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Wallerstädten

Stadtteil von Groß-Gerau im Kreis Groß-Gerau

Geographische LageBearbeiten

Wallerstädten liegt etwa einen Kilometer südwestlich der Kernstadt Groß-Gerau. Es gehört zum Rhein-Main-Gebiet und liegt zwischen Darmstadt und Mainz am Nordrand des Hessischen Rieds und auf der südlichen Seite des Landgrabens, der das Innenstadtgebiet von Darmstadt bei Trebur in den Schwarzbach entwässert, der seinerseits bei Ginsheim-Gustavsburg in den Rhein mündet.

Um den alten Ortskern entstanden drei größere Neubausiedlungen. Es begann in den 1960er Jahren mit der sogenannten "Siedlung" im Südwesten. Um 1980 kam im Südosten das Neubaugebiet "Lange Hecke" hinzu und schließlich in den frühen 1990er Jahren das sogenannte "Häuserfeld" nordwestlich des Ortskerns. Das älteste Gebäude Wallerstädtens, die Alte Mühle von 1619, steht als einziges Anwesen des Dorfes auf der Nordseite des Landgrabens.

Die nächstgelegenen Ortschaften sind die Kernstadt Groß-Gerau im Nordosten, Berkach im Osten, Dornheim im Südosten, Leeheim im Süden, Geinsheim im Südwesten, Trebur im Nordwesten und Nauheim im Norden.

GeschichteBearbeiten

 
Evangelische Kirche

Wallerstädten wurde im Jahre 1281 erstmals urkundlich als Waldirsteden erwähnt. Der Ortsname bedeutete ursprünglich Stätten im Wald. Gräber weisen auf eine Besiedelung schon um 600 n. Chr. hin. In den historischen Unterlagen findet Wallerstädten in den folgenden Jahrhunderten unter anderem mit diesen Ortsnamen Erwähnung: Walderadesteden im Jahr 1326, Stederweg in der Gemeinde Dornheim 1326, Walder Steden 1403, Steden gen. Waldsteden 1414, Waldersteten 1450, Walersteden 1613 und Wallerstätten im Jahr 1733.[1]

Wallerstädten gehörte zu den Königsgütern und wurde 1013 durch König Heinrich II. an das Bistum Würzburg vergeben. Später war es Teil der Obergrafschaft Katzenelnbogen und danach der Landgrafschaft Hessen. 1518 fiel der Ort einer Brandschatzung durch Franz von Sickingen zum Opfer. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Wallerstädten im Jahr 1622 von mansfeldischen Truppen noch einmal zerstört.[3]

Verwaltungsmäßig gehört Wallerstädten bis 1820 zum Amt Rüsselsheim, das ab 1806 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte. 1821 werden im Großherzogtum Landratsbezirke eingeführt und Wallerstädten dem Landratsbezirk Dornberg zugeteilt.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Wallerstädten:

»Wallerstädten (L. Bez. Dornberg) luth. Pfarrdorf; liegt am Landbach, so wie an der von Darmstadt nach dem Rhein ziehenden Chaussee und 34 St. von Dornberg. Der Ort hat 94 Häuser und 651 Einw., die außer 10 Kath. und 33 Juden luth. sind. Die Kapelle zu St. Valentin und Ottilie wurde von dem Caplan in Großgerau besorgt; später bekam zwar der Ort einen eignen Prediger, blieb aber immer noch mit Großgerau in kirchlicher Hinsicht verbunden, bis er endlich 1822 zur eignen Pfarrei erhoben wurde. Unterm Jahr 1238 kommt in der Gemarkung der Hof Altloch vor, der aber ausgegangen ist.«[4]

1832 wurden die Einheiten ein weiteres Mal vergrößert und es wurden Kreise geschaffen. Dadurch gelangt Wallerstädten in den Kreis Groß-Gerau. Die Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums wurden am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852 wieder rückgängig gemacht wurde. Dadurch gehört Wallerstädten zwischen 1848 und 1852 zum Regierungsbezirk Darmstadt bevor wieder der Kreis Groß-Gerau für die übergeordnete Verwaltung zuständig ist. Dort verbleibt der Ort durch alle weiteren Verwaltungsreformen bis heute.[1]

Die zuständige Gerichtsbarkeit war während der Zugehörigkeit zu Hessen, von 1821 bis 1879 das Landgericht Großgerau und ab 1879 das daraus hervorgegangene Amtsgericht Groß-Gerau.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstanden zahlreiche stattliche Bauten, darunter das Fachwerkrathaus mit massivem Untergeschoss. Wallerstädten erhielt 1963 den Titel Schönstes Dorf des Kreises Groß-Gerau.[3]

In der Gemarkung Wallerstädten gab es große Apfelbaumkulturen. Die hier geernteten Äpfel hatten weit über die Ortsgrenzen einen guten Ruf. Daher trugen die Einwohner des Ortes den Spitznamen Wallersteerer Äppelköpp („Wallerstädter Apfelköpfe“).[5]

GebietsreformBearbeiten

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden d0ie Gemeinde Dornheim, Wallerstädten und Groß-Gerau am 1. Januar 1977 kraft Landesgesetz zur neuen Stadt Groß-Gerau zusammengeschlossen.[6] Ortsbezirke wurden nicht gebildet.

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Wallerstädten lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][7][8]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

•1629: 43 Hausgesesse
Wallerstädten: Einwohnerzahlen von 1829 bis 2017
Jahr  Einwohner
1829
  
651
1834
  
669
1840
  
711
1846
  
740
1852
  
761
1858
  
715
1864
  
766
1871
  
786
1875
  
750
1885
  
868
1895
  
918
1905
  
991
1910
  
1.027
1925
  
1.114
1939
  
1.145
1946
  
1.515
1950
  
1.697
1956
  
1.770
1961
  
1.765
1967
  
1.885
1970
  
1.963
1985
  
?
2000
  
?
2013
  
2.706
2017
  
2.708
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; nach 1970 Stadt Groß-Gerau[2]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

• 1829: 608 lutheranische (= 93,39 %), 33 jüdische (= 5,07 %) und 10 katholische (= 1,54 %) Einwohner[4]
• 1961: 1392 evangelische (= 78,87 %), 352 römisch-katholische (= 19,94 %) Einwohner[1]

SafarilandBearbeiten

 
Sattelbahn im Safariland

Von 1970 bis 1985 gab es in Wallerstädten das Safariland , seinerzeit der größte Safari- und Freizeitpark Deutschlands, der laufend erweitert wurde. Man konnte mit dem Auto oder dem Safari-Bus durch Freigehege fahren, in denen Tiger und Löwen gehalten wurden. 1971 wurde eine Einschienenbahn, mit der man über das Serengetigelände fahren konnte, eingeweiht.[9] Das Safariland war damals sehr gut besucht. Die Gemeinde Wallerstädten plante sogar den Bau einer Umgehungsstraße, da sich die Autos der Safariland-Besucher an guten Tagen bis in den Ort stauten.

Ab 1974 wurde das Gelände für Besucherfahrzeuge gesperrt. Stattdessen fuhr die Safaribahn im Western-Look durch das Gelände, wo über 250 Tiere, unter anderem Elefanten, Giraffen, Zebras, Emus, Kamele, Straußen, gehalten wurden. Es gab von 1973 bis 1983 unter einer Traglufthalle ein Delphinarium mit Delfin-Schau.[10] Ein 180-Grad-Kino wurde eingerichtet[11] und im Jahr 1979 ein Mad House, das Alte Haus von Rocki-Tocki, eröffnet.[12] Weitere Attraktionen waren Affeninsel[13], Schauspielbühne, Ponyreiten, Pferdereitbahn, Bogenschießen, Kinder- und Erwachsenen-Spielplatz, Mondbasis, Rutschberg, Vogelfreiflughalle, Pfahldorf und Spielcasino.

Die Schließung erfolgte wegen finanzieller Schwierigkeiten, die sich schon abzeichneten, als 1983 die durch einen Orkan zerstörte Traglufthalle des Delphinarium nicht wieder aufgebaut werden konnte. Nach der Schließung wurden die Anlagen nach und nach abgebaut.[14] Nur das Safariland-Restaurant ist noch vorhanden. Das Safariland ist einer der Spielorte des Romans Der stillste Tag im Jahr des Schriftstellers Ralf Schwob.[15]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Der 1806 von dem Lehrer Johann Petersen gegründete Männergesangverein Teutonia zählt zu den ältesten deutschen Gesangvereinen im Deutschen Chorverband (früher Deutscher Sängerbund) und ist der älteste Gesangverein im Hessischen Sängerbund.[16]

VerkehrBearbeiten

Durch Wallerstädten führt die Landesstraße L 3094, die von Groß-Gerau kommt und nach Geinsheim und Kornsand weiterführt, wo über eine Rheinfähre eine Verbindung mit Oppenheim besteht.

Söhne und Töchter des OrtesBearbeiten

Franz Staudinger (* 15. Februar 1849; † 18. November 1921) Philosoph und Gymnasiallehrer

WeblinksBearbeiten

  Commons: Wallerstädten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g Wallerstädten, Landkreis Groß-Gerau. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Groß-Gerau in Zahlen. In: Webauftritt. Stadt Groß-Gerau, archiviert vom Original; abgerufen im März 2019.
  3. a b Geschichte der Stadtteile In: Webauftritt der Stadt Groß-Gerau. Abgerufen im Nov. 2012.
  4. a b Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg, Band 1 Oktober 1829, S. 254 (Online bei Google Books)
  5. Fanclub Äppelköpp Wallersteere (Memento vom 23. Januar 2011 im Internet Archive) (Abgerufen im Nov. 2012)
  6. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Groß-Gerau (GVBl. II 314–32 §3) vom 26. Juli 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 314 ff. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen. Band 1. Darmstadt 1866, S. 43 ff. (online bei Google Books).
  9. Winfried Barth; Andreas Christopher: Feldbahnen in Hessen : Industriebetriebe, Sammlungen, Denkmäler. Arbeitsgemeinschaft Drehscheibe 2002, Köln. ISBN 3-929082-22-5.
  10. Delphinarium, safarilandgg.com. Abgerufen am 9. Mai 2014.
  11. Cinema 180°, safarilandgg.com. Abgerufen am 9. Mai 2014.
  12. Haus Rocki Tocki, safarilandgg.com. Abgerufen am 28. Oktober 2018.
  13. Affeninsel, safarilandgg.com. Abgerufen am 9. Mai 2014.
  14. Das Ende, safarilandgg.com. Abgerufen am 9. Mai 2014.
  15. Der stillste Tag im Jahr. (Memento vom 13. März 2015 im Internet Archive) In: ralfschwob.de. Abgerufen am 9. Mai 2014.
  16. Männerchor Teutonia 1806 (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive), Abgerufen im Nov. 2012.