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Walter von Pannwitz

deutscher Rechtsanwalt, Oberbürgermeister und Autor, Kunstsammler und Mäzen, Ehrenritter des Johanniterordens

Walter Sigismund Emil Adolf von Pannwitz (* 4. Mai 1856 in Mehlsack, Ostpreußen; † 8. November 1920 in Buenos Aires, Argentinien), war ein deutscher Rechtsanwalt, Oberbürgermeister, Kunstsammler und Mäzen sowie Ehrenritter des Johanniterordens.

Inhaltsverzeichnis

FamilieBearbeiten

Pannwitz entstammte dem alten oberlausitz-schlesischen Adelsgeschlecht von Pannwitz, das 1276 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Seine Eltern waren Sigismund von Pannwitz und Emilie Auguste von Pannwitz. Er heiratete in erster Ehe am 6. Januar 1893 in Marburg an der Lahn Hedwig Faber, Tochter des Fuhrgeschäftsinhabers Albert Faber und der Marie Schmidt († 1941 in Weimar).[1] Die Ehe wurde am 20. Dezember 1907 in München geschieden. In zweiter Ehe heiratete Pannwitz am 26. Mai 1908 in Dresden Catalina (Käthe) Carolina Friedericke Georgine Roth (* 3. September 1876 in Rostock; † 20. Mai 1959 in Long Crumples, England). Gemeinsam hatten sie die Tochter Ursula († 1989), die 1940 John Pelham, den achten Earl of Chichester, heiratete.[2]

LebenBearbeiten

Pannwitz machte sich in München besonders in großen Strafprozessen einen Namen. Künstlerisch war er sehr begabt, schrieb Schauspiele und war mit Ludwig Thoma befreundet. In diese Zeit fiel auch seine Berufung zum Oberbürgermeister von Kulmbach, wo er sich ab 1888 durch eine durchgreifende Verwaltungsreform Verdienste erwarb.

Bereits in jungen Jahren begann Pannwitz Kunstwerke zu sammeln und ließ sich dabei von den Kunsthistorikern Max Friedländer und Wilhelm von Bode beraten.[3] 1905 ließ er in München auf einer Auktion seine Porzellansammlung versteigern, die die Aufmerksamkeit von Kunstinteressenten aus der ganzen Welt erlangte.

Im Jahre 1908 heiratete er in zweiter Ehe Catalina Roth, deren Familie umfangreiche Ländereien in Argentinien besaß. Das Ehepaar verband auch die Liebe zur Kunst, hatte doch seine Ehefrau schon vor ihrer Ehe eine große und bedeutende Gemäldesammlung erworben. Durch die Heirat wurden beide Sammlungen zusammengeführt und in den nachfolgenden Jahren auf die spätere Bedeutung und Größe erweitert.[4]

Als im Jahr 1910 das Ehepaar seinen Wohnsitz nach Berlin verlegen wollte, beauftragten sie den Münchener Architekten German Bestelmeyer mit dem Bau eines großen Hauses, um ihrer Kunstsammlung einen entsprechend würdigen Rahmen zu schaffen. Auf 2,2 Hektar entstand bis 1914 ein Palais, das sich stilistisch am Klassizismus der Zeit um 1800 orientierte.

 
Haus Hartekamp, Nordholland

1914 besuchte Kaiser Wilhelm II. erstmals das Haus. Als er 1918 ins Exil nach Holland ging, folgte ihm Pannwitz mit seiner Familie und erwarb dort das Schloss De Hartekamp bei Bennebroek (Provinz Nordholland). Nach Pannwitz’ Tod machte seine Witwe Catalina in den darauf folgenden Jahrzehnten De Hartekamp zu einem gesellschaftlichen Zentrum der europäischen Aristokratie.

Besonderer Freund des Hauses war jedoch der deutsche Kaiser, der „seiner Freundin Panni“ in Hartekamp mit seiner Begleitung mehr als hundert Besuche abgestattet hat.[5][6]

Walter und Catalina von Pannwitz wurden auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf beigesetzt, wo ihr repräsentatives Grabmal noch heute existiert.

Palais PannwitzBearbeiten

 
Palais Pannwitz, Berlin-Grunewald

Nachdem das Palais Pannwitz in Berlin-Grunewald von der Familie während des Zweiten Weltkriegs an das Deutsche Reich verkauft worden war, gehörte es zu den wenigen unzerstört gebliebenen großen Häusern in Berlin und Umgebung. Lange Zeit stand es leer und kam erst nach Jahren als Schloßhotel Gehrhus wieder zu neuem Glanz. Nach der Wiedervereinigung wurde es nach fast dreijähriger aufwändiger Restaurierung durch polnische Restauratoren in das moderne, hochklassige Schlosshotel im Grunewald umgewandelt.

LiteraturBearbeiten

  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser A Band XIX, Seite 425, Band 92 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1987, ISSN 0435-2408.
  • Max J. Friedländer, Otto von Falke (Hrsg.): Die Kunstsammlung von Pannwitz, Verlag Bruckmann, München 1925–1926.
  • Dora Heinze: Das Schlosshotel im Grunewald. Geschichte eines Adelspalais. Berlin-Brandenburg, bre-bra-verlag, 1997.
  • Lucia Albers, A.J. Kramer, J.L.P.M. Krol, I. van Thiel-Stroman: Het landgoed de Hartekamp in Heemstede. Heemstede, VOHB, 1982.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gothaisches Genealogisches Handbuch, Adlige Häuser, 2017
  2. Person Page. In: www.thepeerage.com. Abgerufen am 27. Oktober 2016.
  3. Origins Unknown. (Nicht mehr online verfügbar.) In: www.herkomstgezocht.nl. Archiviert vom Original am 24. September 2015; abgerufen am 27. Oktober 2016.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.herkomstgezocht.nl
  4. Siehe Max J. Friedländer, Otto von Falke (Hrsg.): Die Kunstsammlung von Pannwitz, Verlag Bruckmann, München 1925–1926.
  5. Sigurd von Ilsemann: Der Kaiser in Holland. Aufzeichnungen des letzten Flügeladjutanten Kaiser Wilhelms II. Herausgegeben von Harald von Koenigswald. 2 Bände. Verlag: Biederstein, München 1968. Auch: DTV Deutscher Taschenbuch Verlag 1982, ISBN 3-423-00791-5
  6. J. A. de Jonge: Wilhelm II. Böhlau Verlag, Köln 1988, ISBN 3-412-01788-4

WeblinksBearbeiten