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Waltershausen (Saal an der Saale)

Ortsteil von Saal an der Saale

Waltershausen ist ein Ortsteil des Marktes Saal an der Saale im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld (Bayern).

Waltershausen
Koordinaten: 50° 19′ 0″ N, 10° 22′ 0″ O
Höhe: 278 m
Fläche: 6,01 km²
Einwohner: 475 (25. Mai 1987)
Bevölkerungsdichte: 79 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Mai 1978
Postleitzahl: 97633
Vorwahl: 09762
Waltershausen (Bayern)
Waltershausen

Lage von Waltershausen in Bayern

GeografieBearbeiten

Waltershausen liegt im unterfränkischen Teil des Grabfelds an der Milz.

GeschichteBearbeiten

Eine aus Bayern vertriebene welfische Fürstin namens Waltrat soll sich um 830 in Hohenrod niedergelassen haben, das später nach ihr den Namen „Waltrathausen“ erhielt. Seit dem 13. Jahrhundert ist ein Rittergeschlecht „von Waltershausen“ nachgewiesen, das 1448 ausstarb.

 
Waltershausen: Blick auf Kirche und Schloss

Später kamen die Familie Marschalk von Ostheim in den Besitz; sie führten die Reformation ein und erbauten Kirche und Schloss neu.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 setzte die Mediatisierung reichsunmittelbarer Stände in größerem Maßstab ein. Die reichsfreien Herrschaften im Grabfeld wurden durch die Rheinbundakte von 1806 aufgehoben und dem Großherzogtum Würzburg angegliedert. Mit der Auflösung des Rheinbundes 1814 und den Beschluss des Wiener Kongresses fiel das Großherzogtum Würzburg größtenteils an das Königreich Bayern. Waltershausen gehörte ab 1817 zum Untermainkreis, der 1838 in Unterfranken und Aschaffenburg (später nur noch Unterfranken) umbenannt wurde.

Das Gut und Schloss Waltershausen, vormals im Besitz der Familie von Kalb, ging zu Beginn des 19. Jahrhunderts in das Eigentum des Göttinger Gelehrten und Wirtschaftshistorikers Georg Friedrich Sartorius über, der aufgrund des Erwerbs als Freiherr von Walterhausen in den erblichen bayerischen Adelsstand erhoben wurde. Das Gut mit dem Schloss blieb im Wesentlichen bis ins 20. Jahrhundert im Eigentum der Familie Sartorius von Waltershausen. Im Jahr 1944 wurde das Schloss von der Deutschen Reichspost als Erholungsheim für Postbedienstete übernommen.

Am 1. Mai 1978 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Waltershausen in den Markt Saal an der Saale eingegliedert.[1]

Zur ehemaligen Gemeinde gehörten neben dem Pfarrdorf noch die drei Einöden Buchmühle, Papiermühle und Weidachsmühle, frühere Wassermühlen an der Milz. Die Gemeinde hatte zum Stichtag der Volkszählung am 25. Juni 1961 eine Fläche von 600,85 Hektar.[2]

Zum Stichtag der Volkszählung am 25. Mai 1987 wurden auf dem Gebiet der früheren Gemeinde 475 Einwohner gezählt, in 142 Gebäuden mit Wohnraum und 161 Wohnungen.[3]

ReligionBearbeiten

Der Ort ist ein evangelisches Pfarrdorf, welches zum Evangelisch-Lutherischen Dekanat Bad Neustadt an der Saale gehört. Die evangelische Pfarrkirche entstand in heutiger Gestalt im späten 16. Jahrhundert. Emporen umziehen den Innenraum auf drei Seiten, die Orgel befindet sich über dem Altar. An den Wänden sind 10 Epitaphien der Marschalk v. Ostheim (16./18. Jh.) angebracht.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Schloss WaltershausenBearbeiten

 
Schloss Waltershausen

1619/27 wurde eine Burg erbaut und 1723 durch die Marschalk von Ostheim zu einem dreiflügeligen Schloss mit vier behelmten Rundtürmen umgestaltet. Die letzte dieses Geschlechtes, Charlotte, verheiratete v. Kalb, ging als geistreiche Freundin Schillers und Jean Pauls in die Literaturgeschichte ein. Als Erzieher ihres Sohnes weilte der junge Friedrich Hölderlin 1793/95 auf Schloss Waltershausen.[4] Das Schloss ging später noch durch mehrere Hände, bis es als Erholungsheim der Bundespost eingerichtet wurde. Seit 1986 ist es im Privatbesitz einer Berliner Familie.

Im Innern birgt es einen Saal mit schön bemalter Holzdecke aus der Erbauungszeit; ein anderer Saal und mehrere Zimmer im 2. Stockwerk haben eine Stuckdekoration, die zu den feinsten Schöpfungen des fränkischen Rokoko gehört.

BaudenkmälerBearbeiten

Siehe: Liste der Baudenkmäler in Waltershausen

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 741.
  2. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus d. Volkszählung 1961, München, 1964, Spalte 886.
  3. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987, München, 1991, S. 375.
  4. Regina Vossenkaul: Wie Hölderlin irrtümlich im Grabfeld landete. In: Mainpost.de. 28. Juni 2011, abgerufen am 30. Juli 2018.