Walter Reinhardt Sombre

Walter Reinhardt Sombre (auch Walter Balthasar Reinhardt, Walter Reinhard oder Walter Reinert; * um 1725; gestorben 1778 in Agra) war ein Abenteurer und Söldner, der sich ab den 1750er Jahren in Indien betätigte.

HerkunftBearbeiten

Reinhardts Geburtsort und Nationalität sind unklar. The Imperial Gazetteer of India, ein zwischen dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert erschienenes Nachschlagewerk, bezeichnet ihn als gebürtigen Luxemburger, von Beruf Metzger, der in französischen Diensten nach Indien kam.[1] Anderen Quellen zufolge sei er gebürtig aus Trier oder dem Elsass und habe als Zimmermann gearbeitet.[2] In wieder anderen Quellen taucht der Name „Walter Sommer“ (Erinnerungen eines französischen Offiziers) und ein Geburtsort „Michelbach“ auf.[3] Es sind noch weitere Namens- und Herkunftsvarianten bekannt.[4] Die Herkunft des Namensbestandteils Sombre ist ebenso unklar. Es könnte sich um einen Kampfnamen gehandelt haben. In verschiedenen, meist indischen, Quellen wird der Name als Samru, Samroo oder ähnlich wiedergegeben.

SöldnertätigkeitBearbeiten

Reinhardt kam um 1754 als Söldner der französischen Ostindienkompanie nach Indien.[5] Er lief zu den britischen Truppen über und erreichte den Rang eines Unteroffiziers. Von dort desertierte er erneut, um in Chandernagore wiederum in französische Dienste einzutreten. Nach der Auflösung dieses Stützpunktes schloss er sich Jean Law de Lauriston auf dessen Zügen durch Indien 1757 bis 1760 an. Er verblieb dort, bis diese Truppe Ende 1760 bei der Unterstützung Shah Alams II. zerschlagen wurde. Anschließend trat er in die Dienste des Fürsten Mir Qazim, Nawab Nizam von Bengalen und Orissa, ein. Von britischer Seite wurde ihm vorgeworfen, in dessen Auftrag 1763 in Patna rund 60 britische Gefangene ermordet zu haben. Danach setzte er sich nach Oudh ab, wo er einer Reihe lokaler Machthaber diente. 1777 trat er, inzwischen mit einer eigenen Söldnertruppe, in den Dienst Mirza Najaf Khans ein, seinerseits ein Verbündeter von Shah Alam II., der ihm als Lohn die Herrschaft über die Region (Pargana) Sardhana übertrug.[1][6] Reinhardt starb 1778 in Agra.

PrivatlebenBearbeiten

Der etwa 45 Jahre alte Reinhardt lernte um 1765 oder 1767 im Rotlichtmilieu die damals etwa vierzehnjährige Nautch-Tänzerin Farzana[5] kennen, die später als Begum Samru bekannt wurde. Er unterhielt eine Beziehung zu ihr, nach mehreren Quellen heiratete er sie. Begum Samru, arabischer Abstammung, konvertierte zum katholischen Glauben. Sie nahm den Namen Joanna Nobilis Sombre an und übernahm nach Reinhardts Tod dessen Funktion und auch seine Söldnertruppe.[5][7][4] Begum Samru galt als einzige katholische Herrscherin in Indien.[4] Sie soll sowohl leibliche als auch angenommene Kinder gehabt haben, doch ist unklar, ob Reinhardt deren Vater war. Allerdings soll Reinhardt schon ein Kind aus einer früheren Beziehung gehabt haben.[8][9]

Legendärer ReichtumBearbeiten

Reinhardt bzw. Begum Samru wurde ein enormes Privatvermögen nachgesagt, dessen Höhe in den 1950er Jahren auf 18 Milliarden Deutsche Mark geschätzt wurde[3] und das unter der Verwaltung der britischen Krone stehen soll. Im Laufe der Zeit nach Reinhardts und Begum Samrus Tod haben sich mehrere Personen und Organisationen gemeldet, die dieses legendäre Vermögen beanspruchen. Im 19. Jahrhundert erhob ein David Ochterlony Dyce Sombre Anspruch darauf, Enkel des Walter Reinhardt zu sein.[8][10] Im deutschsprachigen Raum existiert eine „Reinhardt's Erbengemeinschaft“, die angibt, die Ansprüche der Erben des Walter Reinhardt zu vertreten. Ähnliche Organisationen gibt es in den USA.[3]

LiteraturBearbeiten

  • Julia Keay: Farzana: The Woman Who Saved an Empire; I. B. Tauris, 2014, ISBN 9781784530556
  • Kurt Reinhardt: Wegweiser zu den Quellen der Geschichte des deutschen Nabobs von Sardhana in Indien Walter Reinhardt, genannt Sombre; 1993

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Seite 105-106 in The Imperial Gazetteer of India, Vol. XXII, The Clarendon Press, Oxford, 1908, veröffentlicht in der „Digital South Asia Library“ der University of Chicago
  2. The soldier of fortune. In: The Hindu. 14. April 2000, abgerufen am 11. Juli 2018 (englisch).
  3. a b c Die Erben streiten mit der englischen Krone. In: Heilbronner Stimme. 26. Januar 2009, abgerufen am 11. Juli 2018.
  4. a b c Begum Samru and her church in Sardhana. In: The Hindu. 5. März 2017, abgerufen am 11. Juli 2018 (englisch).
  5. a b c Tanushree Podder: Church that Begum Samru built. In: Tribune India. 11. November 2007, abgerufen am 11. Juli 2018 (englisch).
  6. Patna (Behar) in der Encyclopædia Britannica, 1911, veröffentlicht auf Wikisource
  7. Begum Samru's Haveli. In: The Times of India. Abgerufen am 11. Juli 2018 (englisch).
  8. a b Michael H. Fisher: The Inordinately Strange Life of Dyce Sombre: Victorian Anglo Indian MP and Chancery ‘Lunatic’ (Zusammenfassung), veröffentlicht auf H-Net
  9. Arifa Akbar: Farzana: The Woman who Saved an Empire by Julia Keay; book review. In: The Independent. 6. November 2014, abgerufen am 11. Juli 2018 (englisch).
  10. Michael H. Fisher: The Inordinately Strange Life of Dyce Sombre: Victorian Anglo Indian MP and Chancery ‘Lunatic’ (Zusammenfassung), veröffentlicht im Projekt MUSE (gehostet von der Johns Hopkins University)