Wülfer-Bexten

Ortsteil von Bad Salzuflen

Wülfer-Bexten ist ein Ortsteil der Stadt Bad Salzuflen im nordrhein-westfälischen Kreis Lippe in Deutschland.

Wülfer-Bexten
Koordinaten: 52° 2′ 23″ N, 8° 42′ 21″ O
Höhe: ca. 90 m ü. NHN
Fläche: 7,74 km²
Einwohner: 1791 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 231 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1969
Postleitzahl: 32107
Vorwahl: 05222
Karte
Lage von Wülfer-Bexten in Bad Salzuflen
Waldkrug, Bexten

GeschichteBearbeiten

WülferBearbeiten

Die erste schriftliche Erwähnung von Wülfer als Uuluingeri wird auf das 11. Jahrhundert datiert.

BextenBearbeiten

Für Bexten als Bikesethon (später Bykeseten und Bekeseten, eventuell von Byke = Bieke/Bach) wird die erste schriftliche Erwähnung auf den 25. Mai 1036 datiert.[2] In einer Schenkungsurkunde des Paderborner Bischofs Meinwerk (Amtszeit: 1009 bis 1036) überträgt dieser Bexten mit den drei Vorwerken Ekama (Eikmeier), Hyse (Heerse) und Unrikissen (Hündersen) dem neu gegründeten Kloster Busdorf.[3]

Bexten war ab Ende des 14. Jahrhunderts der Sitz des Amtsmeiers. 1524 ließ der Meier zu seinem Hof eine Wassermühle errichten und erhielt die Mahlgerechtigkeit. Der Hof wurde später zu einem Gräftenhof (durch einen Wassergraben geschützt) ausgebaut, 1708 kommt eine Schmiede hinzu. 1731 wird der Amtsmeierhof durch ein Feuer vernichtet und 1771 von Hermann Adolf Meier an das Haus Lippe in Detmold verkauft.

Erst Ende des 18. Jahrhunderts entwickelten sich selbständige landwirtschaftliche Besitzungen um den Amtsmeierhof, 1788 lebten 204 Menschen in Bexten. 1821 wurde die Kruggerechtigkeit erteilt und ab dann im Waldkrug eine Schankwirtschaft betrieben. 1856 wurde der Amtsmeierhof abgerissen und im Jägerhaus eine Nebenschule eingerichtet, drei Jahre später das neue Schulhaus eingeweiht; es diente den Kindern bis 1966 als erste Bildungseinrichtung. 1985 wurde in Bexten die erste Poststelle eröffnet.

Wülfer-BextenBearbeiten

Am 1. April 1920 wurde die Gemeinde Wülfer, als die Meierei Bexten hinzukam, in Wülfer-Bexten umbenannt.[4] Bis zur Eingemeindung nach Bad Salzuflen am 1. Januar 1969[5] war Wülfer-Bexten eine selbstständige Gemeinde im Kreis Lemgo.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 1788 1860 1939 1962 1969
Einwohner 204 813 993 1547 1631

ReligionBearbeiten

Die evangelisch-reformierte Gemeinde in Wülfer-Knetterheide umfasst einen Pfarrbezirk. Die Kirche steht in der Nordstraße. Die Katholiken des Ortsteils gehören zur Gemeinde St. Kilian in Schötmar.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

BaudenkmälerBearbeiten

Folgende Bauwerke in Wülfer-Bexten sind in der Denkmalliste der Stadt Bad Salzuflen eingetragen; Grundlage für die Aufnahme war das Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW):

  • Haus, Bextener Straße 6; das laut Inschrift 1600 errichtete Dreiständer-Fachwerkgebäude war Teil des ehemaligen Amtsmeierhofs (Denkmalnummer 23 / Aufnahme: 1987)
  • Historisches Standesamt, Bextener Straße 3; das Fachwerkgebäude war ebenfalls Teil des Amtsmeierhofs (94 / 1989)

TanzlindeBearbeiten

 
Die über 500 Jahre alte Tanzlinde

In Bexten steht eine über 500 Jahre alte Tanzlinde, wegen ihrer Form auch als Stufenlinde bezeichnet.[6] Sie ist die „einzige, noch lebende Zeugin“ der wechselvollen Geschichte des Amtmeierhofs. Ob hier neben vielen Festen auch sogenannte Femegerichte stattgefunden haben, ist urkundlich nicht überliefert.

VogellehrpfadBearbeiten

Im Bexter Wald, nördlich der Straße Dornenkamp, wurde 1974, angeregt vom ehemaligen Revierförster Tiemann (1920–1976), der „Vogellehrpfad Bexter-Wald“ angelegt. An dem etwas mehr als anderthalb Kilometer langen Rundweg finden Naturliebhaber und Ornithologen an aufgestellten Tafeln Informationen zur heimischen Vogelwelt und Natur.[7][8]

PersönlichkeitenBearbeiten

Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder lebte von 1945 bis 1956 in Bexten und besuchte die dortige Volksschule.[9][10]

LiteraturBearbeiten

  • Hunke, Dieter: Bexten – die Geschichte eines 950 Jahre alten Dorfes, in: Heimatland Lippe 1986, S. 267–273 Digitalisat

WeblinksBearbeiten

Commons: Wülfer-Bexten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bad Salzuflen: Statistik/Bevölkerung. Abgerufen am 23. August 2017.
  2. Birgit Meineke: Die Ortsnamen des Kreises Lippe. (= Westfälisches Ortsnamenbuch Band 2). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-89534-842-6, S. 69 und 537. (PDF)
  3. Dieter Hunke: Bexten – die Geschichte eines 950 Jahre alten Dorfes in: „Heimatland Lippe“ – Zeitschrift des Lippischen Heimatbundes und des Landesverbandes Lippe, Nr. 9/1986, Detmold, S. 267ff; abgerufen am 1. Mai 2020.
  4. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817 – 1967. Aschendorff, Münster (Westfalen) 1977, ISBN 3-402-05875-8.
  5. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 69.
  6. baumkunde.de: Tanzlinde in Bexten
  7. Vogellehrpfad Bexter-Wald bei www.lipperland.de, abgerufen am 1. Mai 2020.
  8. 40 Jahre Vogellehrpfad bei www.lz.de, abgerufen am 1. Mai 2020.
  9. Lippische Landeszeitung: Gerhard Schröder ist Ehrengast in Bexten. Abgerufen am 9. Oktober 2018.
  10. LZ: Einziger Junge inmitten strickender Mädchen. Abgerufen am 9. Oktober 2018.