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Walter Obwexer

italienisch-österreichischer Rechtswissenschaftler

Walter Obwexer (* 1965 in Brixen, Südtirol) ist ein italienisch-österreichischer Rechtswissenschaftler.[1][2] Seit 2012 ist er Universitätsprofessor für Europarecht, Völkerrecht und Internationale Beziehungen an der Universität Innsbruck, seit März 2015 auch Studiendekan und stellvertretender Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät.[3]

LebenBearbeiten

Walter Obwexer besuchte nach der Pflichtschule von 1971 bis 1979 in St. Peter (Villnöß) und Klausen das Realgymnasium in Brixen, wo er 1984 die Reifeprüfung ablegte. Anschließend begann er das von den Universitäten Innsbruck und Padua gemeinsam angebotene „Integrierte Diplomstudium der Rechtswissenschaften“, das er 1990 mit einer Diplomarbeit über „Das Accordino als völkerrechtlicher Vertrag in seiner gegenwärtigen Anwendung und zukünftigen Entwicklung“ als Magister der Rechtswissenschaften beendete.[4][3]

Nach dem Militärdienst bei den Gebirgsjägern Italiens im Rechtsbüro 1990/91 war er Assistent am Institut für Völkerrecht, Europarecht und Internationale Beziehungen der Universität Innsbruck, wo er 1998 zum Doktor der Rechte promovierte. Seit 2003 ist er Lehrbeauftragter für Europarecht am Management Center Innsbruck (MCI). 2008 habilitierte er sich für die Fächer „Europarecht und Völkerrecht unter besonderer Berücksichtigung des Internationalen Wirtschaftsrechts“ mit einer Schrift über „Das Recht der Unionsbürger, sich frei zu bewegen und aufzuhalten, als fünfte Grundfreiheit“ und wurde zum außerordentlichen Universitätsprofessor ernannt.[2][3] Seine Habilitationsschrift wurde öffentlich dafür kritisiert, dass sie „zu knapp einem Drittel heimlich aus seiner Doktorarbeit abgeschrieben“ war, weshalb ein Gutachten vom 5. April 2011 der Österreichischen Agentur für Wissenschaftliche Integrität (ÖAWI) „die Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis verletzt“ sah.[5][6][7][8]

Trotz der Kritik erfolgte zum 1. Oktober 2012 durch den neuen Rektor Tilmann D. Märk (unter dem österreichischen Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, seinem Vorgänger als Rektor) die Ernennung zum Universitätsprofessor für Europarecht, Völkerrecht und Internationale Beziehungen am Institut für Europarecht und Völkerrecht der Universität Innsbruck.[7] Mit 1. März 2015 wurde er zum Studiendekan und stellvertretenden Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck bestellt.[3]

Seit 1991 ist er wissenschaftlicher Berater der Südtiroler Landesregierung in EU-Fragen, seit 1994 wissenschaftlicher Berater der österreichischen Bundesministerien für Verkehr, Innovation und Technologie, für Wissenschaft und Forschung sowie des Innenministeriums und der Tiroler Landesregierung in EU-Fragen und der Regierung des Fürstentums Liechtenstein. Seit 2002 ist er außerdem Mitglied des EU-Beirates der österreichischen Bundesregierung.[3] 2017 erstellte er daher für das österreichische Verkehrsministerium die Rechtsexpertise zur geplanten deutschen Pkw-Maut, die zur Grundlage des Vertragsverletzungsverfahrens Österreichs gegen Deutschland auf EU-Ebene wurde; 2019 entschied dann der Europäische Gerichtshof (EuGH) die entsprechende Klage Österreichs, dass die deutsche Pkw-Maut gegen EU-Recht verstößt.[9]

Auszeichnungen (Auswahl)Bearbeiten

Publikationen (Auswahl)Bearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Walter Obwexer – Leben – Forschung. Universität Innsbruck, 1. Oktober 2012, abgerufen am 4. Mai 2019.
  2. a b Universität feiert sieben neue Dozenten. Universität Innsbruck, 28. Oktober 2008, abgerufen am 22. Februar 2019.
  3. a b c d e f Lebenslauf Univ.-Prof. Dr. Walter Obwexer. Abgerufen am 4. Mai 2019.
  4. Forum Alpbach: Walter Obwexer. Abgerufen am 22. Februar 2019.
  5. Kommission für wissenschaftliche Integrität: Jahresbericht 2011. Fall 2010/02. ÖAWI, 23. April 2013, S. 4, abgerufen am 24. Juni 2019.
  6. Andreas Wetz: Universität Innsbruck: Plagiatsskandal oder gezielter Rufmord? In: Die Presse. 18. Mai 2008, abgerufen am 4. Mai 2019.
  7. a b Hermann Horstkotte: Eine Habilitation wie ein aufgewärmtes Gulasch. In: UniStandard. 5. Mai 2011, abgerufen am 4. Mai 2019.
  8. Philipp Aichinger: Aufregung um Stelle an Uni Innsbruck. In: Die Presse. 6. Mai 2012, abgerufen am 4. Mai 2019.
  9. Südtiroler hinter Deutschlands Pkw-Maut-Fiasko. In: Dolomiten. 20. Juni 2019, S. 15, abgerufen am 20. Juni 2019.
  10. Tiroler Landespreis für Wissenschaft – Preisträger 1984 bis 2018. Abgerufen am 22. Februar 2019.
  11. Preis der Landeshauptstadt Innsbruck für wissenschaftliche Forschung an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck bzw. an der Medizinischen Universität Innsbruck – Liste der PreisträgerInnen seit 1979. Abgerufen am 4. Mai 2019.