil befindet. Der topographisch höchste Punkt der Gemeinde liegt mit 504 m ü. NN (Lage) südöstlich von Rohrbrunn, an den Hängen des Geiersberges, der niedrigste östlich von Weibersbrunn am Steinbach auf 303 m ü. NN (Lage).

GemeindegliederungBearbeiten

Weibersbrunn hat drei Ortsteile[2]:

Die östlich gelegene Stampfmühle ist kein offizieller Ortsteil. Es gibt nur die Gemarkung Weibersbrunn.

NachbargemeindenBearbeiten

Waldaschaffer Forst
(Gemeindefreies Gebiet)
Rothenbucher Forst
(Gemeindefreies Gebiet)
Gemeinde
Rothenbuch
 
Rohrbrunner Forst
(Gemeindefreies Gebiet)

GeschichteBearbeiten

OrtsnameBearbeiten

Der Name Weibersbrunn geht auf die Quelle des Weibersbaches zurück, an der der Ort gegründet wurde. 1713 war das Dorf als am Weibersbron in Landkarten eingetragen. Das mittelhochdeutsche Grundwort brunne bedeutet Quelle. Die Bedeutung des Bestimmungswortes geht vermutlich auf den Namen Wibert zurück.[3]

Bis zur GemeindegründungBearbeiten

Der Ort Weibersbrunn wurde 1706 gegründet als Standort eines neuen Betriebes der Kurmainzischen Spiegelmanufaktur, die bereits Glashütten in Lohr und Rechtenbach unterhielt. 1717 entstand die „Weibersbrunner Spiegelhütte“. Im Jahre 1746 beantragten die Arbeiter der Hütte den Bau einer eigenen Pfarrkirche oder zumindest einer Kapelle.

Durch die Fertigung von Barockkelchen und Barockpokalen aus Glas wurde Weibersbrunn weithin bekannt, durch das später hier produzierte „Mondglas“, halbkreisförmiges Scheibenglas, wurde der Ort international berühmt.

Das kurmainzische Gebiet im Hochspessart wurde 1803 dem Fürstentum Aschaffenburg zugeschlagen und wurde 1810 ein Teil des Großherzogtums Frankfurt, kam aber 1814/16 über Österreich an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

VerwaltungsgeschichteBearbeiten

Am 1. Juli 1862 wurde das Bezirksamt Aschaffenburg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Weibersbrunn lag. 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Weibersbrunn war nun eine der 33 Gemeinden im Altkreis Aschaffenburg. Dieser schloss sich am 1. Juli 1972 mit dem Landkreis Alzenau in Unterfranken zum neuen Landkreis Aschaffenburg zusammen.

20. und 21. JahrhundertBearbeiten

Von 1977 bis 1993 bildete Weibersbrunn eine Verwaltungsgemeinschaft mit Waldaschaff und Rothenbuch.

Im Jahr 2006 beging die Gemeinde die 300-Jahr-Feier mit einem großen Fest.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

  • 1826: 0721 Einwohner
  • 1852: 0960 Einwohner
  • 1859: 0817 Einwohner
  • 1970: 1817 Einwohner
  • 1987: 1934 Einwohner
  • 1991: 2060 Einwohner
  • 1995: 2137 Einwohner
  • 2000: 2146 Einwohner
  • 2005: 2109 Einwohner
  • 2010: 1994 Einwohner
  • 2015: 2041 Einwohner

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat der Gemeinde Weibersbrunn besteht aus 14 Ratsmitgliedern. Das ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 2001 und 3000.[4] Der Gemeinderat wird für jeweils sechs Jahre gewählt. Stimmberechtigt im Rat der Gemeinde ist außerdem der erste Bürgermeister.

Die letzte Kommunalwahl vom 16. März 2014 ergab das folgende Ergebnis:[5]

Partei  Anzahl Sitze  Veränderung
CSU 4 −2
SPD 6 −2
Weibersbrunner Liste 4 +4

BürgermeisterBearbeiten

Erster Bürgermeister ist Walter Schreck von der Weibersbrunner Liste. Er setzte sich bei der Bürgermeisterwahl am 16. März 2014 mit 615 Stimmen gegen Guido Noll von der SPD mit 538 Stimmen durch.[5] Vorgänger waren von 2002 bis 2014 Herbert Rüppel (SPD) und davor Erich Noll (SPD).

WappenBearbeiten

Blasonierung: Geteilt; oben gespalten von Rot und Schwarz, vorne ein sechsspeichiges silbernes Rad, hinten ein silberner Spiegel in goldenem Rahmen; unten ein gemauerter silberner Brunnen mit offenem Brunnentor über gewelltem blauem Wasser.

Wappengeschichte: Das Wappen zeigt oben im ersten Viertel das sechsspeichige silberne Rad (Mainzer Rad) des Erzstifts Mainz, zu dem die Gemeinde bis zum Ende des alten Reichs 1803 gehörte. Im zweiten Viertel ist ein Spiegel zu sehen. Er symbolisiert die 1698 im Gemeindegebiet entstandenen Spiegelmanufakturen in der ehemaligen Glashütte in Rechtenbach und in Lohr am Main. Erzbischof Lothar Franz von Schönborn hatte dafür französische Glasmacher angeworben. Ihre Manufakturen stellten Flachglas für Spiegel her. Die Glasfertigung wurde zwischen 1801 und 1803 in Rechtenbach und Lohr am Main eingestellt, in Weibersbrunn erst 1864. Der Brunnen steht redend für den Ortsnamenteil „brunn“.

Die Gemeinde führt das Wappen seit dem 14. Juni 1971.

BaudenkmälerBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Wirtschaft einschließlich Land- und ForstwirtschaftBearbeiten

 
Die Glashütte Weibersbrunn, ein 1706 gegründeter Betrieb der Kurmainzischen Spiegelmanufaktur, bildete die Keimzelle der Gemeinde

Nachdem die Bedeutung der Landwirtschaft am Anfang der 1970er Jahre deutlich zurück gang, wurde Weibersbrunn hauptsächlich zu einem beliebten Wohn- und Touristikort. 1998 gab es nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 52 und im Bereich Handel und Verkehr 41 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 304 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es 818. Im verarbeitenden Gewerbe gab es keine, im Bauhauptgewerbe zwei Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 zwei landwirtschaftliche Betriebe.

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 975 T€, davon waren 144 T€ (netto) Gewerbesteuereinnahmen.

BildungBearbeiten

1999 gab es folgende Einrichtungen:

  • Kindergärten: 100 Kindergartenplätze mit 59 Kindern
  • Volksschule mit neun Lehrern und 166 Schülern

VerkehrBearbeiten

Weibersbrunn ist auf Grund seiner guten Verkehrsanbindung an die Region Würzburg und das Rhein/Main-Gebiet zu einem attraktiven Wohnort im inneren Spessart geworden (Anschlussstelle Weibersbrunn an der Bundesautobahn 3 und Anbindung an die Bundesstraße 26). Durch den Ort führt die Staatsstraße 2308. Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden sich in Hösbach, Heigenbrücken und Lohr am Main. Der nächste Hafen ist der Bayernhafen Aschaffenburg. Der öffentliche Personennahverkehr ist durch eine Buslinie nach Aschaffenburg sichergestellt.

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

  • Ignaz Roth (1894–1972), deutscher Politiker (SPD)

LiteraturBearbeiten

  • Johann Ludwig Klauprecht: Forstliche Statistik des Spessarts. Daniel Knode, Aschaffenburg 1826 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek)
  • Rudolf Virchow: Die Noth im Spessart: eine medicinisch-geographisch-historische Skizze; vorgetragen in der Physicalisch-Medicinischen Gesellschaft in Würzburg am 6. und 13. März 1852. Separatdruck aus den Verhandlungen der Physicalisch-medizinischen Gesellschaft Dritter Band, Stahel'sche Buchhandlung, Würzburg 1852 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek)
  • Kurt Jeßberger, Manfred Schneider: Rohrbrunn und der Hochspessart: wo die Eichen trotzig ragen ...; Erinnerungen an e. verlorene Einöde. Selbstverlag, Marktheidenfeld und Kreuzwertheim 1985 (Neuaufl. 1987)
  • Julia Hecht, Klaus Reder: Die Landgerichte Aschaffenburg und Rothenbuch um 1860: Amtsärzte berichten. Universität, Würzburg 2002

EinzelnachweiseBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Weibersbrunn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien