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Rennszene beim Jetboot-Rennen, Deutsche Meisterschaft 2007

Wassermotorräder, auch Jet-Ski, Jet-Boot oder Jetboot, sind kleine, aus glasfaserverstärktem Kunststoff bestehende Wasserfahrzeuge ohne Bordwand. Als Modelle unterscheidet man Steher für eine Person von Sitzern mit Sitzbank für eine bis vier Personen, die im Wettkampf als Ski und Runabout bezeichnet werden.

Jet“ (von englisch to jet ‚ausstoßen‘) bezieht sich auf den Antrieb durch einen Wasserstrahl, der aus der Düse einer Pumpe hinten am Fahrzeug austritt. Gelenkt wird durch Verschwenken dieser Düse.

Jetski ist ein geschütztes Warenzeichen des Herstellers Kawasaki, in der deutschen Umgangssprache aber als Gattungsname für Wassermotorräder verbreitet.[1]

Inhaltsverzeichnis

VerwendungszweckBearbeiten

 
Rettungs-Jetboot der Seerettungsgesellschaft von Åland
 
Polizei-Jetboot, genutzt von der italienischen Polizia in Venedig

Jetboote dienen zum Personentransport im Freizeitbereich auf Binnen- und Küstengewässern. Der Hauptverwendungszweck ist der Wassersport, einige Fahrzeuge sind in Deutschland auch für das Ziehen von Wasserskiläufern zugelassen.

Verschiedene Rettungsdienste (u. a. die DLRG) nutzen Jetboote als Möglichkeit, schnell an Unfallorte zu gelangen. Speziell ausgestattete Jetboote bieten zudem die Möglichkeit, bewusstlose Personen zu retten.

GeschichteBearbeiten

Wassersportgeräte mit Wasserstrahl-Antrieb existieren bereits seit den 1960er Jahren. In den 1970er Jahren produzierte Kawasaki das erste Steher-Modell, welches die noch heute existierende Grundform dieser Jetboot-Art darstellt.

Stand in den Anfangsjahren die Sportlichkeit der Jetboote im Vordergrund, so werden die existierenden Jetboote immer leistungsstärker, aber auch immer größer. So sind die heute existierenden 3-Sitzer durchaus mit den Abmessungen kleiner Sportboote zu vergleichen.

Dreisitzer von Yamaha erreichen bis 377 kg Eigengewicht und 356 cm Länge. Zumindest seit 2011 (Type VXR) wird ein 1812 ccm 4-Takt-Verbrennungsmotor mit Kompressor verbaut, der 180 PS Leistung erzielt und das Fahrzeug auf glattem Wasser 70–80 mph (112–128 km/h) schnell macht.

In den letzten Jahren entwickelte sich mit den Power Jetboards eine neue Konkurrenz für die Jet-Skis.

TechnikBearbeiten

Das Wasserfahrzeug wird mit einem Verbrennungsmotor betrieben, meist ein Viertakt-Otto-Motor. Der Vortrieb und die Steuerung des Fahrzeuges erfolgen durch einen Wasserstrahlantrieb, der über einen innenliegenden Impeller arbeitet. Eine Gefährdung von Schwimmern durch einen freiliegenden Propeller wird damit vermieden.

Wassermotorräder sind mit Leistungen bis zu 257 kW/342 PS (Benelli R Race) im Verhältnis zu Gewicht und Verdrängung teils stark motorisiert, sehr wendig und können hohe Geschwindigkeiten bis zu 130 km/h erreichen.

In vielen Ländern, auch in Deutschland, ist eine „Totmannschaltung“, auch „Quick Stop“ genannt, an den Fahrzeugen vorgeschrieben: Ein Band (lan yard) oder eine Spirale, verbunden mit dem Handgelenk des Fahrers wird beim Abwerfen des Fahrers aus einem Schalter gezogen, der automatisch den Motor abschaltet. Speziell bei älteren Modellen gibt es einen solchen „Quick Stop“ noch nicht. Alternativ kann deshalb das Jetboot auch im Standgas eine kreisförmige Fahrt zurück zum Fahrer einschlagen.

Bekannte Hersteller sind oder waren Kawasaki (Jet-Ski), Honda (AquaTrax), Yamaha (WaveRunner), Suzuki (WetBike), Polaris (Produktion 2003 eingestellt), BRP ehem. Bombardier (SeaDoo), HSR Benelli, Franky Zapata Racing (FZ 950), Rick Roy Products (Rickter)

Die Düse hinten am Heck wirft bei Fahrt mit Antrieb eine Wasserfontäne schräg etwa 3 m hoch nach oben. Sie wird von Yamaha als "visibility spout" bezeichnet und verbessert die Sichtbarkeit des Fahrzeugs für andere.[2]

RechtslageBearbeiten

In Deutschland ist das Fahren eines Jet-Ski auf Wasserstraßen im Rahmen von Touren und Wanderfahrten zu festgelegten Tageszeiten erlaubt,[3] wobei die den Bundeswasserstraßen zugeordneten Stauseen Diemelsee und Edersee nur mit Sondergenehmigung für Wasserfahrzeuge mit Verbrennungsmotoren befahrbar sind. Das Jet-Ski-typische Figurenfahren ist nur auf speziellen so genannten Jet-Ski-Strecken gestattet. Auf Binnenseen wie dem Bodensee ist dagegen der Betrieb von Wassermotorrädern zum Schutz von Flora, Fauna und Badegästen verboten. Einzige Ausnahme bildet der Partwitzer See in der Lausitz. Bei Jet-Skis mit einer Leistung über 15 PS ist in Deutschland ein (Binnen- bzw. See-) Sportbootführerschein für den Fahrer vorgeschrieben.

In der Schweiz bleibt das Fahren eines Jet-Ski grundsätzlich verboten.[4]

In Österreich ist das Fahren mit Jet-Ski auf öffentlichen Gewässern ebenfalls verboten mit Ausnahme von genehmigten Sportveranstaltungen. Die Zulassung eines Jet-Skis ist jedoch möglich (z. B. um es im Ausland zu verwenden).[5]

In Frankreich ist das Fahren mit dem Jet-Ski vielerorts erlaubt. Es gilt die Führerscheinpflicht des Herkunftslandes, d. h. deutsche Jet-Skifahrer müssen im Besitz des Sportbootführerscheins Binnen bzw. See sein. Als mitzuführende Sicherheitsausrüstung werden verlangt: Sicherheitsweste, Quick-Stop (Motorstop bei Sturz des Fahrers), eine wasserdichte Lampe je Person auf dem Jet-Ski und ein Spiegel zum Geben von Lichtzeichen. Insbesondere an den Mittelmeerstränden werden die Geschwindigkeitsvorgaben streng kontrolliert.

MotorsportBearbeiten

WettkampfkategorienBearbeiten

Der Jetboot-Sport wird von der UIM und der IJSBA/EJSBA als Weltdachverband geregelt. Beide Verbände richten eine Weltmeisterschaft aus, die EJSBA auch eine Europameisterschaft.

Es werden drei Wettkampf-Kategorien unterschieden:

Freestyle

Unter den „Stehern“ gibt es die Wettbewerbskategorie Freestyle, bei der es um Tricks mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden geht. Ein Fahrer bekommt eine vorgegebene Zeit zur Verfügung – anschließend bewertet eine Jury die Fahrer mit Punkten von 1 bis 10. Die nationalen Regeln kennen meist nur eine Klasse, die internationalen Regeln kennen eine Unterscheidung der Teilnehmer in Amateur und Pro Fahrer. Die Geräte sind in beiden Kategorien meist enorm modifiziert, um die Tricks ausführen zu können.

Freeride

Freeride ist die neueste Wettkampf-Disziplin, wenngleich das Fahren in der Brandung eine lange Tradition im Jetboot-Sport hat. Bei Freeride-Wettkämpfen werden die Tricks der Fahrer in der Brandung bewertet. Hierbei zählen jedoch neben möglichst spektakulären Sprüngen auch die Fähigkeit, die Wellen mit dem Jetboot zu surfen.

Racing

Ein mit Bojen abgesteckter Slalomkurs muss möglichst als erster durchfahren werden. Hier können Geschwindigkeiten von über 100 km/h erreicht werden. Es werden verschiedene Leistungsgruppen, abhängig vom Umfang des erlaubten Tunings, unterschieden.

WeblinksBearbeiten

 Wiktionary: Wassermotorrad – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Commons: Jet-Ski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

wingnutsworld, youtube.com, 1. September 2012, 2 Kinder demonstrieren einen 3-Sitzer-Jet-Ski im Low-Mode

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jet­ski®, der. duden.de, abgerufen am 25. Juli 2019.
  2. Yamaha Waverunner Visibility Spout Gardachief, youtube.com, 17. April 2016, abgerufen 5. Mai 2019. – Einbau eines Absperrventils. Video (6:06).
  3. Verordnung über das Fahren mit Wassermotorrädern auf den Binnenschiffahrtsstraßen (Wassermotorräder-Verordnung) (WasMotRV), vom 31. Mai 1995 (BGBl. I S. 769), die zuletzt durch § 38 Absatz 7 der Verordnung vom 16. Dezember 2011 (BGBl. 2012 I S. 2 (1717)) geändert worden ist.
  4. Jet-Ski in der Schweiz weiterhin nicht zugelassen (Memento des Originals vom 22. März 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.uvek.admin.ch, Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK
  5. Jet-Ski in Österreich verboten, DER GLÖCKEL



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