Hauptmenü öffnen

Waldkirchen (Petersberg)

Ortsteil von Seubersdorf in der Oberpfalz

Waldkirchen ist ein Ortsteil von Seubersdorf in der Oberpfalz, einer Gemeinde im Landkreis Neumarkt im Oberpfälzer Jura in der Oberpfalz. Waldkirchen ist wohl der älteste Ort der Großgemeinde und die höchstgelegene Pfarrei im Bistum Eichstätt.

Waldkirchen
Koordinaten: 49° 7′ 48″ N, 11° 33′ 12″ O
Höhe: 571 m ü. NHN
Einwohner: 24 (31. Dez. 2016)
Postleitzahl: 92358
Vorwahl: 08460
Waldkirchen – St. Peter und Paul
Waldkirchen – St. Peter und Paul

Emmeramer Mönche errichteten zwischen 800 und 900 n. Chr. die erste Kapelle auf dem „Petersberg“, welche bis zum Jahr 1007 zum Bistum Regensburg gehörte. Seit dem Jahr 1017 ist die Kapelle dem Bistum Eichstätt zugehörig. Bereits 1053, bei der ersten Kircheneinweihung, wurde Waldkirchen von Kaiser Heinrich III. das Marktrecht (Peterstag) verliehen.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geografische LageBearbeiten

 
Waldkirchen von oben

Der Ort liegt etwa 20 km südöstlich von Neumarkt i.d.OPf auf dem 571 m hohen Petersberg im Oberpfälzer Jura, eigentlich nur ein größerer, teilweise freistehender steiler Hügel, der seine Umgebung kaum einmal 70 m überragt. Da er aber von allen Seiten weithin sichtbar ist, ist er mit dem spitzen Kirchturm zu einem Wahrzeichen der Gegend geworden.[2] Waldkirchen ist ein Ortsteil der Gemeinde Seubersdorf und liegt 2 km westlich der Staatsstraße St 2251 von Berching nach Seubersdorf.

KlimaBearbeiten

Durch seine Lage in Mitteleuropa befindet sich Waldkirchen in der kühlgemäßigten Klimazone. Dabei liegt das Dorf im Übergangsbereich zwischen dem feuchten atlantischen und dem trockenen Kontinentalklima.


Durchschnittliche Temperatur- und Niederschlagswerte
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 1 2 7 12 17 21 22 22 18 12 5 2 Ø 11,8
Min. Temperatur (°C) −5 −4 -1 2 7 10 11 11 8 4 0 −3 Ø 3,4
Niederschlag (mm) 54 45 51 52 74 91 89 84 60 51 53 58 Σ 762
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
1
−5
2
−4
7
-1
12
2
17
7
21
10
22
11
22
11
18
8
12
4
5
0
2
−3
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
54
45
51
52
74
91
89
84
60
51
53
58
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

GeschichteBearbeiten

Bereits der Name Waldkirchen lässt erahnen, dass es sich um Wald und Kirche handelt. Es wurde Wald gerodet um eine Kirche zu bauen. Die erste Kirche stand bereits um 800 auf dem 571 m hohen Petersberg, wahrscheinlich aus dem Holz des umgebenden Waldes gebaut.[3]

Heimatforscher sehen Anzeichen dafür, dass das erste Gotteshaus schon im 8. Jahrhundert, in der „vorwillibaldinischen“ Zeit erbaut wurde und wahrscheinlich an der Stelle einer germanischen Kultstätte steht. Die Pfarrei, die von Anfang an die Apostelfürsten Petrus und Paulus als Patrone hatte, gehört zu den Urpfarreien im Bistum. Schon um 1000 stand hier eine Steinkirche, die bald zum Ziel von Bittgängen aus den Orten der Umgebung wurde und sich zur Wallfahrtsstätte entwickelte. Dadurch trat sie immer stärker ins Bewusstsein der Menschen, und bald setzte sich synonym für Waldkirchen der Name „Petersberg“ durch.[4]

Bis 1007 hat Waldkirchen vermutlich zum Regensburger Kloster Sankt Emmeram gehört, es kam dann zum neu errichteten Bistum Bamberg und kurz darauf zum Bistum Eichstätt. Ein wichtiges Jahr in der Geschichte dürfte das Jahr 1053 gewesen sein. In einer Urkunde, datiert auf den 6. Juni 1053, wird Waldkirchen erstmals erwähnt und erhält unter dem Eichstätter Bischof Gebhardt I. das Marktrecht. Dieses Recht wird bis heute am jährlich stattfindenden Kirchweihmarkt ausgeübt.[5]

Die Kirche St. Peter und Paul wurde schon immer als Wallfahrtskirche bezeichnet, wenngleich die Bedeutung der Wallfahrt nach der Säkularisation um 1802 zum Erliegen kam. Geblieben ist die Dekanatswallfahrt, einmal im Jahr. Außer der Pfarrkirche besaß Waldkirchen schon sehr früh eine Schule. Die beiden Schulhäuser von 1889 und 1963 stehen noch, ein Vorgängerbau stand an der Stelle des heutigen Kriegerdenkmals. Zu Kirche, Schule und einigen Bauernhöfen gab es stets die Pfarrökonomie auf dem Petersberg, die der Pfarrer betreiben musste um für seinen Unterhalt zu sorgen. Neben den heute noch vorhandenen Pfarrhöfen von 1874 und 1970 stand der frühere Pfarrhof dicht nördlich an der Pfarrkirche (heute Nebengebäude).[3]

Bis zum 31. Dezember 1975 gehörte Waldkirchen zur Einheitsgemeinde Hermannsberg und wurde am 1. Januar 1976 nach Ittelhofen umgegliedert. Am 1. Juli 1976 kam Ittelhofen mit Waldkirchen zu Seubersdorf in der Oberpfalz.[6]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und PaulBearbeiten

 
Innenraum St. Peter und Paul

Die Pfarrkirche gehört als katholische Kirche zum Dekanat Neumarkt und damit zum Bistum Eichstätt. Die Kirche ist den Aposteln Petrus und Paulus geweiht und feiert ihr Patrozinium am 29. Juni. Sie ist mit D-3-73-160-24 als Baudenkmal geschützt.[7]

Das Langhaus entstand im späten 17. Jahrhundert. Die ältesten Grundmauern des Turmes stammen noch aus der Zeit um 1600. 1762 wurde der Turm neu errichtet. Die Hl. Kreuz Kapelle wurde vermutlich Ende des 18. Jahrhunderts nördlich angebaut. 1922 wurde das Langhaus (mit Empore und Orgel) nach Westen erweitert.

Im Langhaus der Kirche finden sich drei barocke Deckenbilder, 1967 teilweise von Walter Scheidemandel übermalt. Von ihm und aus der gleichen Zeit stammt auch das Deckenbild über der Orgel als Neuschöpfung; es stellt die Hl. Cäcilia dar.

Die barocken Bilder zeigen die folgenden Szenen:

HochaltarBearbeiten

 
Altarbild "Abschied der Apostel Peter und Paul", Jakob Dorner 1788

Viersäuliger Altar des Barock mit frühklassizistischem Tabernakel. In den sanft geschwungenen Seitenteilen finden sich Reliquienschaukästen. Auf dem Gebälk brennende Urnen. Im Altarauszug plastische Darstellung des Gottesauges. Seitlich zwischen den Säulen zwei rundplastische Rokokostatuen mit dem Hl. Johannes Evangelist und Jakobus Minor. Das bemerkenswerte Altarbild zeigt den Abschied der Apostel Petrus und Paulus vor ihrem Martyrium, gemalt vom Münchner Galeriedirektor Johann Jakob Dorner d. Ä. 1788.

MarienaltarBearbeiten

Schlichtes spätbarockes zweisäuliges Ädikularetabel („Nischenaltar“) mit geschnitzter Bekrönung aus Bandwerk und Akanthusranken. In der großen Mittelnische Maria als Himmelskönigin, spätbarocke Statue. Auf dem Altarauszugsbild Darstellung des Hl. Ignatius von Loyola.

Rechter SeitenaltarBearbeiten

Altar in ähnlicher Ausführung wie Marienaltar mit Nazarener-Anbetung aus dem späten 19. Jahrhundert, das die Anbetung der Hirten zeigt. Im Auszugsbild Halbfigurendarstellung des Hl. Franz Xaver.

Heilig-Kreuz-AltarBearbeiten

Klassizistisches zweisäuliges Ädikularetabel im noch traditionellen barocken Aufbau. Der Vorgänger dieses Altares wurde 1765 im Langhaus errichtet. Das große Altarblatt von beachtlichem künstlerischem Niveau stellt die Kreuzigung Christi dar, mit den Trauernden Johannes, Maria und Maria Magdalena. In den Seitenteilen Ovalbilder mit der Darstellung der Geißelung und Dornenkrönung Christi. Die Architektur des Altares ist alabasterweiß gefasst, die Ornamente sind vergoldet.

MariensäuleBearbeiten

 
Mariensäule vor dem Pfarr- und Jugendheim

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • G. Schneeberger, A. Wolfsteiner: Waldkirchen genannt Petersberg. Kirchenverwaltung Waldkirchen, Waldkirchen: Selesianer Druck 1994.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Waldkirchen (Seubersdorf) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ittelhofen, Gemeinde Seubersdorf. Website Gemeinde Seubersdorf i.d.OPf. Abgerufen am 11. Juni 2015.
  2. Auf uralten Wallfahrtswegen. Kulturwanderungen. Abgerufen am 11. Juni 2015.
  3. a b Michael Kühnlein: Wallfahrtskirche St. Peter & Paul auf dem Petersberg. Eintrag in der Datenbank des Oberpfälzer Kulturbundes (derzeit nicht erreichbar)
  4. Auf uralten Wallfahrtswegen. Kulturwanderungen. Abgerufen am 11. Juni 2015.
  5. Ittelhofen, Gemeinde Seubersdorf. Website Gemeinde Seubersdorf i.d.OPf. Abgerufen am 11. Juni 2015.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 649 und 650.
  7. Denkmäler in Seubersdorf (pdf)