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Weert Canzler

deutscher Sozialwissenschaftler und Mobilitätsforscher
Weert Canzler (neben Michael Cramer)

Weert Adalbert Canzler (* 30. April 1960 in Hage, Ostfriesland) ist ein deutscher Sozialwissenschaftler und Mobilitätsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Weert Canzler besuchte von 1970 bis 1979 das Ulrichsgymnasium Norden. Zwischen 1979 und 1985 studierte er Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Es folgten eine Redaktionstätigkeit in der Hochschul- und Wissenschaftszeitschrift Kassandra sowie wissenschaftliche Tätigkeiten in der Innovations- und Zukunftsforschung. Unter anderem übernahm er die Federführung beim Aufbau des Sekretariats für Zukunftsforschung (SFZ) in Gelsenkirchen. Seit 1994 ist Canzler wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Zusammen mit Andreas Knie leitet er dort die Projektgruppe Mobilität. 1996 schloss Canzler eine Promotion an der Technischen Universität Berlin zu der Entstehung und Stabilität des Automobil-Leitbildes ab. Seit 2013 ist Canzler Sprecher des Leibniz-Forschungsverbundes Energiewende.[1] Im Mai 2015 erfolgte der Abschluss des Habilitationsverfahrens an der Technischen Universität Dresden. Die Habilitationsschrift trägt den Titel Automobil und moderne Gesellschaft: Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Mobilitätsforschung.[2]

Weert Canzler ist der Sohn des 2011 verstorbenen Heimatforschers Gerhard Canzler.

WerkBearbeiten

Zu Canzlers Forschungsthemen zählen die Kontinuität und der Wandel technischer Leitbilder in modernen Gesellschaften. Seine zentralen Untersuchungen behandeln die technikhistorische und techniksoziologische Bedeutung des Automobils. Im Mittelpunkt steht das Verhältnis des Privat-Pkw zum Umweltverbund unter besonderer Berücksichtigung alternativer Nutzungsformen wie Fahrradverleih oder Carsharing. Hierzu tritt Canzler regelmäßig als Gastautor und Interviewgast in den Medien auf.[3][4][5][6][7] In den letzten Jahren widmet er sich verstärkt der Elektromobilität, die er über den Antrieb hinaus als integralen Bestandteil eines vernetzten und vielseitigen Verkehrssystems begreift.[8][9] Der Elektroantrieb ist in dieser Hinsicht aber nur eine Maßnahmen unter vielen, die Canzler für ein nachhaltigeres Verkehrssystem vorschlägt. Hierzu zählen die Beteiligung der Nutzer an den externen Kosten, die Förderung des nicht-motorisierten Verkehrs und die Schaffung von intermodalen Angeboten im Personenverkehr.[10] Digitale Plattformen sind nach Einschätzung Canzlers bei einer reformierten Ordnungspolitik geeignet, unterschiedliche Mobilitätsangebote zu verbinden.[11] Die Energie- und Verkehrswende betrachtet Canzler zusammenhängend anhand des Nutzertyps des Prosumers. Um veränderte Einstellungen der Nutzer wirksam werden zu lassen, spricht sich Canzler für eine Dezentralisierung und Erprobung in „Realexperimenten“ aus.[12][13][14]

Ein weiteres Forschungsthema ist die Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs im ländlichen Raum unter dem Eindruck des demografischen Wandels und regionalen Strukturwandels.[15]

Canzler ist neben Stephan Rammler und Oliver Schwedes Mitherausgeber der Reihe „Mobilität und Gesellschaft“ beim Lit Verlag.[16]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

Zusammen mit Andreas Knie
Zusammen mit Oliver Schwedes und Andreas Knie (Hrsg.)
  • Handbuch Verkehrspolitik. 2. Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-05591-2.
Zusammen mit Andreas Knie, Lisa Ruhrort und Christian Scherf
  • Erloschene Liebe? Das Auto in der Verkehrswende – Soziologische Deutungen. Transcript Verlag, Bielefeld 2018, ISBN 978-3-8376-4568-2.
Zusammen mit Gert Schmidt
  • Das zweite Jahrhundert des Automobils – technische Innovationen, ökonomische Dynamik und kulturelle Aspekte. Ed. Sigma, Berlin 2003, ISBN 3-89404-229-X.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Leibniz-Forschungsverbund Energiewende – Kontakt
  2. Lebenslauf auf den Seiten des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (PDF)
  3. ARD-Themenwoche: Der mobile Mensch – Weert Canzler im Interview, Mai 2011.
  4. Deutschlandradio Kultur: „Individualität muss nicht an einen individuellen Besitz gekoppelt sein“ – Weert Canzler im Gespräch, 28. Januar 2011.
  5. Chrismon.de: Wie viele Autos sind genug? – Bettina Böttinger und Weert Canzler im Streitgespräch, September 2011.
  6. Weert Canzler, Andreas Knie: Autos in den Städten sind so was von gestern. In: Zeit online. 2. April 2017, Aufruf am 20. April 2017.
  7. Abschied vom Auto – Ende einer Liebesbeziehung?, Nachtcafé, SWR, Sendung vom 24. November 2017.
  8. Weert Canzler: Vernetzte Mobilität für die Stadt von morgen. In: YellowPaper: Stadt der Zukunft. Dezember 2011, S. 36–37. (PDF 5,8 MB)
  9. changeX: Automobilität 2.0 – Audiobeitrag
  10. Weert Canzler: Zukunft der Mobilität: An der Dekarbonisierung kommt niemand vorbei. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. APuZ 31–32/2015.
  11. Weert Canzler, Andreas Knie: Die Zukunft urbaner Mobilität – Ansätze für eine ökologische Verkehrswende im digitalen Zeitalter. Böll-Brief Grüne Ordnungspolitik Nr. 6, Berlin 2018 (Onlineversion).
  12. Manuel Waltz: Ein Plädoyer für die Energiewende. In: Deutschlandfunk. 5. August 2013.
  13. Weert Canzler: Freiwillig nachhaltig und erzwungen postfossil modern – Fortsetzung der Überlegungen von Reinhard Loske zur »Wiedereinbettung der Ökonomie in Gesellschaft und Natur«. In: Leviathan. Jahrgang 43, Heft 2, 2015, S. 166–176.
  14. Weert Canzler, Andreas Knie: Festgefahren – Anleitung zum Wandel der Automobilgesellschaft, in: Zeitschrift für Politikwissenschaft. Jg. 27, Ausg. 4, 2017, S. 475–481.
  15. Weert Canzler, Andreas Knie: Demographie und Verkehrspolitik. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. APuZ 29–30/2007, S. 9–14.
  16. Reihe Mobilität und Gesellschaft beim Lit Verlag