Wartislaw I.

Herzog von Pommern

Wartislaw I. (* um 1100; † vor 1148 in Stolpe) war ein Fürst in Pommern. Er gilt als Stammvater der Dynastie der Greifen und Begründer des pommerschen Herzogshauses. Wesentlich förderte er die Einführung des Christentums in Pommern.

Wartislaw I. mit seinen Gemahlinnen Heila und Ida, aus dem Stammbaum der Greifen von Cornelius Krommeny, 1598.

LebenBearbeiten

Über die Herkunft Wartislaws ist nichts bekannt. Einer Vermutung nach könnte er der Sohn des als „Oderherzog“ (lateinisch dux Odrensis) bezeichneten Suatopolk (Swantopolk) gewesen sein. Dieser hatte um 1112/1113 seinen ältesten Sohn als Geisel an den polnischen Hof entsenden müssen. Eine angebliche sächsische Gefangenschaft Wartislaws ist nicht belegt.

1121/1122 eroberte der polnische Herzog Bolesław III. Schiefmund das Mündungsgebiet der Oder und die Stadt Stettin. Er zwang Wartislaw zur Unterwerfung unter die polnische Hoheit, wozu jährliche Tributzahlungen und bewaffnete Unterstützung im Krieg gehörten. Ferner eroberte Bolesław III. ein westlich der Oder gelegenes Gebiet der Lutizen. Als Bolesław III. dort wieder abzog, übernahm Wartislaw die Herrschaft in diesem Gebiet.

Wartislaw hatte sich auch zur Christianisierung Pommerns verpflichten müssen. Als diese keine Fortschritte machte, unternahm der Bischof Otto von Bamberg auf Wunsch Bolesławs III. und unterstützt von Wartislaw 1124 eine Missionsreise durch das östliche Pommern und 1128 eine zweite, diesmal unter dem Schutz Königs Lothar von Supplinburg und des Markgrafen Albrecht des Bären, ins ehemalige Lutizengebiet und den unteren Oderraum. Im Beisein Ottos und Wartislaws beschlossen die Adligen des Landes Pfingsten 1128 bei einem Landtag in Usedom die Annahme des Christentums.

Es gelang Wartislaw, seit 1135 durch die Anerkennung der Lehnshoheit Lothars III. über Pommern durch Bolesław III. Aftervasall des Kaisers, die nicht eindeutig geregelte Rechtslage seines Territoriums auszunutzen, dessen westlicher Teil dem Grafen der Nordmark und dessen östlicher Polen unterstand, und seine Herrschaft zu festigen und auszubauen.[1]

Wartislaw starb unterschiedlichen Angaben zufolge zwischen 1135 und 1148. Er soll bei Stolpe an der Peene, wo sich möglicherweise eine heidnische Kultstätte befand, von einem sich der Christianisierung widersetzenden Wenden erschlagen worden sein. Sein Bruder Ratibor stiftete später an dem Ort eine Kirche, wo Wartislaw wahrscheinlich beigesetzt wurde, und 1153 mit Wartislaws Söhnen das Kloster Stolpe.

Wartislaw I. war zweimal verheiratet. Seine erste Frau hieß Heila, ihre Verbindung zum Welfenhaus ist nicht belegt. Seine zweite Frau Ida war angeblich eine dänische Prinzessin und gilt als Mutter seiner Söhne Bogislaw I. und Kasimir I., die wahrscheinlich nach 1124 zur Welt kamen. Sein Bruder Ratibor, Begründer der Seitenlinie der Ratiboriden, übernahm nach Wartislaws Tod die Vormundschaft über die Kinder.

GedenkenBearbeiten

 
Wartislawstein bei Grüttow

Der Wartislawstein an der Bundesstraße 110 beim Stolper Ortsteil Grüttow soll als Sühnezeichen an den angeblichen Ort der Ermordung Wartislaws erinnern. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Stein, der auch als Grenzmarke zwischen herzoglichem und klösterlichen Besitz gedeutet wird, jedoch mehrfach an einen anderen Standort verbracht.

In Stolpe wurde 1893 die Wartislaw-Gedächtniskirche eingeweiht, die anstelle der alten zerstörten Klosterkirche nach Vorlagen von Kirchenbaumeister Theodor Prüfer errichtet wurde. Im Eingangsraum der Kirche finden sich zwei Gedenktafeln. Eine davon ist der Kirchenweihe 1893 gewidmet, die andere erinnert an den ersten christlichen Pommernherzog Wartislaw I., genannt der Bekenner. Sie trägt folgende Inschrift: „Der erste christliche Pommernherzog Wartislaw I. wurde um seines Glaubens willen ermordet zu Stolpe an der Peene 1136“.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Roderich Schmidt: Das historische Pommern. Köln 2009, S. 52 (Google Books).