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Wehrendorf (Bad Essen)

Stadtteil von Bad Essen

Wehrendorf gehört seit 1972 zur niedersächsischen Gemeinde Bad Essen im Landkreis Osnabrück in Niedersachsen.

Wehrendorf
Gemeinde Bad Essen
Koordinaten: 52° 20′ 1″ N, 8° 18′ 44″ O
Höhe: 51 m ü. NHN
Einwohner: 1487 (1. Jan. 2017)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 49152
Vorwahl: 05472
Wehrendorf (Niedersachsen)
Wehrendorf

Lage von Wehrendorf in Niedersachsen

GeographieBearbeiten

Der Ort liegt zwei Kilometer westlich vom Kernbereich Bad Essens an der B 65. Der 325,3 km lange Mittellandkanal verläuft nördlich an der Ortsgrenze; dort gibt es einen Hafen.

GeschichteBearbeiten

Zwei Funde aus der Jungsteinzeit lassen eine frühe Besiedlung Wehrendorfs annehmen.[2] 1074 wurde Wehrendorf zum ersten Mal urkundlich als "Wernapi" erwähnt. "Wernapi" zählt zu den "Apa"-Namen, die von den Namenforschern zur ältesten Namensschicht überhaupt gezählt werden und zur Gruppe der Gewässernamen gehören.[3] Wehrendorf, an der "porta osnabruegensis" im Westsüntel (heute: Wiehengebirge) gelegen, war auch Schnittpunkt früher Wander- bzw. Verkehrswege. Seine insbesondere administrative Entwicklung von einer Bauerschaft im Kirchspiel Essen, im westfälischen Fürstbistum Osnabrück, zu einem prosperierenden Ortsteil der Gemeinde Bad Essen schildert der Beitrag "Bauerschaft – Gemeinde – Ortschaft".[4] Am 1. Dezember 1910 hatte der Ort 609 Einwohner.[5] Am 1. Juli 1972 wurde das bis dahin zum Landkreis Wittlage gehörende Wehrendorf in die Gemeinde Bad Essen, nunmehr im Landkreis Osnabrück, eingegliedert.[6]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein war das Leben in Wehrendorf durch die Landwirtschaft geprägt. Dabei spielten die Beziehungen des Dorfs zum nahen Rittergut von dem Bussche-Hünnefeld, zu dem auch das in Wehrendorf gelegene Rittergut Buddemühlen gehörte, eine wichtige wirtschaftliche Rolle, da viele Wehrendorfer Bauern dessen Eigenbehörige oder sonst abgabepflichtig waren. Das Gut Buddemühlen betrieb in Wehrendorf drei Wassermühlen.[7] Von zwei Mühlen sind Aquarelle des Laienmalers Carl Ludwig Alpers (1837–1892) erhalten und im Beitrag über die Buddemühle abgebildet. Alpers wohnte bis zu seinem 40. Lebensjahr in Wehrendorf und hat im Auftrag des Freiherrn Clamor von dem Bussche-Hünnefeld alles gemalt, was mit dem Namen von dem Bussche verbunden war. Darunter befinden sich neun Motive aus Wehrendorf, so auch die Buddemühle selbst.[8] Das Gut von dem Bussche Hünnefeld betrieb in der unmittelbaren Nähe von Wehrendorf eine Ziegelei. Ab 1870 nahm dann der Berliner Friedrich Hoffmann einen auf seinem Patent beruhenden modernen oblongen Kalkringofen, der später um eine Ziegelproduktion erweitert wurde, in Betrieb.[9]

Von einer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründeten und von vier Generationen betriebenen Blaufärberei ist ein Geschäftsbuch überliefert. Es listet etwa 360 Kunden mit fast vollständigen Berufs- und Wohnortangaben auf, wobei auch ihre finanzielle und soziale Lage dokumentiert werden.[10] Wie bereits erwähnt, dominierte die Landwirtschaft, was allerdings in Agrarkrisenzeiten viele Wehrendorfer zur Auswanderung zwang.[11] Es gab aber daneben auch – wie das Geschäftsbuch des Blaufärbers ausweist – ein breites Spektrum von nicht landwirtschaftlichen Berufstätigkeiten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde außerdem eine Margarinefabrik gegründet.[12] Bis heute haben sich dann viele neue Handwerksbetriebe und andere Gewerbe in Wehrendorf angesiedelt, wobei der Nachfolger der Hoffmannschen Ziegelei, die Firma Argelith Bodenkeramik, international tätig ist.

BildungseinrichtungenBearbeiten

Der Überlieferung nach wurde in Wehrendorf bereits in der Mitte des 17. Jahrhunderts, gleich nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs, der Schulbetrieb aufgenommen. Wenngleich das genaue Gründungsdatum und der Name des ersten Lehrers nicht bekannt sind, so ist aber urkundlich der Name eines Lehrers für das Jahr 1662 verbürgt. Das Patronat über die Schule, deren eigenes Gebäude einer Erbschaft von Anna Elisabeth von dem Bussche-Hünnefeld, die 1664 verstarb, zu verdanken ist, übten die jeweiligen Eigentümer des Gutes von dem Bussche-Hünnefeld bis zum Jahr 1918 aus.[13] Die Grundschule Wehrendorf, die nach und nach neue Gebäude bezog, besteht noch heute. Ab dem Beginn der 1970er Jahre kamen Kindergarten und in jüngerer Zeit eine Krippe hinzu.

Die beiden Schulchroniken, die den Zeitraum von der Gründung der Schule bis in das Jahr 1966 abdecken, wurden von den jeweiligen Schulleitern geführt, die über das eigentliche Schulgeschehen hinaus den sozialen Wandels Wehrendorfs mithilfe diverser Quellen beschreiben. Anlässlich ihrer Publikation in den Jahren 1991 und 2007 wurden sie mit weiteren ergänzenden Dokumenten zur Geschichte des Dorfs ausgestattet.[14]

SchienenverkehrBearbeiten

Der Bahnhof Wehrendorf liegt an der Wittlager Kreisbahn. Es verkehren Güterzüge sowie der Museumszug, der von der Museums-Eisenbahn Minden betrieben wird.

SchifffahrtBearbeiten

Der Hafen Wehrendorf ist heute dank seiner Bahnverkehrsanbindung der umschlagstärkste Binnenhafen der Häfen Bad Essens.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Nord-West-Verlag in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bad Essen (Hrsg.): Bad Essen. Informationen für unsere Bürger. 1. Auflage. Nord-West-Verlag, Bissendorf 2017, S. 7 (badessen.de [PDF; 9,8 MB; abgerufen am 13. Mai 2017]).
  2. Hans Gottschalk, Arnold Schmieder: Die Steinaxt und das Steinbeil vom Wehrendorfer Berg. In: Naturschutz- und Verschönerungsverein Wehrendorf (Hrsg.): 925 Jahre Wehrendorf. 1074-1999. Rasch Verlag, Bramsche 1999, ISBN 3-934005-30-6, S. 23–24.
  3. Herbert Graf: Vorwort. In: Naturschutz- und Verschönerungsverein Wehrendorf (Hrsg.): 925 Jahre Wehrendorf. 1074-1999. Rasch Verlag, Bramsche, ISBN 3-934005-30-6, S. 7.
  4. Walter Komber, Wilfried Maschmeyer, Timo Natemeyer. In: Naturschutz- und Verschönerungsverein Wehrendorf (Hrsg.): 925 Jahre Wehrendorf. 1074-1999. Rasch Verlag, Bramsche 1999, ISBN 3-934005-30-6, S. 29–40.
  5. Uli Schubert: Gemeindeverzeichnis.de. 2. Januar 2014, abgerufen am 3. Mai 2017.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 260.
  7. Carsten Klingemann: Das hochadelige Rittergut Buddemühlen zu Wehrendorf. In: Naturschutz- und Verschönerungsverein Wehrendorf (Hrsg.): 925 Jahre Wehrendorf. 1074-1999. Rasch Verlag, Bramsche 1999, ISBN 3-934005-30-6, S. 101–119.
  8. Ernst Helmut Segschneider: Carl Ludwig Alpers. Seine Osnabrücker Heimat in Bildern aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. H. Th. Wenner, Osnabrück 1992, ISBN 3-87898-333-6.
  9. Herbert Graf: Ziegeleien. In: Naturschutz- und Verschönerungsverein Wehrendorf (Hrsg.): 925 Jahre Wehrendorf. 1074-1999. Rasch Verlag, Bramsche 1999, ISBN 3-934005-30-6, S. 171–176.
  10. Ernst Helmut Segschneider: Die Blaufärberei Harmeyer in Wehrendorf. In: Naturschutz- und Verschönerungsverein Wehrendorf (Hrsg.): 925 Jahre Wehrendorf. 1074-1999. Rasch Verlag, Bramsche 1999, ISBN 3-934005-30-6, S. 149–170.
  11. Carsten Klingemann: Auswanderung aus Wehrendorf. In: Naturschutz- und Verschönerungsverein Wehrendorf (Hrsg.): 925 Jahre Wehrendorf. 1074-1999. Rasch Verlag, Bramsche 1999, ISBN 3-934005-30-6, S. 83–92.
  12. Herbert Graf: Die Wehrendorfer Margarinefabrik „Obermeyer & Steinsiek“. In: Naturschutz- und Verschönerungsverein Wehrendorf (Hrsg.): 925 Wehrendorf. 1074-1999. Rasch Verlag, Bramsche 1999, ISBN 3-934005-30-6, S. 193–194.
  13. Margret Seiters: Die Schule in Wehrendorf. In: Naturschutz- und Verschönerungsverein Wehrendorf (Hrsg.): 925 Jahre Wehrendorf. 1074-1999. Rasch Verlag, Bramsche 1999, ISBN 3-934005-30-6, S. 71–79.
  14. Naturschutz- und Verschönerungsverein (Hrsg.): Geschichte der Wehrendorfer Schule von ihrem Bestehen bis auf die jetzige Zeit. (Gründung - 1930). Druckerei Rasch, Bramsche 1991; Naturschutz- und Verschönerungsverein Wehrendorf (Hrsg.): Wehrendorfer Schulchronik. Band 2, 1931-1966. Verlag A. Staperfeld, Osnabrück 2007, ISBN 3-930817-15-2.