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Wald-Bingelkraut

Art der Gattung Bingelkräuter (Mercurialis)
Wald-Bingelkraut
Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis)

Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis)

Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae)
Gattung: Bingelkräuter (Mercurialis)
Art: Wald-Bingelkraut
Wissenschaftlicher Name
Mercurialis perennis
L.

Das Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis), auch Wildhanf genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Bingelkräuter (Mercurialis) innerhalb der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae).

Inhaltsverzeichnis

BeschreibungBearbeiten

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Das Wald-Bingelkraut wächst als mehrjährige (plurienn-hapaxanth) krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 15 bis 30 Zentimetern. Obwohl zu den Wolfsmilchgewächsen gehörend, besitzt sie keinen Milchsaft. Sie hat einfache, vierkantige, am oberen Abschnitt beblätterte Stängel (unten nur mit Schuppenblättern). Die Laubblätter sind deutlich gestielt, elliptisch bis länglich-eiförmig und etwa dreimal so lang wie breit.

Die Blütezeit reicht von April bis Mai. Das Wald-Bingelkraut ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), es gibt also weibliche und männliche Pflanzen mit entweder weiblichen oder männlichen Blütenständen. Die Blüten sind klein, grün und reduziert. Die männlichen Blüten haben zahlreiche Staubblätter.

Die Früchte sind zwei- bis dreifächrige Kapselfrüchte mit einsamigen Teilfrüchten.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 42 oder 64-66.[1]

ÖkologieBearbeiten

 
Habitus im Habitat

Das Wald-Bingelkraut ist ein Rhizom-Geophyt, der im atlantischen Klima möglicherweise wintergrün ist. Es findet reichlich vegetative Vermehrung durch verzweigte Ausläufer statt, weswegen männliche und weibliche Pflanzen oft getrennt stehen. Beim Trocknen beispielsweise im (Herbarium) nehmen die Pflanzenteile gewöhnlich durch Bildung von Indigo einen blauschwarzen Metallglanz an. Seine Blätter riechen unangenehm.

Die Blüten sind eingeschlechtig und riechen durch Amine fischartig. Die Bestäubung Insekten und durch den Wind bestäubt. Die Art ist windblütig.

Die Entwicklung von Samen ist auch bei ausbleibender Bestäubung möglich (Apomixis).

Verbreitung und StandortBearbeiten

 
Für das Wald-Bingelkraut typisches Auftreten in großen Beständen

Das Wald-Bingelkraut ist in Europa und Vorderasien verbreitet.

Man findet es häufig und gesellig in krautreichen Buchen- und Nadelwäldern, auch in Eichen- und Eschenauenwäldern oder in Hochstaudenfluren. Es bevorzugt feuchten, nährstoff- und basenreichen, lockeren Boden an eher schattigen Standorten. Es zeigt Sickerwasser an. In Lehm- und Kalkgebieten tritt es oft in großen Gruppen auf. Nach Ellenberg ist es ein Stickstoffzeiger und eine Ordnungscharakterart der Edellaub-Mischwälder und verwandter Gesellschaften (Fagetalia sylvaticae).

Das Wald-Bingelkraut steigt in den Allgäuer Alpen am Südhang des Kegelkopfs in Bayern bis in Höhenlagen von 1850 Metern auf.[2]

TaxonomieBearbeiten

Die Erstveröffentlichung von Mercurialis perennis erfolgte durch Carl von Linné. Der Gattungsname Mercurialis leitet sich ab vom Gott Merkur, der angeblich die Heilkräfte des Bingelkrauts entdeckt haben soll.[3]

BesonderheitenBearbeiten

An dieser Art entdeckte Rudolf Jacob Camerarius 1694 in Tübingen die Sexualität der Pflanzen.

Medizinische BedeutungBearbeiten

HeilwirkungBearbeiten

Die abführende Wirkung ist belegt.[4] Als Heilpflanze wird Wald-Bingelkraut heute selten verwendet.

GiftigkeitBearbeiten

Alle Pflanzenteile haben zur Fruchtreife den höchsten Wirkstoffgehalt. Das getrocknete Kraut soll ohne Wirkung sein. Die ganze Pflanze gilt insgesamt als wenig giftig.

Hauptwirkstoffe sind Saponine, Methylamin, Trimethylamin.

Vergiftungserscheinungen: Die Wirkung als Abführmittel ist den Saponinen zuzuschreiben. Vergiftungen beim Menschen sind kaum zu erwarten.

Durch die Aufnahme von Mercurialis-Arten kann es bei Pferden, Schweinen und Wiederkäuern zu einer Gastroenteritis und Schädigung der Nieren und der Leber kommen. Als Symptome treten vielfach erst nach Tagen auf: Speichelfluss, Fresslust, Teilnahmslosigkeit, Stöhnen, als charakteristisches Merkmal Torticollis (schiefe Halsstellung), steigende, dann sinkende Temperatur, Rotblaufärbung des Harns (bei Wiederkäuern auch der Milch), pochender Herzschlag mit frequentem, kleinen Puls, zunehmende Schwäche. Auch der Tod kann eintreten.

LiteraturBearbeiten

  • Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  • Dankwart Seidel: Blumen. Treffsicher bestimmen mit dem 3er-Check. 2. durchgesehene Auflage. blv, München/Wien/Zürich 2001, ISBN 3-405-15766-8.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Portrait. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  • Ingrid und Peter Schönfelder: Das neue Buch der Heilpflanzen. Franckh-Kosmos Verlag, 2011, ISBN 978-3-440-12932-6.
  • Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen Pflanzengifte. Vorkommen, Wirkung, Therapie. Allergische und phototoxische Reaktionen. Mit Sonderteil über Gifttiere. 6., überarbeitete Auflage. Nikol, Hamburg 2012, ISBN 978-3-86820-009-6.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001, ISBN 3-8001-3131-5, Seite 634.
  2. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 187.
  3. Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. Birkhäuser, Basel/Stuttgart 1976, ISBN 3-7643-0755-2, S. 244.
  4. L. Roth et al.: Giftpflanzen - Pflanzengifte - Giftpflanzen von A-Z, Notfallhilfe, Allergische und Phototoxische Reaktionen. 5. erweiterte Auflage. Nikol-Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-86820-009-6, S. 495+496.

WeblinksBearbeiten