Wehen (Taunusstein)

Stadtteil von Taunusstein im Rheingau-Taunus-Kreis

Wehen ist der drittgrößte Stadtteil von Taunusstein im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen. Bekannt ist der Ort durch den Fußballverein SV Wehen Wiesbaden.

Wehen
Wappen von Wehen
Koordinaten: 50° 9′ 21″ N, 8° 11′ 6″ O
Höhe: 361 (356–428) m ü. NHN
Fläche: 13,12 km²[1]
Einwohner: 7138 (31. Dez. 2020)[2]
Bevölkerungsdichte: 544 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Oktober 1971
Postleitzahl: 65232
Vorwahl: 06128

Geographische LageBearbeiten

Wehen liegt im Aartal zwischen Neuhof und Hahn. Im Ort trifft die Landesstraße 3470 (Platter Straße/Weiherstraße) auf die Bundesstraße 275. Nördlich des Wehener Schlosses mündet der Schwarzbach, dessen Quellbäche im Naturschutzgebiet Silberbach, Schwarzbach und Fürstenwiese bei Wehen unterhalb der Platte entspringen, in die Aar.

GeschichteBearbeiten

Von der frühen Besiedlung schon zu Zeiten Roms zeugt das Kleinkastell Heidekringen.

Die älteste gesicherte schriftliche Erwähnung von Wehen erfolgte unter dem Namen Wehene im Jahr 1227 in einer Nassauischen Urkunde.[1] Die Nennung erfolgte im Zusammenhang mit dem seinerzeit in Wehen ansässigen Adelsgeschlecht de Wehena. 1323 bekam der Weiler Wehen von Kaiser Ludwig dem Bayern die Stadtrechte zugesprochen und wurde mit einer Stadtmauer befriedet. Um 1330 wurde auf Veranlassung Graf Gerlachs I. von Nassau-Weilburg mit dem Bau des Schlosses begonnen.

Nach der Erbteilung 1346 fiel Wehen an Johann I. (Nassau-Weilburg). Seither war das Schloss Gerichts- und Verwaltungssitz für den Wehener Grund (das Gebiet zwischen Kirberg, Idstein, Bad Schwalbach und Wiesbaden).

Von 1593 bis 1655 erhielten Gräfin Anna, die Witwe von Albrecht (Nassau-Weilburg) und seine Schwiegertochter Elisabeth von Nassau-Weilburg das Wehener Schloss als Witwensitz zugesprochen. Auf Annas Engagement hin wurde 1599 die erste öffentliche Schule der Region gegründet.

Im Jahre 1780 wurde Karl von Ibell, der spätere Nassauische Regierungspräsident, im Wehener Schloss geboren. Die evangelische Kirche wurde zu Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut.

GebietsreformBearbeiten

Zum 1. Oktober 1971 fusionierte die bis dahin selbständige Gemeinde Wehen im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit fünf Nachbarorten freiwillig zur neuen Stadt Taunusstein.[3][4] Somit wurde Bleidenstadt ein Stadtteil von Taunusstein. Für alle nach Taunusstein eingegliederten Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher gebildet.[5]

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Wehen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][6][7]

BevölkerungBearbeiten

Einwohnerentwicklung

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

  • 1593: 45 Haushaltungen
  • 1615: 55 Haushaltungen
  • 1629: 60 Haushaltungen
  • 1670: 14 Haushaltungen
  • um 1700: etwa 200 Einwohner
  • 1747: 50 Wohnhäuser
Wehen: Einwohnerzahlen von 1821 bis 2020
Jahr  Einwohner
1821
  
534
1834
  
675
1840
  
714
1846
  
750
1852
  
835
1858
  
859
1864
  
978
1871
  
1.018
1875
  
988
1885
  
956
1895
  
967
1905
  
1.100
1910
  
1.090
1925
  
1.115
1946
  
1.680
1950
  
1.859
1956
  
2.054
1961
  
2.376
1967
  
3.447
1970
  
4.066
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
6.620
2011
  
6.495
2015
  
6.851
2020
  
7.138
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Stadt Taunusstein[2]; Zensus 2011[8]

Religionszugehörigkeit

• 1885: 0855 evangelische (= 89,44 %), 75 katholische (= 7,85 %), 26 jüdische (= 2,72 %) Einwohner[1]
• 1961: 1616 evangelische (= 68,01 %), 697 katholische (= 29,34 %) Einwohner[1]

PolitikBearbeiten

Für Wehen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Wehen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.[5] Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern. Seit den Kommunalwahlen 2021 gehören ihm zwei Mitglieder der SPD, drei der CDU, zwei des Bündnis 90/Die Grünen und je ein Mitglied der FWG und der AfD an. Ortsvorsteher ist Dennis May (SPD).[9]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Wehener SchlossBearbeiten

 
Wehener Schloss

Um 1330 wurde mit dem Bau des Schlosses begonnen. Von 1346 an war der Gebäudekomplex Gerichts- und Verwaltungssitz für den Wehener Grund. Das Wehener Schloss wurde unter anderem als Witwensitz und Jagdschloss genutzt. Heute steht es unter Denkmalschutz[10] und beherbergt das Taunussteiner Museum[11] und eine Gaststätte.

Evangelische KircheBearbeiten

 
Ev. Kirche – Außenansicht nach der umfangreichen Instandsetzung 2012
 
Ev. Kirche – Innenansicht 2009

Die denkmalgeschützte[12] Evangelische Kirche Wehen wurde 1810–1812 unter Verwendung von Steinen der alten Stadtbefestigung (Stadtmauer, Obertorturm) am Standort des früheren fürstlichen Jagdzeughauses nach Plänen des herzoglich nassauischen Baudirektors Carl Florian Goetz erbaut. Die historische Orgel der Ev. Kirche Wehen ist eine der wenigen original erhaltenen Instrumente des Wiesbadener Orgelbauers Heinrich Voigt. Im Oktober 1999 wurde sie restauriert und in den Originalzustand zurückgeführt.

Weitere KulturdenkmälerBearbeiten

  • Kleinkastell Heidekringen
  • Aarstraße 234; Fachwerkwohnhaus
  • Aarstraße 240; Fachwerkwohnhaus
  • Aarstraße 244/Wilhelmstraße 1; Rathaus
  • Aarstraße 246; Hofreite
  • Aarstraße 262; Scheune
  • Amtsstraße 3; Scheune mit altem Tor
  • Gerichtsstraße 1; Fachwerkwohnhaus
  • Gerichtsstraße 2; ehem. Amtsgericht
  • Glockenstraße 3; Fachwerkwohnhaus
  • Glockenstraße 6; ehem. evangelisches Pfarrhaus
  • Gesamtanlage Im Hängel
    • Im Hängl 7; Hofreite
    • Im Hängl 9; Wohnhaus
    • Im Hängl 11; Wohnhaus mit Scheune
    • Im Hängl 13; Wohnhaus
  • Mainzer Allee/Friedhof; Kriegerdenkmal
  • Mainzer Allee 9; Fachwerkhaus
  • Neuer Weg; Jüdischer Friedhof
  • Platter Straße 85; Wohnhaus, evtl. ehem. Forsthaus
  • Wilhelmstraße 7; Wohnhaus einer Hofreite

NaturdenkmälerBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Wehen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g Wehen, Rheingau-Taunus-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Einwohnerstatistik Taunusstein. In: Webauftritt. Stadt Taunusstein. Abgerufen im Januar 2021.
  3. Gemeindegebietsreform in Hessen: Zusammenschlüsse und Eingliederungen von Gemeinden vom 17. September 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 39, S. 1603, Punkt 1320; Abs. 15. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 377.
  5. a b Hauptsatzung. (PDF; 90 kB) §; 5. In: Webauftritt. Stadt Taunusstein, abgerufen im Februar 2019.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 1. Großherzoglicher Staatsverlag, Darmstadt 1862, DNB 013163434, OCLC 894925483, S. 43 ff. (Online bei google books).
  8. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  9. Ortsbeirat Wehen. In: Webauftritt. Stadt Taunusstein, abgerufen im Mai 2021.
  10. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Wehener Schloss In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen
  11. Museum im Wehener Schloss (Memento vom 20. Oktober 2007 im Internet Archive), abgerufen am 20. Oktober 2011
  12. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Evangelische Pfarrkirche Wehen In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen