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Wörth (Staffelsee)

Insel im Staffelsee in Bayern, Deutschland

Die Insel Wörth ist die größte und einzige dauerhaft bewohnte Insel im Staffelsee, mit einer Fläche von 39,5 ha (genau 395.120 m²) und einer Bevölkerung von etwa fünf Menschen.

Wörth
Der Staffelsee (Wörth liegt links von der Mitte)
Der Staffelsee (Wörth liegt links von der Mitte)
Gewässer Staffelsee
Inselgruppe 7 Inseln
Geographische Lage 47° 41′ 5″ N, 11° 9′ 55″ OKoordinaten: 47° 41′ 5″ N, 11° 9′ 55″ O
Wörth (Staffelsee) (Bayern)
Wörth (Staffelsee)
Länge 1,2 km
Breite 650 m
Fläche 39,512 ha
Höchste Erhebung 680 m ü. NHN
Einwohner 5
13 Einw./km²
Hauptort Wörth
Karte des Staffelsees Jakobsinsel zur Insel Wörth
Karte des Staffelsees

Jakobsinsel zur Insel Wörth

Das Bild von etwa 1770 zeigt den Steg über die sehr kleine Jakobsinsel
Auch diese historische Karte zeigt den Steg

GeographieBearbeiten

Wörth ist gleichzeitig auch der Name des entsprechenden kleinsten Ortsteils der Gemeinde Seehausen am Staffelsee, zu der die Insel gehört. Die Insel wird landwirtschaftlich genutzt. Die Weidewirtschaft (Rinder) wurde 2005 vom Inselbauern aus Altersgründen aufgegeben und wird vom Nachfolgepächter nicht fortgeführt. Im Dezember 2005 wurde deshalb eine Herde von neun Heckrindern zur Landschaftspflege (als „natürliche Rasenmäher“) mit einer Fähre auf die Insel gebracht, um die 36 Hektar Forst- und Weideflächen (16 ha Weide, 14 ha Forst, 6 ha Wald und Mähwiese) vor dem Verbuschen zu bewahren. Die Tiere leben ganzjährig frei auf der Insel. Ein Elektrozaun mit einer Spannung von 8.000 Volt soll verhindern, dass sie sich im Winter auf den zugefrorenen See begeben. Die Herde soll auf maximal 20 Tiere anwachsen.[1][2]

Die höchste Erhebung misst 682 m ü. NN (33 m über dem Seespiegel). Auf der Insel befindet sich ein landwirtschaftliches Gebäude (Ökonomiegebäude, bewohnt von einer Familie), ein Herrenhaus oder Gutshof (Schloss, von der bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung privat verpachtet, bewohnt von einem Hausmeisterehepaar) sowie die 1838 von Joseph von Utzschneider als Ersatz für die abgebrochene Klosterkirche gestiftete Simpertkapelle (St. Bonifatius), die im Herbst 1999 nach aufwendigen Renovierungsarbeiten wiedereröffnet wurde und wo seitdem regelmäßige Gottesdienste stattfinden. Alle drei Gebäude sind denkmalgeschützt. Sehr beliebt ist die Kapelle auch für Hochzeiten oder für Taufen von Bewohnern von Seehausen.

Die Insel Wörth wird für Gruppen ab 20 Personen ab der Anlegestelle Seehausen (Nordufer der Halbinsel Burg) von der MS Seehausen angefahren. Überfahrten erfolgen nur nach vorheriger Absprache bzw. Reservierung. Die Überfahrt führt südlich an der Jakobsinsel vorbei. Die Entfernung beträgt nur rund 600 Meter.

Für Verwaltung und Pflege ist die Schloss- und Gartenverwaltung Linderhof zuständig.

GeschichteBearbeiten

Bereits zur späten Bronzezeit im 2. Jahrhundert vor Christus wurde nachweislich die schützende Lage der Insel Wörth gesucht. Deutliche Spuren hinterließen aber erst die Römer im 4. und 5. Jahrhundert nach Christus. Reste einer Schutzmauer zur Abwehr der Germanen zeugen von einer ländlichen Siedlung auf der Insel. Vermutlich entstanden zur gleichen Zeit die ersten Bauwerke am Festland.

Im 7. Jahrhundert errichtete ein bajuwarischer Adeliger einen Hof auf der Insel mit einer kleinen Kapelle. Diese wurde mit dem Bau des Karolingischen Klosters im 8. Jahrhundert zerstört. Von der reichen Ausstattung des Klosters zeugt erhaltenes Inventar (Staffelsee-Inventar). Die Bauern am Festland unterstanden fortan diesem Kloster Staffelsee.

Im 11. Jahrhundert wurde das Kloster aufgelöst und aus der Klosterkirche wurde die Pfarrkirche für zehn Orte in der näheren Umgebung. Um das Gotteshaus auf der Insel ohne Boot erreichen zu können, baute man vom Festland einen Holzsteg von Seehausen über St. Jakob (Jakobsinsel, die kleinste der sieben Staffelsee-Inseln) bis zur Insel Wörth, wie ein Bild aus dem Jahr 1770 deutlich zeigt. Die Stegpfosten sind noch unter Wasser sichtbar. An ihnen haben sich Süßwasserschwämme angesiedelt (s. unten).

Durch eine Schenkung Kaiser Ludwig des Bayern kam der Staffelsee 1330 zum Kloster Ettal. Die Seehauser Fischer und die meisten Bauern in Seehausen unterstanden nun bis Säkularisation 1803 dem Gericht Murnau des Klosters.

1773 wurde die Inselpfarrkirche mit ihrer bemerkenswerten barocken Ausstattung in den Ort Seehausen überführt,[3] nachdem der Weg über den Steg als beschwerlich angesehen wurde und da itzt der Steg vom Sturme brach.[4]

1935 wurde die Tradition begründet, die Fronleichnamsprozession von Seehausen (Pfarrkirche St. Michael) aus mit blumengeschmückten Booten und Kähnen zur Insel Wörth (Simpertkapelle) durchzuführen.

Ende September 2005 wurde um die Kapelle ein archäologischer Park eröffnet mit Infotafeln über die zweitausendjährige Geschichte der Insel, die die Mauern und Umgriffe der ehemaligen Frühkirchen, der Kloster- und der Pfarrkirche aufzeigen. Archäologische Grabungen wiesen nach, dass sie schon vor langer Zeit von Menschen besiedelt war. Es gibt schon Spuren aus römischer Zeit. Im 8. Jahrhundert kam es zur Gründung des Klosters Staffelsee, das im 11. Jahrhundert aufgelöst wurde.

ÖkologieBearbeiten

Im Sommer 2003 wurde an den alten Stegpfosten der Süßwasserschwamm Spongilla lacustris entdeckt, der in Europa nur selten vorkommt. In Fachbüchern wird die Art nie größer als 30 cm aufgeführt, im Staffelsee hingegen erreicht sie mehr als Mannesgröße.[5][6][7]

LiteraturBearbeiten

  • Brigitte Haas-Gebhard: Archäologische Ausgrabungen auf der Insel Wörth im Staffelsee. In: Dedicatio. Hermann Dannheimer zum 70. Geburtstag (= Kataloge der Prähistorischen Staatssammlung. Beiheft 5). Michael Lassleben, Kallmünz (Opf.) 1999, S. 140–161.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Auerochsen auf der Insel Wörth (Memento des Originals vom 11. Mai 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/xn--insel-wrth-kcb.de
  2. Das Auerochsen-Projekt auf der Insel Wörth (Memento vom 10. November 2011 im Internet Archive), Sendung des Bayerischen Rundfunks vom 5. August 2011, mp3, ca. 28 Min.
  3. Seehausen am Staffelsee: Geschichte
  4. Stanislaus Aloysius Kaiser: Beschreibung der Translocation der Pfarrkirche von Staffelsee nach Seehausen. 1773, S. 18.
  5. Portrait: Heimische Raritäten. Urtümlich, weich und zäh. BUNDmagazin [1-03 (Memento des Originals vom 11. März 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bund.net, Seite 40] (PDF; 1,2 MB)
  6. Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit: Umweltobjektkatalog: Spongilla lacustris – Staffelsee
  7. Staffelseeschifffahrt: Süßwasserschwamm

WeblinksBearbeiten