Weißrussische Volksrepublik

historischer Staat
Weißrussische Volksrepublik
Беларуская Народная Рэспубліка
1918
Die genutzte Nationalflagge Staatswappen
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Flag of the Russian Soviet Federative Socialist Republic (1918–1937).svg SowjetrusslandFlag of the Lithuanian-Byelorussian SSR.svg Litauisch-Weißrussische Sozialistische Sowjetrepublik
Nationalhymne Vajacki marš
Amtssprache Weißrussisch
Hauptstadt Minsk
Regierungsform Republik
Präsident Jan Sierada
Pjotr Kratscheuski
Staatsgründung 25. März 1918
Karte

Die Weißrussische Volksrepublik (weißrussisch Белару́ская Наро́дная Рэспу́бліка, Belaruskaja Narodnaja Respublika, BNR; deutsch seltener Weißruthenische Volksrepublik) war der erste unabhängige weißrussische Staat. Die Republik wurde 1918 gegründet und von der Rada BNR geleitet, bis diese 1919 durch die Weißrussische Sozialistische Sowjetrepublik (Teil von Sowjetrussland) abgesetzt wurde. Die Rada ist bis heute aktiv und eine der ältesten Exilregierungen der Welt.

Die Gründer der BNR, von links nach rechts und hinten nach vorne: Arkads Smolitsch, Pjotr Kratscheuski, Kastus Jesawitau, Anton Aussjanik, Ljawon Sajaz, Aljaksandr Burbis, Jan Sierada, Jasep Waronka, Wassil Sacharka
Karte von 1918

GeschichteBearbeiten

 
Reisepass der Weißrussischen Volksrepublik

Im Dezember 1917 wurde auf dem ersten Weißrussischen Volkskongress die Gründung einer unabhängigen weißrussischen Republik beschlossen. Dieser Kongress wählte eine Regierung (die sogenannte Rada). Am 19. März 1918 wurde auf Initiative der Hramada-Partei die Rada in ein Parlament umgewandelt. Am 25. März 1918 wurde unter deutschem Protektorat die Weißrussische Volksrepublik ausgerufen. Führende Kräfte der Republik waren die Weißrussische Sozialistische Hramada, die Weißrussischen Christdemokraten und der Allgemeine Jüdische Arbeiterbund.

Die Existenz der Weißrussischen Volksrepublik wurde von der Mehrheit der auf dem Land lebenden Bevölkerung nicht akzeptiert. Die weißrussische Elite blieb zu klein und ohne Einfluss, die Städte waren zu schwach, und die weißrussische Kultur konnte nur ungenügend belebt werden.[1] Der Regierung gelang es, verschiedene nationale Institutionen zu errichten. Weißrussisch wurde als Amtssprache eingeführt, Schulen wurden eröffnet und Zeitungen veröffentlicht.

Nach Verkündigung der Unabhängigkeit baten die Vertreter der BNR den deutschen Kanzler um die offizielle Anerkennung der Weißrussischen Volksrepublik. Obwohl es nie zu einer offiziellen Anerkennung kam, wurde das Volkssekretariat als gesetzliche Regierung des Landes gesehen. Im Sommer 1918 wurde die BNR öffentlich in der russisch-deutschen Kommission von Deutschland unterstützt. Es setzte sich für die Verwirklichung des Friedensvertrags von Brest-Litowsk, die Trennung des weißrussischen Territoriums von der RSFSR und die Unterstützung im Kampf gegen die Eroberungspläne seitens Polen ein.[2]

Obwohl die KPR (B) die Regierung nie anerkannte, schrieb deren Zentralkomitee: „Die Macht der Regierung der BNR sollte an die Regierung der BSSR übergeben werden“.[3] Durch die Gründung der Weißrussischen Sozialistischen Sowjetrepublik (BSSR) am 1. Januar 1919 verlor die Weißrussische Volksrepublik an Bedeutung und die Regierung ging ins Exil.[4]

Im Winter 1920 führten Anhänger der Weißrussischen Volksrepublik den Aufstand von Sluzk für die Unabhängigkeit Weißrusslands durch.[5]

AußenpolitikBearbeiten

Während ihrer Existenz konnte die Belarussische Volksrepublik diplomatische Beziehungen zu mehreren Staaten aufbauen. Die Ukrainische Volksrepublik war der erste Staat, welcher 1918 die BNR anerkannt hat.[6] Im Oktober 1919 erkannte Estland die Belarussische Volksrepublik offiziell als Staat an.[7][8] Im Dezember 1919 folgte eine Anerkennung seitens Finnlands.[9][10]

LiteraturBearbeiten

  • Dimitri Romanowski: Belarus und Weimar-Deutschland: wirtschaftliche, wissenschaftlich-technische und kulturelle Beziehungen. diserta-Verlag 2015, ISBN 978-3-95935-040-2.

WeblinksBearbeiten

Commons: Weißrussische Volksrepublik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Dietrich Beyrau, Rainer Lindner: Handbuch der Geschichte Weißrußlands. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 2001, ISBN 3-525-36255-2, S. 137.
  2. Dimitri Romanowski: Belarus und Weimar-Deutschland: wirtschaftliche, wissenschaftlich-technische und kulturelle Beziehungen diserta-Verlag 2015, ISBN 978-3-95935-040-2, S. 54–56.
  3. 95th anniversary of BNR, charter97.org.
  4. Das Zeitalter der Katastrophen – Weißrussland im 20. Jahrhundert, owep.de.
  5. belarusguide.com
  6. Беларуская Народная Рэспубліка – крок да незалежнасці. Да 100-годдзю абвяшчэння. Гістарычны нарыс. – Мн., 2018, S. 104.
  7. Päewauudised. Walge-Wene saatkond Tallinas.
  8. Päewauudised. Walge-Wene esitajaks Eesti Walitsuse junre.
  9. Santeri Ivalo: Helsinki, jouluk. 16 p. Suomi tuunustanut Walko-Wenäjan hallituksen. In: Helsingin Sanomat. Nr. 341, газета, Helsinki 16. Dezember 1919, S. 3 (finnisch, kansalliskirjasto.fi – zweite Spalte links).
  10. Pekka Lempinen: Suomi tunnustaa Walko-Wenäjän tosiasiallisesti. In: Kansan Työ Nr. 289, газета, Viipurin Työväen Sanomalehti- ja Kirjapaino-Osuuskunnalle, Vyborg 16. Dezember 1919, S. 2 (finnisch, kansalliskirjasto.fi – zweite Spalte links unten).